Umfrageergebnisse: So denken Sie über unseren stabikat+

Letztes Jahr haben wir unsere Nutzerinnen und Nutzer nach ihren Erfahrungen, Erwartungen und Wünschen zu unserem neuen Discoverysystem stabikat+ befragt. Die rein elektronische Umfrage stieß auf reges Interesse: insgesamt 1.792 ausgefüllte Bögen haben uns erreicht. Hier finden Sie nun unsere Auszählungen der Ergebnisse:

 

 

Über unseren ausgelosten Preis zur Umfrage, eine Jahreskarte der Staatsbibliothek, freute sich Frau Beate Winzer:

 

 

Was ist gute Buchgestaltung? Werkstattgespräch am 1.3. um 18.15 Uhr

Werkstattgespräch
Was ist gute Buchgestaltung?

Dienstag, 01. März
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Friedrich Forssman, Kassel –

Kriterien für gute Buchgestaltung sind: Angemessenheit (dafür gibt es eine hoch ausdifferenzierte Buch-Typologie), Leserlichkeit (was eher mit Überlieferung zu tun hat denn mit Physiologie) und Schönheit (spätestens da wird es komplizierter). Über diese Kriterien gibt es viel Konsens und immer wieder Debatten – Bücher sind einerseits Gebrauchsgegenstände, die funktionieren müssen, andererseits Objekte, die geliebt wurden, als sie noch handbeschriebene Rollen waren, und heute, längst zu Industrieprodukten geworden, immer noch geliebt werden können. Ein Buchgestalter berichtet aus seiner 25jährigen Arbeit für Verlage, Institutionen und Editionen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Microservice-Projektblog: Eierlegende Wollmilchsau

In der Abteilung Informations- und Datenmanagement der Staatsbibliothek zu Berlin (IDM) wird derzeit evaluiert, inwieweit das Architekturmuster„Microservices“ als Grundlage zukünftiger Eigenentwicklungen hilfreich sein können. In einer Reihe von Blogbeiträgen geben wir im Sinne eines Werkstattberichtes einen Einblick in das Projekt und unsere Erfahrungen mit der Umsetzung.

Der Auslöser unserer Neugier auf die relativ neue Technologie war die konkrete Aufgabe, dass ein Altsystem im Bereich der Nachweissysteme (Gesamtkatalog der Wiegendrucke) technisch modernisiert werden sollte. Soweit kein ungewöhnlicher Fall: in gewohnter Arbeitsweise wurde ein Team aus Entwicklern und einem fachliche Experten zusammengestellt. Eine Kleinigkeit war allerdings diesmal anders. Es gab neben den fachlichen Anforderungen – die Modernisierung des Nachweissystems zum Gesamtkatalog der Wiegendrucke – auch folgende nicht funktionalen Anforderungen:

  • Leichte Erweiterbarkeit des Systems
  • Testbarkeit
  • Hoher Grad an Wiederverwendungsmöglichkeiten
  • Skalierbarkeit

Mein erster Gedanke war: aha wir sollen also die „eierlegende Wollmilchsau“ entwickeln.

Der offensichtliche Grund für diese neuen Anforderungen war, dass in den letzten Jahren an der Staatsbibliothek im Rahmen von Projekten zwar funktional sehr gute Softwaresysteme entstanden sind, diese allerdings nicht in jedem Fall optimal betrieben, gewartet und nachgenutzt werden konnten. Zudem wiederholten sich zunehmend ähnliche fachliche Anforderungen nach Suche in Metadaten, Authentifizierung, Erfassung und Verwaltung der Metadaten sowie Präsentation der Metadaten. Diese nicht funktionalen Anforderungen führten zur Suche nach neuen Architekturansätzen für Enterprise Software. Microservices versprechen auf den ersten Blick viele der Anforderungen zu erfüllen, nun sind aber die bekannten Fragen zu klären:

  • Wie definieren sich Microservices?
  • Wann sollte die Microservices Architektur verwendet werden?
  • Wie entwickle ich konkret Microservices?
  • Wie betreibe ich Microservices?
  • Erreiche ich mit Microservices die nicht funktionalen Anforderungen besser?

Alle diese Fragen waren auch nach der Lektüre etlicher Fachaufsätze und Publikationen für uns nicht eindeutig genug zu beantworten. Im Großen und Ganzen liegt es an der Komplexität und Umfang der Gesamtarchitektur der IT Systeme der Staatsbibliothek und dem auch aus Informatikersicht anspruchsvollen Thema Microservices. Es gibt bei der Staatsbibliothek nicht den klassischen Fall eines bestehenden, monolithischen Systems welches mit der Microservice Architektur ersetzt oder ergänzt werden soll. Es gibt auch nicht die *eine* Webpräsentation, auf welche alle Usecases und Fachlichkeiten dargestellt und realisiert werden. Anstelle dessen gibt es sehr viele heterogene Anwendungssysteme auf einer gemeinsamen Infrastruktur.

Um nun genau zu evaluieren, ob und in welchem Umfang Microservices einige Dinge innerhalb der IT Landschaft der Staatsbibliothek verbessern können, und diese wirklich als ganzheitliches Integrationskonzept gesehen werden kann, sollen diese Fragestellungen nun in einem eigenständigen Projekt geklärt werden.

Im Rahmen dieses Projektes werden ich und meine Kollegen dieses Blog regelmäßig mit Informationen zum Thema Microservices und unseren Erfahrungen dazu ergänzen. Unsere Ziele sind:

  • Einen noch höheren Grad der fachlichen Nachnutzung einzelner Services
  • Eine einheitliche Integrationsstrategie
  • Eine Infrastrukturplattform die Microservices bzw. die fachlichen Anwendungen ausfallsicherer, höher verfügbar, skalierbarer und flexibler macht
  • Schnellere Realisierung von fachlichen Anforderungen

Ein guter Einstieg in das Thema Microservices ist dieser Beitrag von Martin Fowler. Hier werden die grundlegenden Fragestellungen erörtert sowie auf viele weitere Informationsquellen verwiesen.

Ebenfalls empfehle ich das Buch zum Thema Microservices mit dem Titel „Microservices: Grundlagen der flexiblen Softwarearchitektur“ von Eberhard Wolff.

Natürlich freuen wir uns auf Kommentare, sollten Sie in Ihren Einrichtungen bereits Erfahrungen mit Konzeption und dem Einsatz von Microservices gesammelt haben.

1.3., 18.15 Uhr: „Gebrauchsgegenstände, die geliebt werden können“

Öffentlicher Vortrag des Buchgestalters Friedrich Forssman zu den Konventionen und Kriterien guter Buchgestaltung am 1. März 2016

Der Buchgestalter, Typograf und Sachbuchautor Friedrich Forssman berichtet am 1. März 2016 von seiner 25-jährigen Arbeit für Verlage, Institutionen und Editionen und befasst sich dabei mit der seit dem Mittelalter kontrovers diskutierten Frage: „Was ist gute Buchgestaltung?“ Schwerpunkte seines Vortrags werden die kritische Betrachtung der etablierten typografischen Konventionen sowie seine eigenen ästhetischen Kriterien sein. Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“ der Staatsbibliothek zu Berlin in Kooperation mit der Freien Universität, der Universität Potsdam sowie der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei. Um Anmeldung online wird gebeten.

„Bücher sind einerseits Gebrauchsgegenstände, die funktionieren müssen, andererseits Objekte, die geliebt wurden, als sie noch handbeschriebene Rollen waren, und die heute – längst zu Industrieprodukten geworden – immer noch geliebt werden können“, erklärt Friedrich Forssman. Zu den Kriterien für gute Buchgestaltung gehörten etwa Angemessenheit, Leserlichkeit und Schönheit. Wenngleich über diese Kriterien allgemein Konsens bestehe, ergäben sich doch immer wieder Debatten.

In den Geistes- und Kulturwissenschaften gewinnt die Beschäftigung mit den materialen und medialen Dimensionen ihrer Quellen rasant an Bedeutung. Die literaturwissenschaftliche Forschung interessiert sich zunehmend für die Trägermaterialien, Schreibstoffe und Formate der untersuchten Texte, um auf diese Weise die Möglichkeiten der eigenen Arbeit zu erweitern. Vor diesem Hintergrund konzipierte die Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit dem von Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten getragenen Arbeitskreis Materialität der Literatur die mehrteilige Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“. In deren Rahmen werden theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und Künstlerbücher mit aus der Praxis gewonnenen Sichtweisen konfrontiert. Ziel der Reihe ist es, einen interdisziplinären Austausch anzuregen und dabei theoretischen wie praktischen Perspektiven auf schrifttragende Artefakte Raum zu geben.

Friedrich Forssman, geboren 1965 in Nürnberg, studierte nach seiner Lehre als Schriftsetzer in Bamberg an der Fachhochschule Mainz Graphikdesign bei Hans Peter Willberg. Er arbeitet unter anderem für Suhrkamp, Reclam und Die Andere Bibliothek. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen neben dem Konzept der Reihe „Reclam Bibliothek“ die Gestaltung der kritischen Gesamtausgabe der Werke Walter Benjamins sowie aller Veröffentlichungen der Arno-Schmidt-Stiftung – darunter die erste gesetzte Ausgabe von „Zettel’s Traum“. Derzeit lehrt Friedrich Forssman als Honorarprofessor an der Fachhochschule Potsdam; er ist Autor zahlreicher Grundlagenwerke zur Typografie.

Zeit und Ort
Dienstag, 1. März 2016
18.15 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Haus Unter den Linden, Dorotheenstraße 27, 10117 Berlin

Kontakt
Dr. Christian Mathieu, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Telefon: 030 / 266 433 240
christian.mathieu@sbb.spk-berlin.de

Programm und Details zur Vortragsreihe

Weltreise

Ausstellung und Podiumsgespräch von und mit Ulrike Ottinger – Filmpremiere auf der Berlinale – 3. Internationale Chamisso-Konferenz

Noch bis zum 27. Februar läuft die von der Künstlerin Ulrike Ottinger in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße, realisierte und weithin gelobte Ausstellung „Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger“, für die sie im Sommer 2014 auf den Spuren großer Forschungsreisender Gebiete auf dem amerikanischen und asiatischen Kontinent rund um die Beringsee bereiste. Für die Ausstellung arrangierte sie 960 Minuten Film zu den Themen Menschen, Landschaften, Tiere und Pflanzen, diese präsentiert auf vier Großleinwänden. 70 Autographe, Zeichnungen, Tagebücher, Briefe und Sammlungsobjekte von James Cook, Johann Reinhold Forster, Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Charles Darwin, Johann Gottfried Herder und anderen aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin und aus Berliner Museen stehen im Dialog mit den Filmen. Die Ausstellung ist in einem Kreis angeordnet, in dessen Zentrum eine Sitzinsel zum kontemplativen Verweilen einlädt. (http://sbb.berlin/koq47u)

 

In den nächsten Tagen komplettiert sich das Thema Weltreise:

Am Samstag, 6. Februar, spricht Ulrike Ottinger um 16 Uhr mit Viola König, der Direktorin des Ethnologischen Museums über die Reise rund um die Beringsee zur Inselkette der Aleuten (Alaska/U.S.A.) und in die am weitesten östlich gelegenen Regionen Russlands, Kamtschatka und Tschukota; Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33

Am Samstag, 12. Februar, startet das Forum der Berlinale mit der Premiere des 709 Minuten langen Dokumentarfilms „Chamissos Schatten“ von Ulrike Ottinger, am 18., 19. und 20. Februar werden die drei Kapitel des Films jeweils in Einzelaufführungen wiederholt.
10.2., 10 Uhr: Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24
18, 19., 20.2.: CineStar, Potsdamer Straße 4

 

25. bis 27. Februar: 3. Internationale Chamisso-Konferenz

Zum Abschluss der Ausstellung „Weltreise“ findet in der Staatsbibliothek zu Berlin mit dem Titel Weltreisen. Aufzeichnen, aufheben, weitergeben – Forster, Humboldt, Chamisso“ die 3. Internationale Chamisso-Konferenz statt. Im Fokus der 28 wissenschaftlichen Vorträge stehen die Welt- und Forschungsreisen, die um 1800 von Deutschland aus unternommen wurden. Die Referenten kommen von Universitäten, Akademien, Museen und Archiven in Paris, Oslo, Indianapolis, Tromso sowie aus Berlin, Potsdam, München, Trier, Dortmund, Bielefeld und Vechta.

Veranstalter dieser Konferenz sind die Staatsbibliothek zu Berlin, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, die Universität Potsdam und die Chamisso-Gesellschaft e.V.

Programm, Anmeldung, Kontakt:
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen

Mit Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso verbindet sich eine Horizonterweiterung des intellektuellen Feldes im deutschsprachigen Raum, die den Eintritt in die Moderne nicht nur markiert, sondern wesentlich mitbestimmt. Die Erkenntnisse und Aufzeichnungen eben dieser Forscher sind nicht nur hinsichtlich der Genese moderner Wissensordnungen relevant, sie können auch Schwerpunktverschiebungen im Verständnis von eigener Gegenwart und Zukunft verdeutlichen. So kommen beim Nachdenken über ein postnationales Europa beispielsweise nicht nur die Mehrsprachigkeit der Schriftsteller Forster, Humboldt und Chamisso in den Blick sondern auch deren Erfahrungen als ‚Reisende‘, als ‚Fremde‘, als ‚Nomaden‘ und als ‚Migranten‘.

Neben den bekannten Publikationen haben die genannten Reisenden auch Texte, Skizzen, Zeichnungen sowie Proben von Artefakten und Naturalien in Sammlungen hinterlassen, die in den letzten Jahren verstärkt zu Gegenständen der Forschung geworden sind. In den Sammlungen manifestieren sich Themenkomplexe zwischen den Begriffs- und Bestimmungspolen von Natur und Kultur – etwa zur Tier- und Pflanzenwelt der Reise, zu Topographien und Kartographien, zu Menschenbildern um 1800 –, die nicht zu trennen sind von ihrer jeweiligen medialen Form als Tage- oder Notizbuch, als Skizzenheft, Gemälde, als Briefwechsel.

 

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König am 6.02., 16 Uhr

Wir laden Sie herzlich zu der Veranstaltung am 6. Februar um 16 Uhr ein:

Ulrike Ottinger im Gespräch mit Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums Berlin, über die Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger und das Reisen als Filmemacherin.

Veranstaltungsort ist der Simón-Bolívar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt, die noch bis zum  27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33 zu sehen ist.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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“Ich reise, um zu verstehen. Wenn man sich anderen Kulturformen, anderen Vorstellungen nähern möchte, ist eine narrative Form weniger geeignet, da sie meist nur bestehende Konzepte aus der eigenen Perspektive und Kultur weiterführt. Mich interessiert vielmehr, dass sich ein genuines Interesse entwickelt und ein Austausch mit anderen Kulturen stattfindet.” Ulrike Ottinger

Mit Hanns Zischler auf Weltreise

Am 30. Januar war Hanns Zischler zu Gast in der Staatsbibliothek zu Berlin. Im Rahmen der Ausstellung Weltreise. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger, die noch bis zum 27. Februar im Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Haus Potsdamer Straße 33 zu sehen ist, las Hanns Zischler unter anderem aus Reisetexten von Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso. Den Auftakt der Lesung machte Zischler mit einer Passage aus Johann Gottfried Herders Journal meiner Reise im Jahr 1769, in dem der Philosoph schreibt: “Philosoph der Natur, das sollte dein Standpunkt seyn, mit dem Jünglinge, den du unterrichtest! Stelle dich mit ihm aufs weite Meer, und zeige ihm Fakta und Realitäten, und erkläre sie ihm nicht mit Worten, sondern laß ihn sich alles selbst erklären.”

Es folgten Ausschnitte aus Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte, aus Georg Forsters Reise um die Welt und aus einem Brief von Alexander von Humboldt an seinen Freund Carl Ludwig Willdenow. Zum Abschluss las Zischler ein Märchen, das Ulrike Ottinger 2014 während ihrer Reise verfasst hat und das den Titel Das Seeottermädchen trägt und von der Begegnung zwischen einem Seeottermädchen und einem Jäger handelt. (Das Märchen ist in Band 1 Chamissos Schatten der zweibändigen Ausstellungspublikation nachzulesen, die sie unter anderem im Ausstellungsshop für 39,90€ erwerben können.)

Wir bedanken uns bei Hanns Zischler für seinen lebendigen und mitreißenden Vortrag dieser unterschiedlichen Texte und damit für eine wunderbare Veranstaltung, an der mehr als 100 Gäste teilgenommen haben!

Vorschau: Am 6. Februar findet um 16 Uhr ein Gespräch zwischen der Künstlerin Ulrike Ottinger und Viola König, Direktorin des Ethnologischen Museums, im Simón-Bolívar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33 statt.

Die Ausstellung wird gefördert durch die

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Candide und Wilhelmine: Spektakuläre Neuerwerbungen der Abteilung Historische Drucke

Als Voltaire den satirisch-philosophischen Roman Candide, Ou L’Optimisme schrieb, war er 64 Jahre alt. Aus Paris verbannt und schweren Konflikten mit kirchlichen und staatlichen Autoritäten ausgesetzt, war er zugleich der populärste Autor der französischen Aufklärung und ein wohlhabender Mann. In der turbulenten Handlung des Romans, einer Parodie damals beliebter Abenteuerromane, wird mit drastischem Realismus, sarkastischem Spott und weitherziger Anteilnahme “die beste aller Welten” in Frage gestellt. Das Werk ist voller Bezüge auf aktuelle Konflikte und Katastrophen: den Siebenjährigen Krieg, das Erdbeben von Lissabon, kirchliche Inquisition, Feudalherrschaft, Folter, Sklaverei … Entstanden während der Auseinandersetzungen um das Verbot der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert wurde es selbst Gegenstand der Zensur: Mit seinem Erscheinen war der Candide ein verbotenes Buch. Es stand im katholischen Frankreich ebenso auf dem Index wie im protestantischen Genf, eine Ausnahme bildete nur England. Trotzdem, besser gesagt: gerade deswegen, hatte der Candide in kürzester Zeit einen beispiellosen Erfolg.

1759 erschienen an mehreren Orten in Europa mindestens 17 verschiedene französische Drucke des umstrittenen Werks. Einige waren zweifellos Raubdrucke, andere jedoch wurden bewusst vom Verfasser und seinen Verlegern lanciert, um die Zensur zu unterlaufen und den Roman zu verbreiten.

Mit großzügiger Unterstützung des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. konnte die Abteilung Historische Drucke kürzlich 5 der 17 originalsprachlichen Ausgaben erwerben, darunter die tatsächliche Erstausgabe. Zusammen mit einem Band aus der Bibliothek Bruno Kaisers besitzt sie damit 6 französische Candide-Ausgaben von 1759: 4 mit 299 Seiten aus Genf, London und Frankreich, und 2 aus Paris mit 237 Seiten. 2 Ausgaben sind Kriegsverlust: ein französischer Druck mit 315 [i.e. 215] und ein Basler Druck mit 301 Seiten, beide mit den vorhandenen 6 also nicht identisch.

In keiner Ausgabe ist der Verfasser genannt, vielmehr wird das Werk als vermeintliche Übersetzung aus dem Deutschen eines “Mr. Le Docteur Ralph” ausgegeben. Ebenso wenig sind die (wirklichen) Erscheinungsorte, Drucker oder Verleger erwähnt.

Die rechtmäßigen Verleger des Candide waren die Frères Cramer in Genf, mit denen Voltaire eng zusammenarbeitete. Ihre Ausgabe ist in der Werk-Edition der Voltaire Foundation nach Seitenzahl und Erscheinungsort als 299 G (299 S., Genf) verzeichnet (OCV = Œuvres complètes de Voltaire, 48.1980, S. 86), Signatur in der SBB-PK: 50 MA 50944, Exemplar aus der Provenienz des englischen Malers George Clausen (1852-1944).

 

Voltaire war ein Autor, der seine Werke immer wieder überarbeitete. Dabei suchte der den Austausch mit Bekannten und Freunden und ließ handschriftliche Abschriften erstellen, die sich oft in Details unterschieden. Eine solche Kopie des Candide-Textes ist erhalten, das sogenannte “La Vallière Manuskript” aus dem Nachlass des Duc de La Vallière (1708-1780).

Und sogar nachdem der eigentliche Druckprozess schon abgeschlossen war, wünschte Voltaire noch Änderungen: In einigen Exemplaren der Erstausgabe 299 G – auch in unserem – ist am Schluss ein “Avis Au Relieur” enthalten, eine Anweisung an den Buchbinder, 8 Seiten bzw. 4 Blätter durch beigefügte “Cartons” (Austauschblätter) zu ersetzen.

Voltaire Avis

 

Besonders große Ähnlichkeit mit der Genfer Erstausgabe hat die erste englische Edition von John Nourse, zu dem die Cramers enge Geschäftsbeziehungen unterhielten: 299 L (299 Seiten, London).

 

Sogar die Titelvignette wurde kopiert:                                                                              

 

Candide_Vignetten_1

Das Verhältnis zwischen den Ausgaben gibt jedoch Rätsel auf: Denn Vergleiche mit dem La Vallière Manuskript und den Cartons ergeben, dass die Londoner Ausgaben (auch die 2. Edition, 299 La) frühere Versionen des Textes enthalten als die Erstausgabe der Cramers. (So steht auf S. 242 (Kapitel 25) noch der Abschnitt “Candide était affligé de ces discours, il respectait Homere, il aimait Milton. …” mit einer Anspielung auf die deutsche Poesie, den Voltaire offenbar im letzten Moment aus 299 G entfernen ließ, wahrscheinlich aus Rücksicht auf den dichtenden König in Sanssouci. In spätere Ausgaben hat Voltaire die Passage leicht abgemildert wieder aufgenommen.) Andererseits sind die Drucke im Satz nahezu identisch, sie können also nur nach einer gedruckten, 299 G sehr ähnlichen Vorlage gesetzt worden sein. (Dazu s. Barber, G.: Some early English editions of Voltaire. In: The British library journal. 4.1978,2, S. 106.)

 

Wie ist das zu erklären? Vieles spricht dafür, dass Voltaire und die Frères Cramer bereits Ende 1758 einen Probedruck an Nourse geschickt haben, nach dem dieser seine Ausgaben setzen ließ. Grund: die Zensur. Verfasser und Verleger expedierten die gefährliche Fracht vorab schon mal ins liberalere England, um die Veröffentlichung sicherzustellen, noch ehe ihre eigene Ausgabe ganz fertig war.

 

Ode Sur La Mort De Son Altesse Royale Madame La Markgrave De Bareith

Angebunden an die Erstausgabe des Candide ist ein besonders seltenes Stück: die Ode zum Tod von Wilhelmine Markgräfin von Brandenburg-Bayreuth, ebenfalls aus dem Jahr 1759. Wilhelmine war die Lieblingsschwester des preußischen Königs Friedrichs II. Sie war auch mit Voltaire gut befreundet. Auch die Ode auf Wilhelmine überarbeitete Voltaire mehrmals grundlegend. Als Reaktion auf das Verbot der Encyclopédie fügte er einen Epilog bei: Lettre à quelques Gens de Lettres, in späteren Ausgaben unter dem Titel Notes de Monsieur de Morza. Sogar Voltaire selbst hatte Bedenken, der Text mit heftigen Angriffen u.a. auf die Jesuiten könne zu scharf sein: “Der Epilog der Ode wird ordentlich Lärm machen. […] Es könnte eventuell nötig sein einige Stellen zu versüßen. Ich habe Sorge, zu viel Essig an den Salat gegeben zu haben.” (“J’ay peur d’avoir trop vinaigré la salade.” Brief an Gabriel Cramer vom 3.4.1759. In: OCV 104.1971, D8247)

Auch bei der Ode handelt es sich um die Erstausgabe. Hier sind Verfasser und (vermeintliche) Verleger auf der Titelseite genannt:

Voltaire Titel Ode

Bei einem Vergleich mit den Candide-Ausgaben aber kommt Erstaunliches zutage: Typen, Wasserzeichen und Vignetten stimmen nicht mit der Ausgabe der Frères Cramer, sondern mit 299 L, der ersten Londoner Candide-Ausgabe von Nourse überein.

Vignetten:

Candide_Ode_Vignetten

 

Wasserzeichen:

Ode …                                                                                      Candide, 299 L

 

Voltaire Wasserzeichen 1                                                       Voltaire Wasserzeichen 2

 

Tatsächlich dürfte es sich auch bei der Ode um einen Londoner Druck von Nourse handeln, der ihn nach Vorabdrucken der Cramers hergestellt hat. (Das hat erstmals Nicholas Marlowe entdeckt, vgl. Nicholas Marlowe Rare Books. List 3: The Candide conspiracy. London & Montpellier, 2015.) Dafür spricht auch, dass Exemplare dieser äußerst seltenen Ausgabe bisher ausschließlich in Großbritannien nachweisbar waren. Wahrscheinlicher Grund auch in diesem Fall: der “Essig” in Voltaires Text.

 

Ein eigenes Thema wäre die “Seconde Partie” zum Candide, ein apokryphes, ebenso klandestin wie sein Vorbild erschienenes Werk, das – in unterschiedlichen Editionen – an die 2. Londoner und  die 1. Pariser Ausgabe des Candide (299 La und 237 P) angebunden ist.

Dass das komplette “Set” der Candide-Drucke von 1759 mit 299 Seiten, dazu die erste in Frankreich gedruckte Ausgabe, die vermeintliche Fortsetzung, und als besonderes Rarissimum die Ode auf Friedrichs Schwester zusammen im Original erworben werden konnten, ist – auch in Hinblick auf das preußische Erbe – ein unschätzbarer Glücksfall für die Bibliothek und ihre Benutzer.

 

[Text von Ruth Weiß.]

Workshop zur allgemeinen Recherche am 9.2.

Workshop
Recherchieren leicht gemacht oder – Sie haben ein Problem und wir helfen Ihnen dabei
Dienstag, 09. Februar
16.00 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)
Anmeldung

 

Dieser Workshop richtet sich an alle, die gerade an einer wissenschaftlichen Arbeit schreiben oder aus anderen Gründen zu einem bestimmten Thema recherchieren wollen.

Die Fachreferentinnen für Kunst, Architektur, Tanz, Theater und Film sowie Ethnologie und Kulturgeschichte sind vor Ort und unterstützen Sie nicht nur bei diesen, sondern auch angrenzenden Fachrecherchen (z.B. Philologien).

Bei Bedarf zeigen sie ihnen, wie Sie im Katalog geeignete Literatur finden, wie Sie aktuelle Aufsätze mit wenigen Clicks erreichen, wo Sie Bildmaterial und Filmdokumente entdecken und vieles andere mehr.
Durch ihre Fragen gestalten Sie den Workshop aktiv mit und profitieren darüber hinaus auch von den Lösungsansätzen der anderen Teilnehmer.

Wenn Sie möchten, können Sie uns auch vorab bereits Fragen zukommen lassen, damit wir noch besser auf ihre individuellen Anliegen eingehen können: fachinfo@sbb.spk-berlin.de


Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Am 3.2. ab 16 Uhr Schließung des Hauses Potsdamer Straße

Aufgrund von technischen und organisatorischen Vorbereitungen wird das Haus Potsdamer Straße am 3.2. bereits ab 16 Uhr geschlossen.

Fragen Sie sich vielleicht, wofür diese Vorbereitungen getroffen werden und warum das Haus deswegen früher schließen muss?

Es findet der alljährliche Jahresempfang für die Mitglieder der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. statt. Die Freunde des Fördervereins engagieren sich für die Erhaltung und die Erweiterung der Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin.

Das Haus Unter den Linden und der Westhafen stehen Ihnen wie gewohnt zur Verfügung.