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[die Meldungen der Jahre 2000 – 2016]

Zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 alles online: Sinfonien, Klavierkonzerte, Konversationshefte und anderes

“Seid umschlungen Millionen!” Die größte Beethoven-Sammlung der Welt enthält über 50% aller überlieferten Musikautographe sowie kompositorische Skizzenbücher, eigenhändige Briefe wie auch nahezu alle Konversationshefte des ertaubten Ludwig van Beethoven (1770-1827) – alles ist nun online anzuschauen und recherchierbar. Im Jahr 2020 wird weltweit der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens begangen.

Im Finale der Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 von Ludwig van Beethoven singt der Chor “Seid umschlungen Millionen” || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Unter dem Titel “Seid umschlungen Millionen!” führte die Staatsbibliothek zu Berlin ein Projekt zur Digitalisierung, Tiefenerschließung und Online-Präsentation durch, in dessen Ergebnis nun eines der bedeutendsten Zeugnisse menschlichen Schaffens – die Berliner Beethoven-Sammlung – für jeden Menschen unkompliziert zugänglich geworden ist. Dank der Förderung durch die Staatsministerin für Kultur und Medien konnten ein Wissenschaftler, ein Bibliothekar, ein Scan-Operateur und ein Fotograf zügig Hand in Hand arbeiten und dabei die Pretiosen in bestmöglicher Qualität digital aufnehmen, sie umfassend wissenschaftlich beschreiben und sie nach formalen Kriterien leicht online recherchierbar machen.

Die ersten drei Sätze der Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 sind in rotes Leder eingebunden || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Neben Beethovens Sinfonien Nr. 4, 5, 8 und 9letztere gehört seit 2001 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe – sind auch seine Klavierkonzerte Nr. 1, 2, 3 und 5, die Oper Fidelio, die Missa solemnis sowie seine Skizzenbücher und Konversationshefte, eigenhändige Briefe, persönliche Dokumente und bedeutende Erstdrucke online. Erfasst wurden 221 Musikautographe, 137 Konversationshefte und 380 Briefe. Das sind 19.300 Seiten Musikautographe, ca. 10.000 Seiten schriftliche Konversation, Briefe und andere autographe Dokumente wie auch 965 Erst- und Frühdrucke Beethovenscher Werke.

Ein besonderes Augenmerk seitens der Forschung verdienen die 30 Skizzenbücher, in denen Beethoven seine musikalischen Einfälle und Ideen festhielt. Nur selten sind solche Objekte überliefert, denn in der Regel vernichteten Komponisten solche Notizen nach Vollendung ihres Werkes. Jetzt kann jeder die Entstehung und Progression eines Werkes wie auch die kompositorischen Schwierigkeiten im Schaffensprozess nachvollziehen. Er führte seine Skizzenbücher teils über viele Jahre, sodass sich in ein und demselben Heft Skizzen zu verschiedenen Werken und aus unterschiedlichen Zeiten finden.

L. v. Beethoven, Schottische Volkslieder, Bearbeitungen || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Aus den umfangreichen Sammelbänden mit Volkslied-Bearbeitungen lässt sich erkennen, wie intensiv sich Beethoven vor allem mit schottischen und irischen Volksliedern beschäftigt hatte – das war bislang allenfalls Beethoven-Forschern bekannt. Nun sind alle großen Sammelhandschriften mit seinen Volksliedbearbeitungen erschlossen und die komplexen Objektstrukturen in der digitalen Präsentation wiedergegeben.

Konversationsheft Nr. 124, Nov. 1826, Blatt 8r || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Die 137 Konversationshefte (von 139 erhaltenen) bringen weitere Facetten Beethovens zum Vorschein und sind durch ihren Entstehungskontext eine wertvolle Quelle für die Forschung: Der ertaubte Beethoven bediente sich dieser Hefte ab 1818, um mit ihrer Hilfe zu kommunizieren. In der Regel ließ er den Redebeitrag seiner Gesprächspartner darin mit Bleistift eintragen und antwortete überwiegend mündlich. Er nutzte sie zudem als eine Art Notizbuch, um Gedanken oder auch kleinere Skizzen, literarische Interessen und aufführungspraktische Einfälle festzuhalten.

Die 380 Briefe Beethovens geben einen abwechslungsreichen Einblick in sein Musikschaffen sowie in finanzielle Angelegenheiten, Alltagssorgen und das private Leben des Komponisten. So befindet sich – neben Korrespondenzen mit Verlegern, Auftraggebern, Gönnern, Freunden und Familienmitgliedern – der Brief an „Die unsterbliche Geliebte“ im hiesigen Bestand, das wohl berühmteste und persönlichste Schreiben des Komponisten.

Brief an die Unsterbliche Geliebte || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Mit dem Projekt wurde zugleich verschiedenen Forschungsfragen zugearbeitet, etwa der nach der Herkunft des von Beethoven verwendeten Papiers: Zunächst wurden mehrere Hundert Wasserzeichen bestimmt und verbal beschrieben, sodann ein Teil der Zeichen mithilfe einer Thermographie-Kamera aufgenommen. Die Aufnahmen werden nun nach und nach mit diversen Metadaten angereichert und via Spezialdatenbank Wasserzeichen-Informationssystem, WZIS, recherchierbar gemacht.

Die für die Wissenschaft so wertvollen und mit vielen Informationen versehenen Katalogisate wie auch die hochauflösenden Digitalisate zu der umfangreichen Berliner Beethoven-Sammlung sind in der Digitalen Bibliothek der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz zu recherchieren – 763 Objekte mit 29.300 Seiten. Nachfolgend werden diese in der Deutschen Digitalen Bibliothek und in Europeana identisch gespiegelt.

>> https://digital.staatsbibliothek-berlin.de
>> Website zur Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin – PK
>> Website zur Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125

 

Notiz Ludwig van Beethovens an seinen Sekretär Anton Schindler || Abbildung: Digitale Bibliothek der SBB-PK

Gigantische Kartographische Werke im Königlichen Palais Amsterdam

Heute nachmittag eröffnet Willem Alexander, König der Niederlande, im Königlichen Palais von Amsterdam die Ausstellung “Das Universum von Amsterdam”. Die mit jeweils 6,24 Metern Durchmesser drei größten Karten der Welt sind im Bürgersaal des Palais als Fußboden ausgeführt. Diese steinernen Giganten der Kartographie werden ab morgen bis zum 22. September 2019 um weitere herausragende Karten und Atlanten ergänzt, die alle ihren Ursprung in Amsterdam haben. Dazu zählt auch eine Leihgabe aus der Staatsbibliothek zu Berlin: Der Atlas des Großen Kurfürsten, eines der größten Bücher der Welt.

https://www.paleisamsterdam.nl/en/universe-amsterdam/

 

Der Kurfürstenatlas der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Zu einer der besonderen Pretiosen der Bibliothek gehört der sogenannte Kurfürstenatlas, er vereint 35 Wandkarten und 18 Seekarten mit dem Kenntnisstand des 17. Jahrhunderts. Der Altas wiegt 125 kg und misst aufgeschlagen 2,20 x 1,70 Meter, ist also beinahe mannshoch, siehe Collage. Für den Transport sind sechs Personen nötig, zum Umblättern bis zu vier. Dieser Altlas wurde Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688) von Fürst Johann Moritz von Nassau-Siegen (1604-1679) als Geschenk überbracht.

Warum Johann Moritz den Atlas in Auftrag gab, kann nur vermutet werden. Auch der Termin der Übergabe ist nicht genau bekannt. Im Jahr 1660 richtete der Fürst in dem von ihm erbauten „Maurits-Huis“ („Moritz-Haus“) in Den Haag ein Fest aus Anlass der Wiedereinsetzung Königs Karl von England aus. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Amsterdamer Kaufmann Johannes Klencke einen großen Atlas an König Karl II. Wahrscheinlich war Johann Moritz von dem „Klencke-Atlas“ so beeindruckt, dass er dem Großen Kurfürsten, dem er freundschaftlich verbunden war, ein ähnliches Geschenk machen wollte. Dieser hatte 1661 die „Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree“ gegründet. Ein Brief Friedrich Wilhelms vom 2. August 1664 an seinen Statthalter in Cleve enthält folgende Passage: „bedancke mich zuforders wegen des grocsen Buches, welches sehr schön, undt meine Biblioteck sehr ziehret“. Demnach dürfte die Schenkung einige Zeit zuvor erfolgt sein. Die Wandkarten aus dem Goldenen Zeitalter der niederländischen Kartographie zierten zu dieser Zeit die Wände von Rathäusern, Schlössern, Wohnungen oder Kontoren. Sie dienten hauptsächlich repräsentativen Zwecken und wurden deshalb reich verziert, graphisch ausgeschmückt und prächtig koloriert.

Die Einbanddeckel des Originalatlas bestanden aus Eichenbrettern, die mit Rindleder überzogen waren. Die Kanten der Deckel schützten kunstvoll gestaltete Messingbeschläge. Einband und Karten wurden durch drei verzierte Metallschließen zusammengehalten, wobei wiederum die Karten durch 20 Doppelbünde mit dem Einband verknüpft waren. Johann Moritz ließ den Atlas mit seinem Wappen schmücken, unterlegt durch das achtspitzige Johanniterkreuz. Der dänische Elefantenorden wies auf eine weitere Mitgliedschaft in einem Ritterorden hin. Auf diese, ihm vom dänischen König verliehene Auszeichnung, war er ebenso stolz wie auf das Amt des Herrenmeisters des Johanniterordens.

Das in seinem Format außergewöhnliche Werk beinhaltet 35 Wandkarten und 18 zu drei Blättern zusammengefasste Seekarten. Sie stammen sämtlich aus berühmten Amsterdamer Kartenoffizinnen. Allein 17 Landkarten wurden im Verlag von Joan Blaeu (1596-1673) angefertigt, drei steuerte die Werkstatt des Nicolas Vischer (1618- etwa 1679), Piscator genannt, bei. Andere Verlage sind mit zwei oder einer Karte vertreten.
Die Ordnung der Karten orientiert sich an der zeitgenössischer Atlanten und beginnt mit der berühmten Weltkarte von Frederick de Wit (1630-1706). Es folgen Erdteilkarten, eine Europa- und Deutschlandkarte („Heiliges Reich Deutscher Nation“) und zwei gezeichnete Karten des Kurfürstentums Brandenburg und des Herzogtums Preußen. Denen schließt sich eine Karte des Klever Gebietes an. Danach folgen die Karten der Erdteile Asien, Afrika und Amerika.
Eine Spezialkarte Blaeus dokumentiert das Gebiet Niederländisch-Brasiliens („Brasilia-Belgica“). In seiner Stellung als Gouverneur dieser Besitzungen in den Jahren 1636-1644 förderte Johann Moritz die wissenschaftliche Erschließung des Landes. Zu seinen Beratern vor Ort zählte neben anderen der Geograph und Astronom Georg Marggraf (1610- etwa 1644). Dieser war vor allem mit der Vermessung des Landes und dem Zeichnen von Karten beschäftigt.

Als druckgraphische Technik wurde beim Atlas der Kupferstich und teilweise die Radierung verwendet. Die Kolorierung der Kupferstiche ist zurückhaltend von angenehmer Wirkung. Über das verwendete Papier wurden umfangreiche Untersuchungen angestellt. Stichproben ergaben, dass niederländisches Papier der 40er und 50er Jahre des 17. Jahrhunderts, also feingeripptes Bütten in der Bogengröße 45 x 29,3 cm verwendet wurde.

IF Design Award prämierte Ausstellung zu Gast

Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“

 Der Meersburger Droste-Nachlass, der zum Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin gehört, befindet sich seit dem Jahr 1967 als Dauerleihgabe in Münster. Die Projektgruppe »Droste | Reise | Landschaft« erarbeitete die Ausstellung, die mit dem IF Design Award 2018 ausgezeichnet wurde und für den German Design Award 2019 nominiert ist.

 

Ausstellungsdaten

12. April bis 7. Mai 2019
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags-samstags 11-19 Uhr, freier Eintritt

 

6-fach frei »Im Grase«

Die Texte Annette von Droste-Hülshoffs sind hochmodern. Dies zeigen nicht nur die gegenwärtig zahlreichen literarischen Anknüpfungen an das Werk und Leben der westfälischen Autorin wie jüngst von Karen Duve oder das vor kurzer Zeit im de Gruyter-Verlag erschienene, mehr als 800 Seiten schwere wissenschaftliche Droste-Handbuch. Auch die literarische Wanderausstellung Sehnsucht in die Ferne. Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“ macht diese Modernität insbesondere mit dem Ausstellungsmodul ≫Ich-Ort der Poesie≪ eindrücklich erfahrbar. Zu sehen ist dies in Berlin ab dem 12. April in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße.

In der Ausstellung können sich die Besucher in bisher ungekannter Form und gewissermaßen mit allen Sinnen auf das Gedicht „Im Grase“ einlassen. In diesem für ihr Werk ganz zentralen Text unternimmt die Autorin eine höchst virtuose, imaginäre Reise – und gibt dabei zugleich Einsicht in ihren eigenen poetischen Schaffensprozess.

Für die Wanderausstellung ist eben dieses Gedicht in einer interdisziplinären Zusammenarbeit aus Literaturwissenschaftlern und Kuratoren, Gestaltern, Komponisten, Rezitatoren und Programmierern in eine virtuelle Realität überführt. Mittels einer Virtual-Reality-Brille ist diese Interpretation durch den Besucher erfahrbar: Bequem in einem Schaukelstuhl sitzend, kann die Installation durch Bewegungen beeinflusst und so die Erfahrung mit ihr ganz individuell gestaltet werden – eine Option innerhalb virtueller Realitäten, die „6DoF – 6 Dimensions of Freedom“ heißt, sechs Freiheitsgrade in der Bewegung eines Körpers im dreidimensionalen Raum (oben/unten, links/rechts, vor/zurück). Mit ihrer innovativen virtuellen Installation beschreitet die Literaturausstellung, die von der ≫Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft≪ getragen und konzipiert und von den Münsteraner Partneragenturen DBCO GmbH und BOK+Gärtner GmbH gestalterisch umgesetzt wurde, Neuland – und präsentiert sich ebenso modern, wie es die Texte Annette von Droste-Hülshoffs selbst sind.

Annette von Droste-Hülshoff konnte von derart vielfacher Freiheit, vom freien und ungebundenen Reisen großen Ausmaßes, nur träumen: Eingeschränkt durch eigene Krankheit, durch Familienpflichten wie Pflegedienste und – als alleinstehende adelige Frau im 19. Jahrhundert – zugleich durch gesellschaftliche Konventionen, spielte sich ihr Leben im Wesentlichen zwischen dem heimischen Münsterland und dem Bodensee ab, wo ihre Schwester lebte und wo Droste selbst 1843 das Fürstenhäuschen erwarb.

Dass sie die Landschaften, die sie bereisen konnte – neben dem Münsterland und dem Bodensee auch das Paderborner Land, das Sauerland und das Rheinland – vortrefflich zu beschreiben wusste, davon legen ihre Prosatexte wie „Westfälische Schilderungen aus einer westfälischen Feder“ und „Bei uns zu Lande auf dem Lande“ ebenso Zeugnis ab wie ihre zahlreichen Briefe und Gedichte. Viel weiter noch als in der Wirklichkeit reiste die für ihre Landschaftsgedichte wie „Der Knabe im Moor“ berühmte Autorin aber in ihrem Kopf – inspiriert von Lektüren und Gesprächen, getrieben von einer tiefen Sehnsucht in die Ferne und der eigenen dichterischen Phantasie. Neben den Reisebedingungen selbst werden in der Ausstellung auch diese imaginären Kopfreisen thematisiert, mit denen sich Droste eine Welt weit über die realen Reisen hinaus erschloss.

Auch nach Berlin schaffte es Droste nie. Doch auch wenn sie nie persönlich hier war – ihre zweite Gedichtausgabe, die 1844 im Stuttgarter Cotta-Verlag erschien, fand hier große Beachtung: „In Berlin scheinen die Gedichte sehr gut fortzukommen, Onkel Fritz sagt, August habe geschrieben, sie machten dort Furore, – du weist aber wie August die Taschen immer voll Mandeln und Rosinen hat, und ihm wird auch Jeder das Beste darüber sagen, – doch scheint‘s jedenfalls gut zu stehn, wenn man auch zwey Drittel substrahirt. … die Preußen sind allerdings auf meiner Seite“ (Brief Annette von Droste-Hülshoffs an ihre Schwester Jenny von Laßberg vom 20. Dezember 1844).

 

Die Projektgruppe Droste | Reise | Landschaft

Die folgenden Institutionen haben die Ausstellung konzipiert und freuen sich, diese nun auch dem Berliner Publikum vorzustellen:

  • Droste-Forschungsstelle der Literaturkommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe,
  • Droste-Forum e.V.,
  • Kreismuseum Wewelsburg,
  • Stadtmuseum Brakel,
  • Stadtmuseum Paderborn

 

Honorarfreie Pressebilder

https://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/