PRESSEEINLADUNG | BUSONI. Freiheit für die Tonkunst!

Der Komponist, Klaviervirtuose, Dirigent und Musiktheoretiker Ferruccio Busoni (1866–1924) zählt zu den herausragenden Künstlerpersönlichkei-ten seiner Epoche. Neben Arnold Schönberg, Igor Strawinsky und Béla Bartók und Paul Hindemith gilt er als Wegbereiter der Neuen Musik. In vielen seiner Kompositionen streift er die Atonalität der zeitgenössischen Avantgarde, seine Ästhetik kulminiert in der Vision einer freien Musik. Sein nachhaltiger Einfluss auf die Kunst und die Musik des 20. Jahrhunderts macht ihn zu einer der zentralen Figuren der Moderne.

Aus Anlass von Busonis 150. Geburtstag präsentiert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung, der Staatsbibliothek zu Berlin und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin eine umfassende Ausstellung zu Leben und Werk des Komponisten. Im Mittelpunkt steht der Busoni-Nachlass der Staatsbibliothek zu Berlin mit mehr als 9.000 Briefen, die Busoni mit bedeutenden Protagonisten der europäischen Moderne wechselte. Eine zentrale Rolle spielen auch die Sammlungsbestände der Kunstbibliothek. Busoni besaß eine umfangreiche Bibliothek und eine erlesene Kunstsammlung. Gezeigt werden Prachtexemplare der Buchkunst und Grafik sowie einzelne Werke von Künstlern, die für Busoni eine besondere Rolle gespielt haben.

Wir laden Sie herzlich ein zur

Pressekonferenz und Vorbesichtigung
Freitag, 2. September 2016
um 11.00 Uhr
Kunstbibliothek am Kulturforum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Es erwarten Sie
Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Moritz Wullen, Direktor Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin
Thomas Ertelt, Direktor Staatliches Institut für Musikforschung
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin Staatsbibliothek zu Berlin

Im Anschluss laden Sie die Kuratoren Michael Lailach, Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, und Marina Gordienko, Musikabteilung – Staatsbibliothek zu Berlin, zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein.

Anmeldung bitte bis 1. September 2016 unter: herzog@sim.spk-berlin.de
Weitere Informationen zur Ausstellung unter: www.simpk.de/busoni

Humboldts Bilder – Wissenschaft als Kunst. Werkstattgespräch am 14.9.

Wissenswerkstatt
Humboldts Bilder – Wissenschaft als Kunst
Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Oliver Lubrich (Universität Bern)

Mittwoch, 14. September
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (i-Punkt)

Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Alexander von Humboldt ist bekannt als Autor des Kosmos und der Ansichten der Natur, als “Zweiter Entdecker Amerikas” und als Protagonist der “Vermessung der Welt”. Weniger bekannt ist, dass der Naturforscher und Reiseschriftsteller auch Zeichner und Graphiker war. Seine Schriften enthalten mehr als 1.500 Abbildungen. Als Ethnologe skizzierte er Menschen, Gebäude und Alltagsgegenstände. Als Botaniker, Zoologe und Anatom zeichnete er Pflanzen, Tiere und Körperdetails. Als Geologe, Geograph und Kartograph erfasste er Gebirge, Gewässer und Kontinente. In Humboldts Bildern wird die Wissenschaft zur Kunst und die Kunst zur Wissenschaft. Oliver Lubrich macht Alexander von Humboldts Graphisches Gesamtwerk erstmals zugänglich.

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Wer übersetzte „Die Dämonen“ für Dostojewskis Sämtliche Werke beim R.-Piper-Verlag?

Gastbeitrag von Dr. Galina Potapova

Ein kleiner Fund in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin wirft ein neues Licht auf die frühe Phase der Arbeit an den Sämtlichen Werken von Fjodor Dostojewski , die unter der Herausgeberschaft von Arthur Moeller van den Bruck ab 1906 beim R.-Piper-Verlag in München erschienen und das Dostojewski-Bild im Deutschland des 20. Jahrhunderts weitgehend prägten.

In der Forschung wurde bisher angenommen, frühe Manuskripte der Übersetzungen für die Pipersche Ausgabe existieren nicht mehr. Der Nachlass von Moeller van den Bruck in der Staatsbibliothek ist nämlich nur ein Teilnachlass. Der größere Teil wurde wahrscheinlich durch die Luftangriffe in Berlin am Ende des 2. Weltkriegs vernichtet. Was heute in der als „Notizen zur Herausgabe der Werke Dostojewskis“ betitelten Mappe des Teilnachlasses in der SBB liegt, sind nur wenige Blätter mit chronologischen Verzeichnissen und weiteren begleitenden Materialien. Für ewig verloren sind auch die meisten frühen Materialien zur Dostojewski-Ausgabe im historischen Archiv des Piper-Verlags  (heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach, DLA): Ein Bombentreffer zerstörte während der Luftangriffe auf München das ganze Verlagsgebäude.

Um so wertvoller sind einige Fragmente der Übersetzung, die im Berliner Teilnachlass Moellers doch erhalten sind. Sie liegen aber nicht in der Mappe „Notizen zur Herausgabe der Werke Dostojewskis“, sondern verstecken sich unter den „Gedichtentwürfen“ und „Notizen zu Verschiedenem“ der zweiten Ehefrau Moellers, Lucy Moeller van den Bruck (geborene Kaerrick; geb. 1877 in Pernau, damals Livland, eine der ostseeischen Provinzen des Russischen Reiches; gest. 1965 in Berlin-Wilmersdorf).

Auf den Vorderseiten dieser fünf Blätter stehen Lucys Notizen, die den im Nachlassverzeichnis benannten Rubriken entsprechen. Die durchgekreuzten Rückseiten gehörten ursprünglich zum Manuskript der „Dämonen“. Das ist ebenfalls die Hand von Lucy Moeller van den Bruck. Alle fünf Seiten, die mit den Zahlen 681, 683, 685, 688 und 689 paginiert sind, stammen aus dem 3. Kapitel des 3. Teils des Romans.

Handschriftenabteilung der SBB, Nachlass Moeller van den Bruck, Arthur. Kasten 12, Mappe 11

Lucys Sofortkorrekturen treten in großer Menge auf. Stilistische Korrekturen von Arthur Moeller van den Bruck bilden die zweite Handschriftenschicht. Die Textgestalt, die im Endeffekt entsteht, entspricht dem Text der „Dämonen“-Ausgabe von 1906. „Die Dämonen“ erschienen damals als erstes Werk in der ganzen Piperschen Ausgabe. Mit dem Fund in der Handschriftenabteilung haben wir nun also ein kleines handschriftliches Fragment dieses Erstlings-Bandes.

Der Wert dieses Fundes ist nicht nur museal. Die entdeckten fünf Blätter tragen auch zur literarhistorischen Forschung bei. Sie helfen bei der Klärung der Frage, von wem in der frühen Phase der Arbeit an der Piperschen Ausgabe die Übersetzung eigentlich geleistet wurde, die unter dem Pseudonym „E. K. Rahsin“ erschien. Für gewöhnlich setzt man diesen erfundenen Namen mit der jüngeren Schwester von Lucy Moeller van den Bruck gleich: Elisabeth (Less) Kaerrick (1886-1966). Christoph Garstka wies in seiner Monographie „Arthur Moeller van den Bruck und die erste deutsche Gesamtausgabe der Werke Dostojewskijs im Piper-Verlag“ (Frankfurt am Main [u. a.], 1998) darauf hin, dass man mit solcher Gleichsetzung vorsichtig sein muss, wenn man von den Erstausgaben der Dostojewski-Bände redet. Garstka äußerte eine Hypothese, dass am Prozess der Übersetzung neben Less Kaerrick verschiedene Personen teilnahmen, u. a. Lucy Moeller van den Bruck.

Mit dem Fund in der Handschriftenabteilung der SBB kann die Mitarbeit (d. h.  z u m i n d e s t  die Mitarbeit) Lucys an der Übersetzung der „Dämonen“  als bewiesen gelten. Wenn man diesen Fund gleichzeitig mit einigen anderen, biographischen Zeugnissen analysiert, kann man weiter gehen und sich fragen: Ist die bisher als selbstverständlich angenommene These, dass auch die jüngere Schwester, Less Kaerrick, von Anfang an für die Pipersche Dostojewski-Ausgabe als Übersetzerin tätig war, wirklich gültig?

Eine definitive Antwort auf diese Frage zu geben, ist anhand der fünf Handschriftenblätter nicht möglich. Letztlich gehören sie alle zu einem einzigen Kapitel des Romans. Unzweifelhaft steht dennoch fest: Uns liegen die Seiten aus dem 3. Kapitel des 3. Teils vor, und dies bedeutet, dass drei Viertel des Romans bereits übersetzt sind. Inwieweit ist es glaubwürdig anzunehmen, dass Lucys jüngere Schwester zu diesem Zeitpunkt eventuell frühere Kapitel übersetzt haben konnte? Daran muss man zweifeln, wenn wir einen weiteren Fund in Berliner Archiven in Betracht ziehen, und zwar: im Bundesarchiv  Berlin-Lichterfelde.

Aus der dort erhaltenen Autobiographie von Less Kaerrick, die sie 1938 für die Reichsschrifttumskammer verfasste, lässt sich schließen, dass ihr „Mitarbeit an Übersetzungen“ (d. h. an den Dostojewski-Übersetzungen) nicht früher als Mitte des Jahres 1906 angeboten wurde (BArch, ehem. BDC, RKK, Akte „Kaerrick, Elisabeth“). Kaerrick berichtet in diesem Dokument, dass ihr Vater, der reiche Kaufmann August Georg Kaerrick, 1906 bankrott wurde (der genaue Monat ist nicht genannt), und dass sie selbst in der ersten Zeit nach dem finanziellen Schicksalsschlag mit Sprachunterricht ihr Geld verdiente. „Bald darauf“, setzt Kaerrick fort, „wurde mir Mitarbeit an Übersetzungen angeboten“ (ibid.). Selbst wenn wir annehmen, die Pleite des Vaters geschah am Anfang des Jahres – auch in diesem Fall müssen wir für Kaerricks Tätigkeit als Sprachlehrerin einige Monate einkalkulieren. Allerdings sind „Die Dämonen“, ein ca. 1000 Seiten dicker Roman, bereits Ende Juli 1906 erschienen. Angesichts dieser Tatsachen muss man den Schluss ziehen: Die Teilnahme an Dostojewski-Übersetzungen wurde Less Kearrick nicht am Anfang des ganzen editorischen Unternehmens angeboten, sondern zu einem Zeitpunkt, als das erste Werk in der Piperschen Ausgabe, „Die Dämonen“, vollständig übersetzt bzw. nahe dem Schluss war.

Dostojewski F. M.: Die Dämonen. München: Piper, 1906. (Hardcover); Signatur: Zn 12182-1,6

Dostojewski F. M.: Die Dämonen. München: Piper, 1906. (Hardcover); Signatur: Zn 12182-1,6

Auch einige Textproben aus den „Dämonen“ in der Erstausgabe und aus den anderen Piperschen Dostojewski-Bänden lassen ernsthaft die Hypothese erwägen, dass „Die Dämonen“ für die Pipersche Erstausgabe n i c h t von Less Kaerrick übersetzt wurden.

Die translatorische Vorgehensweise ist in der Erstausgabe der „Dämonen“ wesentlich anders als z. B. in der Übersetzung des „Idioten“  , die 1909 erschien und definitiv von Less Kaerrick stammte (dazu s. den Brief von Less Kaerrick an Reinhard Piper vom 31.10.1915, DLA). Es genügt, nur die Anfänge der „Dämonen“ und des „Idioten“ mit den russischen Originalen zu vergleichen, um festzustellen: Im Unterschied zur Übersetzung des „Idioten“, in der grundsätzlich keine Informationen des Originaltextes verlorengehen (als Makel kann man, im Gegenteil, mehrere zu stark erläuternde und interpretierende Wendungen anmerken), trifft man in der Übersetzung der „Dämonen“ immer wieder auf Verluste kleiner, aber wesentlicher Inhalte des Originaltextes. Vgl. dazu Less Kaerricks eigene Äußerung im oben erwähnten Brief an R. Piper: „ In meinen Übersetzungen aber wüsste ich kein Wort, das ich absichtlich weggelassen hätte, außer in den Politischen und Literarischen Schriften, doch da war es etwas ganz anderes“ (DLA).

Ein indirektes Indiz dafür, dass der Roman „Die Dämonen“ noch nicht von Less Kaerrick übersetzt wurde, sind enorme Mengen an Korrekturen jeder Art, die sie später ausgerechnet bei den Revisionen der „Dämonen“ vornahm. Diese Revisionen wurden bereits für die Neuauflagen von 1918, 1919,  1921 und 1922  durchgeführt, und später dann noch einmal, bei der neuen Überarbeitung der Dostojewski-Ausgabe nach dem 2. Weltkrieg. Auch andere Bände wurden von Less Kaerrick für die Neuauflagen korrigiert; mit den „Dämonen“ geschieht dies jedoch viel radikaler als sonst. Beim Vergleich der neuüberarbeiteten Ausgabe des Romans von 1956  mit der Erstausgabe von 1906 entsteht der Eindruck: Die Übersetzungen unterscheiden sich so stark, als ob sie von zwei verschiedenen Menschen geleistet wurden. Es kann sein, der Eindruck täuscht nicht: Es war auch wirklich ein anderer Mensch, der „Die Dämonen“ für die Erstausgabe übersetzte, und Less Kaerrick korrigierte dann später nicht ihre eigenen, sondern die fremden Fehler.

In diesem Zusammenhang muss zum Schluss auf eine ungewollte Ungerechtigkeit gegenüber der Übersetzerin „E. K. Rahsin“ hingewiesen werden, die in der translationswissenschaftlichen Studie von Marina Kogut geschieht (Marina Kogut: Dostojevskij auf Deutsch. Vergleichende Analyse fünf deutscher Übersetzungen des Romans „Besy“. Frankfurt a. M. 2009). Die Autorin nahm zum Vergleich mit vier anderen deutschen „Dämonen“-Übersetzungen ausgerechnet die Pipersche Erstausgabe von 1906; die späteren massiven Überarbeitungen in mehreren Neuauflagen (von 1918 bis 1956) blieben unerwähnt. Die Vorgehensweise von Kogut ist einerseits legitim: Die Übersetzung von 1906 ist eine literarische Tatsache, und es mag scheinen, sich um den Fragenkomplex zu kümmern, wer und wann was übersetzt oder überarbeitet hat, sei eine ausschließlich biographische Fragestellung. Andererseits ist der Umstand, dass der Text der Piperschen „Dämonen“-Übersetzung mehrmals revidiert wurde und immer näher an den Wortlaut des russischen Originals kam, ebenfalls eine literarische und keineswegs nur eine biographische Tatsache. Und es ist mit Sicherheit ungerecht, das Verdienst der Piperschen Dostojewski-Ausgabe in der Geschichte der deutschen Dostojewski-Übersetzungen nur an der ersten, am leichtesten angreifbaren Probe, der Ausgabe der „Dämonen“ von 1906, zu messen, und die ganze weitere, lange und qualvolle Geschichte ihrer allmählichen Perfektionierung ganz aus dem Auge zu verlieren.

 

Frau Dr. Galina Potapova, Russische Akademie der Wissenschaften St. Petersburg, war im Rahmen des Stipendienprogramms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2016 als Stipendiatin an der Staatsbibliothek zu Berlin. Forschungsprojekt: „Arthur Moeller van den Bruck als Herausgeber der ersten deutschen Gesamtausgabe der Werke Dostoevskijs“

Werkstattgespräch zur Piperschen Dostojewski-Ausgabe am 26. 5. 2016

Aller guten Materialitäten sind drei – mindestens!

Unser Dialog mit der Forschung …

Die Aufwertung von objektbezogenen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eröffnet gerade für Forschungsbibliotheken mit herausragenden Spezialbeständen und historischen Sondersammlungen ungeahnte Chancen für ihre Neupositionierung gegenüber Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Vor diesem Hintergrund organisieren die Staatsbibliothek zu Berlin und der Arbeitskreis Materialität der Literatur seit 2014 die beliebte Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit“. Ziel dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der Veranstaltungsserie – ist es, theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und moderne Künstlerbücher mit aus der Praxis entwickelten Fragestellungen zu konfrontieren und dabei den Dualismus von Trägersubstanz und semiotischer Ebene von Texten zu überwinden.

Als integrierende Klammer der ausgewählten Vorträge dient das Forschungsprogramm des von Angehörigen der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam getragenen Arbeitskreises. Konkret geht es den sich in den Grenzbereichen von Literatur- und Buchwissenschaft sowie von Analytischer Bibliographie, Typographiegeschichte, Materialitätsstudien und Artefaktanalyse verortenden Mitgliedern dieses Netzwerks darum, die Möglichkeiten vor allem literaturwissenschaftlicher Forschung durch die theoretische und systematische Beschäftigung mit den materialen und medialen Grundlagen von Texten zu erweitern: Im Zentrum stehen dabei sowohl die Theorie der textuellen Materialität und Dinghaftigkeit als auch die historische Beschäftigung mit den Trägermaterialien und Technologien, Schreibgeräten und Schreibstoffen, Formaten und Formen materieller Texte.

… geht natürlich weiter

Gerade mit Blick auf das neue Forschungsinteresse der Geistes- und Kulturwissenschaften nach ihrem Material Turn an Artefakten und „Nonhumans“ (Bruno Latour) ist es insofern wohl auch nur folgerichtig, dass wir im Rahmen unserer Veranstaltungsaktivitäten das gute alte Sprichwort beherzigen, dem zufolge aller guten Dinge drei sind – oder vielmehr: mindestens drei. Denn von unserer Nachbarschaft im Berliner Regierungsviertel wissen wir ja nur zu gut, wie wichtig es ist, den Dialog keinesfalls abreißen zu lassen.

Seien Sie also herzlich eingeladen zur dritten Staffel unserer gemeinsamen Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog“, die wir natürlich nicht im Pay-TV, sondern wie immer live und exklusiv in unseren Räumen übertragen und gelegentlich auch über unseren YouTube-Kanal im Nachgang zugänglich machen. Während wir uns schon auf Sie freuen, dürfen Sie sich auf ein gewohnt abwechslungsreiches Programm freuen, das gewissermaßen den Bogen vom Druckbogen zum Geigenbogen schlägt und zum Reformationsjubiläum mit einem echten Hammerthema aufwarten möchte. Neugierig geworden? Dann werfen Sie doch einfach einen Blick in unsere Informationsmateriali(tät)en unter:

www.staatsbibliothek-berlin.de/materialitaet

P.S. Die Vortragsreihe ist Bestandteil eines übergreifenden Akademieprogramms, unter dessen Dach die Staatsbibliothek zu Berlin voraussichtlich ab 2017 ihre Veranstaltungsaktivitäten bündeln möchte.

Besucher im Sommer und Reisen um die Welt

Sommerzeit ist Reisezeit, auch oder gerade für Besucher des Lesesaals der Handschriftenabteilung.

Sie nutzen die vorlesungsfreie Zeit für Bibliotheksreisen, um neue Projekte zu starten und alte Manuskripte zu sehen. Unter Manuskript, aus dem lateinischen manu scriptum,  von Hand geschrieben, verstehen wir weit mehr als die umgangssprachlichen Druck- oder Sendevorlagen. Mit einem Einband versehene, gebundene Handschriften, auch Codices genannt, werden unter regionalen, sprachlichen, inhaltlichen Aspekten oder nach ihrer Herkunft gesammelt und erschlossen. Die ältesten stammen aus dem 5. Jahrhundert. Manuskripte befinden sich natürlich auch in Nachlässen. Der Nachlass einer Person oder Vereinigung wird nach Materialarten in Manuskripte, Briefe, Lebensdokumente und Sammlungen gegliedert. Da kein Stück dem anderen gleicht gibt es eine Unzahl von Signaturen und Nachweisen. Die Fülle der abendländische Handschriften mit 37 Signaturenreihen  zeigt die Signaturenübersicht der Homepage. Durch kriegsbedingte Verlagerungen, die Teilungsgeschichte der Bibliothek und unzählige Sonderfälle gibt es noch weit mehr Nachweisinstrumente als den Stabikat. Denn für solch individuelle Stücke ist der Stabikat noch nicht das geeignete Nachweisinstrument.

Auskunft im Lesesaal

Wenn Sie auf Nachweise mit Hdschr. Ham. und  Alb.am., Nachl. oder Dep . stoßen und zunächst nichts damit anfangen können, so lohnt sich eine direkte Nachfrage bei der Auskunft im Lesesaal. Nur eine korrekte Signatur führt zu dem gewünschten Objekt.

Voranmeldungen aus aller Herren Länder gibt es  besonders jetzt im Sommer. Gestern wird die mail abgeschickt, heute steht der Besucher schon im Lesesaal und bestellt, wo er schon mal da ist vielleicht auch 10 und mehr Handschriften und Nachlasskästen. Das bringt dann die Kollegen aus dem Magazin ins Schwitzen, denn Folio- und Großfolio-Bände mit Eichenbrettern als Material für die Einbanddeckel können sehr schwer sein.

Empfindliches als Faksimile und in der Digitalen Bibliothek

Bei manchmal unvermeidlichen tropischen Temperaturen, auch im Lesesaal, kann dann eine Handschrift, besonders wenn es eine Zimelie ist, also eine besonders wertvolle Handschrift, nicht bereitgestellt werden. Denn solche Temperaturschwankungen und die Unterschiede bei der Luftfeuchtigkeit sind aus konservatorischen Gründen Gift für alte Werke. Besonders Pergamenthandschriften reagieren darauf sensibel. In der Antike bezeichnete man diesen Beschreibstoff, der vor allem vor der Erfindung des Papiers verwendet wurde, nach dem Ort Pergamon in Kleinasien, der heutigen Türkei. Auch nach 500 oder 1000 Jahren reagieren diese ursprünglichen,  nur leicht bearbeiteten und getrockneten Tierhäute mit Ausdehnung. Der Handschriftenband passt nach der Benutzung nicht in seinen Schutzbehälter, Schließen können nicht geschlossen werden. Für Wissenschaftler ist die Arbeit mit den Originalen unverzichtbar, aber zum Glück besitzen wir eine außerordentlich große Sammlung an Faksimiles und  auch unsere digitalen Sammlungen weisen immer mehr Handschriftenbände nach. Schaut man sich die digitalisierten Seiten von

Ms. Phill. 1896  aus dem 8./9. Jh. an,

kann man genau die Fleisch- und die Haarseite des Pergaments erkennen, sowie die zerstörerische Kraft der Eisengallus-Tinte.

Zu Hause rund um die Welt

Gut, die schönsten Reisen finden sprichwörtlich im Kopf oder vielleicht beim Lesen statt. Für alle Daheimgebliebenen kann es daher spannend sein, Reisebeschreibungen zu lesen. Es gibt unzählige gedruckte Werke dieser Art, auch in unserem Bestand. Die Reisetagebücher der großen Weltreisenden wie Alexander von Humboldt,  Georg Forster,   Adelbert von Chamisso  sind bekannt und  ihre erlebnisreichen Aufzeichnungen können sogar über digitale Portale betrachtet werden. Weniger bekannte Schilderungen findet man aber auch in den digitalen Sammlungen, wie eine Beschreibung der  Reise von Bamberg nach Jerusalem im Jahr 1467.

Adelbert von Chamisso, der spätere Weltreisende, schrieb in der Abgeschiedenheit des brandenburgischen Kunersdorf im Jahr 1813 „Peter Schlemiels Schicksale“ nieder: Als Ms. germ. qu. 1809 ging das Heft mit der Geschichte um den Mann ohne Schatten und seine lange Reise  in unsere Bestände ein. Als solches kann man das Heft in den digitalen  Sammlungen sehen oder als Faksimile erwerben. 

Zwei Jahre später brach er im Juli 1815 in Berlin auf und begann am 17.August 1815 seine Weltreise auf dem Expeditionsschiff „Rurik“ unter Otto von Kotzebue. Er bezeichnete den 17. Juli 1816 als den Beginn der „Sommercampagne“, den Beginn der Nordfahrt durch die Beringsee und die angrenzenden Regionen auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent.  Seine Manuskripte, auch  zum Nachlesen gibt es im Katalog „Weltreise- Forster-Humboldt-Chamisso-Ottinger “, ein wunderbares  Werk mit zwei Bänden, auf temperatur- und alterungsbeständigem Papier gedruckt. Im Lesesaal kann man es studieren oder sein eigenes Exemplar – für den Balkon- erwerben.

Es liegt auf der Hand, Reisen bildet…

An der Handschrift mit der Signatur Ms. Phill. 1479 scheint etwas besonders  Reizvolles zu sein. Diese kleine griechische Handschrift mit fünf Abschnitten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde bislang selten benutzt. In der Datenbank Manuscripta Mediaevalia wird sie kurz  verzeichnet. Jetzt ist das Interesse daran so groß, dass innerhalb von vier Monaten Besucher aus Frankreich, Italien und den USA diesen Band  sehen wollen, der noch nicht digitalisiert wurde. Sie enthält zwei griechische Tragödien nach Euripides und Traktate zu prognostischen Methoden. Vielleicht sind es ja die charmanten Zeichnungen mit Angaben zur Handlesekunst und ein Text zur Chiromantie.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“ – vom 26. – 27.8. zeigen wir das Deutschlandlied

„Das Lied der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben – zu sehen am 26./27. August am Kulturforum

Vor 175 Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben auf der Insel Helgoland „Das Lied der Deutschen“. Die eigenhändige Niederschrift der Staatsbibliothek zu Berlin trägt das Datum 26. August 1841. Die dritte Strophe des Deutschlandliedes wurde im Jahr 1991 zum Text der Nationalhymne bestimmt, ihre Melodie stammt von Joseph Haydn.

An zwei Tagen Ende August 2016 kann im Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek das Gedicht in Augenschein genommen werden. Über das Autograph Fallerslebens hinaus werden auch Porträts und Dokumente aus seinem Leben gezeigt. Ergänzend zu sehen sind drei Gedichte, mit denen Lyriker aus Deutschland ihre Sicht auf ihr heutiges Heimatland in Worte fassten.


„Das Lied der Deutschen“ – Das Autograph von H. v. Fallersleben
sowie weitere historische und aktuelle Dokumente

Gedichte von Tanja Dückers, Marica Bodrozic und Jan Koneffke

Freitag/Samstag, 26./27. August 2016
jeweils von 10 bis 19 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum, 10785 Berlin

freier Eintritt

Faksimile vom „Lied der Deutschen“ inkl. 20-seitige Broschüre,
u. a. mit Bibliographie zum Thema 175 Jahre Lied der Deutschen (6 €)


Im Jahr 1903 erwarb die Königliche Bibliothek zu Berlin, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, den umfangreichen schriftlichen Nachlass des Dichters Hoffmann von Fallersleben und damit auch sein lyrisches Tagebuch der beginnenden 1840er Jahre, in dem sich das Gedicht „Das Lied der Deutschen“ befindet.
Der Gelehrte und Dichter Hoffmann von Fallersleben hielt sich im Sommer des Jahres 1841 zu einem Erholungsurlaub auf der Insel Helgoland auf. Einige seiner dort gefassten Gedanken mündeten in „Das Lied der Deutschen“. In dem Gedicht, dessen dritte Strophe er mit den Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit“ einleitete, stellte von Fallersleben die deutsche Nation in den Mittelpunkt und unterstrich seinen politischen Wunsch nach der Vereinigung der Einzelstaaten zu einem Staat, der durch gemeinsame Werte und eine Sprache geprägt sein sollte.
Schon in den ersten Septembertagen 1841 verlegte Julius Campe das Gedicht Fallerslebens zusammen mit den Noten Haydns und überbrachte dem Dichter noch während dessen Urlaub auf Helgoland den Erstdruck.

Das Autograph in der Staatsbibliothek zu Berlin

Während der Auslagerungen der Bestände der Bibliothek zum Schutz vor Kriegseinwirkungen in der ersten Hälfte der 1940er Jahre wurden die reichen und wertvollen Sammlungen weit verstreut. Der Papierbogen mit dem Deutschlandlied – vermutlich war bereits in den 1920er Jahren dieser Bogen für Ausstellungszwecke aus dem lyrischen Tagebuch herausgelöst worden – nahm jedoch nur einen kurzen Weg in die Tresore der gegenüberliegenden Bank. Von dort kehrte das Gedicht nach dem Zweiten Weltkrieg in das Stammhaus der Bibliothek Unter den Linden zurück. Mithin befand sich eine der eigenhändigen Niederschriften vom „Lied der Deutschen“ über mehrere Jahrzehnte bis zur Wiedervereinigung Deutschlands in Ostberlin – öffentlich herausgestellt wurde dieser Umstand nie.

Auf der Vorderseite des Papierbogens stehen die Schlusszeilen eines Gedichts, das nie veröffentlicht worden scheint. Auf derselben Seite ist das auf den 25. August 1841 datierte Gedicht „Zum Abschiede“ zu sehen. Auf der folgenden Seite steht „Das Lied der Deutschen“, datiert auf den 26. August 1841.

Wie viele Autographe des Deutschlandliedes existieren, ist nicht belegt. Dass das Berliner Exemplar aus dem lyrischen Tagebuch des Dichters stammt und ohne jede Korrektur erscheint, spricht jedoch dafür, dass es sich hierbei um die erste Reinschrift handelt. Gesichert ist die Existenz von zwei weiteren Exemplaren in Bibliotheken in Cologny nahe Genf und Dortmund.

In der das Faksimile begleitenden Broschüre sind zahlreiche Details über die Entstehung und Verbreitung des Deutschlandliedes wie auch über seine Wirkung und Rezeption dargelegt. Das Faksimile mit der Broschüre ist für 6 € in der Ausstellung erhältlich (auch zu bestellen über publikationen@sbb.spk-berlin.de).

Digitale Abbildung

aktuelle Berichterstattung

Die Abbildung des Deutschlandliedes steht in der Digitalen Bibliothek der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz kostenfrei zur Verfügung: http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN856912018&PHYSID=PHYS_0002&DMDID=DMDLOG_0001
Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – PK

kommerzielle Zwecke

Für die kommerzielle Nutzung der Abbildung steht die
bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte, Tel. 030 / 278 792 0, kontakt@bpk-images.de, mit ihren Dienstleistungen zur Verfügung.

Neue Blogreihe: Meere und Ozeane

Am 7. Juni fiel der Startschuss für das aktuelle Wissenschaftsjahr 2016*2017, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Initiative Wissenschaft im Dialog ausgerichtet wird. Im Zentrum stehen dieses Mal Meere und Ozeane. Unter dem Motto Entdecken. Nutzen. Schützen finden zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen zu den sechs Themenschwerpunkten Nahrungsquelle und Schatzkammer, Rohstofflager und Energielieferant, Arktis und Antarktis, Wetterküche und Klimamaschine, Seestraße und Handelsroute sowie Sehnsuchtsort und Naturgewalt statt.

Vielleicht sind Sie bereits an Bord der MS Wissenschaft gewesen, die im Juni am Berliner Schiffbauerdamm ankerte und zur Mitmach-Ausstellung „Meere und Ozeane“ einlud, und können nun nicht genug davon bekommen? Oder Sie kommen gerade aus dem Sommerurlaub an der See zurück und vermissen die frische Meeresluft? Die Berliner Luft hat zwar „einen holden Duft“, wie schon Heinrich Bolten-Baeckers – Texter der Berliner Landeshymne – wusste, doch wahrlich keinen salzhaltigen, und die Spree ist auch nicht ganz ein Ozean, doch Berlin, vor allem aber die Staatsbibliothek zu Berlin hat Ihnen da einiges zum Thema zu bieten – nicht nur architektonisch mit dem „großen Bibliothekstanker“ Hans Scharouns mit seinen Bullaugenfenstern und den relingartigen Galerien. Deshalb setzen wir für Sie die Segel und stechen in See zu einer Entdeckungsreise durch unsere Fachgebiete und Sammlungsbereiche.

In der Blogreihe „Meere und Ozeane“ schließen wir uns dem Motto Entdecken. Nutzen. Schützen an und berichten während des Wissenschaftsjahrs regelmäßig über allerlei Wissenswertes zum Thema aus verschiedenen Fachgebieten, besondere Buchschätze und skurrile Fakten – mal ernsthafter, mal unterhaltsamer, und immer mit Bezug zu unseren Sammlungen. Freuen Sie sich beispielsweise auf Beiträge aus den Bereichen Politik, Technik, Literatur, Geografie, Tourismus und vieles mehr.

Lichten Sie mit uns die Anker und tauchen Sie gleich zum Auftakt mit uns ab in die Tiefsee – mit einem Beitrag aus der Zoologie: Zwischen Mythos und Wissen: Vom Leviathan zum Riesenkalmar.

Zwischen Mythos und Wissen: Vom Leviathan zum Riesenkalmar

Ein Beitrag aus unserer Reihe Meere und Ozeane zum Wissenschaftsjahr 2016*2017

Im Meer gibt es in der Tat noch einiges zu entdecken. Bis zu 95 Prozent sind unerforscht. Man sagt, die Rückseite des Mondes sei besser erkundet als die Tiefsee mit ihren hohen Bergen, Lava spuckenden Vulkanen und bis zu 11.000 Meter tiefen Gräben. In fast vollständiger Dunkelheit ist sie der Lebensraum von Millionen unentdeckter Arten.

Die Tiere des Meeres sind seit jeher legendenumwobene Gestalten. Die Bibel spricht von einem Drachen aus dem Meer, in Homers Odyssee ist die Skylla ein Seeungeheuer mit zwölf abscheulichen Klauen und sechs Hälsen mit grässlichen Köpfen, während die römische Enzyklopädie Naturalis Historia von einem riesigen und fürchterlich stinkenden Polypen berichtet, der die Fischteiche der Küstenbewohner plündert. Auf Seekarten und Globen zeugen unzählige Abbildungen von Schiffe verschlingenden Oktopoden, kämpfenden Leviathanen und inselgroßen Seeschlangen von der Angst vor der Tiefe des Meeres, die die Seefahrer über Jahrhunderte begleitete.

Selbst die modernen Wissenschaften konnten dem Meer nicht alle Geheimnisse entreißen. Noch heute lassen sich Kryptozoologie (also die Beschäftigung mit Tieren, für deren Existenz es keine eindeutigen Belege gibt) und Zoologie nicht klar voneinander abgrenzen, wenn es um die Erforschung der Tiefsee geht.

Ein Tier wurde in den letzten beiden Jahrhunderten zum Symbol für alles Unbekannte der Meere: der Riesenkalmar. Er ist das größte wirbellose Tier auf der Erde, mit Tentakeln so lang wie ein Bus und Augen so groß wie der Kopf eines Menschen. Die Existenz dieser Spezies ist mittlerweile belegt, aber vieles bleibt nebulös, so dass sie noch immer wie ein Mythos erscheint.

Beginnen wir doch in der Mark Brandenburg mit einer Annäherung an diese wundersame Kreatur:

Im Teltower Kreisblatt – von der Staatsbibliothek zu Berlin im Projekt „Digitalisierung der Amtspresse Preußens“ online gestellt – findet sich am 24. Dezember 1888 ein mysteriöser Eintrag. Unter der Überschrift „Kampf mit einem Seeungeheuer“ heißt es:

 

Kampf mit dem Seeungeheuer

In Wellington (Neuseeland) hatte ein Taucher den Auftrag erhalten, im Hafen einige Blöcke neben den Brückenpfeilern unterm Wasser zu befestigen. Der Taucher Mc. Govan ging in seinem Kautschukanzug hinunter und wurde, wie die „Frankf. Ztg.“ mittheilt, mitten in der Arbeit von einem riesigen Polypen ergriffen, dessen Saugwarzen sich zu gleicher Zeit auf seinem Rücken und am Gebälke des Pfeilers festsetzten. Mc. Govan machte zuerst verzweifelte Anstrengungen, sich loszuarbeiten. Je mehr er aber kämpfte, umso fester packte ihn das Seeungeheuer an. Schließlich stellte der Taucher das Kämpfen ein und bemerkte zu seiner Befriedigung nach einigen Minuten, daß die Beine des Polypen sich von dem Pfeiler losgelöst hatten. In diesem Augenblick gab er das Zeichen zum Herausziehen und der Taucher wurde mit dem Ungeheuer auf dem Rücken in die Höhe gezogen. Die Extremitäten des Seethieres waren neun Fuß lang.
(Teltower Kreisblatt, 24.12.1888, S. 832)

 

Die kurze Nachricht aus der Rubrik Vermischtes passt in die damalige Zeit und fällt gleichzeitig aus der Reihe. Aberglaube und Moderne treffen hier aufeinander. Als Seeungeheuer, Polyp und Seethier wird die Kreatur bezeichnet, die den Taucher, heute würden wir vermutlich Industrietaucher sagen, in seinem modernen Kautschukanzug angegriffen hatte.

Die Zeitung unterschlug jedoch, dass das Seeungeheuer bereits mehr als 30 Jahre zuvor den Übergang vom Reich der Sagen in die wissenschaftliche Literatur vollzogen hatte. 1854 zeigte der dänische Zoologe Japetus Steenstrup in einer Vorlesung seiner verblüfften Zuhörerschaft den Kiefer eines Riesenkalmars und gab dem dazugehörigen Tier den schön wissenschaftlich klingenden Namen Architeuthis (herrschender Kalmar). Andere Wissenschaftler bezweifelten Steenstrups Ausführungen zunächst, bis 1873 ein Fischer vor Neufundland eine Begegnung mit einem lebenden Riesenkalmar hatte, die damit endete, dass der Fischer dem Kalmar mit einer Axt einen sechs Meter langen Tentakel abschlug. An Land gebracht wurde der Tentakel im Museum ausgestellt und überzeugte so auch die letzten Skeptiker von der Existenz des Riesenkalmars.

A giant squid washed ashore on the Newfoundland coast in 1877: wood engraving from a contemporary American newspaper. Quelle: Britannica ImageQuest, The Granger Collection, Universal Images Group

A giant squid washed ashore on the Newfoundland coast in 1877: wood engraving from a contemporary American newspaper. Quelle: Britannica ImageQuest. Copyright: The Granger Collection, Universal Images Group

 

In den 1870er und 1880er Jahren gab es einen regelrechten wissenschaftlichen Hype um Riesenkalmare, was durch zahlreiche Funde bestärkt wurde. Vor Neuseeland wurden innerhalb einiger Jahre 50-60 Architeuthis an Land gespült oder leblos auf dem Wasser dümpelnd entdeckt. Richard Ellis vermutet, dass noch ungeklärte klimatische Veränderungen der Grund für dieses Phänomen waren. Zeitgenössische Wissenschaftler wie der amerikanische Zoologe Emery Verrill oder der Neuseeländer Thomas William Kirk stürzten sich auf jeden aufgefundenen Riesenkalmar und publizierten ihre Erkenntnisse in Dutzenden von Artikeln. (Nachzulesen in Monsters of the Sea von Richard Ellis)

Möglicherweise waren nicht allein die aufgespürten Körper der toten Kalmare Auslöser für das gesteigerte Interesse. In erfolgreichen Romanen der Zeit – wie in Herman Melvilles Moby Dick  (1851) oder Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer (1870) – griffen Riesenkalmare (oder Kraken wie sie fälschlicherweise bezeichnet wurden) Menschen und Schiffe an. Das Zusammenspiel moderner Wissenschaft, populärer Romane und alter Legenden gipfelte Mitte des 19. Jahrhunderts in eine allgemeine Begeisterung für die Tiere.

Dass die oben zitierte Nachricht aus dem Teltower Kreisblatt mit keiner Silbe auf eine mögliche rational-wissenschaftliche Erklärung des Seeungeheuerangriffs eingeht, ist auffällig. (Umgekehrt fand der Angriff im Hafen übrigens auch keinen Eingang in die wissenschaftliche Architeuthis-Literatur.) Aber vielleicht es nicht einer reißerischen Story, sondern journalistischer Gründlichkeit geschuldet, dass die genaue Einordnung des Tieres im Ungefähren bleibt. Schließlich wusste man nicht allzu viel über Riesenkalmare, da sie immer nur tot geborgen werden konnten. Der Blick in die Tiefsee war verschlossen, kein Teleskop konnte in den Abgrund schauen, niemand hinabtauchen.

Das änderte sich im 20. Jahrhundert, als Ozeanologen mit U-Booten die Tiefsee erreichten. Im Jahr 1960 tauchten Jacques Piccard und Don Walsh zum tiefsten Punkt der Meere. Der Kalte Krieg lenkte die Ressourcen jedoch verstärkt auf militärisch verwertbare Entdeckungsreisen, so dass Weltraum und Raketen die Tiefsee ausstachen.

Erst in den 1990er Jahren wurde die Tiefsee wieder verstärkt in den Fokus genommen, indem in Wellington, Neuseeland [sic!] 1992 das National Institute of Water and Atmospheric Research gegründet wurde, das sich unter anderem der Erforschung der Riesenkalmare zuwandte. Einer der dort arbeitenden Wissenschaftler war der Ozeanologe Steve O’Shea. Seine obsessive Jagd nach dem Riesenkalmar wurde in einer faszinierenden Reportage im New Yorker verewigt – man kommt kaum umhin, in ihm den Wahn von Kapitän Ahab wiederzuerkennen.

Wellington, New Zealand: Giant Squid on display on the Wellington dockside, caught off the coast of New Zealand. Quelle: Britannica ImageQuets, Barry Durrant, Getty Images

Wellington, New Zealand: Giant Squid on display on the Wellington dockside, caught off the coast of New Zealand. Quelle: Britannica ImageQuest. Copyright: Barry Durrant, Getty Images

2004 gelangen zum ersten Mal Fotoaufnahmen eines lebenden Riesenkalmars, 2012 konnte er in seiner natürlichen Umgebung gefilmt werden. Langsam nähern wir uns dem Ende eines Mythos. Aber noch ist vieles, was wir über Riesenkalmare vermuten – wie sie jagen oder wie sie sich fortpflanzen – aus anatomischen Merkmalen und nicht aus Beobachtungen abgeleitet.

Eine Auswahl von Literatur aus der Staatsbibliothek zu Berlin zu diesem Thema:

Seeungeheuer:

Tiefseeforschung:

 

Vorschau: Im nächsten Beitrag nehmen wir Kurs auf die Philologien – freuen Sie sich auf ozeanische Erkundungen in den Weiten der Literatur!

 

Das 18. Jahrhundert wird lebendig!

Welche Vorstellungen haben wir vom Leben im 18. Jahrhundert und wodurch werden sie geprägt? Neben musealen Gegenständen, Gebäuden, Parks und anderen Hinterlassenschaften (denken wir nur an die Musik) sind es vor allem die papiernen Kulturgüter, die Einblicke in das damalige Leben gewähren. Die Staatsbibliothek besitzt nicht nur herausragende Musikalien, Handschriften und Karten aus dieser Zeit, sondern auch eine der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen Historischer Drucke dieser Zeit. Aus diesem Grund nimmt sie seit 2009 an dem kooperativen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt VD 18 teil. Gemeinsam mit anderen Bibliotheken Deutschlands entsteht ein „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts“, das zugleich als Nationalbibliographie und digitale Bibliothek firmiert. Wer bibliographische Recherchen über den bereits redigierten und digitalisierten Projektbestand (150.000 Titel) der beteiligten Bibliotheken durchführen möchte, dem sei die VD18-Datenbank empfohlen. Möchte man sich durch die digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek bewegen und digitalisierte Drucke des 18. Jahrhunderts erkunden, dann ist man hier an der richtigen Adresse. Über 20.000 Werke können hier bereits durchsucht und gelesen werden. Rasch fällt auf, dass unsere Schwerpunkte bei Sprachen / Literaturen, der Theologie und der Rechtswissenschaft liegen.

Ein Blick auf die unterschiedlichen Gattungen der digitalisierten verzeichneten Drucke ergibt folgendes Bild:

Gelegenheitsschrift (davon 1/3 Funeralschriften) 26 %
Universitätsschrift, Dissertation, Schulschrift 19 %
Verordnung, Edikt, Amtsdruckschrift 8 %
Lied oder Liedersammlung, Lyrik 15 %
Roman, Schauspiel, Komödie, Tragödie, Traktakt 7 %
Flugschrift, Streitschrift, Kolportageliteratur 13 %

Diese und andere Gattungsbegriffe kann man auch für die Suche heranziehen. Beispielsweise erhält man nach Eingabe der Suchanfrage „genre_aad:verordnung“ 1.345 Treffer im SBB-VD18-Bestand, darunter auch die Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark : De Dato den 16ten April 1794 oder auch Anweisung wie gute Maulbeer-Baum-Hecken mit dem besten Fortgang anzulegen, und nützlich zu gebrauchen sind von 1768.

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2"An 8630-10 R

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2″An 8630-10 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet$dvon der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4" 3 N 597 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet von der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4″ 3 N 597 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4" Lo 4747 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4″ Lo 4747 R

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der Imagedigitalisierung werden ebenso Strukturdaten erfasst, die die Suche nach Kapitelüberschriften oder speziellen buchkundlichen Gesichtspunkten (Kupfertitel, Druckermarke u.a. – z.B. type:bookplate) gestatten. Auch die Suche nach illustrierten Werken ist möglich (type:illustration). Derzeit sind 1.741 Werke im VD18-Segment der Staatsbibliothek illustriert, beispielsweise auch Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet oder Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben.

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist vor kurzem in den zweiten Abschnitt der Projekthauptphase eingetreten und beabsichtigt, in den kommenden zwei Jahren weitere 10.000 Titel zu digitalisieren.

Wer mehr über das Projekt und seine bibliothekarischen Hintergründe erfahren möchte, sei auf den Artikel Das VD 18 – Aufklärung gefällig? im Bibliotheksmagazin 2/2016, S. 53ff. verwiesen.

 

[Text von Maria Federbusch.]

Staatsbibliothek zu Berlin-PK / CC NC-BY-SA

Luxemburger Literaturpreisträger Jean-Paul Jacobs verstorben

Jean-Paul Jacobs (1941-2016) - Staatsbibliothek zu Berlin-PK / CC NC-BY-SA

Jean-Paul Jacobs (1941-2016)

Der am 23. Januar 1941 in Esch/Alzette geborene Luxemburger Dichter und Schriftsteller Jean-Paul Jacobs ist tot. Der Träger des Prix Servais 2005 und langjähriger Mitarbeiter der Staatsbibliothek starb am 19. Juli 2016 im Alter von 75 Jahren in seiner Wahlheimat Berlin.

Nach dem Studium der Musikwissenschaften, der Geschichte und der Philosophie in Bonn zog es ihn auf Einladung des österreichischen Dichters H.C. Artmann 1966 nach Berlin. Die damals noch geteilte Stadt und das spätere wiedervereinigte Berlin mit seinem von kulturellen Kleinodien gespickten Umland wurden für Jean-Paul Jacobs zur immerwährenden Inspirationsquelle.
Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Jean-Paul Jacobs zunächst auf dem Bau, bei der Bahnhofsmission, im Musikarchiv des Radiosenders Rias, bevor er in der Zeit von 1975 bis 2006 als Mitarbeiter der Staatsbibliothek tätig war.
Als vielseitig Kulturinteressierter war Jacobs immer wieder begeistert, am Kulturforum, dem wie er selbst sagte „Wie von Götterhand geschaffenen Ensemble der Musik, der Literatur und der Schönen Künste“ zu arbeiten.

Jean-Paul Jacobs war einer der herausragenden deutschsprachigen Luxemburger Dichter. Sein 1965 in Luxemburg veröffentlichter erster Gedichtband „Apoll kaputt“ sorgte für Aufruhr im bürgerlich geprägten Luxemburg der 60iger Jahre – Schüler lasen Jacobs’ Gedichte heimlich unter der Schulbank.
Mit seiner grotesken, ironischen, skurril-extravaganten, surrealen, mit Zitaten, Anspielungen und Metaphern geschmückten Lyrik wollte er die Leserschaft „ergötzen und erquicken“ wie er selbst sagte. „Prächtige Melancholie und melancholische Pracht“ kennzeichnen seine Poesie.

Kondolenz-Tweet des luxemburgischen Premierministers - Screenshot

Kondolenz-Tweet des Premierministers von Luxemburg

Das Band zu seiner Heimat Luxemburg zerriss nie – zehn seiner zahlreichen Publikationen sind in Luxemburger Verlagen erschienen. 2005 erhielt er für den im Luxemburger Verlag Editions Phi erschienenen Gedichtband „Jenes Gedicht & mit nichts“ den renommiertesten Luxemburger Literaturpreis „Prix Servais“. In seiner Dankesrede, gehalten am 6. Juli 2005 im Centre National de Littérature in Mersch/Luxemburg beschreibt Jacobs das Wesen der Poesie. „Der Poesie muss ein zauberhafter Zauber innewohnen, der weder vom Dichter selbst, noch vom Leser erklärt werden kann. Die einzige Instanz, die die Poesie zu deuten vermag, ist die Poesie selbst.“
Wer das Glück hatte, bei einer der vielen Lesungen in Kulturinstitutionen, Galerien, bei Förderern und Freunden in Deutschland und Luxemburg dabei zu sein, konnte Jean-Paul Jacobs als den besten Interpreten seiner Texte erleben.

Jean-Paul Jacobs war nicht nur Dichter sondern auch unermüdlicher, enthusiastischer Entdecker unbekannter und vergessener Komponistinnen und Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts: In den Jahren 2009 bis 2015 produzierte er für den Luxemburger Radiosender 100,7 zahlreiche Sendungen. Er selbst, hochmusikalisch, spielte Orgel, Cembalo und Klavier.

Bis zuletzt war Jean-Paul Jacobs trotz schwerer Krankheit schöpferisch tätig – noch drei Tage vor seinem Tod erschien sein letzter Gedichtband „fragmente“, von Freunden für ihn herausgegeben, als Abschiedsgeschenk für seine Leserinnen und Leser.

Den Blick auf das Schöne und Gute zu lenken, zu verzaubern und in Staunen zu versetzen, war ihm mehr als ein Anliegen.

 

an eine unbekannte cousine in venedig
ma chère cousine
einst saß ich in venedig
in harry’s bar
und grübelte darüber
ob ich ihnen vielleicht ein paar verse
über einen seltenen venezianischen vogel
den ich das glück hatte
in santi giovanni e paolo
herumstolzieren zu sehen
zukommen lassen sollte

was bedeutet ihnen nun das gedicht
über den wunderlichen aber
von der natur meisterhaft
kolorierten vogel
das ich ihnen in venedig
durch einen livrierten boten
habe überreichen lassen?

sie lesen es ja nicht einmal
und selbst dann wenn sie
zufällig zeit und lust gehabt hätten
es zu lesen
würden sie mir nicht sagen
ob es ihnen gefallen hat
oder nicht

sie schweigen
tag und nacht

es ist nun aber nicht so
dass ich nicht wüsste
dass ich ein narr bin
ich erkläre es ihnen

sie schweigen nur
weil ich nicht anders kann
als sie mir schweigend vorzustellen
aus angst darüber
aus ihrem mund
eine abfällige äußerung über ein gedicht
mit einem so schönen und seltenen vogel
hören zu müssen

Aus: J-P Jacobs: Garten im Winter. Privatdruck 2016

o tirsis
du der du im schatten
so gerne ruhtest
wo ruhst du jetzt
wohl nah an den weiten landschaften
in die dir die götter
marmorne schafe hingesetzt haben
o tirsis mein gütster!

Aus: J-P Jacobs: fragmente. Privatedition 2016