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[die Meldungen der Jahre 2000 – 2016]

Herzlich willkommen auf SBB aktuell, unserem neuen Blog-Netzwerk

Wir freuen uns heute den nächsten Schritt im digitalen Raum zu unternehmen.  Gerne gemeinsam mit Ihnen!

Unsere zahlreichen und vielfältigen Informationskanäle, wie unsere Website, unsere Newsletter und regelmäßigen Publikationen, unsere Aktivitäten in den Sozialen Medien auf Facebook, Twitter, YouTube finden mit diesem Blog nun eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung.

Mit diesem Netzwerk wollen wir den Inhalt der verteilten Informationen unserer Einrichtung bündeln und in neuer Form und mit ansprechendem Design für Sie präsentieren.

Inhaltlich dürfen Sie eine Zusammenschau unserer Tätigkeiten, Services und Veranstaltungen erwarten.  Unserem Leitmotiv „Für Forschung und Kultur“ folgend werden die Beiträge über Wissenswertes informieren.  Seien diese kurz und knapp gehalten zum schnellen Wahrnehmen oder auch länger, in die Tiefe gehend, so verfolgen wir mit SBB aktuell ein Ziel:  Ihnen transparent zu machen, was Sie von dieser Institution in der Mitte Berlins erwarten können.

Sicher gehören wir nicht zu den ersten bloggenden Bibliotheken, aber zum Ausgleich beginnen wir vom Start weg mit einem ganzen Bündel an thematisch aufgebauten Einzelblogs. Vom ersten Tag an erwarten Sie Beiträge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen unserer Bibliothek. Unsere Sammlungsaktivitäten und Dienstleistungen sind so vielfältig wie das Personal.  Auch wir sind gespannt, welch thematischer Blumenstrauß nun ab Herbst erblühen wird. Lassen wir uns überraschen!

Blogs leben vom Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Wir freuen uns daher ganz besonders auf Ihre Anregungen, Kommentare und Kritiken.

Ihre Barbara Schneider-Kempf

Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Wagenbach-Archiv der ersten 40 Jahre an die Staatsbibliothek übergeben

Der Verlag Klaus Wagenbach, 1964 in Berlin (West) gegründet und seither publizistischer Begleiter und Zeuge bewegter bundesrepublikanischer Geschichte wie auch kultureller Entwicklungen Europas, überlässt sein Archiv der ersten vierzig Jahre der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Es umfasst 260 Ordner und etwa 2.100 Herstellungstüten, in denen der Entstehungsprozess eines jeden Buchs dokumentiert ist. Der Verlag schafft damit Platz für neue Publikationsvorhaben und übergibt der Forschung umfangreiche und bislang weitgehend unbekannte Quellen. Die Staatsbibliothek zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwarben das Teilarchiv des Wagenbach-Verlags mit Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder.

Susanne Schüssler, Verlegerin und Nachfolgerin von Klaus Wagenbach, betonte, “… dass die Entscheidung zugunsten der Staatsbibliothek zu Berlin aus mehreren Gründen gefallen ist, nicht zuletzt, weil den Verlag und die Stadt Berlin eine wechselvolle, oft nicht einfache Geschichte verbindet.” Schon allein deshalb gehöre das Archiv hierher. Und weiter: “Ich bin gespannt, welche neuen Sichtweisen auf die Arbeit des Verlags als Teil des Literaturbetriebs wie auch auf seine Rolle als politischer und kultureller Akteur seit der äußerst bewegten Zeit Mitte der 1960er Jahre bis heute herausgearbeitet werden.”

Klaus Wagenbach hatte als Gründungsort des Verlags bewusst Berlin gewählt, sollten doch gegen die politische Teilung ost- wie westdeutsche Autoren gleichermaßen erscheinen. In den 1970er Jahren wurde vor allem politische Literatur verlegt, und so finden sich Schriftwechsel etwa mit Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Stephan Hermlin, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski, F.C. Delius, Peter Rühmkorf, Peter Schneider, Ernst Jandl, Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Peter Brückner (u.a. über dessen Amtsenthebungsverfahren), Otto Schily und dem Grips-Theater, außerdem die umfangreiche Korrespondenz mit Erich Fried, einem der zentralen politischen und literarischen Autoren des Verlags. Dazu kommen Unterlagen zu den Gerichtsprozessen, mit denen der Verlag überzogen wurde, etwa die Frage um den “Mord” an Benno Ohnesorg. Die Dokumente zeigen die Entwicklung der damaligen Avantgardeliteratur als Abbild der allgemeinen politischen und kulturellen Lage und zeichnen die Führungsrolle nach, die der Verlag dabei einnahm – einschließlich der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten sowohl mit dem Staat als auch innerhalb der Linken, etwa die Bedrohung durch die RAF.

In den 1980er Jahren beginnt die Entwicklung des Verlags hin zur Kultur- und Kunstgeschichte und zur italienischen Literatur mit Autoren wie Peter Burke, Alain Corbin, Natalie Zemon Davis, Carlo Ginzburg, Salvatore Settis, Heinz Berggruen, Wolfgang Ullrich, Giorgio Vasari und Horst Bredekamp sowie Giorgio Manganelli, Luigi Malerba, Gianni Celati, Stefano Benni, Norberto Bobbio und Natalia Ginzburg. Inzwischen hat sich der Verlag immer weiter internationalisiert, publiziert anspruchsvolle literarische Autoren die deutsch, italienisch, spanisch, französisch und englisch schreiben. Mit über 1.200 verlegten Titeln wählt der Verlag nach wie vor seine Bücher nach inhaltlichen und nicht nach merkantilen Kriterien aus. Ein besonderes Merkmal der Wagenbach-Bücher ist die hohe optische und haptische Qualität der Bücher.

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz setzte mit dem Kauf des Wagenbach-Archivs ihre Politik des Erwerbs bedeutender literarischer und wissenschaftlicher Verlagsarchive fort. Dass ihr dies nur mit der außerordentlichen finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder möglich war, unterstrich die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, besonders und erläuterte weiter: “Das Wagenbach-Archiv wird nun in jene Sammlung aufgenommen, in der sich bereits die Archive der Wissenschaftsverlage De Gruyter, Mohr-Siebeck und Vandenhoeck & Ruprecht sowie das Archiv des Literaturverlages Aufbau befinden, zudem konnten wir im letzten Jahr für die Musiksammlung einen bedeutenden Teil des Schott-Archivs sichern.” Zu den nächsten Schritten der Bibliothek fuhr sie fort: “Dieses für die politisch-historische wie auch kunst- und kulturgeschichtliche Forschung so wichtige Archiv wird zunächst systematisch erschlossen und in konservatorisch beste Bedingungen gebracht. Dabei wird die vom Verlag angelegte Grundordnung nach Jahren und nach verlegten Büchern beibehalten, und selbstverständlich verbleiben die Verwertungs- und Urheberrechte bei den bisherigen Rechteinhabern.”

Das Archiv beinhaltet neben vielem anderen umfangreiche Chef- und Lektoratskorrespondenzen, Gutachten, Manuskriptablehnungen; dann in den Herstellungstüten Schriftwechsel von Herstellern, Gestaltern und Lektoren mit den Autoren zu den einzelnen Büchern, die dazugehörigen Manuskripte, Übersetzungen, Lektorate, Korrekturgänge und Einbandentwürfe. Aus dem Vertrieb gibt es Korrespondenzen mit Buchhändlern und Auslieferungen und mit Autoren über Lesungen und die Verbreitung der Bücher. Anhand von Absatzzahlen lassen sich die Wirkung von Rezensionen, Verkaufsaktionen, Werbemitteln oder Lesereisen ermitteln.

Für das Jahr 2014 wurden anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Verlags Ausstellungen und Veranstaltungen vorbereitet. Dabei wurde der Verlagsleitung deutlich, dass der Umgang mit den eigenen Archivalien eine ebenso große Sorgfalt verlangt wie die Gestaltung des Verlagsprogramms. Der Übergang des vollständigen Archivs der Jahre 1964 bis 2003 in die Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin ist für die zeithistorische Forschung ein verheißungsvoller wie auch für die sichere und dauerhafte Aufbewahrung der unikalen Dokumente der richtige Schritt.

“SchriftSprache. Indonesische Handschriften”

Ausstellung aus Anlass der Frankfurter Buchmesse mit Gastland Indonesien

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags bis samstags, 10 – 19 Uhr
bis 17. Oktober 2015

  • Eintritt frei
  • farbiger Katalog (186 Seiten)
  • mittwochs um 17 Uhr Führungen in der Ausstellung
  • Vorträge mit indonesischer Musik am 2., 5., 10. Oktober, Themen und Zeiten siehe http://sbb.berlin/w0i71d

In der Ausstellung „SchriftSprache“ – auf Indonesisch „Aksara dan Bahasa“ – präsentieren die Staatsbibliothek zu Berlin 46 Handschriften und das Indonesische Nationalmuseum, Jakarta, 7 Repliken von Steininschriften. Besuchern wird das Schreiben auf Palmblättern vorgeführt, am Computer kann das Schreiben in Javanisch, Buginesisch, Batakisch und Arabisch ausprobiert werden.

Von den 700 Handschriften, die die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt und die aus dem heutigen Gebiet der Republik Indonesien stammen, sind etwa die Hälfte auf Papier aus Baumbast oder auf Palmblättern, Baumrinden, Bambus und Metall geschrieben. Diese Beschreibstoffe, ihre Formen wie auch ihre Bindungen sind für europäische Betrachter optisch und haptisch außerordentlich faszinierend. Zudem erscheinen Betrachtern, denen die feste Verbindung einer Sprache mit einem zugehörigen Alphabet geläufig ist, die in den indonesischen Handschriften repräsentierten Kombinationen aus Sprachen und Schriftzeichen recht ungewöhnlich, etwa wenn ein javanischer Text sowohl mit arabischen wie auch mit lateinischen oder javanischen Buchstaben geschrieben ist.


Digital erschlossene indonesische Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin sind in der Datenbank www.orient-digital.de zu finden.

Honorarfreie Pressebilder: http://sbb.berlin/61kmfa oder
http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder


Die Buchkunst hat in Indonesien eine lange Tradition. So wurden, bevor der Buchdruck Verbreitung fand, seit Jahrhunderten vor allem jene Materialien zum Beschreiben genutzt, die in der Natur zu finden waren. Die Auswahl der gezeigten Handschriften vermittelt deshalb nicht nur einen Einblick in die verschiedenen Schrifttraditionen und Schriftzeichen Indonesiens, sondern darüber hinaus auch eine Übersicht über die Materialien, die als Beschreibstoffe dienten – neben europäischem Papier auch Papier aus Baumbast sowie Palmblätter, Baumrinde, Bambus und Metall.

Malaiische und javanische Handschriften sind am häufigsten vertreten, da Werke in diesen Sprachen die wichtigsten und umfangreichsten Literaturen Indonesiens abbilden. Während die Mehrzahl der Manuskripte für den alltäglichen Gebrauch bestimmt und daher einfach ausgestattet waren, werden in der Ausstellung auch zahlreiche Handschriften mit kostbaren Miniaturen und aufwändigen Illuminationen gezeigt.

Oft datieren indonesische Handschriften ‚nur‘ in das 19. Jahrhundert zurück, denn die dortigen klimatischen wie auch die Nutzungs- und Aufbewahrungsbedingungen beschleunigen den Verfall der fragilen Beschreibstoffe. Vor diesem Hintergrund wirkt die Überlieferung von Handschriften aus früheren Jahrhunderten geradezu sensationell, einige davon sind in der Ausstellung zu sehen, etwa diese:

Die Nipah-Handschrift der Staatsbibliothek zu Berlin

In altjavanischer Kawi-Schrift wurde im Jahr 1407/1467 (Datierung je nach Lesung) auf Gebang-Palmblättern ein shivaitischer Text geschrieben. Dies ist eine der wenigen erhaltenen Nipah-Handschriften, weltweit sind nur wenige Dutzend überliefert, in Berlin ist dies die einzige. Diese Handschriften stellen den Übergang von Stein- und Metallinschriften zum portablen Schriftträger dar.

Der Text dieser Handschrift ist unikal, weltweit ist keine weitere Kopie bekannt. Es handelt sich um einen shivaitischen Text in Kawi-Schrift, auf Sanskrit mit altjavanischen Erläuterungen mit dem Titel Darma Pātañjala.
Die Aufbewahrung der Handschrift in dem hölzernen Kasten hat zwar den Verlust loser Teile verhindern können, da aber die Maße des Kastens zu knapp bemessen waren, litten die einzelnen Blätter bei jeder Bewegung. Zudem ist durch den Faden im Schnurloch in der Mitte der Blätter Feuchtigkeit eingedrungen und das Material an diesen Stellen spröde und brüchig geworden. Die einzelnen Palmblätter sind an diesen Stellen so destabilisiert, dass die Handschrift derzeit weder benutzt noch digitalisiert werden kann. Mit Fördermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wird jetzt die grundlegende konservatorische Sicherung und die Neukonzeption der Aufbewahrung der Handschrift in Angriff genommen. Das neue Aufbewahrungskonzept wird die Nutzung des Originals ermöglichen, ohne dass das eigentliche Palmblatt angefasst werden muss.

Honorarfreie Pressebilder: http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/