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[die Meldungen der Jahre 2000 – 2016]

IF Design Award prämierte Ausstellung zu Gast

Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“

 Der Meersburger Droste-Nachlass, der zum Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin gehört, befindet sich seit dem Jahr 1967 als Dauerleihgabe in Münster. Die Projektgruppe »Droste | Reise | Landschaft« erarbeitete die Ausstellung, die mit dem IF Design Award 2018 ausgezeichnet wurde und für den German Design Award 2019 nominiert ist.

 

Ausstellungsdaten

12. April bis 7. Mai 2019
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-samstags 11-19 Uhr, freier Eintritt

 

6-fach frei »Im Grase«

Die Texte Annette von Droste-Hülshoffs sind hochmodern. Dies zeigen nicht nur die gegenwärtig zahlreichen literarischen Anknüpfungen an das Werk und Leben der westfälischen Autorin wie jüngst von Karen Duve oder das vor kurzer Zeit im de Gruyter-Verlag erschienene, mehr als 800 Seiten schwere wissenschaftliche Droste-Handbuch. Auch die literarische Wanderausstellung Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“ macht diese Modernität insbesondere mit dem Ausstellungsmodul ≫Ich-Ort der Poesie≪ eindrücklich erfahrbar. Zu sehen ist dies in Berlin ab dem 12. April in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße.

In der Ausstellung können sich die Besucher in bisher ungekannter Form und gewissermaßen mit allen Sinnen auf das Gedicht „Im Grase“ einlassen. In diesem für ihr Werk ganz zentralen Text unternimmt die Autorin eine höchst virtuose, imaginäre Reise – und gibt dabei zugleich Einsicht in ihren eigenen poetischen Schaffensprozess.

Für die Wanderausstellung ist eben dieses Gedicht in einer interdisziplinären Zusammenarbeit aus Literaturwissenschaftlern und Kuratoren, Gestaltern, Komponisten, Rezitatoren und Programmierern in eine virtuelle Realität überführt. Mittels einer Virtual-Reality-Brille ist diese Interpretation durch den Besucher erfahrbar: Bequem in einem Schaukelstuhl sitzend, kann die Installation durch Bewegungen beeinflusst und so die Erfahrung mit ihr ganz individuell gestaltet werden – eine Option innerhalb virtueller Realitäten, die „6DoF – 6 Dimensions of Freedom“ heißt, sechs Freiheitsgrade in der Bewegung eines Körpers im dreidimensionalen Raum (oben/unten, links/rechts, vor/zurück). Mit ihrer innovativen virtuellen Installation beschreitet die Literaturausstellung, die von der ≫Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft≪ getragen und konzipiert und von den Münsteraner Partneragenturen DBCO GmbH und BOK+Gärtner GmbH gestalterisch umgesetzt wurde, Neuland – und präsentiert sich ebenso modern, wie es die Texte Annette von Droste-Hülshoffs selbst sind.

Annette von Droste-Hülshoff konnte von derart vielfacher Freiheit, vom freien und ungebundenen Reisen großen Ausmaßes, nur träumen: Eingeschränkt durch eigene Krankheit, durch Familienpflichten wie Pflegedienste und – als alleinstehende adelige Frau im 19. Jahrhundert – zugleich durch gesellschaftliche Konventionen, spielte sich ihr Leben im Wesentlichen zwischen dem heimischen Münsterland und dem Bodensee ab, wo ihre Schwester lebte und wo Droste selbst 1843 das Fürstenhäuschen erwarb.

Dass sie die Landschaften, die sie bereisen konnte – neben dem Münsterland und dem Bodensee auch das Paderborner Land, das Sauerland und das Rheinland – vortrefflich zu beschreiben wusste, davon legen ihre Prosatexte wie „Westfälische Schilderungen aus einer westfälischen Feder“ und „Bei uns zu Lande auf dem Lande“ ebenso Zeugnis ab wie ihre zahlreichen Briefe und Gedichte. Viel weiter noch als in der Wirklichkeit reiste die für ihre Landschaftsgedichte wie „Der Knabe im Moor“ berühmte Autorin aber in ihrem Kopf – inspiriert von Lektüren und Gesprächen, getrieben von einer tiefen Sehnsucht in die Ferne und der eigenen dichterischen Phantasie. Neben den Reisebedingungen selbst werden in der Ausstellung auch diese imaginären Kopfreisen thematisiert, mit denen sich Droste eine Welt weit über die realen Reisen hinaus erschloss.

Auch nach Berlin schaffte es Droste nie. Doch auch wenn sie nie persönlich hier war – ihre zweite Gedichtausgabe, die 1844 im Stuttgarter Cotta-Verlag erschien, fand hier große Beachtung: „In Berlin scheinen die Gedichte sehr gut fortzukommen, Onkel Fritz sagt, August habe geschrieben, sie machten dort Furore, – du weist aber wie August die Taschen immer voll Mandeln und Rosinen hat, und ihm wird auch Jeder das Beste darüber sagen, – doch scheint‘s jedenfalls gut zu stehn, wenn man auch zwey Drittel substrahirt. … die Preußen sind allerdings auf meiner Seite“ (Brief Annette von Droste-Hülshoffs an ihre Schwester Jenny von Laßberg vom 20. Dezember 1844).

 

Die Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft

Die folgenden Institutionen haben die Ausstellung konzipiert und freuen sich, diese nun auch dem Berliner Publikum vorzustellen:

  • Droste-Forschungsstelle der Literaturkommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe,
  • Droste-Forum e.V.,
  • Kreismuseum Wewelsburg,
  • Stadtmuseum Brakel,
  • Stadtmuseum Paderborn

 

Honorarfreie Pressebilder

https://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

Ab 1. Oktober kostenfreier Bibliotheksausweis und längere Öffnungszeiten

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich in der Pressekonferenz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ankündigen können, dass wir zum 1. Oktober 2019 die Gebühr für den Bibliotheksausweis abschaffen sowie die Öffnungszeiten um 15 Stunden auf dann 84 Stunden verlängern werden.

Im Haus Potsdamer Straße können Sie, ebenfalls ab 1. Oktober 2019, den Allgemeinen Lesesaal montags bis samstags von 8 bis 22 Uhr benutzen; im Haus Unter den Linden treten diese neuen Öffnungszeiten für den Allgemeinen Lesesaal ab dem Zeitpunkt inkraft, da die Generalsanierung beendet und das gesamte Gebäude wieder im Bibliotheksbetrieb sein wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Barbara Schneider-Kempf
Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Buchpremiere: Andrea Wulfs “Die Abenteuer des Alexander von Humboldt”

Die Erwerbung, komplette Digitalisierung und Online-Stellung der Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts durch die Staatsbibliothek zu Berlin und der explorative Geist der Historikerin und Autorin Andrea Wulf ‘kreuzten’ sich in den letzten Jahren in derart produktiver Weise, dass nun seit Ende März 2019 ein besonderes Werk auf dem Buchmarkt ist: “Die Abenteuer des Alexander von Humboldt” ist ein 288 Seiten umfassendes illustriertes Buch aus dem Bertelsmann-Verlag, das zu stundenlangem Lesen und Schauen einlädt. Das ganze Buch besteht aus originellen Bild-Text-Collagen, die ganz und gar auf jenen Berichten und Faktensammlungen Humboldts basieren, die er während seiner Südamerika-Expedition in den Jahren 1799 bis 1804 verfasste bzw. anlegte. Am 28. März stellte Andrea Wulf ihre neues Buch mit einem fulminanten Vortrag im Haus Unter den Linden der Staatsbibliothek zu Berlin erstmalig der Öffentlichkeit vor.

Andrea Wulf, Foto: privat

In seinen Tagebüchern, die Humboldt teils unter widrigsten Umständen auf der Expedition beschrieb und mit sich führte und die heute, in neun Lederbände gefasst, gut verwahrt in den Tresoren der Staatsbibliothek zu Berlin liegen, hielt er alles fest, was ihm irgendwie interessant erschien: alles über die Botanik, die Tierwelt, die Menschen, ihre Sprachen, ihre Kulturen, über Topographien und geologische Schichten, die Ergebnisse medizinischer, chemischer und physikalischer Experimente. In mehreren Sprachen, mit Tabellen, Texten und Zeichnungen notierte der umfassend neugierige Humboldt schlicht alles, was ihn interessierte.

Während Andrea Wulf die auf 4.000 Seiten von Humboldt verfassten Texte, Zeichnungen und Zahlenkolonnen aufs Genaueste studierte, wurde sie von der Schönheit und dem thematisch weit gespannten Inhalt geradezu überwältigt. Gemeinsam mit der Grafikerin Lilian Melcher und “mit Alexander von Humboldt als praktisch drittem Autor,” so Andrea Wulf, fasste sie den Plan ein Buch zu entwickeln, das unmittelbar von den Manuskripten Humboldts ausgehen und für dessen Entstehung die Tagebücher nicht nur Inhaltslieferant sondern ebenso Inspirationsmaterial für die grafische Umsetzung werden sollten. Wulf und Melcher lassen nun Humboldt wie auch seine Reisegefährten mal über die eigenen Aufzeichnungen und Briefe spazieren, mal sitzen diese auf Karten, Gemälden, gepressten Pflanzenproben. Die Graphic Novel bietet eine umfassende Gesamtschau von Humboldts Wissen, zeigt die Modernität seines Forschungsansatzes und besticht mit biografischen Details und witzigen Reiseanekdoten. Zum Schluss ihres Vortrages porträtierte Andrea Wulf den Universalgelehrten und Forscher Alexander von Humboldt als den Vorreiter heutiger Umweltaktivisten, was dieses Buch ungeheuer aktuell macht.

Zuschauer jeden Alters lauschten gespannt Andrea Wulf, Foto: SBB-PK || CC BY-SANC 3.0


In der Digitalen Bibliothek der Staatsbibliothek zu Berlin können alle Reisetagebücher Alexander von Humboldts angeschaut werden. Für die Verwendung der Abbildungen beachten Sie bitte die Nutzungsbedingungen.