Die Ukraine in Flammen: Isaak Babels erschütternder Prosazyklus „Die Reiterarmee“
Die Ukraine in Flammen: Isaak Babels erschütternder Prosazyklus „Die Reiterarmee“
Vortrag von Bettina Kaibach mit Lesung von Maria Hartmann
Eine Veranstaltung in der Reihe (Fast) frisch aus der Druckerpresse – Neuerscheinungen 1926
1926 erschien Isaak Babels Prosazyklus Die Reiterarmee. Die Skizzen aus dem polnisch-sowjetischen Krieg, den Babel als embedded journalist miterlebte, machten den jüdischen, im ukrainischen Odessa geborenen und auf Russisch schreibenden Autor auch außerhalb der Sowjetunion schlagartig berühmt. Kurt Tucholsky schrieb in der Weltbühne über das Buch: „Ich und mein Kater […] haben es schon dreimal gelesen und nicht schlecht dabei geschnurrt.“ Dabei ist Die Reiterarmee mitnichten ein behagliches Buch. Wie kein anderer vermochte Babel die Widersprüche der Revolution, in deren Namen er mit der Roten Kavallerie in den Krieg zog, ins Bild zu fassen: hier die utopische Verheißung einer besseren Welt, dort das ungeheure Leiden, mit dem die Zivilbevölkerung für das vermeintliche Glück bezahlte.
Für die hereinbrechende neue Welt eine neue Sprache zu finden, sah Babel als seine schriftstellerische Aufgabe an, eine Sprache, die geprägt ist durch Intensität des Erlebnisses, poetische Dichte und bedrängende Bildkraft. Dass die Reiterarmee durch die bloodlands der geschundenen Ukraine führt, verleiht dem Text eine neue, bedrängende Aktualität. Umso stärker wirkt das Plädoyer für die Menschlichkeit, das Babel dem berühmt gewordenen jüdischen Händler Gedali in den Mund legt und das sich untergründig durch die gesamte Reiterarmee zieht.
Bettina Kaibach ist studierte Slavistin und Amerikanistin und lehrt seit 2007 am Slavischen Institut der Universität Heidelberg; sie ist zudem als Publizistin und Übersetzerin tätig. Im Carl Hanser Verlag veröffentlichte sie mit Urs Heftrich eine neu übersetzte Ausgabe des Gesamtwerks von Isaak Babel.
Um Anmeldung wird gebeten.
Während der Veranstaltung werden Bildaufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit der Staatsbibliothek zu Berlin angefertigt. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie der Veröffentlichung zu nichtkommerziellen Zwecken zu.
Alle Veranstaltungen der Reihe:
Donnerstag, 30. April 2026, 19 Uhr
Bücher stehlen, Literatur neu erfinden: Roberto Arlts „El juguete rabioso“
Monika Raič, Berlin
Donnerstag, 28. Mai 2026, 19 Uhr
Die Ukraine in Flammen: Isaak Babels erschütternder Prosazyklus „Die Reiterarmee“
Bettina Kaibach, Heidelberg
Donnerstag 25. Juni 2026, 19 Uhr
„Einander Traumlos nah“: Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“
Michael Scheffel, Wuppertal
Dienstag, 7. Juli 2026, 19 Uhr
Willa Cather’s „My Mortal Enemy“ („Mein ärgster Feind“) – eine Novelle des amerikanischen Modernismus
Amy Mohr, München
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