Lost in Books – Fundstücke der Vergangenheit

Für die einen erscheinen diese Exponate wie ein Sammelsurium gewöhnlicher Alltagsgegenstände: veralte Fristzettel, die die Leser*innen einst an das Ende der Leihfrist erinnern sollten, Postkarten, die nach ihrer Ankunft als Lesezeichen verwendet wurden oder Verlagsbeilagen, welche die Bibliothek auf aktuelle Neuerscheinungen aufmerksam machen sollten. Für die anderen wiederum mögen diese Dinge, die dem Anschein nach so unbedacht in den verliehenen Büchern der Staatsbibliothek vergessen wurden, eine Geschichte erzählen. Egal, ob es sich dabei um Gegenstände handelt, die den Geschäftsgang der ehemals Preußischen Staatsbibliothek aufzeigen oder um persönliche Gegenstände, die Spuren der früheren Leserschaft bleiben in den Büchern erhalten. Wir wollen mit dieser Ausstellung einen Blick in die Vergangenheit werfen und aufzeigen, dass auch scheinbar unbedeutende Alltagsgegenstände von Interesse sein können.

Bibliotheksinterna

Leihfristzettel

100 Jahre Leihfristzettel – der hier zu sehende Zeitstrahl stellt die Geschichte der Staatsbibliothek und ihrer Ausleihe von 1909 bis 2008 dar. Die Leihfristzettel sind unter den Fundstücken am häufigsten vertreten und stammen aus nahezu jedem Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts.

Ein Großteil der gefundenen Leihfristzettel stammt aus den Beständen der ehemaligen Deutschen Staatsbibliothek, die sich zur Zeit der Teilung Berlins in der Deutschen Demokratischen Republik befand.

Die ältesten Funde entstammen der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts, in der die Staatsbibliothek unter dem Namen Königliche Bibliothek zu Berlin beziehungsweise Preußische Staatsbibliothek bekannt war.

Weiteres Geschäftsgangsmaterial

Ähnlich wie die Leihfristzetteln geben auch die Materialien aus dem Bereich der bibliothekarischen Geschäftsgangsabläufe einen Einblick in die Geschichte der Staatsbibliothek. Für die Nutzer*innen sind diese Materialien sonst nicht einsehbar und nur intern erkenn- und unterscheidbar.

An dieser Stelle präsentieren wir aus der Vergangenheit geborgene Geschäftsgangspapiere verschiedener Jahrzehnte. Dazu gehören zum Beispiel zwei Bestellscheine, die von Freiburg aus aufgegeben wurden, um an russischsprachige Literatur aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu gelangen.

Zu sehen sind auch Mahnungen und Passierscheine, die Nutzer*innen zum Mitbringen von in anderen Bibliotheken entliehenen Bänden in den Lesesaal berechtigten.
Interessant sind auch die zwei Markierungsstreifen aus der Buchbinderei der ehemaligen Deutschen Staatsbibliothek (Ost-Berlin), die mit Pflanzen- und Tiermotiven versehen sind. Bis in die 1980er-Jahre dienten sie dazu, Mitarbeiter*innen auf beschädigte oder von Schimmel befallene Bestände hinzuweisen.

Persönliches

Persönliche Gegenstände können im Alltag sehr schnell verloren gehen – auch unsere Nutzer*innen blieben und bleiben davon nicht verschont.
Verlorengegangene und nun wiedergefundene Gegenstände wie die Zeichnung eines Hybriden aus Frau und Kontrabass, oder etwa eine detaillierte Kinderzeichnung sind Beispiele für die kreativen Impulse von Nutzer*innen der Staatsbibliothek und ihrer Angehörigen.
Postkarten geben einen Einblick in die großen und kleinen Momente aus dem Leben der Nutzenden, die das Angebot der Staatsbibliothek in Anspruch nahm oder dies vielleicht noch heute tun.

Unter den Exponaten befinden sich auch zwei Fahrkarten, denen eine besondere historische Bedeutung innewohnt. Eine der Fahrkarten berechtigte zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im Ost-Berlin des Jahres 1956. Bei der anderen hingegen handelt es sich um eine Zugfahrkarte aus dem Jahr 1973 für die Strecke von Duisburg bis nach West-Berlin.

Verlagswerbung

Werbung begegnet uns auch heute noch jeden Tag – ob in Prospekten, Anzeigen oder beim Einkauf. Auch in Büchern aus dem Bestand der Staatsbibliothek ist derartiges zu entdecken, darunter vor allem Werbung aus dem Verlagswesen. Die unterschiedlichen Zettel, Broschüren, Heftchen und Karten zeigen uns, wie verschiedenartig Werbung aussehen kann und wie sich ihre Form mit den Jahren verändert hat.

In früheren Zeiten war es zum Beispiel üblich, dass Verlage handschriftliche Anfragen verfassten und diese an Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen versandten. Auf diese Weise bat man darum, Neuerscheinungen zu rezensieren und zu bewerben.

Die hier ausgestellte Verlagswerbung, vor allem die des weithin bekannten Reclam-Verlags, weist zudem darauf hin, welche Art von Literatur im letzten Jahrhundert besonders gefragt war.

Diese virtuelle Ausstellung wurde erstellt von: Vanessa Brittner, Dennis Goldhahn, Malwa Grosse, Susanna Kahlau, Max Vogt und Lara Szymanowsky.