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Publish or Perish?! Veranstaltungsreihe für Promovierende ab 23.11.

Wissenswerkstatt

Publish or Perish?! Wissenschaftliches Publizieren für Promovierende

Erst die fristgerechte Veröffentlichung der Dissertationsschrift schließt das Promotionsverfahren formal ab. Denn zur Erlangung dieses akademischen Ritterschlags ist nicht nur der eigene Forschungsbeitrag gegen die Kritik einer universitätsinternen Fachöffentlichkeit zu verteidigen, sondern darüber hinaus auch das Säurebad des internationalen Wissenschaftsdiskurses zu überstehen. Doch die Entscheidung, wie tief Sie überhaupt darin eintauchen wollen, liegt nicht zuletzt auch bei Ihnen. Denn Sie treffen die Wahl des für Ihre individuellen Interessen idealen – also mehr oder eben weniger sichtbaren – Publikationsorts.

Mit Blick auf Vielzahl und Varietät der in diesem Zusammenhang zu prüfenden Möglichkeiten sowie vor dem Hintergrund des aktuellen Strukturwandels der Wissenschaftskommunikation unter dem Paradigma der Open Science soll im Rahmen dieser vierteiligen modularen Veranstaltung das unübersichtliche Feld des rasant expandierenden akademischen Publikationsmarkts in groben Linien kartiert werden – als kleine Orientierungshilfe bei Ihrer Suche nach dem für Sie perfekten Publikationsort. Dabei werden so unterschiedliche Aspekte angesprochen wie die Gestaltung von Verlagsverträgen oder die Akquise von Druckkostenzuschüssen und Book Processing Charges.
Während der erste Termin übergreifenden Fragen sowie dem konventionellen Publizieren in Wissenschaftsverlagen gewidmet sein wird, sollen im Rahmen des zweiten Teils die verschiedenen Varianten des Open Access im Vordergrund stehen. Effektive Strategien sowohl zur Klärung von Bildrechten als auch zu Management und Publikation von Forschungsdaten sind Gegenstand der abschließenden beiden Veranstaltungsmodule.

Teil 1: Konventionelles Publizieren in Wissenschaftsverlagen
Donnerstag, 23. November, 16.30 Uhr

Teil 2: Wissenschaftliches Publizieren im Open Access
Dienstag, 28. November, 16.30 Uhr

Teil 3: Klärung von Bildrechten
Donnerstag, 30. November, 16.30 Uhr

Teil 4: Management und Veröffentlichung von Forschungsdaten
Mittwoch, 6. Dezember, 16.30 Uhr

Unsere Veranstaltungen für Promovierende:
http://sbb.berlin/promovierende


Alle Termine der Wissenswerkstatt

 

Bildausschnitt: Aquarell Breslau, Zuchthaus. Aus: Stridbeck, Johann: Skizzenbuch : Ms. boruss. qu. 9a , 1691 - Staatsbibliothek zu Berlin - PK

Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel: Werkstattgespräch am 1.11.

Wissenswerkstatt

“… höchst talentvolle Improvisatoren ihres Lebens …“ – Breslauer Episoden von August Kopisch und Wilhelm Wackernagel

Werkstattgespräch mit Dr. Agata Czarkowska,
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 1. November 2017
18.15 Uhr
Haus Unter den Linden
Konferenzraum 4
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ein Künstler, Erfinder, Dichter, der immer wieder etwas Neues geschaffen hat, aber auch immer wieder spektakulär gescheitert ist. Der andere ein akribischer Wissenschaftler und Germanist mit der Seele eines Rabauken. August Kopisch und Wilhelm Wackernagel. Ein gemeinsamer Punkt? Fehlanzeige, würde man auf den ersten Blick rufen. Kopisch, der als Maler Karriere machte, bereiste Mitte des XIX. Jahrhundert die italienische Küste, gilt sogar als Entdecker der sogenannten Blauen Grotte (Grotta Azzurra). Wackernagel wurde zu einem der etabliertesten Schweizer Professoren. Doch wer tiefer gräbt, findet immer etwas: Breslau. Die Stadt „am Rande des Reiches, fern von gebildeten Menschen…“, wie man in Reisetagebüchern vor 300 Jahren schrieb, nimmt tatsächlich einen wichtigen Platz in den Lebensläufen der beiden ein. Die Herren haben in der Breslauer Zeitung Rezensionen und Streitbriefe veröffentlicht, waren rege Akteure des Breslauer Vereinswesens, mit Mitgliedschaften in der sogenannten Zwecklosen Gesellschaft oder dem Breslauer Künstlerverein. In dem Vortrag wird versucht, den Bildungs- und künstlerischen Weg der beiden zu rekonstruieren, und zwar mit spezifischem Blick auf die Stadt, die 2016 Kulturhauptstadt Europas war.

 

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

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Wissenswerkstatt-Schulungen im November

Wir haben unser Schulungsangebot für Sie neu strukturiert: Aus vier übersichtlichen Modulen können Sie sich künftig genau die Schulungen aussuchen, die am besten auf Ihre aktuelle Situation zugeschnitten sind.

  • Im Modul A finden Sie die grundlegenden Einführungen in die Benutzung der Bibliothek.
  • Die Kurse der Module B (Einführung) und C (Vertiefung) widmen sich den Recherchetechniken bei der Literatursuche.
  • Das Modul W ist unser Angebot für Wissenschaft und Forschung. Literaturverwaltung, wissenschaftliches Arbeiten und Publikationsberatung stehen hier auf dem Plan.

Im November möchten wir Sie zu folgenden Veranstaltungen einladen:

 

Modul A – StabiStart-Einführungen:

  • Haus Potsdamer Straße:
    Montag, Mittwoch und Freitag: 11 Uhr
    Dienstag und Donnerstag: 17 Uhr
    Treffpunkt: I-Punkt in der Eingangshalle
  • Haus Unter den Linden:
    Mittwoch: 11 Uhr
    Treffpunkt: Erstauskunft im Eingangsbereich

 

Modul B – allgemeine und fachspezifische Rechercheworkshops:

 

Workshop Modul C – fachspezifische Recherche  mit eigenem Thema:

 

Workshop Modul W – Angebote für Wissenschaft und Forschung:

 

Außerdem:

  • Einführungen in das Portal CrossAsia ab 7. November

 

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© Leiden University Libraries, Or. 6980

Texts of records, records of texts – Werkstattgespräch zur Handschrift Ms. Leiden Or. 6980 am 25.10.

Wissenswerkstatt

Texts of records, records of texts – Ms. Leiden Or. 6980

Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Dr. Anne Regourd (University of Copenhagen),
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 25. Oktober 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Ms. Leiden Or. 6980, an item of the Christiaan Snouck Hurgronje collection, is a remarkable manuscript from several points of view. It was brought to the University Library of Leiden in 1936. Its paper, a product from the well-known Galvani mills in Friuli (Italy), has not previously been recorded, but nonetheless defines a terminus a quo for its production. The text of Or. 6980 is equally interesting. It lists the texts of 133 sung poems, each with the name of a singer and some musical instruments, all of it in a document which was produced before 1936. Some of these poems can be connected to an exceptional collection of songs recorded on wax cylinders commissioned by C. Snouck Hurgronje. But it is the text edition of ms. Or. 6980 that reveals the many mutations of these texts since their origin.

 

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Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Das Gebäude der Königlichen Bibliothek am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909 – Werkstattgespräch am 24.10.

Wissenswerkstatt

Zwischen Mangelverwaltung und Innovation – Das Gebäude der Königlichen Bibliothek in Berlin am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909

Werkstattgespräch mit Dr.-Ing. Elke Richter, BTU Cottbus-Senftenberg
Einführung von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
Dienstag, 24. Oktober 2017
18.15 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Bis zum Umzug in ihr Haus Unter den Linden im Jahr 1909 hatte die Königliche Bibliothek zu Berlin als Vorgängerinstitution der heutigen Staatsbibliothek 125 Jahre lang ihren Sitz in dem Gebäude am Bebelplatz, das den leicht abwertenden Spitznamen „Kommode“ trägt. Im Gegensatz zu seiner barocken, schon damals nicht mehr modernen Architektursprache wurde mit dem Bau ein modernes Bibliothekskonzept verwirklicht, an dem sich die Entwicklung von der barocken Saalbibliothek zur Magazinbibliothek des 19. Jahrhunderts ablesen lässt.

Die Geschichte des Bibliotheksgebäudes ist geprägt von den Versuchen, die Buchunterbringung, die interne Abläufe und die Benutzbarkeit zu verbessern. In ihrem Vortrag beleuchtet Elke Richter die verschiedenen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, in denen hochmoderne Entwicklungen des zeitgenössischen Bibliotheksbaus aufgegriffen wurden. Die Rolle der Oberbibliothekare im komplexen Netzwerk von Planungsbeteiligten wird ebenso betrachtet wie die Funktion des Bibliotheksgebäudes als Ort von Beziehungen zwischen Bibliothekaren und Nutzern und zwischen Menschen und Büchern.

Das Werkstattgespräch wird begleitet von einer Kabinettausstellung mit ausgewählten Beständen der Staatsbibliothek zum Gebäude der Königlichen Bibliothek.

 

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Werkstattgespräch zu Flugblättern im Zweiten Weltkrieg am 10.10.

Wissenswerkstatt

Kommunikation unter Feinden. Transnationale und -mediale Aspekte der Flugblattpropaganda im Zweiten Weltkrieg

Werkstattgespräch mit Dr. Christiane Caemmerer, Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung
Dienstag, 10. Oktober 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugblatt zu einem der wichtigsten Mittel der psychologischen Kriegsführung. Millionen und Abermillionen von meist sorgfältig getexteten und illustrierten sowie – im Verhältnis zu den Handzetteln der Weimarer Republik – aufwendig produzierten Flugblättern wurden an den Fronten und in den Zentralabteilungen der Propagandaministerien hergestellt und über Ballons, Granaten und als Bombenbeiladungen an die Soldaten und die Zivilbevölkerung verteilt.
Der Beitrag beschäftigt sich mit den transnationalen Argumentationsstrategien von Flugblättern und deren national geprägten Manifestationen, die klar an den unterschiedlichen Adressaten orientiert sind, und diskutiert Veränderungen in der Rezeption von lyrischen Texten, die durch einen Wechsel des Mediums: Flugblatt, Liederbuch, Rundfunkbeitrag und Gedichtband bedingt sind.
Die Materialbasis des Beitrages bilden die Flugblätter der Weißen Rose, die Flugblattbeiträge von Thomas Mann im Auftrag der Alliierten, die Amerikarezeption der deutschen Propagandaeinheit Südstern und die Lyrikproduktion von Erich Weinert und Johannes R. Becher für die sowjetische Propaganda aus der Kirchner‘schen Sammlung von Feindflugblättern in der Staatsbibliothek.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

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Wissenswerkstatt-Schulungen im September und Oktober

Wir haben unser Schulungsangebot für Sie neu strukturiert: Aus vier übersichtlichen Modulen können Sie sich künftig genau die Schulungen aussuchen, die am besten auf Ihre aktuelle Situation zugeschnitten sind.

  • Im Modul A finden Sie die grundlegenden Einführungen in die Benutzung der Bibliothek.
  • Die Kurse der Module B (Einführung) und C (Vertiefung) widmen sich den Recherchetechniken bei der Literatursuche.
  • Das Modul W ist unser Angebot für Wissenschaft und Forschung. Literaturverwaltung, wissenschaftliches Arbeiten und Publikationsberatung stehen hier auf dem Plan.

Im September und Oktober möchten wir Sie zu folgenden Veranstaltungen einladen:

 

Modul A – StabiStart-Einführungen:

  • Haus Potsdamer Straße:
    Montag, Mittwoch und Freitag: 11 Uhr
    Dienstag und Donnerstag: 17 Uhr
    Treffpunkt: I-Punkt in der Eingangshalle
  • Haus Unter den Linden:
    Mittwoch: 11 Uhr
    Treffpunkt: Erstauskunft im Eingangsbereich

 

Modul B – allgemeine und fachspezifische Rechercheworkshops:

 

Workshop Modul C – fachspezifische Recherche  mit eigenem Thema:

 

Workshop Modul W – Angebote für Wissenschaft und Forschung:

 

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Logo des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.

Eine Sprache für Völkerverständigung, für Frieden, für Kulturaustausch

??? — Esperanto!  – Solch eine Sprache muss einfach begeistern! Das Werkstattgespräch in der Staatsbibliothek am 21. September “Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache” findet dementsprechend im Vorfeld weites Interesse. So machte sich Friederike Schmidt von der Abteilung Medien und Kommunikation der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf, suchte Kontakt zum Referenten des Abends, Fritz Wollenberg von der Esperanto-Liga Berlin, und führte mit ihm ein Interview.

Fritz Wollenberg beim Sommerfest auf dem Esperantoplatz. Foto: Susanne Misere

Wie kaum ein zweiter in Berlin kennt Fritz Wollenberg die Kultur der Esperantosprecher, die die vor 130 Jahren entwickelte und heute in mehr als 120 Ländern gesprochene Plansprache Esperanto verwenden. Das engagierte Mitglied der Esperanto-Liga Berlin wird am 21. September den Jubiläumsband „Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“ im Werkstattgespräch der Staatsbibliothek zu Berlin vorstellen. Wir sprachen mit Fritz Wollenberg über die Vorzüge der Sprache, Begeisterungswürdiges und Fundstücke in der Staatsbibliothek.

31.08.2017

Als Plansprache hat Esperanto nur sehr wenige Muttersprachler. Wie sind Sie eigentlich zu Esperanto gekommen, oder wie ist Esperanto zu Ihnen gekommen?

Fritz Wollenberg: Das ist lange her. Als Schüler hörte ich während eines Ferienjobs von Esperanto und bekam mein erstes Lehrbuch. Ich war vom Aufbau der Sprache und der dahinterstehenden Idee unglaublich fasziniert. Während des Studiums sah ich dann eine Anzeige in der Zeitung: „Esperanto-Kurs in Prenzlauer Berg“. Dort lernte ich dann endlich die Sprache. Ein Jahr später kam die erste große Reise nach Ungarn. Dort merkte ich, dass es sehr viele Esperanto-Sprecher gibt, und eine ganz neue Welt öffnete sich.

Vor 130 Jahren veröffentlichte Ludwig Zamenhof die internationale Plansprache “Esperanto”. Vor und nach dem Esperanto gab es auch andere Plansprachen – 1887 hatte das Volapük schon eine gewisse Verbreitung erlangt, 1908 erschien Ido und fand seine Anhänger. Auch danach entstanden immer wieder neue Plansprachen, aber die meisten sind in Vergessenheit geraten – nicht das Esperanto. Warum?

Esperanto ist eine sehr regelmäßige Sprache. Bei der „Planung“ seiner Internacia Lingvo (Internationalen Sprache), wie er sie nannte, untersuchte Zamenhof bestehende Sprachen wie Latein und auch die englische Sprache auf ihre Eignung als Weltsprache. Jedoch waren diese seiner Ansicht nach in ihrer grammatischen Struktur, in Wortbildung und Orthografie zu kompliziert. Er überlegte lange, welche grammatikalischen Ausdrucksformen der einzelnen Sprachen sinnvoll sind und experimentierte viel mit der Wortbildung. Zamenhof kam zu dem Schluss, dass eine Weltsprache neutral sein muss und daher die Schaffung einer neuen – einer Plansprache – notwendig ist, die aber auf den bestehenden Sprachen aufbaut, damit man Wörter wiedererkennen kann. Deshalb kam für ihn auch das Volapük von Johann Martin Schleyer oder eine philosophische Sprache wie die von Leibniz entwickelte nicht in Betracht. Für Esperanto entwickelte er ein System von Vor- und Nachsilben, die eine bestimmte Bedeutung tragen und vor oder hinter die Wortwurzel gesetzt werden, um deren Bedeutung zu modifizieren. Die Sprache funktioniert wie ein Baukastensystem. Zum Beispiel gibt es die Nachsilbe -in, die die weibliche Form ausdrückt. Aus la knabo = der Junge wird la knabino = das Mädchen. Eine weitere Regelmäßigkeit ist, dass Substantive immer auf -o, Adjektive auf -a enden. Man kann also aus dem Substantiv ganz einfach ein Adjektiv bilden: aus patro = Vater wird patra = väterlich. Diese Sprachstruktur ist extrem übersichtlich und leicht erlernbar. Das ist einer der Gründe, warum Zamenhof Erfolg mit dieser Sprache hatte.

Ido, der Nachkömmling der Sprache, sollte ein verbessertes Esperanto sein. Doch wurden die Regeln und der Wortbestand immer wieder verändert, was das Erlernen von Ido kompliziert machte und Wörterbücher schnell veralten ließ. Zamenhof dagegen hatte von Anfang an die Sprache der Sprachgemeinschaft übergeben und 1905 dem ersten Esperanto-Weltkongress ein „Fundamento de Esperanto“ vorgelegt, ein Grundregelwerk, das nicht mehr verändert werden sollte. Es wurde beschlossen und ist bis heute gültig. Zamenhof hatte damit eine Sprachstruktur mit produktivem Wortbildungssystem festgeschrieben, die die Entwicklungsfähigkeit der Sprache garantierte. Zugleich war für Stabilität gesorgt.

Es gibt aber auch außersprachliche Aspekte. Der Erschaffung des Esperanto liegt eine Weltanschauung zugrunde. Die Sprache steht für Völkerverständigung, für Frieden, für Kulturaustausch. Diese Ideen spielten und spielen in der Sprachgemeinschaft eine große Rolle und sind für viele eine wichtige Motivation dafür, Esperanto zu lernen.

Sie haben gerade auch Englisch als einen der Ausgangpunkte für die Studien Zamenhofs angesprochen. Warum ist heute trotz der vielen Vorteile von Esperanto immer noch Englisch die Weltsprache?

Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, dann zeigt sich, dass gar nicht so viele Menschen Englisch sprechen. In der EU sind das etwa 50%. Ein sehr viel geringerer Prozentsatz beherrscht die Sprache exzellent. Als Wissenschaftssprache ist Englisch von überragender Bedeutung. Weil Esperanto eine sehr junge Sprache ist, ist der Bereich der Wissenschaft eher schwierig. Dennoch hat sich auch hier viel getan. Ich denke da an den Fachwortschatz einiger Disziplinen. Es gibt natürlich entscheidende Unterschiede zwischen Englisch und Esperanto. Zunächst muss betont werden, dass jeder, der Esperanto lernt, die Sprache freiwillig lernt. Englisch hat sich hingegen aufgrund der politischen und ökonomischen Macht des British Empire und der Vormachtstellung der USA stark verbreitet. Viele Menschen lernen heute deshalb Englisch, weil ein ökonomischer Zwang besteht, man braucht es für den Beruf oder für das Studium. Es werden enorm große Ressourcen zur Verfügung gestellt, um Englisch zu unterrichten, um die Sprache zu verbreiten. Diese Ressourcen hat das Esperanto natürlich nicht, die Sprachgemeinschaft ist so etwas wie eine Bürgerbewegung. Insofern ist es erstaunlich, was in diesen 130 Jahren passiert ist. Ich sehe die Sache somit eher als ein halbvolles Glas.

Wie viele Esperanto-Sprecher gibt es denn weltweit? Können Sie eine Zahl nennen?

Es gibt keine allgemeinen Erhebungen. Mittels verschiedener Quellen lassen sich Vermutungen anstellen. Zum einen gibt es Wikipedia auf Esperanto mit inzwischen über 240.000 Einträgen. Esperanto gehört damit zu den 35 Sprachen mit den meisten Einträgen und ist in dieser Hinsicht vergleichbar mit Dänisch. Zum anderen geben bei Facebook 330.000 Menschen an, Esperanto zu benutzen. Drittens möchte ich auf den Online-Sprachkurs duolingo.com hinweisen. Für den Kurs Englisch-Esperanto haben sich bisher über 1 Mio. Menschen registriert. Somit lässt sich grob erahnen, wie groß die Sprachgemeinschaft ist.

Am 21. September referieren Sie beim Werkstattgespräch der Staatsbibliothek zum Thema “Esperanto – eine Sprache, die begeistert”. Was begeistert Sie an Esperanto?

Mich begeistert vor allem der soziale Aspekt. Ich habe seit dem Internationalen Esperanto-Pädagogikseminar 1967 in Szeged, Ungarn, meinem ersten großen Esperanto-Kulturerlebnis, unwahrscheinlich viele Veranstaltungen besucht, bei denen ich Leute aus unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Sprachen kennenlernte, die sich untereinander und mit mir in Esperanto verständigen konnten. Es gibt touristische Treffen, Kulturfestivals, Fachkonferenzen, Familientreffen für Esperanto-Muttersprachler, ganz viele Begegnungen rund um die Welt… Dieser Aspekt ist für mich am wichtigsten. Die Esperanto-Kultur hat enorm viel zu bieten. Seit längerem interessiert mich auch die Geschichte des Esperanto sehr und ich habe dazu einiges veröffentlicht.

Nun zur Literatur: Ihr Vortrag findet in der Staatsbibliothek statt. Warum ist gerade die Staatsbibliothek für die Esperanto-Community interessant?

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist einer der Orte der Esperanto-Kultur in Berlin. Zum einen gibt es die spezielle Esperanto-Sammlung, und zum anderen gibt es eine sehr große Zahl an Büchern in und über Esperanto und andere Plansprachen im allgemeinen Bibliotheksbestand. Somit hat die Community Zugang zu wichtiger Literatur.

Die Esperanto-Sammlung ist eine historische Sammlung – die ehemalige Bibliothek des Esperanto-Instituts für das Deutsche Reich, die 1936 in die Staatsbibliothek kam. Dieses Institut hatte als staatliche Institution vor allem die Aufgabe, den Stand der Entwicklung des Esperanto festzuhalten. Der Briefwechsel zwischen dem letzten Direktor des Esperanto-Instituts, das nach dem Verbot der Esperanto-Verbände vor seiner Auflösung stand, und der Staatsbibliothek ist erhalten. In den 60er Jahren, kurz nach der Aufhebung des Esperanto-Verbotes in der DDR, wollten Ostberliner Esperantisten die Sammlung erschließen. Führend dabei waren Karl Maier und seine Frau Hedwig, die diese Sammlung sichteten, reinigten und einen Zettelkatalog anlegten, der bis in die 90er Jahre die Grundlage für den Zugang zur Esperanto-Sammlung war. Somit hat die Sammlung auch innerhalb der Staatbibliothek eine interessante Geschichte. Hochinteressante Werke sind die Erstausgabe des „Fundamento de Esperanto“ von 1905, die „Internationale Sprachnormung in der Technik, besonders in der Elektrotechnik“ von Eugen Wüster, dem Begründer der Terminologiewissenschaft, und seine Esperanto-Übersetzung von „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Chamisso. Ein besonders interessantes Stück der Sammlung ist eine Akte von 1922: In diesem Jahr befasste sich der Völkerbund mit Esperanto. Es gab unter anderem eine Konferenz, bei der Frankreich sein Veto einlegte, da es Bedenken hatte, dass Esperanto der Stellung der französischen Sprache schaden würde. Der allgemeine Bestand ist natürlich auch interessant. Das Bemerkenswerteste ist hier vielleicht das „Dua libro de l’lingvo internacia“, das zweite Buch Zamenhofs, 1888 kurz nach der Entstehung der Sprache erschienen. Man kann auch aktuelle Ausgaben der Zeitschrift des Esperanto-Weltbundes im Lesesaal in der Potsdamer Straße lesen.

Sie kennen die Esperanto-Sammlung ja sehr gut, was ist Ihr Lieblingsstück?

Da möchte ich eine Satire-Zeitschrift nennen, LA PIRATO. Sie stammt aus den 30er Jahren und wurde von Raymond Schwartz, dem berühmten Esperanto-Satiriker herausgegeben. Die Staatsbibliothek hat einiges von ihm. Seine Werke schätze ich sehr.

Die Fragen stellte Friederike Schmidt.

 

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Wissenswerkstatt reloaded – unsere Schulungen für Sie neu sortiert und strukturiert

Benutzungseinführungen, Workshops, Facheinführungen, Recherche für den Altbestand, StabiStart, Publish or Perish – wer blickt da noch durch?

Unser Angebot wurde in den letzten Jahren immer vielfältiger, viele Kolleginnen und Kollegen boten neue oder bewährte Formate an.  Darum haben wir uns daran gemacht, unsere diversen Schulungsangebote wieder einmal zu überdenken und neu zu strukturieren. Dabei war uns besonders wichtig, ein System zu schaffen, dass es Ihnen ermöglicht, das komplette Angebot auf einer Seite zu überblicken und schnell zu erkennen, welche Schulung, Einführung oder Workshop für Sie der richtige ist.
Dabei helfen Ihnen einige Buchstaben, hinter denen sich verschiedene Level oder Inhalte verbergen. So haben Sie die Möglichkeit, sich stufenweise in das Mysterium Staatsbibliothek einzuarbeiten, um dann nach und nach zum Recherche-Experten zu avancieren, um beispielsweise Ihre Abschlussarbeit zu verfassen. Aber natürlich können Sie auch als Quereinsteiger mitmachen, wenn Sie nur einzelne Aspekte interessieren und Sie bereits über die nötigen Grundkenntnisse verfügen, welche die Dozentinnen und Dozenten voraussetzen.
Im Einzelnen sieht das dann so aus:

  • Modul A:
    Dahinter verbergen sich unsere mittlerweile bewährten StabiStart-Einführungen. Diese finden montags bis freitags täglich im Haus Potsdamer Straße und jeden Mittwoch im Haus Unter den Linden statt. Für Einzelpersonen ist eine Anmeldung nicht erforderlich. Kommen Sie einfach zum Treffpunkt und lernen Sie die Staatsbibliothek und ihre Kataloge kennen.
  • Modul B:
    Unter dem Motto „fit für die Recherche“  geht es hier darum, ihre bisher nur theoretischen Kenntnisse über die Recherche zu erweitern und anhand von Übungen zu vertiefen. Wir unterscheiden zwischen allgemeinen Workshops und solchen mit Bezug zu einem bestimmten Fach.
    Sie lernen unter anderem spezielle Suchtechniken kennen, um zu große Treffermengen einzugrenzen oder noch mehr Treffer in einem Katalog zu ermitteln. Außerdem zeigen wir Ihnen weitere Datenbanken zu Ihrem Fach und helfen Ihnen dabei, Aufsätze aus gedruckten oder elektronischen Zeitschriften aufzuspüren.
  • Modul C:
    Wir begleiten Sie noch ein weiteres Stück auf dem Weg zum Recherche-Profi. Dieses Format richtet sich an Personen, die gerade an einer Abschlussarbeit oder ähnlichem Projekt schreiben und mit ihren konkreten Fragen zu uns kommen möchten. In kleinen Gruppen besprechen wir Ihre individuellen Recherche-Fragen und zeigen Ihnen weitere Wege auf, um an neue Informationen zu kommen.
  • Modul W:
    In diesem  Bereich verbergen sich zahlreiche Angebote für Wissenschaft und Forschung, wie zum Beispiel für Promovierende. Wir bieten Ihnen u.a. Veranstaltungen oder Beratungen zu den Aspekten Literaturverwaltung, wissenschaftliches Arbeiten oder Publizieren an.

Alle Informationen finden Sie auf unserer neu gestalteten Webseite oder in den Flyern, die wir demnächst in unseren Häusern und an anderen Stellen auslegen.
Sollten Sie spezielle Wünsche und Anregungen haben, oder für eine Gruppe einen separaten Termin vereinbaren wollen, nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf.

Logo des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Werkstattgespräch am 21.9.

Wissenswerkstatt

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache

Werkstattgespräch mit Fritz Wollenberg, Esperanto-Liga Berlin
Donnerstag, 21. September 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Esperanto-Sprachgemeinschaft hat in 130 Jahren nicht nur die Sprache selbst weiterentwickelt, auch eine vielfältige Esperanto-Kultur ist entstanden. Längst hat sie dabei unter Beweis gestellt, dass Esperanto eine Sprache ist, die sich für die internationale Kommunikation eignet.

Welche Besonderheiten hat diese internationale Plansprache? Was sind ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln? Wer lernt Esperanto, und wie wird es verwendet? Welche kulturellen Leistungen hat die Esperanto-Sprachgemeinschaft hervorgebracht?

Für eine Kultur, deren Existenz in der Öffentlichkeit immer wieder bestritten oder unterschätzt wird, hat die Esperanto-Kultur erstaunlich viel zu bieten:

den Esperanto-Weltbund (Rotterdam) mit 72 Landesverbänden, die Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, das Deutsche Esperanto-Institut mit der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen, die jährlichen Esperanto-Weltkongresse in verschiedenen Ländern, Kulturfestivals wie ARKONES in Poznań, die Esperanto-Akademie, die Literarische Esperanto-Akademie, das Esperanto-PEN-Zentrum, die Esperanto-Wikipedia, Web-Seiten wie Lernu!net, Apps wie Amikumu, die Esperanto-Redaktion von Radio China International, das Polnische Internet-Radio in Esperanto,  Verlage wie Edistudio in Pisa und Sezonoj in Kaliningrad und so weiter, und so weiter.

Fritz Wollenberg, Pädagoge und Kenner der Sprache und ihrer Kultur, wird sich in seinem Vortrag auf  eine Auswahl von Esperanto-Publikationen aus dem reichhaltigen Bestand,  darunter der Esperanto-Sondersammlung, der Staatsbibliothek zu Berlin beziehen, und natürlich auf die von ihm zusammengestellten zweisprachigen (Esperanto und Deutsch) Jubiläumsbücher der Esperanto-Liga Berlin (2006) und des Esperanto-Verbands Berlin-Brandenburg (2017):

„Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“, Mondial-Verlag, New York, Berlin.

 

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