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Restaurierung einer Rechtsinkunabel finanziert von der International Association of Law Libraries

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist als Archivbibliothek gehalten, ihren seit 1661 aufgebauten Bestand zu bewahren und – dem Erhaltungszustand entsprechend – zu konservieren. Allerdings haben mangelhafte Papierqualitäten, Kriegsschäden, Tintenfraß und nicht zuletzt auch ihre teilweise sehr intensive Nutzung Spuren an so manchen Werken hinterlassen. Das von dem Verein der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin organisierte Buchpatenschaftsprogramm eröffnet bibliothekarischen und nichtbibliothekarischen Institutionen sowie der allgemeinen Öffentlichkeit die Möglichkeit, den Erhalt dieses einzigartigen kulturellen und wissenschaftlichen Erbes durch Finanzierung dringender Reparatur- und Restaurierungsarbeiten zu unterstützen.

In Anerkennung und als Dank für die Organisation ihrer im Herbst 2015 an der Staatsbibliothek zu Berlin durchgeführten Jahreskonferenz übernahm die International Association of Law Libraries (IALL) die Buchpatenschaft für die Restaurierung einer wertvollen Rechtsinkunabel. Es handelt sich dabei um den venezianischen Wiegendruck Corpus iuris civilis. Novellae etc . aus dem Jahre 1487 (Bibliothekssignatur 2° Inc 4218 (Sav 318), (GW07760), der aus der Bibliothek des berühmten Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny (1779 – 1861) stammt. Das so genannte „Volumen parvum“ bildete den letzten Teil der auf Anweisung Kaiser Justinians zusammengestellten Quellensammlung des Römischen Rechts, des „Corpus iuris civilis“. Es enthält eine Auswahl der „Novellen“ (kaiserliche Gesetze, die nach der Zusammenstellung des „Corpus Iuris Civilis“ erlassen wurden), einen Teil des „Codex Iustinianus“ (eine Sammlung der Kaisergesetze des 2. bis 6. Jahrhunderts) sowie einige weitere, z. T. erst aus dem Mittelalter stammende, Rechtstexte. Die vorliegende Ausgabe beinhaltet zudem den im Mittelalter maßgeblichen Kommentar des Accursius Florentinus (1182/85 – 1260/63), der aufgrund seines Umfangs üblicherweise als Klammerglosse um den eigentlichen Text gesetzt wurde.

Bei diesem Werk mussten der Halbledereinband mit Papierbezug erneuert, die erste und letzte Lage ausgebessert, wieder verheftet und auch Schäden im Buchblock ergänzt werden. Das dem restaurierten Band beigefügte „Exlibris“ auf der Innenseite des Buchdeckels lautet: „Restauriert mit einer Spende von der International Association of Law Libraries anlässlich der Jahreskonferenz in Berlin 2015“. Die Staatsbibliothek zu Berlin – namentlich ihre Handschriftenabteilung – sowie der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung danken der IALL für die großzügige Spende und geben das Werk wieder für die Benutzung frei.

 

Text: Ivo Vogel

International Association of Law Libraries zu Gast bei uns

Nach Stationen in Toronto, Barcelona und Buenos Aires fand in der Zeit vom 20. September 2015 bis zum 24. September 2015 die 34. Jahrestagung der International Association of Law Libraries (IALL) in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Als einziger global agierender gemeinnütziger Zusammenschluss von juristischen Bibliotheken hat es sich die IALL zur Aufgabe gemacht, die grenzüberschreitende Vermittlung rechtswissenschaftlicher Fachinformationen zu befördern. 1959 gegründet und inzwischen auf über 600 Mitglieder aus mehr als 50 Ländern auf fünf Kontinenten angewachsen, repräsentiert die IALL das gesamte Spektrum an Rechtsbibliotheken – von wissenschaftlichen Universalbibliotheken über Unternehmens-, Parlaments- und Nationalbibliotheken bis hin zu Verwaltungs- und Gerichtsbibliotheken.

An der Jahrestagung zum Thema „Within and in Between: German Legal Tradition in Times of Internationalization and Beyond“ haben insgesamt 151 Personen aus über 20 Nationen (in der Mehrzahl Angehörige des wissenschaftlichen Diensts internationaler Rechtsbibliotheken) teilgenommen, um sich aus Forschungsperspektive über die verschiedenen Facetten des Rechtssystems Deutschlands zu informieren. Die Konferenz wurde von 15 Sponsoren unterstützt, wovon 13 Verlage als Aussteller vor Ort ihr juristisches Verlagssortiment und ein breites Portfolio an rechtswissenschaftlichen Ressourcen präsentierten – darunter Wolters Kluwer, Law Business Research, Brill, Cambridge University Press, Oxford University Press, C.H. Beck und Nomos. Das umfangreiche akademische Programm schlug mit 15 Vorträgen einen inhaltlichen Bogen von der Transnationalisierung der Rechtswissenschaften über die Nürnberger Prozesse bis hin zu juristischen Blogs. Daneben wurden ausgewählte Aspekte der Grund-, Frauen- und Menschenrechte sowie des Europa- und Vereinigungsrechts ebenso aus forschungsorientierter Perspektive beleuchtet wie Fragen der Staatskriminalität, der Zugänglichkeit von Bibliotheken für Menschen mit Behinderung sowie des Schutzes von Kulturgütern.

Die Vorträge wurden von namhaften Forschenden wie Prof. Dr. Thomas Duve (Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte), Prof. Dr. Georg Nolte (Humboldt-Universität zu Berlin), Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, Prof. Dr. Heike Schweitzer (beide Freie Universität Berlin) und Prof. Dr. Johanna Schmidt-Räntsch (Bundesgerichtshof/Humboldt-Universität zu Berlin) präsentiert. Überdies kamen sowohl Rechtspraktiker – unter ihnen Dr. Paul Klimpel (Rechtsanwalt/iRIGHTSlaw) – und leitende Behördenmitarbeiter wie Claus Koggel (Bundesrat) und Dr. Andreas Günther (Bundesjustizministerium) zu Wort als auch der wissenschaftliche Nachwuchs an den Berliner Universitäten in Person von Dr. Kim Christian Priemel, Dr. Marion Röwekamp, Hannah Birkenkötter und Jan-Michael Arend. Komplettiert wurde der Kreis der Vortragenden von den Bibliothekarinnen Anne Sieberns (Deutsches Institut für Menschenrechte) und Ursula Freyschmidt (Bibliothek des Bundestages). Eine Vielzahl der Vorträge sollen im International Journal of Legal Information veröffentlicht werden.

Das konferenzbegleitende Programm führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter anderem in den Bundesrat, nach Sanssouci und Cecilienhof, in die Bundestagsbibliothek sowie hinter die Kulissen der Staatsbibliothek zu Berlin.

Die nächste Jahrestagung der IALL wird vom 31. Juli bis 3. August 2016 am Keble College in Oxford stattfinden.

Ivo Vogel

Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung