Paris – Berlin


von Diana Johanns

Preisverleihungen sind häufig Triumphe, die nur eine Einzelne oder einen Einzelnen feiern. Sie sind Feste, die trotz Konfettiregen, Jubelrufen und Blumensträußen ein Gefühl von Ödnis hervorrufen können. Die Einsamkeit des Siegertreppchens konterkariert den freudigen Anlass. The winner takes it all, der Rest weint in den lauwarmen Sekt.

Umso freudvoller gestaltete sich die Präsentation der Shortlist des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises 2026.
Hier hatten sämtliche Nominierten gewonnen, denn alle hatten sich mit ihrer Leistung hervorgetan und waren ausgewählt worden.

So herrschte am Abend des 18. Juni wahre égalité im Humboldt-Saal der Stabi, wo die zwölf nominierten Bücher in einer szenischen Lesung von der Schauspielerin Ina Jaich vorgestellt wurden.
Eine wunderbare Idee, dem Publikum die ausgewählten Werke auf kurzweilige und zugleich eindrucksvolle Weise näherzubringen.

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis wird seit 2013 gemeinsam von Deutschland und Frankreich vergeben. Er zeichnet jährlich jeweils eine deutsche und eine französische Autorin beziehungsweise einen deutschen und einen französischen Autor für herausragende Kinder- und Jugendbücher aus, die noch nicht in die jeweils andere Sprache übersetzt wurden, und fördert so den literarischen Austausch zwischen beiden Ländern. Neben der Auszeichnung der Autorinnen und Autoren wird auch die Übersetzung der prämierten Werke unterstützt.

Der Generaldirektor Prof. Achim Bonte, die Präsidentin der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit Doris Pack sowie Jean-François Roseau von der Bibliothèque nationale de France betonten die große Bedeutung dieses Engagements.
Sie hoben zudem hervor, wie wichtig das Kinderbuch insgesamt und die Kinder- und Jugendbuchabteilung der Stabi für den kulturellen und literarischen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich sind.

In den Vitrinen konnte begutachtet werden, wer die eingangs erwähnte Trübnis des Siegens bereits erlebt hat.
Sigrun Putjenter (III K) stellte dort die Werke der Preisträger:innen der letzten 13 Jahre aus, die selbstverständlich zum Bestand der Kinder- und Jugendbuchabteilung gehören.

Vorausschauende Besucher:innen ließen sich ihre Bücher von Katharina Greve, Massuda Kassem, Marie Hüttner und Anna Schilling signieren – vielleicht ist das Gewinnerwerk ja schon dabei?
Bekanntgegeben wird dies am 2. Oktober 2026 im Rahmen der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken.

Bei einem kühlen Glas Wein ließ sich anschließend zufrieden feststellen: Anregender hätte man diesen warmen Sommerabend kaum verbringen können!

Und möglicherweise stoßen wir nächstes Jahr in Paris an, denn wenige Stunden zuvor unterzeichneten Jean-François Roseau, stellvertretend für Gilles Pécout, den Präsidenten der Bibliothèque nationale de France, Doris Pack und Prof. Achim Bonte eine Kooperationsvereinbarung, die vorsieht, die Präsentation der Shortlist für den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis im jährlichen Wechsel an der Staatsbibliothek zu Berlin und der Bibliothèque nationale de France in Paris stattfinden zu lassen.

Die nominierten Werke erwarten Sie ab dem 19. Juni 2026 im Vivarium (ehemaliger Handschriftenlesesaal) – zum Blättern, Staunen, Studieren, Vergleichen und Teilen.

Katharina Greve: Meine Geschichten von Mutter und Tochter. Berlin: avant-verlag, [2025]. Signatur: 53 BA 17773

Delphine Roux und Gaëlle Duhazé: L’échappée belle de Marta. Amboise: Hongfei, 2025. Signatur: 53 BA 17818

Katja Reider und Daniela Kohl: Manno Monster und ich. München: Hanser, 2026. Signatur: 53 MA 37645

Anne Rehbinder und Audrey Calleja: Même les ogres ont la frousse. Arles : Actes Sud junior, 2025. Signatur: 53 MA 37660

Massuda Kassem und Melanie Garanin: Chicken Survivor. Hühnchen süßsauer. Leipzig: Klett Kinderbuch, 2026. Signatur: 53 BA 17801

Agnès Marot: Salomé, reine des idées. Paris: Didier jeunesse, 2025. Signatur: 53 MA 37658

Cornelia Franz und Meike Töpperwien: Das nennt man Glück. Hildesheim: Gerstenberg Verlag, 2025. Signatur: 53 MA 37643

Hervé Giraud: La cabane de la fin du monde. [Paris]: Éditions Thierry Magnier, 2025. Signatur: 53 MA 37659

Mareike Krügel und Anna Schilling: Inseltage mit Rosa. Weinheim: Beltz & Gelberg, [2025]. Signatur: 53 MA 37546

Florence Rivières und Hélène Le Cam: Coquille d’œuf. Paris: Seuil Jeunesse, 2025. Signatur: 53 MA 37650

Marie Hüttner und Regina Kehn: Rocky Winterfeld – Ziemlich neben der Spur. Stuttgart: Thienemann, 2025. Signatur: 53 MA 37644

Amélie Antoine: 1096 jours. Paris: Syros, 2025. Signatur: 53 MA 37649

Weitere Titel zum Thema finden Sie unter: Deutsch-Französischer Jugendliteraturpreis

*Einen kostenfreien Bibliotheksausweis zur Nutzung unserer Lesesäle erhalten Sie unter: https://staatsbibliothek-berlin.de/service/anmeldung

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