ENTFÄLLT: »Vom Murmeltier zur Großen Fuge – wie ich lernte, Beethoven zu lieben«

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Theodor-Fontane-Saal
    Unter den Linden 8
    10117 Berlin

  • Anfahrt

    S + U Friedrichstraße
    U Französische Straße

    Bushaltestelle
    H Friedrichstraße (Bus 147)
    H Staatsoper (Bus 100, 200, TXL)

  • Alle Veranstaltungen

    Klicken Sie hier um zu einer Übersicht unserer Veranstaltungen zu gelangen.

Vortrag am 26. März 2020
im Rahmen der Ausstellung  „Diesen Kuß der ganzen Welt! Die Beethoven‑Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin“

Begrüßung
Nancy Tanneberger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Ausstellungsprojekt „Diesen Kuß der ganzen Welt!“ – Die Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin

Vortrag
Prof. Hartmut Fladt
Komponist und Musikwissenschaftler

Hinweis COVID-19:
Basierend auf den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ist das Risiko der Veranstaltung derzeit als moderat eingestuft. Wir behalten uns bei neuen Entwicklungen kurzfristige Änderungen vor.

»Vom Murmeltier zur Großen Fuge – wie ich lernte, Beethoven zu lieben«

La Marmotte, ein Lied meiner Kindheit, ist kein Kinderlied, sondern primär ein Lied über Kinder. Arme Bergbauernkinder aus Savoyen, sogenannte „Krätzekinder“, wurden im 18. Jahrhundert mit dressierten Murmeltieren über die Jahrmärkte Europas geschickt und ernährten so ihre Familien. Das humorig-Pittoreske hat eine bittere soziale Grundlage. Beethoven befand das kleine Lied mit Goethes Text in seiner „noble simplicité“, seiner „edlen Einfalt“ als würdig, eine Opusnummer zu tragen.

Solche produktiven Widersprüche machten und machen meine Beschäftigung mit Beethoven immer wieder lebendig: auch der „homo politicus“ war nicht einfach der mit dem denkmalgemeißelten trutzigen Blick und energisch vorgeschobenem Kinn und rechtem Fuß, sondern er begegnete den „detestablen“ (Goethe) Welt-Verhältnissen ebenso mit wachem „Witz“, Ironie und Humor, auch in seinen Werken.

Ebenso wie seine Jubiläumsgenossen Hegel und Hölderlin ist der „250er“ Beethoven ein aufklärerisch geprägter Dialektiker, der selbstbestimmtes Handeln in seiner Kunst gelebt und demonstriert hat – trotz aller Verrate an den Ideen der Französischen Revolution.

Mein Vortrag möchte – auch auf der Basis der hier in der Ausstellung gezeigten Autographe – einen sehr persönlichen Weg nachzeichnen, wie ich lernte, Beethoven nicht nur zu achten, sondern ihn mit all seinen Widersprüchen, auch in seinen Kompositionen, zu verstehen und sogar zu lieben. Witz, Ironie und Humor sollen dabei nicht zu kurz kommen.

Foto: Prof. Hartmut Fladt, Komponist und Musikwissenschaftler

Prof. Dr. Hartmut Fladt, aus Detmold, studierte dort Komposition (Rudolf Kelterborn), dann Musikwissenschaft in Berlin; Promotion bei Carl Dahlhaus. Editor bei der Richard-Wagner-Gesamtausgabe; Professuren: Universität der Künste Berlin und Musikuniversität Wien (Musiktheorie). Habilitation Musikwissenschaft. Editionsleiter der Hanns-Eisler-Gesamtausgabe. Ca. 95 Veröffentlichungen über Musik des 13. – 21. Jhs, auch zur Popularmusik. Komponierte Kammer-, Chor-, Orchester-, elektroakustische Musik, Bühnenwerke, Lieder, kabarettistische und „angewandte Musik“ für Laien.