Beiträge

Werkstattgespräch zum Bundesverfassungsgericht am 27.6.

Wissenswerkstatt
Das Bundesverfassungsgericht und die Demokratie
Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Gertrude Lübbe-Wolff,
Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld und ehemalige Bundesverfassungsrichterin

Montag, 27. Juni
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Das Bundesverfassungsgericht kann Gesetze für verfassungswidrig und nichtig erklären. Wie nutzt es diese Kompetenz? Wie kommen seine Entscheidungen zustande? Ist es undemokratisch, wenn ein Gericht dem demokratisch gewählten Gesetzgeber in die Parade fährt? Wird das höchste Gericht damit zum politischen Akteur? Auf diese Fragen antwortet der Vortrag.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin.

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Informationen, Macht und das ‚right to be forgotten‘ – Werkstattgespräch am 31.5.

Wissenswerkstatt
Informationen, Macht und das ‚right to be forgotten‘
Werkstattgespräch mit Jörg Pohle, Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG)

Dienstag, 31. Mai
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

„If all others accepted the lie which the Party imposed – if all records told the same tale – then the lie passed into history and became truth. ‘Who controls the past’ ran the Party slogan, ‘controls the future: who controls the present controls the past.’“ George Orwell, 1984

Die Forderung nach einem right to be forgotten gehört zu den ältesten der privacy- und Datenschutzdebatte – und inzwischen zu den umstrittensten. Ob Jugendsünden oder Bankrotte, ob Verurteilungen oder Mitgliedschaften in politischen Organisationen, ob Kneipengespräche oder Krankheiten, ob Liebesbeziehungen oder Likes, Tweets und Chat-Nachrichten – die Frage, wer entscheiden darf, wer was wann und bei welcher Gelegenheit – und wie lange – über wen speichern und verwenden darf und zu welchen Zwecken, ist eine der grundlegendsten der Informationsgesellschaft: Es ist die Frage nach der gesellschaftlichen Informationsordnung und damit zugleich die nach der gesellschaftlichen Machtverteilung.

Informationen sind nicht objektiv. Was wahr, aktuell, hilfreich oder auch nur angemessen ist, ist Interpretationssache. Und die Interpretation ist nicht nur abhängig vom Text, sondern auch vom Kontext, vom Zweck und natürlich vom Interpreten. Wer über den Zweck und den Kontext bestimmt, bestimmt auch über die Informationen. Informationen machen transparent, was sie abbilden. Wer über sie bestimmt, erlangt Macht über die transparent gemachten Menschen, ihre sozialen Beziehungen und ihre Geschichte – und kann diese dann gezielt beeinflussen. Und wer über die Informationen bestimmt, kann auch beeinflussen, wie darüber diskutiert wird – und nicht zuletzt, wie über die Menschen und Dinge, die in den Informationen abgebildet werden, entschieden werden kann.

Vor diesem Hintergrund soll der Versuch Googles und anderer privater Unternehmen und öffentlicher Institutionen, sich in der Auseinandersetzung um das right to be forgotten als Verteidiger eines Informationsinteresses der Öffentlichkeit zu gerieren, als Teil eines Kampfes um die Macht in der Informationsgesellschaft kritisch beleuchtet werden.

Poster zur Veranstaltung

Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Workshops der Wissenswerkstatt im April

Im April bieten wir Ihnen wieder Workshops  zu unterschiedlichen Themen an: Wir zeigen Ihnen in den Veranstaltungen nicht nur den praktischen Umgang mit Instrumenten, die Ihnen die Literaturrecherche erleichtern, sondern auch Portale, die gleich zum Lesen einladen.

Workshop
Publish or perish!? – Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende und was es bei der Veröffentlichung von Bildern zu beachten gilt
Teil 1: Mo, 4.4., 16.00-19.00 Uhr
Teil 2: Mi,  6.4., 16.00-19.00 Uhr

Workshop
Fragestunde Philologien
Do, 14.4., 16.00-17.30 Uhr

Workshop
E pluribus unum – digitale Ressourcen zur US-amerikanischen Geschichte
Do, 21.4., 16.00-17.30 Uhr

Workshop
Bauten, Parks und Plätze – Literaturrecherche zur Architektur am Beispiel Berlins
Mi, 27.4., 16.30-18.00 Uhr

 

Zur Wissenswerkstatt

Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Restaurierung einer Rechtsinkunabel finanziert von der International Association of Law Libraries

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist als Archivbibliothek gehalten, ihren seit 1661 aufgebauten Bestand zu bewahren und – dem Erhaltungszustand entsprechend – zu konservieren. Allerdings haben mangelhafte Papierqualitäten, Kriegsschäden, Tintenfraß und nicht zuletzt auch ihre teilweise sehr intensive Nutzung Spuren an so manchen Werken hinterlassen. Das von dem Verein der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin organisierte Buchpatenschaftsprogramm eröffnet bibliothekarischen und nichtbibliothekarischen Institutionen sowie der allgemeinen Öffentlichkeit die Möglichkeit, den Erhalt dieses einzigartigen kulturellen und wissenschaftlichen Erbes durch Finanzierung dringender Reparatur- und Restaurierungsarbeiten zu unterstützen.

In Anerkennung und als Dank für die Organisation ihrer im Herbst 2015 an der Staatsbibliothek zu Berlin durchgeführten Jahreskonferenz übernahm die International Association of Law Libraries (IALL) die Buchpatenschaft für die Restaurierung einer wertvollen Rechtsinkunabel. Es handelt sich dabei um den venezianischen Wiegendruck Corpus iuris civilis. Novellae etc . aus dem Jahre 1487 (Bibliothekssignatur 2° Inc 4218 (Sav 318), (GW07760), der aus der Bibliothek des berühmten Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861) stammt. Das so genannte „Volumen parvum“ bildete den letzten Teil der auf Anweisung Kaiser Justinians zusammengestellten Quellensammlung des Römischen Rechts, des „Corpus iuris civilis“. Es enthält eine Auswahl der „Novellen“ (kaiserliche Gesetze, die nach der Zusammenstellung des „Corpus Iuris Civilis“ erlassen wurden), einen Teil des „Codex Iustinianus“ (eine Sammlung der Kaisergesetze des 2. bis 6. Jahrhunderts) sowie einige weitere, z. T. erst aus dem Mittelalter stammende, Rechtstexte. Die vorliegende Ausgabe beinhaltet zudem den im Mittelalter maßgeblichen Kommentar des Accursius Florentinus (1182/85 – 1260/63), der aufgrund seines Umfangs üblicherweise als Klammerglosse um den eigentlichen Text gesetzt wurde.

Bei diesem Werk mussten der Halbledereinband mit Papierbezug erneuert, die erste und letzte Lage ausgebessert, wieder verheftet und auch Schäden im Buchblock ergänzt werden. Das dem restaurierten Band beigefügte „Exlibris“ auf der Innenseite des Buchdeckels lautet: „Restauriert mit einer Spende von der International Association of Law Libraries anlässlich der Jahreskonferenz in Berlin 2015“. Die Staatsbibliothek zu Berlin – namentlich ihre Handschriftenabteilung – sowie der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung danken der IALL für die großzügige Spende und geben das Werk wieder für die Benutzung frei.

 

Text: Ivo Vogel

Mind the gap! – Wir digitalisieren die Rechtslücke

Seit geraumer Zeit arbeiten immer mehr Bibliotheken in Deutschland daran, ihre urheberrechtsfreien Bestandssegmente – darunter keineswegs nur Bücher, sondern auch Handschriften und Zeitungen – zu digitalisieren und im Open Access zugänglich zu machen. Mit Blick auf die Vielfalt der deutschen Bibliothekslandschaft – auch diese mutet zuweilen als „monstro simile“ an – und bedingt durch die Ungleichzeitigkeit, mit der die einzelnen Häuser in das Digitalisierungsgeschäft eingetreten sind, verwundert es kaum, dass das Gesamtbild der digital verfügbaren Buchinhalte momentan noch eher an ein unvollständiges und vor allem ungleichmäßig zusammengesetztes Puzzle erinnert als an monochrome Farbfeldmalerei. Denn in einigen Bundesländern wie z.B. in Sachsen, Niedersachsen oder Berlin stehen Sondermittel für Digitalisierungsvorhaben mit regionalem Bezug zur Verfügung, während die Deutsche Forschungsgemeinschaft als mit Abstand dynamischste Akteurin auf diesem Feld nicht nur forschungsgetriebene Digitalisierungsprojekte fördert, sondern auch systematische Massenvorhaben auf nationaler Ebene – allen voran die Digitalisierung der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. Und natürlich tragen auch die europäischen bzw. internationalen Initiativen wie Europeana, HathiTrust Digital Library und Google Books ganz erheblich dazu bei, die Regale der deutschen Bibliotheken virtuell zugänglich zu machen.

Zwar ist im Handpressendruck hergestellten Büchern – wie in den unlängst veröffentlichten Bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Archiven und Bibliotheken ausdrücklich betont wird – aufgrund ihrer historischen Gebrauchsspuren und individuellen Sammlungsmerkmale prinzipiell besonderer intrinsischer Wert zuzuschreiben. Dennoch aber dürfte selbst die momentane Hochkonjunktur der Forschungen zur materialen Dimension von schrifttragenden Artefakten die Digitalisierung aller verfügbaren Exemplare eines Werks in seinen verschiedenen Expressionen und Manifestationen kaum rechtfertigen. Um auf dem Boden des eingangs beschriebenen, aus verschiedenen Richtungen sowie mit unterschiedlicher Geschwindigkeit gewebten Flickenteppichs Mehrfachdigitalisierungen zu vermeiden, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft in ihren Praxisregeln Digitalisierung für geförderte Projekte daher konkrete Prüfverfahren verbindlich gemacht. Im Zuge der kooperativen Digitalisierung der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts erbringt sogar eine eigens entwickelte Koordinierungsdatenbank die angesprochene Steuerungsleistung, während im Kontext des entsprechenden nationalen Vorhabens für das 17. Jahrhundert ein Masterplan mit differenzierten Kriterien zur Identifikation der zu berücksichtigenden Bände gilt.

Selbstverständlich ist auch das Korpus der urheberrechtsfreien rechtswissenschaftlichen Quellenliteratur noch nicht lückenlos digitalisiert. Angesichts der Vielfalt und des schieren Umfangs unserer historischen Rechtssammlung – die Staatsbibliothek zu Berlin war schließlich nicht nur Medium monarchischer Repräsentation, sondern auch praktisches Instrument für die Verwaltung des Preußischen Staats – fühlen wir uns diesem Ziel aber in besonderer Weise verpflichtet. Hiervon zeugen etwa unsere Projekte zur Digitalisierung der zwischen 1703 und 1830 erschienen juristischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebiets – eine Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte – oder auch zur Online-Verfügbarmachung unseres Bestands an Druckwerken zu den in deutschen Territorien geltenden Partikularrechten des 19. Jahrhunderts.

Gerade auch vor dem Hintergrund der Transformation des seit 1975 an der Staatsbibliothek zu Berlin angesiedelten Sondersammelgebiets Recht in einen strikt nachfrageorientierten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung haben wir uns für den Lückenschluss zwischen den angesprochenen Massendigitalisierungsvorhaben etwas Neues einfallen lassen – nämlich <intR>²DoD, einen disziplinspezifischen On Demand-Digitalisierungsservice für urheberrechtsfreies Quellenmaterial aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin. Aber damit nicht genug: Dank der Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft kann dieses Dienstleistungsangebot dem wissenschaftlichen Personal universitärer wie außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Deutschland kostenlos angeboten werden – mit dem Ziel, auf diese Weise Impulse zur Anbahnung neuer rechtshistorischer Forschungsprojekte zu geben. Zur Finanzierung der forschungsseitig geäußerten Digitalisierungswünsche steht dabei ein Fonds zur Verfügung, der – unbeschadet einiger Restriktionen zur Gewährleistung eines Mindestmaßes an Verteilungsgerechtigkeit – im Wesentlichen nach dem Windhund-Prinzip des first come, first served ausgeschüttet wird. Und was die Geschwindigkeit angeht, mit der wir den digitalen Lückenschluss auf dem Feld der Rechtsgeschichte vorantreiben, so seien Sie bitte versichert: Schneller als die Arbeiten an der so genannten Berliner Kanzler-U-Bahn-Linie U5 sind wir allemal. Denn bereits innerhalb von 14 Tagen steht Ihnen in der Regel Ihr Wunschdigitalisat auf der Plattform Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin zur Verfügung – und damit natürlich auch allen anderen daran Interessierten.

 

 

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin …“ – Weitere Vorträge zur Materialität von Schriftlichkeit

Mit einem geradezu faustischen Programm startete in dieser Woche eine Serie von Vorträgen, mit denen unsere etablierte Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in loser Folge flankiert werden soll. Selbstverständlich ist damit keinesfalls auf eine wie auch immer geartete Beteiligung Mephistos an der Konzeption dieses neuen Formats angespielt, sondern vielmehr auf dessen Themenprofil, denn von der Philosophie ging es stracks auf das Feld der Rechtswissenschaften. Ob es uns freilich gelingen wird, die frisch begründete Reihe mit Beiträgen zu medizinischen und theologischen Inhalten fortzusetzen? Ein Blick in das „geheimnisvolle Buch, von Nostradamus‘ eigner Hand“ würde vermutlich die Antwort verraten. Aber lassen Sie sich doch lieber überraschen, denn der nächste Termin ist bereits für Mitte Februar 2016 geplant!

Den Auftakt jedenfalls markierte am vergangenen Dienstag der Berliner Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich mit einer Analyse der Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung. Auf Quellenbasis von an der Philosophischen Fakultät der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten Doktorarbeiten aus den Jahren 1817 bis 1883 rekonstruierte der Referent unter Einsatz von Verfahren des distant reading den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zur wissenschaftlichen Textsorte, wie wir sie heute kennen. Dabei nahm die im Vortrag vorgestellte quantitativ-statistisch angelegte Untersuchung, die im Übrigen selbst im Rahmen eines an der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelten Promotionsvorhabens durchgeführt wird, vor allem die Materialität der Dissertationsschriften in den Fokus – konkret etwa deren Format, Seitenzahl und Kapitellänge.

Bereits zwei Tage später – also am gestrigen Donnerstag – widmeten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) den zweiten Themenabend der Materialität kanonistischer Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Anlass für diesen Dialog zwischen den Perspektiven von Kodikologie und rechtshistorischer Forschung gab das Erscheinen der Akten der von den beiden Referentinnen an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters: Produktionsorte und Importwege. Eingeladen hatten der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung gemeinsam mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Neben dem unmittelbaren wissenschaftlichen Ertrag für die Vermessung von historischen Sammlungskontexten und Transferprozessen mittelalterlicher Rechtscodices gab der Gemeinschaftsvortrag zugleich anregende Impulse, das Potential der Forschung zu materialen (Text)Kulturen in interdisziplinärer Perspektive weiter auszuloten – zumal mit Blick auf zwei aktuelle wissenschaftspolitische Debatten. Denn zum einen sollte die „Wiederentdeckung“ der Objekte  im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eminent dazu beitragen können, die Position der – wie der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands warnt – von ihrer Marginalisierung bedrohten Historischen Grundwissenschaften zu stärken. Zum anderen aber dürfte das Paradigma des new materialism gerade auch die von Seiten des Wissenschaftsrats geforderte Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer und transdisziplinäre Öffnung der Rechtswissenschaften rasant befördern. Die anbrechende Epoche der „Neuen alten Sachlichkeit“ hat insofern also die Chance, zu einem veritablen Goldenen Zeitalter etwa der Rechtsarchäologie und -ikonographie zu werden. Und vielleicht wird man schon in wenigen Jahren von den Angehörigen der juristischen Fakultäten sagen: „Hier ist das Wohlbehagen erblich, Die Wange heitert wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund.

 

 

 

Direkter Leihverkehrsservice des FID Recht geht an den Start

Mit dem direkten Leihverkehrsservice hat im Oktober 2015 ein weiteres Serviceangebot des Fachinformationsdienstes für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung seine Dienste aufgenommen.

Ziel dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes ist es, allen planmäßig Lehrenden an den rechtswissenschaftlichen Fakultäten deutscher Universitäten und Hochschulen die Möglichkeit einzuräumen, wissenschaftliche Spezialpublikationen aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, die vor Ort nicht zugänglich sind, direkt beim Fachinformationsdienst Recht zu exklusiven Sonderkonditionen zu entleihen. Innerhalb weniger Tage können die Werke aus unseren Magazinen direkt an den gewünschten Ort geliefert werden!

Perspektivisch soll das Projekt in Kooperation mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kompetenzzentrum zur Lizenzierung elektronischer Ressourcen um eine zusätzliche Serviceinfrastruktur erweitert werden: Den Benutzerinnen und Benutzern des direkten Leihverkehrs soll ein Zugriff auf nachfrageorientierte hochspezialisierte rechtswissenschaftliche Datenbanken, elektronische Zeitschriften und E-Book-Pakete zur Verfügung gestellt werden.

 

 

Vom Alexanderplatz in den Orbit

Editionsgeschichte und typographische Gestaltung des vielleicht wichtigsten Berlin-Romans des 20. Jahrhunderts – die Rede ist natürlich von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – standen am gestrigen Dienstag im Zentrum jenes Dialogs mit der Forschung, den die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Monaten mit dem Arbeitskreis Die Materialität der Literatur führt, einem Zusammenschluss von Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten.

Dabei ging es dem Referenten Dr. Bernhard Metz (Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin) vor allem darum, diese von Walter Benjamin so bezeichnete „äußerste, schwindelnde, letzte, vorgeschobenste Stufe des alten bürgerlichen Bildungsromans“ als überzeugend durchgestaltetes und nicht selten irritierendes Gesamtkunstwerk in allen seinen materialen Facetten zum Funkeln zu bringen. Denn der im Herbst 1929 bei S. Fischer in Berlin erschienene und von Georg Salter gestaltete Erfolgsroman ist in seiner ursprünglichen, montageartig zerschnittenen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt – nicht zuletzt das Resultat von Döblins Verfemung durch das nationalsozialistische Regime. Gerade vor diesem historischen Hintergrund zog Bernhard Metz Die Geschichte vom Franz Biberkopf – so der moritatenhafte Untertitel des Romans – zugleich auch zur Illustration von Problemen heran, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird.

Neu herausgebracht werden aber keineswegs nur erfolgreiche Texte – auch publikumswirksame Vortragsreihen sind vor Veränderungen nicht gefeit: Seien es die über die Stadt verstreuten Eventi collaterali der Biennale von Venedig, seien es die „außer Konkurrenz“ gezeigten Filmbeiträge zur Berlinale – jedes Festival, das etwas auf sich hält, wird früher oder später von einem eigenen Satellitenprogramm begleitet. Und so freut sich auch die Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit über einen Halo thematisch anschlussfähiger Vorträge, die in den kommenden Monaten in loser Folge in ihrem Orbit sichtbar und vor allem hörbar werden sollen.

Den Startpunkt zu dieser begleitenden Expeditionsreise durch die unendlichen Weiten der Gutenberg-Galaxis markiert am 24. November der Vortrag Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung, in dessen Rahmen der Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich am Beispiel philosophischer Doktorarbeiten des 19. Jahrhunderts den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat unter Berücksichtigung materialer Aspekte rekonstruieren wird.

Bereits zwei Tage später – also am 26. November – möchten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) im interdisziplinären Dialog die zentralen Ergebnisse der 2011 von ihnen veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Produktionsorte und Importwege vorstellen. Konkret sollen dabei insbesondere die folgenden Fragenkomplexe diskutiert werden: Aus welchen Gründen und Motiven wurden Rechtshandschriften gesammelt? Wo verliefen die geographischen und institutionellen Wege des Handschriftentransfers, welche Akteure waren beteiligt? Welche Aufschlüsse gibt der Codex in der Materialität seiner Benutzung? Organisiert wird dieser Vortrag in Kooperation mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin sowie dem dort angesiedelten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung.

Sind Sie denn schon ready for Liftoff? Der Countdown für Ihren Flug in den Orbit der Materialität von Schriftlichkeit wurde jedenfalls schon gestartet. Und bitte vertrauen Sie uns: Ihre Reise wird ganz sicher nicht als Odyssee im Weltraum enden. Wir freuen uns auf Sie!

 

International Association of Law Libraries zu Gast bei uns

Nach Stationen in Toronto, Barcelona und Buenos Aires fand in der Zeit vom 20. September 2015 bis zum 24. September 2015 die 34. Jahrestagung der International Association of Law Libraries (IALL) in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Als einziger global agierender gemeinnütziger Zusammenschluss von juristischen Bibliotheken hat es sich die IALL zur Aufgabe gemacht, die grenzüberschreitende Vermittlung rechtswissenschaftlicher Fachinformationen zu befördern. 1959 gegründet und inzwischen auf über 600 Mitglieder aus mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten angewachsen, repräsentiert die IALL das gesamte Spektrum an Rechtsbibliotheken – von wissenschaftlichen Universalbibliotheken über Unternehmens-, Parlaments- und Nationalbibliotheken bis hin zu Verwaltungs- und Gerichtsbibliotheken.

An der Jahrestagung zum Thema „Within and in Between: German Legal Tradition in Times of Internationalization and Beyond“ haben insgesamt 151 Personen aus über 20 Nationen (in der Mehrzahl Angehörige des wissenschaftlichen Diensts internationaler Rechtsbibliotheken) teilgenommen, um sich aus Forschungsperspektive über die verschiedenen Facetten des Rechtssystems Deutschlands zu informieren. Die Konferenz wurde von 15 Sponsoren unterstützt, wovon 13 Verlage als Aussteller vor Ort ihr juristisches Verlagssortiment und ein breites Portfolio an rechtswissenschaftlichen Ressourcen präsentierten – darunter Wolters Kluwer, Law Business Research, Brill, Cambridge University Press, Oxford University Press, C.H. Beck und Nomos. Das umfangreiche akademische Programm schlug mit 15 Vorträgen einen inhaltlichen Bogen von der Transnationalisierung der Rechtswissenschaften über die Nürnberger Prozesse bis hin zu juristischen Blogs. Daneben wurden ausgewählte Aspekte der Grund-, Frauen- und Menschenrechte sowie des Europa- und Vereinigungsrechts ebenso aus forschungsorientierter Perspektive beleuchtet wie Fragen der Staatskriminalität, der Zugänglichkeit von Bibliotheken für Menschen mit Behinderung sowie des Schutzes von Kulturgütern.

Die Vorträge wurden von namhaften Forschenden wie Prof. Dr. Thomas Duve (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte), Prof. Dr. Georg Nolte (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Prof. Dr. Heike Schweitzer (beide Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Johanna Schmidt-Räntsch (Bundesgerichtshof/Humboldt-Universität zu Berlin) präsentiert. Überdies kamen sowohl Rechtspraktiker – unter ihnen Dr. Paul Klimpel (Rechtsanwalt/iRIGHTSlaw) – und leitende Behördenmitarbeiter wie Claus Koggel (Bundesrat) und Dr. Andreas Günther (Bundesjustizministerium) zu Wort als auch der wissenschaftliche Nachwuchs an den Berliner Universitäten in Person von Dr. Kim Christian Priemel, Dr. Marion Röwekamp, Hannah Birkenkötter und Jan-Michael Arend. Komplettiert wurde der Kreis der Vortragenden von den Bibliothekarinnen Anne Sieberns (Deutsches Institut für Menschenrechte) und Ursula Freyschmidt (Bibliothek des Bundestages). Eine Vielzahl der Vorträge sollen im International Journal of Legal Information veröffentlicht werden.

Das konferenzbegleitende Programm führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem in den Bundesrat, nach Sanssouci und Cecilienhof, in die Bundestagsbibliothek sowie hinter die Kulissen der Staatsbibliothek zu Berlin.

Die nächste Jahrestagung der IALL wird vom 31. Juli bis 3. August 2016 am Keble College in Oxford stattfinden.

Ivo Vogel

Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung

Rechtskultur und Informationsinfrastruktur

Maßgeschneiderte Serviceangebote für die rechtswissenschaftliche Forschung vor den Herausforderungen von Internationalisierung und Interdisziplinarität

In einem mehrjährigen Prozess hat der Wissenschaftsrat die rechtswissenschaftlichen Forschungsstrukturen in Deutschland einer grundlegenden Evaluation unterzogen und als Resultat ein Bündel von Empfehlungen verabschiedet, die an drei strategischen Leitbildern orientiert sind:

  1. Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer
  2. Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung
  3. umfassende Internationalisierung des Fachs

Wie angesichts der Autorität des einflussreichen wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums kaum anders zu erwarten, hat sein Angang 2012 veröffentlichtes Positionspapier die disziplinäre Selbstreflexion über den methodischen Ort der Rechtswissenschaften befeuert und dabei vor allem jenen Stimmen zusätzliches Gewicht verliehen, die in transnationalen institutionellen Arrangements sowie in nicht alleine juristisch zu begreifenden normativen Ordnungssystemen zentrale Forschungsfelder identifizieren.

Als forschungsstrategisches Leitkonzept hat sich in diesem Zusammenhang auch in Deutschland der seit den späten 1960er Jahren vor allem von Lawrence M. Friedman geprägte und für ein Vielzahl von Fächern anschlussfähige Analyserahmen der Rechtskultur akademisch etablieren können. Hierfür stehen besonders prominent die Einrichtung von großformatigen drittmittelfinanzierten Verbundforschungsprojekten sowie die nicht zuletzt dadurch rasant anwachsende Zahl entsprechender Zeitschriften und Schriftenreihen – darunter etwa:

Rechtskultur: Zeitschrift für europäische Rechtsgeschichte

Studien zu Recht und Rechtskultur Chinas

Studien zur europäischen Rechtskultur

Schriftenreihe des Käte-Hamburger-Kollegs „Recht als Kultur“

Unter inhaltlichem Aspekt ist die Rechtskultur-Forschung insbesondere an Phänomenen von Multinormativität interessiert – und das nicht nur mit Bezug auf das dynamische Zusammenspiel von festgeschriebenen und informellen Spielregeln einer Gesellschaft, sondern zugleich auch unter dem Aspekt der sich beschleunigenden Transnationalisierung bzw. Überlagerung von Rechtsordnungen. Gerade aber die vor diesem Hintergrund ermöglichte Öffnung des Fachs für Methodenimpulse der Area Studies erklärt denn auch die Gründung des interdisziplinären Forschungsverbunds Recht im Kontext bzw. des Postdoc-Kollegs Rechtskulturen: Konfrontationen jenseits des Vergleichs am Berliner Forum Transregionale Studien, dessen Mitgliederversammlung im Übrigen unser Ober-Chef, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vorsitzt.

Analog dazu ist auch das Forschungsprogramm des an der an der Goethe-Universität Frankfurt am Main angesiedelten Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen – des zweiten hier zu erwähnenden Projektverbunds – auf die rasanten gesellschaftlichen Veränderungsdynamiken der Globalisierung fokussiert, deren Wucht nicht zuletzt in der normativen Dimension sich beständig transformierender transnationaler Institutionsgefüge zu Tage tritt.

Demgegenüber geht es dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung an der Universität Bonn eingerichteten Käte Hamburger Kolleg Recht als Kultur vor allem darum, Recht in seiner Kulturbedeutung (Max Weber) stärker in den Blick geisteswissenschaftlicher Forschung zu rücken und letztlich einen „judicial turn“ der Geisteswissenschaften anzustoßen.

Gerade auch in Reaktion auf die hier nur angedeuteten wissenschaftsimmanenten Prozesse hat die Staatsbibliothek zu Berlin das Konzept für einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung entwickelt, der mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 an die Stelle des Sondersammelgebiets Recht trat. Das größtenteils bereits realisierte Arbeitsprogramm beinhaltet neben der nachfrageorientierten Schärfung des Erwerbungsprofils im Bereich der rechtswissenschaftlichen Forschungsliteratur vor allem den Aufbau spezieller Fernleih- und Digitalisierungsservices, die Einrichtung einer Suchmaschine für juristische Fachinformationen sowie nicht zuletzt die Freischaltung des ersten disziplinären Open-Access-Repositoriums für die rechtswissenschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum.

Förderpolitischer Hintergrund dieser Initiative bildete die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeleitete Transformation der etablierten Strukturen nationaler Literaturversorgung. So unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1949 in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin-, regional- und materialspezifischen Sondersammelgebieten. Ziel dieser koordinierten Erwerbungskooperation war es, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler wissenschaftlicher Spezialliteratur aufzubauen und überregional verfügbar zu machen. In den Nachkriegsjahren mit der Absicht errichtet, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland mit dem Instrument der Fernleihe zu begegnen, machte der Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarkts als auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Befördert durch die Impulse des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland sowie als Ergebnis einer mehrstufigen Evaluation hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 ihre auf den Aufbau umfassender Sammlungen zielenden Erwerbungsrichtlinien zugunsten einer dezidierten Ausrichtung des bibliothekarischen Dienstleistungsangebots auf die konkrete Nachfrage und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity aufgegeben. Einher geht dieser Prozess nicht nur mit der Umbenennung der Sondersammelgebiete in Fachinformationsdienste für die Wissenschaft, sondern auch mit der Integration des bislang auf dauerhafte Strukturbildung ausgerichteten Finanzierungsmodells in die regulären projektbasierten Förderverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Spätestens die im Herbst des kommenden Jahres anstehende Entscheidung über den von der Staatsbibliothek zu Berlin einzureichenden Folgeantrag wird demnach also unter Beweis stellen müssen, ob es uns gelungen ist, dem aktuellen Fachinformationsbedarf der rechtswissenschaftlichen Forschungscommunity in Deutschland gerecht zu werden. Drücken Sie uns bitte die Daumen oder – noch besser – helfen Sie uns durch Ihr Feedback, unsere Fachinformationsangebote nahtlos an Ihre Anforderungen und Wünsche anzupassen. Schönen Dank!

Über den Ausgang des Verfahrens informieren wir Sie in jedem Fall natürlich hier.

 

Und wenn es etwas ausführlicher sein soll:

Ivo Vogel/Christian Mathieu: Rechtswissenschaftliche Fachinformationsversorgung im Wandel – Zur Transformation des Sondersammelgebiets Recht in einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, in: Recht, Bibliothek, Dokumentation: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen 44 (2014), S. 1-14

http://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00000006