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[die Meldungen der Jahre 2000 – 2016]

1,5 Millionen Euro zusätzlich für Originale

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) stellt in diesem Jahr das schriftliche Kulturgut unter deutlich stärkeren Schutz: Das Sonderprogramm für Originalerhalt ist um 1,5 Million Euro aufgestockt worden, sodass nun im Jahr 2018 insgesamt 2,5 Millionen Fördermittel beim Bund beantragt werden können. Kulturstaatsministern Grütters erklärt dazu: „Vielfach sind historische Handschriften und Bücher in unseren Archiven und Bibliotheken durch Säurefraß, Feuchtigkeit und Schimmel in ihrer Substanz akut gefährdet. Als kultureller Schatz muss dieses Erbe vor dem schleichenden Verfall bewahrt und für künftige Generationen erhalten werden. Wie die Nachfrage zu dem erstmals im Jahr 2017 aufgelegten Sonderprogramm zeigt, besteht ein großer Bedarf an Fördergeldern. Für 2018 werden die Sondermittel für die Rettung des bedrohten schriftlichen Kulturerbes nunmehr auf 2,5 Million Euro erhöht.“

Die Bundesmittel stehen zur Bearbeitung von Originalen per Mengenverfahren wie Entsäuerung, Reinigung und Verpackung zur Verfügung und sind an eine Kofinanzierung auf Länderseite von mindestens 50 Prozent gebunden. Demnach können im laufenden Jahr über das Sonderprogramm insgesamt 5 Millionen Euro in den Originalerhalt investiert werden. Monika Grütters weiter: „Die Rettung unseres schriftlichen Kulturerbes ist nur mit vereinten Kräften von Bund, Ländern und Kommunen zu bewältigen. Insbesondere auf Länderebene lässt sich als Reaktion auf das Sonderprogramm 2017 bereits ein größeres Engagement feststellen. Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen haben ihre Landesmittel erhöht, um sich bei seiner Fortführung auch mit eigenen Förderungen beteiligen zu können.“ Alle Anträge sind an die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, KEK, zu richten.

 

Originalerhalt im Mengenformat – das BKM-Sonderprogramm

Seit der Veröffentlichung der Bundesweiten Handlungsempfehlungen der KEK zum Erhalt des schriftlichen Kulturguts in Deutschland im Jahr 2015 ist bekannt: In Archiven sind Papiere im Umfang von 1,8 Millionen Regalmetern vom Zerfall durch Säure bedroht, in wissenschaftlichen Bibliotheken müssen rund 9 Millionen Bände entsäuert werden. Diese Bilanz machte unmissverständlich deutlich: Originale müssen in größeren Mengen und das länder- und einrichtungsübergreifend koordiniert gesichert werden, wenn Grundlagen für Wissenschaft und Forschung erhalten und gravierende Lücken in der schriftlichen Überlieferung verhindert werden sollen.

Ursula Hartwieg, Leiterin der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), erläutert: „Originale in unseren Archiven und Bibliotheken zu sichern, heißt vor allem auch: große Mengen zu bearbeiten. Vielerorts sind die Einrichtungen mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe überfordert – das haben wir in unserer Bestandsaufnahme 2015 nachgewiesen und erfahren wir seit jeher im täglichen Kontakt mit den Projekten. Die Mittelerhöhung für das Sonderprogramm ist ein ausgesprochen erfreuliches Signal für die Arbeit der KEK, aber  insbesondere für die Archive und Bibliotheken in den Ländern und Kommunen. Unser aller Engagement wird sich ganz sicher auszahlen: Schließlich geht es darum, unersetzbare Quellen für Forschung, Wissenschaft und Kultur für unsere folgenden Generationen zu erhalten.“


Anträge können noch bis zum 27. Juli 2018 eingereicht werden.
Hinweise zur Beantragung sowie Ausschreibung und Antragsunterlagen des Sonderprogramms 2018

Projekterfolge des Sonderprogramms 2017


Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK)
an der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Unter den Linden 8
10117 Berlin

Leiterin Dr. Ursula Hartwieg
Telefon: 030 266 43 1454

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Dank französisch-deutsch-amerikanischer Kooperation kehrt eine mittelalterliche Handschrift nach 77 Jahren nach Berlin zurück

In gemeinsamer Anstrengung gelang es vier Institutionen in Frankreich, Deutschland und den U.S.A., eine mittelalterliche Handschrift wieder dorthin zurückzubringen, von wo aus sie vor 77 Jahren ihren über viele Jahre unbekannten Weg genommen hatte: in die Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden. Beteiligt waren die Pariser Société des manuscrits des assureurs français, die Bibliothèque Nationale de France mit Sitz in Paris, die B. H. Breslauer Foundation, New York, und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit der Staatsbibliothek zu Berlin.

Im Jahr 1852 schenkte das Preußische Königshaus die kostbare mittelalterliche französische Handschrift, die sich zuvor im Besitz des Prinzen Heinrich befunden hatte, der damals Königlichen Bibliothek, später Preußische Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. 1941 kam die Handschrift zusammen mit anderen Pretiosen der Bibliothek nach Schlesien ins Schloß Fürstenstein, um vor möglichen Kriegsschäden geschützt zu sein. Jedoch verlor sich dort ihre Spur, die mittelalterliche Handschrift galt jahrzehntelang als verschollen.

Als die Pariser Société des manuscrits des assureurs français, SMAF, im Jahr 1980 eben diese Handschrift erwarb, war deren wahre Herkunft nicht feststellbar, denn schon Jahre zuvor waren Besitzstempel und Signaturen entfernt und der originale Einband durch einen anderen ersetzt worden. Die SMAF hatte, ebenso wie schon im Jahr 1972 ein anderer Käufer, die Handschrift im guten Glauben erworben. Erst 1996 konnte die Provenienz durch Forschungsarbeiten zweifelsfrei als Altbestand der Staatsbibliothek zu Berlin geklärt werden.

Als sich die SMAF entschied, ihre inzwischen zum nationalen Kulturgut Frankreichs erklärte Handschriftensammlung zu verkaufen, wurde diese von der BnF nahezu vollständig erworben, nicht jedoch die Handschrift mit der Berliner Provenienz, die zwischenzeitlich bekannt geworden war. Später bot die SMAF der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz den Rückerwerb der Handschrift an. Kürzlich nun gelang dank der Vermittlung und finanziert durch die B. H. Breslauer Foundation, New York, gegenüber der SMAF ein angemessener finanzieller Ausgleich.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Präsident von Europa Nostra, erklärt, dass „noch mehrere Generationen mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges, der von Deutschland ausging, werden umgehen müssen. In ganz Europa wurden Kulturgüter verlagert, gingen verloren oder wurden nachweislich zerstört, andere unterlagen unrechtmäßigen Aneignungen und vielerlei anderen Umständen. Dabei entstanden auch solche komplexen Rechtslagen, die wie im Fall der mittelalterlichen Handschrift nach einer pragmatischen Lösung verlangen. Ich bin dankbar, dass dies zwischen Paris und Berlin mithilfe unserer amerikanischen Freunde gelungen ist.“

Bertrand de Feydeau, Präsident der Société des manuscrits des assureurs français, Paris, betont, dass „der Rat der SMAF sich mit der Entscheidung, der Staatsbibliothek zu Berlin die Handschrift zu einem Viertel des geschätzten Preises zu überlassen, insbesondere für die deutsch-französische Freundschaft aussprach. Damit würdigte die SMAF auch die enge Kooperation beider Länder, die trotz früherer schmerzhafter Phasen der gemeinsamen Geschichte ein fester Bestandteil der einstigen Gründung und des Gedeihens der Europäischen Union ist.“

Der Präsident der B.H. Breslauer Foundation, New York, Felix de Marez Oyens: “Die spätmittelalterliche Handschrift über ‚das gute Regieren‘ wurde zu jener Zeit von Berlin aus in Sicherheit gebracht, in der kurz zuvor auch die Familie Breslauer gezwungen war, von eben hier zu fliehen und sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die Folgen solcher Ereignisse werden auch weiterhin den Kunst- und Antiquariatsmarkt verfolgen und beeinflussen. Wir können sicher sein, dass Martin und Berndt Breslauer, die dieser großartigen Berliner Bibliothek aufs Engste verbunden waren und deren Archive hier auf Dauer ihren Platz gefunden haben, es sehr begrüßt hätten, welche entscheidende Rolle ihre Stiftung bei der Rückführung der Handschrift Ms. gall. fol. 177 jüngst gespielt hat.”

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, würdigt vor allem „das konstruktive Aufeinander-Zugehen der drei Präsidenten der Société des manuscrits des assureurs français, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wie auch der B. H. Breslauer Foundation, die es gemeinsam schafften, für die ungewöhnliche Problemlage eine einvernehmliche Lösung zu finden.“


Die Handschrift Ms. gall. fol. 177

Die Handschrift aus dem 15. Jahrhundert enthält auf 100 Pergament-Seiten zwei prachtvoll mit drei großen und 18 kleinen Miniaturen ausgemalte „Fürstenspiegel“. Fürstenspiegel sind Texte mahnender und belehrender Art, die für Adlige und ihre Erzieher verfasst wurden, um den künftigen Regenten das Rüstzeug für gutes Regieren und Handeln mitzugeben. Enthalten sind
a) Ghillebert de Lannoy (1386-1462), ein flämischer Adliger, schrieb zur Erziehung des jungen Karls des Kühnen (1433-1477), des Sohnes des Herzogs von Burgund, einen Fürstenspiegel, die Instruction d’un jeune prince pour se bien gouverner envers Dieu et le monde. Eine überarbeitete Version seines Textes ist in der Berliner Handschrift überliefert.
b) Auch Olivier de la Marche (1425-1502) war ein Adliger im Burgundischen Dienst, war Page, Sekretär und Gesandter. Sein Chevalier délibéré („Der entschiedene Ritter“) umfasst 2.704 Verse, die er Franz Phoebus (1466-1483), König von Navarra, einem Neffen des französischen Königs Ludwig XI., widmete.

Honorarfreie Abbildungen

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Lange Nacht der Recherche am 20. Juni

Mittwoch, 20. Juni 2018, 17-23 Uhr: Lange Nacht der Recherche in der Staatsbibliothek, Potsdamer Straße 33, für alle bis 23 Uhr offen

Von 17 bis 23 Uhr bietet die Staatsbibliothek am 20. Juni den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Langen Nacht der Recherche Gelegenheit, ihre persönliche Literaturauswahl zusammenzustellen und sich dazu an zahlreichen Beratungs- und Mitmach-Stationen bei Rechercheprofis den passenden Input zu holen. Eingeladen sind alle, die für wissenschaftliche, geschäftliche, private, journalistische oder andere Zwecke recherchieren. Sei es für eine studentische Seminar- oder Abschlussarbeit, eine Prüfung, ein Buchprojekt, eine Geschäftsidee oder anderes – für all dies ist eine gut durchdachte Literaturliste das Fundament.

Aus den Workshops, Posterpräsentationen, Kurzvorträgen, 1:1-Beratungen und Kreativangeboten lassen sich Programme nach Maß rund um Recherche und wissenschaftliches Arbeiten erstellen. Dabei werden auch neue Formate wie der Peer to Peer-Talk, bei dem sich Teilnehmer im Zwiegespräch über ihre Projekte austauschen und gegenseitig beraten, kurze Stand-Ups zu Portalen und speziellen Rechercheinstrumenten oder auch Methodentrainings zu Lesetechniken oder dem Finden von Schlüsselbegriffen angeboten.

Die Lange Nacht der Recherche lohnt sich auch, um die Staatsbibliothek und ihre umfangreichen Services einmal kompakt kennenzulernen.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Bibliotheksausweis und Anmeldung sind nicht erforderlich.

Für Unterhaltung sorgen eine Lese-Lounge in der Cafeteria, ein Recherche-Preisquiz, Führungen hinter den Kulissen und eine Speed-Dating-Station, bei der man mit Bibliothekaren und Benutzern ins Gespräch kommen kann. Zum Abschluss gibt es ein kleines Get-together mit Preisverleihung im Foyer, dies unterstützt durch die Berliner Brauerei BRLO brwhouse.

Da die Veranstaltung parallel zum regulären Nutzungsbetrieb stattfindet, profitieren am 20. Juni alle Anwesenden von der verlängerten Öffnungszeit, allerdings muss mit einem höheren Geräuschpegel gerechnet werden.

Der Nutzungsbetrieb im Haus Unter den Linden hingegen läuft wie gewohnt bis 21 Uhr.

 

Zum Programm http://blog.sbb.berlin/termin/langenacht2018/