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DFG fördert weiter FID Recht

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, setzt die Förderung für den im Jahr 2014 an der Staatsbibliothek zu Berlin eingerichteten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung (FID Recht)  fort und unterstreicht damit die Qualität wie auch die Bedeutung des FID Recht.

Mit verbesserten Serviceangeboten und neu entwickelten Dienstleistungen – darunter ein überregional zugänglicher Lizenzraum für hochspezialisierte elektronische Zeitschriften und Datenbanken für einen definierten Teilnehmerkreis – wird bis zum Ende des Jahres  2019 der Ausbau des FID Recht, der auf den aktuellen Informationsbedarf der Forschenden ausgerichtet ist, abgeschlossen. Der Wissenschaftsrat hatte für den Ausbau des FID Recht das Leitbild „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland“ vorgelegt, darin wurden die Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer, die Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung sowie deren stärkere Internationalisierung in den Fokus gestellt. Auf der Grundlage dieses Leitbildes und zugleich im engen Kontakt mit der Wissenschaftscommunity an Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland hat der FID Recht sieben strategische Handlungsfelder identifiziert, darunter die nutzungsgesteuerte Erwerbung, der Relaunch der Virtuellen Fachbibliothek Recht, das Unterbreiten zielgruppenspezifischer Beratungsangebote zum Open-Access-Publizieren oder der Aufbau von Infrastrukturen für juristische Wissenschaftsblogs.

Das deutsche und ausländische Recht zählt seit Jahrhunderten zu den Sammelschwerpunkten der vor über 355 Jahren gegründeten Staatsbibliothek zu Berlin. Die Bibliothek verfügt heute über die größte Universalsammlung juristischer Quellen und rechtswissenschaftlicher Forschungsliteratur in Deutschland: 1,25 Millionen Bände an Druckschriften, darunter allein 230 Tausend Werke im historischen Bestand.

Die DFG-Fachinformationsdienste für die Wissenschaft

Von 1949 bis zum Jahr 2013/15 unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin- bzw. länderspezifischen Sondersammelgebieten. Durch diese thematisch koordinierte Erwerbungskooperation wurde, unabhängig von der jeweiligen Nutzung, ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler Spezialliteratur aufgebaut und überregional verfügbar gehalten. Dieses System war in den Nachkriegsjahren mit dem Ziel errichtet worden, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland durch Fernleihen zu begegnen.

Der inzwischen eingetretene Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarktes wie auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter machte eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Mit Wirkung zum 1. Januar 2014 hat die DFG das System umgestellt auf den Auf- und Ausbau bibliothekarischer Dienstleistungsangebote, die auf konkrete Nachfragen und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity reagieren. Seither entwickeln sich die ehemaligen Sondersammelgebiete zu „Fachinformationsdiensten für die Wissenschaft“, die sich den regulären Prüfverfahren der DFG zur Förderung zu stellen haben: Im Dreijahresturnus müssen die Fachinformationsdienste ihre Leistungsfähigkeit im Dienst der Forschung unter Beweis stellen und die weitere Förderung beantragen.

Dem gleichen Antragsverfahren unterliegt das Kompetenzzentrum für die überregionale Lizenzierung elektronischer Publikationen, der Dienstleister für alle Fachinformationsdienste, der die Beschaffung und Bereitstellung kostenpflichtiger digitaler Medien koordiniert und unterstützt. Das Kompetenzzentrum wird von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen sowie der Bayerischen Staatsbibliothek München getragen.

 

 

Werkstattgespräch zum Bundesverfassungsgericht am 27.6.

Wissenswerkstatt
Das Bundesverfassungsgericht und die Demokratie
Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Gertrude Lübbe-Wolff,
Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld und ehemalige Bundesverfassungsrichterin

Montag, 27. Juni
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Das Bundesverfassungsgericht kann Gesetze für verfassungswidrig und nichtig erklären. Wie nutzt es diese Kompetenz? Wie kommen seine Entscheidungen zustande? Ist es undemokratisch, wenn ein Gericht dem demokratisch gewählten Gesetzgeber in die Parade fährt? Wird das höchste Gericht damit zum politischen Akteur? Auf diese Fragen antwortet der Vortrag.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Alle Termine der Wissenswerkstatt

Informationen, Macht und das ‘right to be forgotten’ – Werkstattgespräch am 31.5.

Wissenswerkstatt
Informationen, Macht und das ‘right to be forgotten’
Werkstattgespräch mit Jörg Pohle, Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG)

Dienstag, 31. Mai
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

„If all others accepted the lie which the Party imposed – if all records told the same tale – then the lie passed into history and became truth. ‘Who controls the past’ ran the Party slogan, ‘controls the future: who controls the present controls the past.’“ George Orwell, 1984

Die Forderung nach einem right to be forgotten gehört zu den ältesten der privacy- und Datenschutzdebatte – und inzwischen zu den umstrittensten. Ob Jugendsünden oder Bankrotte, ob Verurteilungen oder Mitgliedschaften in politischen Organisationen, ob Kneipengespräche oder Krankheiten, ob Liebesbeziehungen oder Likes, Tweets und Chat-Nachrichten – die Frage, wer entscheiden darf, wer was wann und bei welcher Gelegenheit – und wie lange – über wen speichern und verwenden darf und zu welchen Zwecken, ist eine der grundlegendsten der Informationsgesellschaft: Es ist die Frage nach der gesellschaftlichen Informationsordnung und damit zugleich die nach der gesellschaftlichen Machtverteilung.

Informationen sind nicht objektiv. Was wahr, aktuell, hilfreich oder auch nur angemessen ist, ist Interpretationssache. Und die Interpretation ist nicht nur abhängig vom Text, sondern auch vom Kontext, vom Zweck und natürlich vom Interpreten. Wer über den Zweck und den Kontext bestimmt, bestimmt auch über die Informationen. Informationen machen transparent, was sie abbilden. Wer über sie bestimmt, erlangt Macht über die transparent gemachten Menschen, ihre sozialen Beziehungen und ihre Geschichte – und kann diese dann gezielt beeinflussen. Und wer über die Informationen bestimmt, kann auch beeinflussen, wie darüber diskutiert wird – und nicht zuletzt, wie über die Menschen und Dinge, die in den Informationen abgebildet werden, entschieden werden kann.

Vor diesem Hintergrund soll der Versuch Googles und anderer privater Unternehmen und öffentlicher Institutionen, sich in der Auseinandersetzung um das right to be forgotten als Verteidiger eines Informationsinteresses der Öffentlichkeit zu gerieren, als Teil eines Kampfes um die Macht in der Informationsgesellschaft kritisch beleuchtet werden.

Poster zur Veranstaltung

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