Beiträge

Werkstattgespräch zur Piperschen Dostojewski-Ausgabe am 26.5.2016

Wissenswerkstatt
Werkstattgespräch: Aus der Werkstatt der großen Piperschen Dostojewski-Ausgabe unter der Herausgeberschaft von Arthur Moeller van den Bruck (1876-1925)
Werkstattgespräch mit Dr. Galina Potapova,
2016 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Donnerstag, 26. Mai
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

Fjodor Dostojewski avancierte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Orientierungsgrößen für die Literatur der europäischen Moderne. Die große Pipersche Dostojewski-Ausgabe (1906ff.) hat wesentlich zur Verbreitung des Dostojewski- Œuvres unter den deutschen Lesern beigetragen.Der Vortrag widmet sich den Hintergründen dieser „verlegerischen Großtat“ (Alfred Rammelmeyer). Worin bestand das Innovative des Projekts von Moeller van den Bruck und seinem ,Team‘ und warum hat sich die Pipersche Ausgabe für lange Zeit als die Dostojewski-Ausgabe in Deutschland etablieren können? Wie modifizierte sich das Konzept der Sämtlichen Werke im Wechsel der Zeiten, unter Berücksichtigung des Zeitgeschehens, aber auch der Konkurrenz anderer Verlage? Inwieweit war das Dostojewski-Bild, das dem deutschen Leser durch diese Ausgabe vermittelt wurde, von Moellers eigenen politischen Anschauungen beeinflusst? Wie änderte sich wiederum Moellers Dostojewski-Bild im Wechsel der Zeiten? Und überhaupt: warum verwandelte sich ein verlegerisches Projekt, das als eine zeitlich kompakte Aktion geplant war, in eine bis in die 1920er Jahre hinein dauernde Langzeitbaustelle?

Recherchen im Archiv des Piper-Verlags (heute im DLA Marbach), im Nachlass von Moeller van den Bruck (Handschriftenabteilung der SBB) sowie eine ausführliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Versionen aller gedruckten Bände der Piperschen Dostojewski-Ausgabe erlauben einen Einblick in dieses verlegerische Projekt als work in progress bzw. in die „richtige Dostojewski-Hölle“ (so charakterisierte den Prozess dieser Arbeit, rückblickend, die Schwägerin Moellers, Less Kaerrick alias E. K. Rahsin, die den größten Teil des Textkorpus übersetzt hat).

Es werden auch einige Dostojewski-Bände aus dem Besitz der SBB im Rahmen des Werkstattgesprächs genauer unter die Lupe genommen. Denn die Untersuchung der Unterschiede zwischen den zahlreichen Neuauflagen (die fast für jeden der 22 erschienenen Bände vorliegen) erlaubt es, die Schnittstellen zwischen der Buchwissenschaft einerseits und der Literaturgeschichte, Translationswissenschaft und Ideengeschichte andererseits aufzuzeigen.

Poster zur Veranstaltung
Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Moskauer Bibliotheksdirektor Duda zum Kooperationsbesuch in Berlin

Der Generaldirektor der Allrussischen staatlichen M.I. Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur, Vadim Valerevič Duda, besuchte am 10. Februar 2016 die Staatsbibliothek zu Berlin und unterzeichnete gemeinsam mit der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, ein Memorandum über die weitere Zusammenarbeit der SBB-PK und der Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur. In einem ausführlichen und offenen Gespräch wurde wichtige Vereinbarungen für die inhaltliche Vorbereitung des 6. Treffens des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialoges erzielt, der am 23. und 24. Mai 2016 auf Einladung des Generaldirektors der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Prof. Dr. Thomas Bürger, in Dresden stattfinden wird. Es schlossen sich Fachgespräche mit dem Leiter der Osteuropa-Abteilung, Olaf Hamann, und dem Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung, Andreas Mälck, an. Besonderes Interesse zeigte Herr Duda an computergestützten Verfahren bei der Digitalisierung, der Präsentation der digitalen Bibliothek, an der benutzerorientierten Gestaltung des modernen Lesesaales im Haus Unter den Linden sowie an bibliothekarischen Geschäftsgängen und Fragen des internationalen Schriftentausches zwischen deutschen und russischen Bibliotheken.

Kirchenslawische Typographie als Kunst und Waffe

Der elfte Vortrag in der von der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit Forschenden der Berliner und Potsdamer Universitäten organisierten Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit war zugleich eine Premiere. Denn erstmals wurde im Rahmen dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der Vortragsserie – ein Themenfeld jenseits des okzidentalen Kulturkreises betreten. Konkret interpretierte Vladimir Neumann, Fachreferent für Slawistik in der Osteuropa-Abteilung unseres Hauses, am Beispiel ausgewählter ostslawischer Drucke des 15. bis 17. Jahrhunderts die kirchenslawische Typographie der Vormoderne als Kunst und Waffe.

Der Vortrag behandelte kulturhistorische, sprachliche und drucktechnische Aspekte der ostslawischen Schriftlichkeit. Vielfalt und Traditionen der frühen ostslawischen Druckgeschichte wurden anhand der zentralen Akteure dargestellt – beginnend mit Francysk Skoryna, der in Prag und Wilna Kirchenbücher ins Slawische übersetzte und verlegte, sowie den Moskauer Erstdruckern Ivan Fedorov und Petr Mstislavec, die nach ihrer Vertreibung ihre Tätigkeit in Polen-Litauen fortsetzten. Weitere Stationen in dem so entfalteten Panorama waren die Kiewer Druckgeschichte unter Petro Mohyla (1596 – 1647), der Moskauer Druckerhof, der im Russland des 17. Jahrhunderts eine Monopolstellung beim Druck von Kirchenbüchern besaß, sowie das Schisma der russischen Kirche, aus dem die Altritualisten (Altorthodoxen) hervorgingen. Dabei stand stets die Materialität der kirchenslawischen Drucke, die von der Staatsbibliothek zu Berlin in einmaliger Fülle über Jahrhunderte hinweg gesammelt wurden, im Fokus. Im Anschluss an den Vortrag hatte das Publikum die Möglichkeit, einen genaueren Einblick in einige besonders rare Druckzeugnisse – entnommen aus dem etwa 300 Bände umfassenden Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin an vormodernen Kirchenslavica – zu nehmen.

 

Text: Vladimir Neumann (Osteuropa-Abteilung) und
Christian Mathieu (Wissenschaftliche Dienste)