Armeni syn die menschen genant … Eine Begegnung mit dem historischen Armenien im März 2000

Eine Kulturbegegnung in der Staatsbibliothek
Die Staatsbibliothek zu Berlin zeigt in dieser Ausstellung erstmalig ihre bedeutenden armenischen Schätze. Reich illustrierte Handschriften aus dem 14. bis 17. Jahrhundert und frühe Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts von Konstantinopel bis Venedig und Kalkutta, die in ihrer üppigen Ausschmückung oft an Handschriften erinnern. Sie bilden die optischen Glanzlichter dieser Ausstellung. Hinzu kommt die Präsentation von armenischen historischen Zeitschriften und Werken der bedeutendsten armenischen Gelehrten.
Zugleich eröffnen deutsche Drucke vom 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert ein Panorama deutsch-armenischer Begegnungen. Vom Mainzer Domherren Bernhard von Breydenbach, der seine armenischen Eindrücke aus dem Jahre 1483 schildert, bis zu Johannes Lepsius, der prominentesten Gestalt der deutsch-armenischen Geschichte der neueren Zeit.
Dem Besucher erschließen sich Einblicke in weitgehend unbekannte, aber doch intensive deutsch-armenische Beziehungen, die manche Überraschung bergen. Nur wenige wissen, dass die ersten jemals gedruckten armenischen Buchstaben in einem Mainzer Druck von 1486, eben jenem Reisebuch "Peregrinatio in terram sanctam" des Bernhard von Breydenbach erschienen, dass deutsche Wissenschaftler wie Julius Heinrich Petermann und Heinrich Hübschmann maßgeblich an der Erforschung der armenischen Sprache beteiligt waren, und dass die erste wissenschaftliche Geographie Armeniens aus der Feder des Münchner Professors Moritz Wagner stammt. Der Berliner Kiepert hatte als Erster die armenischen Provinzen des osmanischen Reiches wissenschaftlich kartographiert: Die Ausstellung zeigt eine breite Auswahl dieser Karten, sowie seine schriftlichen Arbeiten zu Armenien aus dem Nachlass in der Staatsbibliothek.
Aus dem Bestand des Museums für Europäische Kulturen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden erstmalig die armenischen Gemälde des ethnographischen Malers August Wilhelm Keisewetter, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Kaukasus bereiste, gezeigt. Seine Arbeiten zeichnen ein einfühlsames Porträt seiner Begegnungen mit den Menschen und vermitteln einen Eindruck vom armenischen Leben dieser Zeit.
Auch am armenischen Schicksal der jüngeren Zeit, das vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts von Massakern, Vertreibung und Vernichtung charakterisiert war, nahmen Deutsche Anteil. Ein Teil der Ausstellung widmet sich der Widerspiegelung des armenischen Themas in der deutschen Publizistik dieser Zeit.
Vielfältig und weitgehend unbekannt sind die Querverbindungen, die sich zwischen der Staatsbibliothek und Armenien auftun: Drei ihrer bedeutenden Generaldirektoren hatten besondere Beziehungen zu Armenien: Mathurin Veyssière de la Croze (1661-1739) schuf ein monumentales armenisch-deutsches Wörterbuch, Karl Richard Lepsius (1810-1884) war Vorstandsmitglied des 1863 in Berlin gegründeten "Vereins der protestantischen Armenier" und lenkte das Interesse seines Sohnes Johannes auf Armenien. Nicht zuletzt gab Adolf von Harnack (1851-1930) den jungen armenischen Theologen entscheidende Impulse und sorgte für die deutschsprachige Publikation armenischer theologischer Texte.
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, der nicht nur die gezeigten Exponate ausführlich beschribt, sondern darüber hinaus ausführlich in die Thematik einführt. Weitere Auskünfte unter 030 / 266 28 62.
16. März bis 29. April 2000
Vestibül
Unter den Linden 8, D-10117 Berlin (Mitte),
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 9-21 Uhr, Sa 9-17 Uhr
sonn- u. feiertags sowie am 22.4. (Karsamstag) geschlossen
Eintritt frei

0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.