Toy Fad Bestiarium VI
von Diana Johanns
Herzlich willkommen zur sechsten Folge unserer Reihe Toy Fad Bestiarium!
Wir wünschen viel Spaß und Erkenntnisgewinn und erinnern an die Einstiegsfrage: Auf welchen Grundlagen könnten die Labubus möglicherweise fußen?
Entdecken Sie uns!
Cathy – Sad Bunny
Name: Cathy, im Original: キャシー, Kyashī
Spezies: Kaninchen
Debüt: um 1976
Schöpfer:in: ein:e Designer:in beim japanischen Unternehmen Sanrio unter der Ägide der Hello-Kitty-Erfinderin Yuko Shimizu
Ursprungsorte: Shinagawa in Tokio und London
Erstmanifestation: möglicherweise ein Kinderportemonnaie-Aufdruck – ein typischer Karrierestart für Sanrio-Figuren
Gestalt: rundlich und 5 ½ japanische Äpfel hoch (bei ausgestreckten Ohren)
Extremitäten: Rundstücke mit definiertem Daumen
Ohren: löffelbiskuitförmig
Augen: elliptisch und schwarz
Nase: elliptisch und gelb
Mundpartie und Zähne: nicht sichtbar
Geschlecht: weiblich
Charakter: unspezifisch
Besonderheiten: dem Vernehmen nach sammelte sie in ihrer Freizeit Muscheln, aß gern Möhren und Lollipops, mochte aber keine Milch
Behaarung und Bekleidung: reinweißes Ganzkörperfell, Bekleidung mit Bubikragen und
korrespondierender Schleife am linken Löffel
Niedlich oder hässlich: sehr, sehr niedlich
Flauschfaktor: sehr, sehr hoch
Kindchenschema: 10/10
Rudeltier oder Einzelgänger: gehörte zu Hello Kittys Entourage
Karriere: konzipiert als rein dekoratives Motiv auf Schreibwaren und Accessoires; später gab es Auftritte in Büchern und Filmen
Extinct in Trade (EIT) seit 2011
Das Rabbit auf dem Richtblock: Cathy war 2010 Gegenstand eines Urheberrechtsstreits zwischen dem japanischen Unternehmen Sanrio und dem niederländischen Illustrator Dick Bruna, dem Schöpfer von Miffy. Bruna beziehungsweise sein Unternehmen Mercis beanstandeten die starke Ähnlichkeit von Cathy mit ihrer eigenen Figur und reichten eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung ein.
Im Jahr 2011 wurde eine außergerichtliche Einigung erzielt: Sanrio verpflichtete sich, die Verwendung der Figur Cathy einzustellen. Die im Zuge des Rechtsstreits eingesparten Prozesskosten wurden gemeinsam für wohltätige Zwecke gespendet. Alle Produkte mit der Figur wurden aus dem Handel genommen.
Warum musste Cathy den Löffel abgeben?
Der Erfolg von Sanrio basiert auf einer klaren Designstrategie: einfache, reduzierte Formen, wenige kulturelle Spezifika und ein ausgeprägter Niedlichkeitsfaktor. Damit greift das Unternehmen gezielt die populäre Kawaii-Kultur auf. Deren Figuren zeichnen sich durch leuchtende Farben oder Pastelltönen, runde Gesichter, große Augen, eine stark reduzierte oder fehlende Nase sowie einen minimalistischen Gesichtsausdruck aus. Ergänzt wird dies durch kleine Körperproportionen und markante Konturen.
In den 1970er Jahren brachte Sanrio viele verschiedene Figuren auf den Markt, um ihre Verkäuflichkeit zu testen. Man geht von über 450 einzelnen Sanrio-Charakteren aus, die sich aufgrund ihrer vereinfachten Darstellung oft stark gleichen. Das führt manchmal zu generischen Figuren, die bereits existierenden ähneln, wie eben bei Cathy und Miffy.
Dabei war Cathy vermutlich schon die Weiterentwicklung einer Figur,
die Miffy noch ähnlicher sah: Little Honey, erschaffen um 1973.
Little Honey
Das Gericht stellte schließlich fest, dass Cathy Miffy aufgrund der Kopfform, Augenposition und minimalistischen Linienführung zu ähnlich ist, und vertrieb sie aus den Regalen.
Bye-bye, Bunny ♥
My Melody
(1975)
Cherry Chums
(1982)
Marron Cream
(1985)
Vertiefende Information
Entsprechend seines Konzepts
eines figurativen Breitangebots – und auch, weil kaum etwas so
niedlich ist wie Häschen –
entwickelte Sanrio weitere
Hasenfiguren.
Sugarbunnies
(2004)
Daisy
(1990)
Usahan
(2001)
Kuromi
(2005)
Me Mel
(2010)
Bonbonribbon
(2012)
Musti – Katze wie Hase?
Name: Musti, im Deutschen: Katzen-Peter
Spezies: Katze
Debüt: zur Debatte stehen 1945 und 1968
Geschlecht: männlich
Gestalt: rundlicher Großkopf bei kurzem, eckigem Rumpf
Bekleidung und Behaarung: meist ein rotes Oberhemd mit Cutaway-Kragen und einem gelben Knopf, reinweißes Ganzkörperfell
Extremitäten: Arme, Hände, Beine, Füße, Schwanz – alles da
Ohren: spitz und dreieckig
Augen: elliptisch und schwarz
Nase: Ist es die Nase …
Mundpartie und Zähne: … oder ist es der Mund?
Charakter: freundlich und achtsam, Neuem gegenüber aufgeschlossen
Rudeltier oder Einzelgänger: Musti lebt mit seiner Mutter und seinem Vater in einem Haus mit großem Garten und vielen Tierfreunden.
Niedlich oder hässlich: sehr, sehr niedlich
Flauschfaktor: hoch
Kindchenschema: 9/10
Karriere: Zum Schnurren! Die animierte Musti‑Serie lief erstmals 1968 im belgischen Fernsehen und wurde in über 20 Ländern ausgestrahlt. Der Kater ist in zahlreichen Kinderbüchern für Vorschulkinder zu finden, und auch Comics und weitere Bände erschienen im Laufe der Zeit – viele davon basieren auf der beliebten TV‑Serie. Weiterhin übernimmt Musti die Hauptrolle in pädagogischen Lernsoftware-Programmen, die gezielt für den Bildungsbereich entwickelt wurden.
Über Kreuz: Obwohl Musti keinerlei Ähnlichkeit mit einem Labubu hat, gehört sein Steckbrief hierher, denn er weist ebenfalls Ähnlichkeiten mit Miffy auf. Sehr große sogar, grollende Dick Bruna dereinst, besonders dieses Nasen-Mund-Kreuz. Ray Goossen winkte ab und befand, dass eine Katze und ein Kaninchen schon per Definition nicht vergleichbar seien. Gleichwohl wäre Musti kein 68er Jahrgang, sondern als Cartoon schon 1945 erfunden worden und damit zehn Jahre vor Miffy. Ein Beleg dafür ließ sich bisher noch nicht finden.
Aufruf: Falls jemand zufällig in der Königlichen Nationalbibliothek Belgiens in Brüssel weilt, bitte des ersten Jahrgangs der Kinderbeilage De Kleine Zondagsvriend durchblättern, ob sich der kleine Kater eventuell dort finden lässt. Dafür, aber auch für weitere sachdienliche Hinweise, wären wir sehr dankbar.
Musti selbst macht das keine Kopfschmerzen –
Kater halt.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
und bis zum nächsten Mal.
Alle vorherigen Beiträge finden Sie nachfolgend.



































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