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Skulpturale Poesie – plastische Texte und Gedichtobjekte in experimenteller Literatur und bildender Kunst seit den 1960er Jahren

Veranstaltungsreihe Materialität von Schriftlichkeit | CC BY-NC-SA 3.0

Online-Werkstattgespräch mit Dr. Christoph Benjamin Schulz (Hochschule Düsseldorf)

Kontakt: Dr. Christian Mathieu

Die 1960er und 70er Jahre waren eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche. Soziale Normen und bürgerliche Konventionen wurden genauso auf den Prüfstand gestellt wie politische Autoritäten. Bildende Künstler*innen hinterfragten kreative Produktionsprozesse, traditionelle Werkbegriffe und etablierte Rezeptionsweisen. In der Literatur sind mit Visueller, Konkreter und Akustischer Poesie, mit Textfilmen und der frühen digitalen Poesie vergleichbar radikale Ansätze zu verzeichnen gewesen, die das Verständnis davon, was ein literarisches Werk ist, erweitern wollten.

Eine Facette der experimentellen Literatur dieser Zeit hat bisher wenig Aufmerksamkeit bekommen: Textskulpturen und skulpturale Texte – Gedicht-Objekte, die sich mit der plastischen Verräumlichung von Schrift und der Verdinglichung von Worten beschäftigen. Die Objekte sind entweder mit Texten beschrieben oder die Buchstaben selbst werden zu skulpturalen Formen. Wie bei den Figurengedichten in der Geschichte der Visuellen Poesie ist auch hier ein semantischer Bezug zwischen dem Text und seiner materiellen Erscheinung zu konstatieren, der über den optischen Reiz hinaus eine Steigerung der Bedeutung impliziert.

Indem dichterische Praxis und bildhauerische Konzeption bei solchen Gedichtobjekten ineinandergreifen, überwinden sie die Grenzen zwischen den Disziplinen. Die Skulpturale Poesie stellt eine ganz eigene Strategie der Erweiterung dichterischen Schaffens und der Konzeption literarischer Werke dar. Viele renommierte Vertreter*innen der experimentellen Poesie dieser Zeit, in Europa, in Osteuropa und in Südamerika, haben nicht nur mit der Verteilung von Schrift auf der Fläche des Papiers sondern auch mit von Buch und Druck unabhängigen plastischen Materialisierungen von Literatur experimentiert.

Der Vortrag steht im Kontext einer Doppelausstellung zur Skulpturalen Poesie im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig sowie im Zentrum für Künstlerpublikationen der Weserburg – Museum für moderne Kunst Bremen.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog
Weitere Termine der Wissenswerkstatt.

Zugangsdaten:

Virtuell via Webex:
https://spk-berlin.webex.com/spk-berlin/j.php?MTID=m023fd6d08c4e3722c4d9c00fac0feedd
Meeting-Kennnummer: 174 898 3739
Passwort: stRhjmP5J24

Der Vortrag wird aufgezeichnet. Durch Ihre Teilnahme an der Veranstaltung erklären Sie sich mit der möglichen Veröffentlichung von dabei entstandenem Bildmaterial einverstanden.