Bergbau als ‚Hülfsmittel der Natur‘. Georg Forsters Reise zwischen aufgeklärtem Utilitarismus und romantischer Ökologie, 1784

  • Termin

    Di, 2. Juli 2019
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Schulungsraum K3 im Lesesaal
    (Treffpunkt I-Punkt im Foyer)
    Potsdamer Straße 33
    10785 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestelle
    H Potsdamer Brücke (Bus M29)
    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)
    H Kulturforum (Bus M48)

Ludwig Richter: Das Amalgamierwerk in Halsbrücke. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Andreas Diesend. Inv.-Nr. A 130524

Werkstattgespräch mit Patrick Anthony, Vanderbilt University

Während in der Geschichtsschreibung zwei entgegensetzte Positionen vertreten werden, bleibt folgende Frage weiterhin offen: War die Jahrhundertwende um 1800 (mit ihren holistischen Naturanschauungen) der Ursprung moderner ökologischer Ansichten oder hat bereits die Aufklärung eine utilitaristisch-industrielle Denkart begründet, deren „Ökonomisierung der Natur“ zur heutigen Umweltkrise führte? So haben viele Historiker das Problem im Hinblick auf die Gegenwart ausgedrückt. Rückwärtsgewandt erscheint es ja paradox, dass die Generation von Denkern wie Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt auch eine Generation war, die sich leidenschaftlich für Ressourcengewinnung — besonders für den Bergbau — interessierte.

Wie sah die Nutzung der Natur aber aus der Perspektive eines Zeitgenossen aus? Um dieser Frage nachzugehen, begleitet der Vortrag den Reisenden Georg Forster (1754-1794) durch Bergbaulandschaften des Harzes und des Erzgebirges im Jahre 1784. Denn Forster war nicht nur der berühmteste deutsche „Weltumsegler“ seiner Zeit, sondern auch ein Verfechter des nützlichen Wissens, dessen Ehrfurcht vor Bergbaukunde bisher weitgehend vernachlässigt wurde. Basierend auf Forsters Reisetagebüchern und den Technologien, Landkarten und geologischen Manuskripten, mit denen er sich auf dem Weg beschäftigte, erläutert der Beitrag eine fremde Gefühlswelt. Nach Forster und den gelehrten Bergmännern, denen er begegnete, war Bergbau ein „Hülfsmittel der Natur“. Ihr Ideal war es, an der „Werkstatt der Natur“ teilzunehmen und die Herrschaft der Ressourcen „mit der Natur“ selbst zu teilen. Im Rahmen dieses Vortrags werden die damalige Bauphilosophie bergmännischer Maschinen, die Ästhetisierung der Wasserkraft und die Naturalisierung gebauter Landschaften auf einen Blick dargestellt.