Beiträge

Laokoongruppe. Rom, Vatikanische Museen

Laokoons Autopsie: Werkstattgespräch mit Luca Giuliani am 24.4.

Wissenswerkstatt

Laokoons Autopsie

Werkstattgespräch mit Prof. Dr. Luca Giuliani, Rektor am Wissenschaftskolleg zu Berlin
Montag, 24. April 2017
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Winckelmanns Beschreibung der Vatikanischen Laokoon-Gruppe in seinen Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke (1755) beginnt mit den bis heute berühmten Worten von der „edlen Einfachheit und stillen Größe“: Freilich hat Winckelmann die Gedanken in Dresden geschrieben, als er die Gruppe im Vatikan noch nie gesehen hatte. Gerade deswegen gelangte er zu einer Interpretation, die vor dem Original kaum zu verteidigen gewesen wäre; umso mehr entsprach sie den ästhetischen  Erwartungen der Zeitgenossen. Davon ist eine unerhörte Wirkung ausgegangen.

 

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Beschneidung des Antichrist (Antichristfenster: süd II 1c, Marienkirche, Frankfurt/Oder, Chorhaupt) Foto: Sonja Schwirkmann

Antichrist, Endkaiser und Jüngstes Gericht: Werkstattgespräch zu apokalyptischen Prophezeiungen und Eschatologie am 19.4.

Wissenswerkstatt
Antichrist, Endkaiser und Jüngstes Gericht: Apokalyptische Prophezeiungen und Eschatologie im 14. Jahrhundert
Werkstattgespräch mit Ulrike Wuttke
Mittwoch 19. April 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße 33
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Das frühe 14. Jahrhundert ist ohne Zweifel ein „Krisenjahrhundert“. In dieser Zeit gerieten in der zeitgenössischen Wahrnehmung alltägliche Lebensbereiche aus dem Gleichgewicht. Das bereits vorher verstärkt vorhandene Bedürfnis, sich mit Ewigkeitshoffnung, dem Schicksal der Seelen im Jenseits und der Sicherung des Seelenheils, auseinanderzusetzen, ergriff breite soziale Schichten, nicht zuletzt das städtische Bürgertum. Hierdurch entstanden verstärkt volkssprachige prophetische und eschatologische Texte. Der volkssprachliche eschatologische Diskurs wurde zu einem festen Bestandteil der intellektuellen Emanzipation der Laien gegen Ende des Mittelalters.Im Mittelpunkt des Werkstattgesprächs stehen die Hauptprotagonisten apokalyptischer Prophezeiungen, wie der Weltkaiser der Endzeit, der Antichrist und die eschatologischen Völker, sowie eschatologische Themen wie Himmel, Hölle, Fegefeuer und das Jüngste Gericht im Oeuvre der Autoren Jan van Boendale, Lodewijk van Velthem und Jan van Leeuwen und im anonymen Boek van Sidrac. Diese Texte entstanden in Brabant, einer der wichtigsten, stark urbanisierten Regionen der mittelalterlichen Niederen Lande. Der eschatologische Kanon weist große Übereinstimmungen mit der deutschen Literatur des Mittelalters auf.

Hierzu erschien: Ulrike Wuttke, Im Diesseits das Jenseits bereiten – Eschatologie, Laienbildung und Zeitkritik bei den mittelniederländischen Autoren Jan van Boendale, Lodewijk van Velthem und Jan van Leeuwen, Göttingen, 2016.

 

 

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Zwischen Handwerk und Industrie: Werkstattgespräch zum Verlagseinband des 19. Jahrhunderts am 4.4.

Wissenswerkstatt

Zwischen Handwerk und Industrie: Der Verlagseinband des 19. Jahrhunderts

Werkstattgespräch mit Thomas-Klaus Jacob, Staatsbibliothek zu Berlin
Dienstag, 04. April 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

In der Entwicklung des Verlagseinbandes ab Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen sich im Zuge der Industrialisierung die üblichen Merkmale der entstehenden Massenproduktion. Viele Verlagseinbände des 19. Jahrhunderts zeichnen sich aber auch durch kreative Gestaltung und Techniken aus. Technologische Entwicklungen tragen ganz entscheidend zu den Umwälzungen im Verlagswesen dieser Zeit bei. Da der Verlagseinband als industrielles Produkt bisher kaum im Mittelpunkt der Forschung stand, kann die Einbandforschung für die Publikations-, Verlags- und Technikgeschichte das 19. Jahrhunderts eine Reihe eigener Aspekte beitragen.

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

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Termine

Foto: Nach Stalingrad 13 km. Feldpostbrief Helmut Gründling vom 23.10.1942. Junge deutsche und sowjetische Soldaten in Stalingrad hrsg. von Jens Ebert (Wallstein Verlag, Göttingen)

Von der Schulbank nach Stalingrad. Zeugnisse junger deutscher und sowjetischer Soldaten. Werkstattgespräch am 9.5.

Von der Schulbank nach Stalingrad. Zeugnisse junger deutscher und sowjetischer Soldaten

  • Termin

    Mi, 9. Mai 2018
    18.15 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Dietrich-Bonhoeffer-Saal
    Potsdamer Straße 33
    10785 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestelle
    H Potsdamer Brücke (Bus M29)
    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)
    H Kulturforum (Bus M48)



Foto: Nach Stalingrad 13 km. Feldpostbrief Helmut Gründling vom 23.10.1942. Junge deutsche und sowjetische Soldaten in Stalingrad hrsg. von Jens Ebert (Wallstein Verlag, Göttingen)


Buchvorstellung und Werkstattgespräch mit Dr. Jens Ebert

Die Generation der zwischen 1911 und 1928 Geborenen trug die Hauptlast des Kriegseinsatzes, insbesondere an der Ostfront. Ihr oftmals kurzes Leben hinterließ weniger Spuren als das der Älteren oder Jüngeren. Es war die Generation, die besonders stark durch das NS-System sozialisiert wurde und auch von diesem speziell ideologisch angesprochen wurde.

Die Schlacht um Stalingrad 1941/43 hat sich in das europäische Bewusstsein tief als die Wende im Zweiten Weltkrieg eingegraben, obwohl sich diese Sicht militärhistorisch so nicht untermauern lässt. Über Jahrzehnte hinweg, bis in unsere Gegenwart spielte die symbolüberladene Schlacht eine zentrale Rolle in der Erinnerung an den Krieg. Stalingrad war nicht nur eine bedeutende militärische Auseinandersetzung zwischen Wehrmacht und Roter Armee. Die Schlacht wurde von den Kriegsgegnern ideologisch und weltanschaulich aufgeladen.

Der Band dokumentiert die Erfahrungen speziell jüngerer Wehrmachtssoldaten während der Schlacht um Stalingrad, so wie sie sich in den Feldpostbriefen artikulieren. Im Mittelpunkt stehen die Texte von Helmut Gründling (Jahrgang 1923, geboren in Oberhausen, Anfang 1943 vermisst in Stalingrad). In der bildungsbürgerlichen Familie wurde G. angeregt, sich früh und intensiv mit Kunst Musik und Literatur zu beschäftigen. Seine Bildung und Ausbildung lässt die Briefe zu wichtigen Zeitzeugnissen eines Jugendlichen im Krieg werden. Er hat nicht nur etwas zu erzählen, er kann es auch. Er bemüht sich zuweilen sehr anschaulich, manchmal fast dokumentarisch oder journalistisch seine Gegenwart zu vermitteln. Gründlings Biographie wird exemplarisch vorgestellt.

Der Blick auf den Kriegsalltag wird erweitert durch weitere Briefe und Biographien von jüngeren Wehrmachtsangehörigen, die anders sozialisiert sind und den Krieg z. T. überlebten.

Faszinierend ist nicht nur bei Gründling die jugendliche Unbekümmertheit, mit der die Dramatik der Ereignisse beschrieben wird. Überschwang lässt die jungen Soldaten, anders als viele ältere Kameraden, oftmals das „Abenteuer“ in den „Weiten Russlands“ suchen. Doch die Briefe sind auch geprägt von einer großen Ernsthaftigkeit.

Die sowjetische Zivilbevölkerung ist in den Briefen weitgehend ausgeblendet. Die selektive Wahrnehmung war durchaus typisch für die Ostfront ab 1942. Sie ist ein Seismograph für die unterschwellige Angst vor kommenden Bedrohungen.

Vieles, was die Soldaten vor Stalingrad erlebten, wurde von ihnen deutlich verdrängt, wenn sie die vielen Einzelheiten und Kleinigkeiten des Frontalltags erzählten. Sie beschreiben kaum militärische Gefahren, wohl aber die Tatsache, dass sie verlaust und ungewaschen sind. Ein solches Ausweichen auf „Nebenthemen“ ist in Feldpostbriefen allgemein und besonders denen aus Stalingrad üblich.

Das allgemeine Gefühl der Soldaten, durch die Feldpostbriefe mit der Heimat, dem Zuhause, der Familie weiterhin eng verbunden zu sein, ist bei den jungen Soldaten besonders stark ausgeprägt und hilft ihnen, die militärische Gegenwart zu verdrängen.

Kontrastiert werden die Wehrmachtsbriefe mit ausgewählten Schreiben von jungen Angehörigen der Roten Armee. Diese erzählen oftmals von gleichen Problemen des Kriegs“alltags“. Dass sie häufiger ideologisiert sind als die deutschen Briefe hat etwas mit der sowjetischen Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte der Schlacht zu tun.

Ergänzt werden die sowjetischen Feldpostbriefe durch Auszüge aus Briefen von Zivilisten, die das Leben in der zerstörten Stadt schildern. Hinzu kommen Befragungen durch eine sowjetische Historikerkommission 1943 und Erinnerungen von jungen verschleppten Zwangsarbeiterinnen aus Stalingrad aus den 90er Jahren.

Die Wehrmachtssoldaten wussten nicht, dass ihnen gegenüber, in den Uniformen der Roten Armee auch Deutsche standen: Kinder von emigrierten deutschen Kommunisten und Sozialisten, die nach vielen Jahren der Emigration und nach der Erziehung in sowjetischen Schulen, die UdSSR als ihre Heimat empfanden. Viele von ihnen stammen aus dem internationalen Kinderheim in Iwanowo. Ihre Briefe und Erinnerungen runden das Bild ab.

Die Feldpostbriefe werden eingebettet in Dokumente über den Umgang mit der jüngeren Generation in der NS-Diktatur und Materialien zum Widerstand gegen das System.

Einbezogen wird auch die Rezeption der Schlacht in der Nachkriegszeit mit besonderem Blick auf die jüngere Generation.

Der Band ist ein Lesebuch, das speziell auch, aber nicht nur, eine jüngere Zielgruppe anspricht: Schüler, Gymnasiasten, Studenten. Ein Vorwort in essayistischer Form beleuchtet die Problematik von jungen Soldaten.

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