Toy Fad Bestiarium V

von Diana Johanns

Herzlich willkommen zur fünften Folge unserer Reihe Toy Fad Bestiarium!

Wir wünschen viel Spaß und Erkenntnisgewinn und erinnern an die Einstiegsfrage: Auf welchen Grundlagen könnten die Labubus möglicherweise fußen?

Entdecken Sie uns!

Der Lorax – Der Wake-up-Aktivist

Name: Der Lorax, im Original: The Lorax

Spezies: Waldwesen

Debüt: 1971

Schöpfer: Theodor Seuss Geisel, alias Dr. Seuss

Ursprungsorte: La Jolla in Kalifornien, Nanyuki in Kenia und der Truffula-Wald, im Original: Truffula Tree Forest

Erstmanifestation: im Kinderbuch The Lorax

Geschlecht: männlich

Gestalt: klein und rundlich

Ohren: nicht sichtbar

Augen: empfindsam

Nase: rund und knubbelig

Mundpartie und Zähne: zungendefiniert

Extremitäten: vorhanden, allerdings enden die Finger als Schlepper-, die Füße als Katzenzungen-Pinsel

Bekleidung und Behaarung: braun-oranges Fell, bemoost und ein gelber Dominanzschnäuzer

Erst die Verfilmung bereicherte ihn um die entsprechenden Augenbrauen.

Die Forschung ist der Auffassung, der Lorax sei den
Husarenaffen
nachempfunden, die Dr. Seuss auf seiner Reise sah.

Charakter: mürrisch, kommunikativ und fürsorglich

Rudeltier oder Einzelgänger: lebt in den Bäumen und für sie, ist ein Einzelgänger

Niedlich oder hässlich: ehrwürdig zottelig

Kindchenschema: Wagen Sie es nicht, das zu fragen!

Flauschfaktor: Auch diese Frage lässt sich nur anhand der Faktenlage beantworten: Fell und Moos.

Karriere: Der Lorax ist eine der bekanntesten Figuren aus dem Universum von Dr. Seuss und – wenn auch nicht der kommerziell erfolgreichste Titel – bis heute konstant erfolgreich.

Der Satz „Unless someone like you cares a whole awful lot, nothing is going to get better. It’s not.“
wurde zu einem häufig zitierten Umwelt-Leitspruch.

Bereits ein Jahr nach dem Erscheinen des Buches wurde ein animiertes Musical-Fernsehspecial auf CBS ausgestrahlt. Der Animationsfilm The Lorax war für Illumination Entertainment und Universal Pictures 2012 ein großer finanzieller Erfolg. Obwohl die Kritiken gemischt ausfielen, gehörte er zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres.
Indes war die bonbonfarbene Neugestaltung von etlichen Produktplatzierungen durchzogen; man ließ die Figur des Lorax im Nachgang sogar für Wegwerfwindeln, SUVs und Einweg-Tintenpatronen werben.

Neben dem üblichen Merchandising gewann der Lorax für die Halloween-Kostümindustrie enorm an Bedeutung.

Besonderheit I: Was als ökologische Mahnung in Dr. Seuss’ Kinderbuch begann, wurde zu einem skurrilen Modetrend: Seit Halloween 2024 verbreiten sich auf TikTok und Instagram Videos junger Frauen im orangefarbenen Lorax-Plüschkostüm mit gelbem Schnurrbart. Den Anstoß gab 2023 die US-Creatorin McKenna Dulis. Das Kostüm wurde Teil des „Pretty-People-Humors“, bei dem der Witz aus dem Kontrast zwischen attraktivem Erscheinungsbild und der absurden Lorax-Figur entsteht.
Die ursprüngliche Botschaft „Ich spreche für die Bäume“ wird dabei ironisch zu Slogans wie „I speak for the girls“ umgedeutet – gefeiert als Selbstironie, von Kritikern aber auch als oberflächlicher Trend gesehen.

Besonderheit II: Die Veröffentlichung des Buches The Lorax und die anschließende mediale Debatte sorgten für heftige Reaktionen in der kalifornischen Holzindustrie. Vertreter der Branche fühlten sich durch die Geschichte angegriffen und forderten 1989, das Buch von den öffentlichen Leselisten für Grundschulen zu streichen. Die Initiative löste landesweit Aufmerksamkeit und kontroverse Diskussionen in den Medien aus.
Als direkte Antwort auf den Lorax erschien 1988 das von der Holzindustrie finanzierte Gegenbuch The Truax der Autorin Terri Birkett.

Besonderheit III: Vielleicht ist es eine Hommage an sein deutsches Erbe: So wie einst der Baron Münchhausen sich und sein Ross am eigenen Schopf aus dem Morast zog, packt der Lorax sich selbst am Hosenboden und enthebt sich himmelwärts aus dem Smog.

Besonderheit IV: Der Truffula-Wald wird abgeholzt, um Thneeds herzustellen.
Der Thneed steht symbolisch für ein Konsumprodukt, dessen tatsächlicher Nutzen unklar bleibt, das aber durch geschicktes Marketing als unverzichtbar dargestellt wird.
Der Name selbst ist ein Kofferwort aus „The Need“ (Bedürfnis) und verweist auf einen Begriff, der Trendartikel und deren Popularität beschreibt.

Man kennt das zum Beispiel vom Labubu-Hype im Jahr 2025.

Muff – ein Freund, ein wirklich guter Freund

Name: Muff, im Estnischen: Muhv

Spezies: ein Naksitrallid, also ein Wichtelmann

Debüt: 1972

Schöpfer: Eno Raud und Edgar Valter

Ursprungsort: Estland

Erstmanifestation: im Kinderbuch Naksitrallid; auf Deutsch: Drei lustige Gesellen

Geschlecht: männlich

Charakter: Muff ist freundlich, sensibel, loyal, verantwortungsbewusst, ausgleichend, edelmütig, hochherzig, romantisch und manchmal etwas unbedarft.  
In seiner Jugend wäre er gern bildender Künstler geworden, im Laufe der Zeit reift er zum Dichter heran.
Er ist technisch begabt (siehe Auto) und tierlieb (siehe Kragen).

Extremitäten: vorhanden, vermutlich sehr kurz und nur teilsichtbar

Ohren: ja

Augen: empfänglich

Nase: lang

Mundpartie und Zähne: meistens verborgen

Gestalt: eher quadratisch und dabei niedriger als der Tresen einer Eisbude – also unter 90 cm


Behaarung: Kopfhaar und Barthaar

Spezifisches Merkmal: trägt einen Muff als Bekleidung

Bekleidung: Muff trägt einen Muff mit Reißverschluss, den er nie ablegt – er heißt schließlich Muff.
Das Kleidungsstück ist ihm Garderobe und Reisenecessaire zugleich, das Material folgt den Lebensphasen: als Baby weicher Flanell, heute alltagsbräunliches Fell.
Traditionell quer vor dem Bauch getragen, umhüllt dieser Muff vertikal den Torso und lässt die Hände frei. Diese überraschend aberrante Nutzungsweise entspricht nicht Muffs Charakter.

Karriere: Sehr stabil. Alle vier Bände der drei Freunde wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und sind immer noch im Handel erhältlich.

Es gibt drei Naksitrallid-Filme (1984, 1987 und 1990) unter der Regie von Avo Paistik bei Tallinnfilm. Die Musik dazu schrieb der Komponist Sven Grünberg.
2022 feierte in der Rahvusooper Estonia in Tallinn eine neue, speziell für Kinder konzipierte Oper nach den Naksitrallid-Geschichten Premiere.

Muff fungiert nicht nur als Briefmarken- und Fruchtsaftsverpackungsmodell, sondern auch als Markenbotschafter: Der seit 2001 alle zwei Jahre verliehene Muhvi-Preis ehrt Journalisten und Redaktionen, die durch ihre Berichterstattung im Estnischen Kinderliteraturzentrum die Bedeutung von Kinderbüchern in der Öffentlichkeit stärken.

Besonderheit: Muff ist der melancholischste und sentimentalste der drei.
Er schreibt Gedichte und schickt sich selbst Briefe – oder, wie man heute sagt, journalt.

Nerdwissen: Entgegen der allgemeinen Annahme besitzt Muff einen Bart.
Siehe dazu Band 3, S. 9 oben: „Schließlich beruhigte die Dame sich und ließ Muff frei.
‚Unerhört!‘ brummte er verärgert und suchte in seinem Muff nach seinem Kamm, um seinen Bart wieder in Ordnung zu bringen.“

Nun lässt die Abbildung links aus dem 4. Band, S. 87, zwei Möglichkeiten zu:

A. Muff trägt einen sehr tief angesetzten Ralf-Zacherl-Unterkinnbart
B. durch eine Fehlkommunikation zwischen Autor und Illustrator kam es zu einer illustrativen Fehlfrisierung, die als Folgefehler fortbesteht (s. Abbildung (rechts) aus dem Theaterstück).

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
und bis zum nächsten Mal.

Alle vorherigen Beiträge finden Sie nachfolgend.

Toy Fad Bestiarium I: Labubu

Toy Fad Bestiarium II

Toy Fad Bestiarium III

Toy Fad Bestiarium IV

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