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Die CrossAsia Volltextsuche für Asieninteressierte!

Ein Beitrag von Martina Siebert

Seit einigen Monaten steht bereits eine erste Version der CrossAsia Volltextsuche zur Verfügung. Die Volltextsuche basiert auf den Texten, die im CrossAsia Integrierten TextRepositorium (ITR) gespeichert sind, welches der Aufgabe dient, Texte, Bilder und Metadaten der für CrossAsia lizenzierten Datenbanken sicher und nachhaltig zu archivieren und zugleich die Möglichkeit bietet, diese Inhalte nahtlos in aktuelle und zukünftige CrossAsia Services einzubinden und im Rahmen der digitalen Wissenschaften für Analysen, Explorationen, Anreicherungen und Visualisierungen anbieten zu können. Wie bei Lagern, Magazinen, Repositorien zumeist die Regel, ist auch das CrossAsia ITR vor allem Infrastruktur, d.h. es *ermöglicht* Dinge ohne selbst unmittelbar sichtbar und greifbar zu werden. Die Volltextsuche kann also als eine Spitze dieses sonst von außen nicht sichtbaren „Eisbergs“ vorgestellt werden.

Das ITR und die in die Volltextsuche eingebetteten Ressourcen wachsen kontinuierlich und wir konnten jetzt auch eine zweite Variante der Volltextsuche freischalten. Zu beidem finden Sie mehr Details weiter unten. Ein wichtiger Punkt bei der Volltextsuche für uns ist, sie so anzubieten, dass sie *allen* Nutzer*innen zur Verfügung steht, also auch solchen, die keinen Zugang zu den jeweiligen Datenbanken haben bzw. deren Zugang nicht über CrossAsia ermöglicht wird. Damit fügt sich die Volltextsuche harmonisch in das Profil der eher „bibliographischen“ CrossAsia Suche ein, die ebenfalls frei zur Verfügung steht.

Schnipsel und Links

Die Treffer in der CrossAsia Volltextsuche werden als sehr kurze und fragmentierte Textschnipsel ausgegeben. Nur so ist es möglich, die Suche für alle zu öffnen und dabei die für diese Ressourcen vereinbarten Lizenzbedingungen zu wahren. Auch Nutzer*innen ohne Zugang zu den jeweiligen Datenbanken wird damit die Möglichkeit gegeben, einen Eindruck zu gewinnen, welche Quellen u.U. relevant für die eigene Fragestellung sind. Über verschiedene Links in den Treffern gelangt man zur kompletten Quelle. Für authentifizierte CrossAsia-Nutzer*innen führt das ‚rot‘ gefärbte Icon direkt zum Objekt im originalen Kontext der Datenbank; für Nutzer*innen mit anderen Zugangsmöglichkeiten – z.B. über den IP-Range ihrer Institution oder ein individuelles Login – wird parallel ein ‚graues‘ Icon angeboten. „Direkt zur Quelle“ bedeutet für die verschiedenen Ressourcen dann doch verschiedenes. In jedem Fall stellen wir möglichst treffgenaue Links zur Verfügung. D.h. wenn der Datenbankanbieter uns das ermöglicht, wird die entsprechende Seite angesteuert, in anderen Fällen gelangt man zumindest zum Buch oder Artikel und muss dort dann die im Treffer angegebene Seite (bzw. Imagenummer) aufschlagen. In einigen Fällen jedoch stehen nur Links zur jeweiligen Datenbank zur Verfügung. Hier ist der Weg dann etwas weiter bis zur Fundstelle (so aktuell z.B. der Fall für die People’s Daily und die Lokalmonographien der Erudition-Datenbank).

Noch mehr Volltexte für die Suche

Der Korpus an Texten, die in der CrossAsia Volltextsuche durchsucht werden können, wächst kontinuierlich. Aktuell dominieren chinesische Texte und englische Texte mit Chinabezug, aber weitere Ressourcen, die auch für die Japan-, Korea- und weitere asienbezogene Forschung relevant sind, befinden sich bereits in der Pipeline. Aktuell können die Inhalte der folgenden, über CrossAsia lizenzierten Datenbanken recherchiert werden:

  • Adam Matthew – China, America, Pacific
  • Adam Matthew – China Trade & Politics
  • Adam Matthew – Foreign Office Files China
  • 道藏輯要
  • 中國地方誌 一集 (雕龍)
  • 中國地方誌 續集 (雕龍)
  • Missionary, Sinology, and Literary Periodicals (1817-1949)
  • Local Gazetteers (Erudition)
  • 人民日报 : People’s daily (1946-2009)
  • 清代史料
  • 四庫全書
  • 續修四庫全書

Darüber hinaus sind in die Volltextsuche einzelne lizenzierte Bände aus den Airiti und CNKI ebook-Portalen integriert, sowie ein Testsample an gedruckten Beständen, für die wir selbst mittels OCR einen Index erstellt haben. Zusammen sind das aktuell: 120 Tausend Titel (Buch- und Artikeltitel) mit über 13 Millionen Seiten. Das ist schon eine ziemlich große Eisbergspitze.

Noch mehr Suche für die Volltexte

Einigen Nutzer*innen ist die CrossAsia Volltextsuche Typ A mittlerweile schon vertraut. Jetzt haben wir ihr eine Volltextsuche Typ B zur Seite gestellt. Charakterisieren lassen sich die beiden als „geführte Suche“ (Typ A) und „explorative Suche“ (Typ B).

Typ A nimmt als Anker für die Suche Einheiten wie z.B. ein Buch oder eine Tagesausgabe der People’s Daily und verwendet die Anzahl der Seiten/Artikel mit Treffern darin als Kriterium für die Reihenfolge der Anzeige. Ein Buch mit mehr Seiten, auf denen der Suchterm erscheint, wird also höher gerankt. Die „Anker“ bzw. Bücher etc. werden im Suchergebnis in der linken Spalte in diesem Ranking angezeigt; wählt man ein Objekt dort aus, erscheinen die Seiten mit Treffern aus dem ausgewählten Objekt in der mittleren Spalte. Diese sind nach Seitenzahl geordnet. Mit Hilfe der Filter in der rechten Spalte kann man die Treffermenge dann weiter reduzieren bzw. fokussieren. Es wird in Typ A  *nur* in den Inhalten der Seiten gesucht und diese Inhalte zu ihren jeweiligen Büchern o.ä. gebündelt ausgegeben.

Hier die Funktionen der drei Seitenbereiche von Typ A im Überblick:

“Geführte” Volltextsuche (Typ A)

Typ B behandelt alle Objekte gleichberechtigt. D.h. Bücher, Artikel oder Archivalien und die einzelnen Volltextseiten werden auf ihre Relevanz in Bezug auf den Suchterm vom Index bewertet und in der Reihenfolge dieser Bewertung (dem „score“) als Treffer ausgeliefert. Metadaten, Beschreibungen, Autorennamen, Volltexte – alles wird durchsucht und in bunt gemischter Reihe ausgegeben. Über Filter auf der linken Seite kann der Typ der Trefferobjekte gewählt werden (also ob nur Seiten oder nur Bücher bzw. Artikel und ihre Metadaten ausgeben werden sollen) oder auch Filter wie Jahr, subject u.ä. eingestellt werden. Dies kann wiederum nachträglich geschehen, in Typ B aber auch bevor ein Suchterm eingegeben wurde. Zu beachten hier ist, dass aktuell für Seiten keine inhaltlichen Filter zur Verfügung stehen. IE jenseits von Edge setzen die Filterfunktion nicht korrekt um.

“Explorative” Volltextsuche (Typ B)

Einen kurzen Überblick gibt auch die neue Einstiegsseite für die CrossAsia Volltextsuche. Mehr Informationen zu den jeweiligen Besonderheiten der beiden Such-Typen können über das „i“ hinter den Suchschlitzen aufgerufen werden.

Und was kommt dann?

Beide Suchmodi lösen Schranken zwischen verschiedenen Quellenkorpora und Texttypen auf, die durch die individuellen Datenbankzugänge geschaffen wurden, und ermöglichen damit – so hoffen wir – neue, bessere Wege, sich einen Überblick über die Quellenlage zu verschaffen und das Umfeld eines Suchterminus in einem möglichst breiten Spektrum von Texten zu ergründen. Details aus verschiedenen Datenkorpora werden gemeinsam angezeigt und werden jenseits der von der Datenbank vorgegebenen Logik ansteuerbar. Das ist ein wichtiger, aber doch auch nur ein erster Schritt. Um sich in diesen großen Mengen an Text nicht zu verlieren, wollen wir gemeinsam mit unseren Nutzern überlegen, wie innovative Recherche- und Zugangsmodi aussehen könnten. Um zudem diese große Menge an Text für neue Forschungsfragen in den digitalen Geisteswissenschaften zu erschließen, arbeiten wir an Schnittstellen, über die Projekte (große und individuelle) mit diesen Daten in Zukunft arbeiten können, aber auch an Wegen über ein pre-processing diese Texte nicht nur über die Metadaten ihrer bibliographischen Einheit zu charakterisieren, sondern auch „aus sich selbst heraus“, d.h. mit Hilfe von automatisierter Textanreicherung und statistischen Auswertungen von Kollokationen u.ä. weitere Formen von „Metadaten“ zu generieren.

Über Hinweise, Feedback, Vorschläge, Kritik sind wir dankbar! Am besten direkt an x-asia@sbb.spk-berlin.de

“Tear down this paywall!” – Auch Open Access ist ein Berliner

Am vergangenen Montag ging die International Open Access Week in die achte Runde. Und auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Veranstaltungen rund um den Globus dafür werben, wissenschaftliches Wissen unbehindert von finanziellen, technischen oder juristischen Barrieren frei zugänglich und nachnutzbar zu machen – eine Position, zu der sich inzwischen zahlreiche Universitäten, Forschungsfördereinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen bekennen.

Wie es der inoffiziellen Hauptstadt des Open Access nur angemessen ist – schließlich wurde 2003 in Dahlem mit der Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities gewissermaßen die Magna Carta dieses zukunftsweisenden Publikationsparadigmas unterzeichnet – , startete die Aktionswoche hier mit einem echten Knalleffekt. Allerdings war dessen Timing nicht so ganz perfekt, denn der Beschluss des Berliner Senats, zügig eine landesweite Open Access-Strategie umzusetzen, datiert bereits auf den 13. Oktober. Nach Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg, dessen kürzlich novelliertes Landeshochschulgesetz sogar eine Zweitveröffentlichungspflicht an Universitäten vorsieht, ist Berlin damit das dritte Bundesland, in dem Open Access als strategisches Handlungsfeld auf der wissenschaftspolitischen Agenda steht – von der Ankündigung der Großen Koalition, eine umfassende Open Access-Strategie zu entwickeln, einmal abgesehen.

Konkret adressiert das Berliner Open Access-Strategiepapier drei Ziele:

1. Steigerung des Open Access-Anteils am wissenschaftlichen Publikationsaufkommen der Landeseinrichtungen auf 60% im Jahr 2020 – ermöglicht sowohl durch den Aufbau eines flächendeckenden Repositoriennetzes (Grüner Weg) als auch durch die konsequente Förderung genuiner Open Access-Veröffentlichungen (Goldener Weg);

2. freie Nachnutzung offen zugänglicher Forschungsdaten – befördert u.a. durch entsprechende wissenschaftspolitische Rahmensetzungen und technische Infrastrukturmaßnahmen;

3. Erleichterung sowohl des digitalen Zugangs zum kulturellen Erbe als auch der offenen Nachnutzung von Kulturdaten insbesondere im Rahmen von Kreativpartnerschaften – getrieben vor allem durch die Fortführung des 2012 initiierten Landesdigitalisierungsprogramms.

Zwar wird die Staatsbibliothek zu Berlin als Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gemeinsam von Bund und Ländern getragen – eine waschechte Alt-Berliner Institution ist sie mit ihren 354 Jahren auf dem Buckel natürlich allemal. Nichtsdestoweniger sind aber auch unsere Aktivitäten auf den verschiedenen Feldern des Open Access nahtlos an die genannten Ziele anschlussfähig, zumal doch die Förderung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen zu den zentralen Anliegen unserer unlängst veröffentlichten Strategie zählt und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz dem stetig wachsenden Kreis der inzwischen 522 Signatoren der eingangs erwähnten Berliner Erklärung angehört.

Dabei beschränken sich unsere Maßnahmen zur Realisierung der Open Access-Idee keineswegs nur auf die vielfältigen Projektvorhaben zur Digitalisierung von historischen und teilweise sogar von noch urheberrechtsbewehrten Bestandssegmenten wie etwa den DDR-Tageszeitungen Neues Deutschland, Berliner Zeitung und Neue Zeit, deren digitales Korpus gegenwärtig zudem in die CLARIN-D-Infrastruktur sprachwissenschaftlich relevanter Forschungsdaten integriert wird. Auch den Grünen Weg zum Open Access helfen wir zu asphaltieren – vor allem mit den beiden fachspezifischen Publikationsplattformen CrossAsia Repository und intR2Dok, die darauf zielen, die Akzeptanz des Open Access-Paradigmas in den Asienwissenschaften bzw. auf Seiten der internationalen und interdisziplinären Rechtsforschung zu steigern. Ebenfalls in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg stellt CrossAsia, unsere Virtuelle Fachbibliothek Ost- und Südostasien, überdies die quelloffene Software Open Monograph Press und Open Journal Systems als Service zur Verfügung, um Open Access-affinen Forschenden die Gründung eigener Fachzeitschriften und Schriftenreihen oder die Veröffentlichung einzelner Monographien und Tagungsbände leichtzumachen. Auf dem Golden Weg zum Open Access ist die Staatsbibliothek zu Berlin aber noch aus einer ganz anderen Richtung unterwegs: Denn wir unterstützen auch die Initiative Knowledge Unlatched, unter deren Dach sich bislang knapp 300 Bibliotheken aus 24 Ländern mit der Absicht zu einem Finanzierungskonsortium zusammengeschlossen haben, ausgewählte geistes- und sozialwissenschaftliche Buchprojekte renommierter Verlage direkt im Open Access erscheinen zu lassen.

Bezahlschranken öffnen sich, Paywalls fallen und die Systemtransformation des wissenschaftlichen Publikationsmarkts ist in vollem Gange. Aufregende Zeiten also – gerade in Berlin.