Humboldt ärgert den Zitteraal
Im Jahr 1799 treten Alexander von Humboldt und sein französischer Kollege Aimé Bonpland eine Reise in die Tropen an. Im Verlauf der Forschungsreise, die bis 1804 dauern wird, befahren sie den Orinoco und den Rio Negro, reisen von Cartagena nach Lima und erkunden abschließend Mexiko.
In neun Tagebüchern beschreibt Humboldt seine Beobachtungen und Erlebnisse, unsere Signatur: Nachl. Alexander von Humboldt (Tagebücher) I-IX.
Humboldt und Bonpland suchen Schildkröteneier, ziehen Erkundigungen über Kannibalismus ein und erforschen alte Grabkammern. Von dort nehmen sie einige Mumien mit, was die Einheimischen nicht goutieren. Die Forscher trinken Curare, das Sekret des Pfeilgiftfrosches, das, so es in den Blutkreislauf gelangt, schnell zum Tod führt. Es zeigt sich, daß das Sekret angenehm bitter schmeckt, und daß die beiden Wissenschaftler nicht an Zahnfleischbluten oder Magengeschwüren leiden. Trotzdem geht der Umgang mit der todbringenden Substanz beinahe schief. Humboldt zieht sich versehentlich einen mit Curare getränkten Strumpf an, nachdem er sich mit einem Messer Sandflöhe aus den Zehen gepuhlt hat.
Dem Zitteraal, einem Fisch, der zum Beutefang, zur Verteidigung und zur Orientierung Stromstöße erzeugt, begegnen die Reisenden im März 1800 in den Sümpfen Venezuelas. Im Selbstversuch wollen sie herausfinden, wie lange es dauert, bis der Aal entladen ist. Humboldt schreibt: „Nachdem wir vier Stunden lang an ihnen experimentiert hatten, empfanden wir bis zum anderen Tage Muskelschwäche, Schmerz in den Gelenken, allgemeine Übelkeit.“ Und sie entdecken etwas Merkwürdiges: Wenn sich zwei Männer an den Händen halten und nur einer den Fisch berührt, erleiden anscheinend beide den gleichen Schlag.
Die Staatsbibliothek zu Berlin konnte die Reisetagebücher im Jahr 2013 dank der Unterstützung privater und öffentlicher Förderer erwerben. Neben den Tagebüchern befinden sich in der Abteilung Handschriften und Historische Drucke weitere Materialien aus Humboldts Besitz, die Kollektaneen, und eine Sammlung seiner Briefe, die Humboldtiana. (Bedingt durch die Auslagerung während des Zweiten Weltkriegs ist heute etwa ein Drittel des Nachlaßes im Besitz der Biblioteka Jagiellonska in Krakau.) Überdies befinden sich in unserer Autographensammlung Darmstädter von 546 Personen an Humboldt gerichtete Briefe. Informationen über die Bestandsgeschichte findet man in dem von Dr. Dominik Erdmann und Jutta Weber geschriebenen Aufsatz Nachlassgeschichten – Bemerkungen zu Humboldts nachgelassenen Papieren in der Berliner Staatsbibliothek und der Biblioteka Jagiellońska Krakau
Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Biblioteka Jagiellonska und der Universität Potsdam wurde der komplette Nachlaß inhaltlich erschlossen und im Humboldtportal digital zusammengeführt.
Im Dezember 2022 entstanden mit dem Literaturwissenschaftler Tobias Kraft und einem Fernsehteam von ZDF-Info Filmaufnahmen zu Humboldts Amerikareise für die Doku Mythos – die größten Rätsel der Geschichte: El Dorado. Die Dreharbeiten fanden unter anderem im Rara- und Musik-Lesesaal „Venedig“ und im Annex des Handschriftenlesesaals „Vivarium“ statt. Präsentiert werden Humboldts Reisetagebücher sowie Materialien aus unserer Kartenabteilung. Unsere Bibliothek kommt in Minute 14 ins Bild. Viel Spaß beim Anschauen!
Falls Sie eine Urlaubslektüre suchen, sei Ihnen Humboldts „Reise durch Venezuela : Auswahl aus den amerikanischen Reisetagebüchern“, unsere Signatur: 1 A 413411 , empfohlen. Auch der von Herrn Dr. Dominik Erdmann herausgegeben Band „Das zeichnerische Werk : Alexander von Humboldt„, unsere Signatur Hs LS NS 6418 , ist zum Schmökern bestens geeignet.





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