Ein Bruchpilot im Brunnenhof
Im Brunnenhof unseres Hauses Unter den Linden war Ende vorletzter Woche eine junge Möwe gestrandet. Sie wirkte gesund. Am Hinterkopf sah man noch den Babyflaum. Die Flügel waren voll ausgebildet. Trotzdem klappte es mit dem Fliegen überhaupt nicht. Vom Wachpersonal und von Besuchenden wurde sie mit Wasser und Futter versorgt.
Offenbar handelte es sich um eine Silbermöwe (Larus argentatus). Die Silbermöwe ist in Nord- und Westeuropa die häufigste Großmöwe. Ein erwachsenes Tier kann eine Körperlänge von 55 cm und eine Flügelspannweite von 140 cm erreichen. Junge Möwen tragen ein stark gemustertes braunes Federkleid, das mit fortschreitendem Lebensalter immer mehr verblaßt. Etwa ab dem vierten Lebensjahr sieht eine Jungmöwe wie ihre Eltern aus: blaugraues Flügel- und Rückengefieder, schwarze Flügelenden mit weißen Federspitzen. Kopf, Hals, Brust und Bauch sind weiß befiedert.
Schätzungsweise 400 Großmöwen nisten auf Flachdächern im Zentrum Berlins, überwiegend Silber- und Steppenmöwen. Mit ihren gellenden „Kiau!-Kiau!“-Rufen wecken sie Erinnerungen an den letzten Urlaub am Meer. Eine Hauptstadtmöwe ernährt sich überwiegend von Fischen aus der Spree oder dem Müggelsee. Die Entfernung zu letzterem ist für diese Flugkünstlerinnen kein Problem. Was sich nebenbei anbietet – eine Ratte hier, ein Dönerrest dort – wird gerne mitgenommen. Ihren Nachwuchs füttern Möweneltern aber nur mit gesundem frischem Fisch.
Der Bruchpilot im Brunnenhof ist zweifach beringt. Auf dem breiteren gelben Ring steht die Codierung XY2V. Falls Sie wissen, was das bedeutet, teilen Sie es uns bitte über das Kommentarfeld mit.
Der NABU berichtet, daß von Juni bis August kleine Möwen öfter bei ihren ersten Flugversuchen vom Winde verweht werden und sich ohne ihre Eltern in einer prekären Lage wiederfinden. Bevor man aktiv wird, sollte man sich dennoch vergewissern, ob ein Tier wirklich Hilfe benötigt. Unser Unglücksvogel schien sich anfänglich in unserem Brunnen nicht unwohl zu fühlen. Nachdem aus technischen Gründen das Wasser abgelassen werden mußte, saß er aber auf dem Trockenen. Im Hof konnte er keine natürliche Nahrung finden und wurde über vier Tage hinweg nicht von den Altvögeln versorgt. Tagsüber kommen oft Hunde in den Hof. Am frühen Morgen oder späteren Abend schaut gelegentlich ein Rotfuchs (Vulpes vulpes) vorbei, um die Pausenbänke und Papierkörbe zu inspizieren.
Deshalb beschloßen wir, die Polizei um Hilfe zu bitten. Drei Polizeibeamten gelang es, den kleinen Kerl in eine Ecke zu treiben und in einen Karton zu verfrachten. Das Veterinärmedizinische Zentrum Rödiger, unweit des Kurt-Schumacher-Platzes gelegen, nahm den Kleinen auf. Hier gibt es eine Notaufnahme, in der Haus- und Wildtiere 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Hilfe finden.
Wir bedanken uns herzlich bei den beiden Herren und der Dame von der Berliner Polizei und beim Praxisteam Rödiger und wünschen „unserer“ Möwe alles Gute!



Stabi Berlin
Sie können die Daten des Farbringes an bto.org melden. Farbe / Zahl, Datum, Foto. Diese leiten diese Daten an die entsprechende Beringungszentrale weiter und geben Auskunft wo und wann diese Möve beringt wurde.
Ich vermute das sie vielleicht auf dem Dach vom Alexa beringt wurde. MfG I. höhne