Paper and Peers

von Diana Johanns

Für Spielbilderbücher und Veranstaltungen gilt gleichermaßen: Damit etwas Wirkungsvolles entsteht, braucht es ein tragfähiges Gerüst – bei den einen die Kinematik, bei den anderen die Freytagsche Pyramide.

Erster Akt: Exposition – Einführung in Ort, Zeit, Personen und Zielvorhaben

Montag, 11. Mai 2026, 10 Uhr, Raum Oxford: Fünf preisgekrönte Kreative besuchten die Kinder- und Jugendbuchabteilung, um Spielbilderbücher zu entdecken und wir präsentierten ihnen die Glanzstücke unseres Hauses. Denn die Werke unserer Gäste sind im wahrsten Sinne des Wortes herausragend: Als Papieringenieur:innen verbinden sie künstlerische Fantasie mit mathematisch-geometrischer Präzision und vereinen dabei analoge Handwerkskunst mit digitaler Gestaltung.

Um dieser gebündelten Kompetenz gerecht zu werden – und weil es immer gut ist, in der Überzahl zu sein –, bat die Organisatorin Sigrun Putjenter unseren Kollegen Dr. Markus Heinz aus der Kartenabteilung und die Projektgruppe Pop-up 3D  um Unterstützung.

Zweiter Akt: Steigende Handlung – die Situation verschärft sich durch ein erregendes Moment

Charmant und eloquent präsentierte Dr. Heinz kartografische Objekte mit Falt- und Bewegungselementen. Dabei nutzte er den publikumsfreundlichen Kniff, neben den Originalen auch ein Faksimile vorzulegen, in dem zum vertieften Staunen geblättert werden durfte.

Besonders begeistert waren die Anwesenden vom faltbaren Globus und vom „Kartenwunder“, einer Box mit Schiebemechanismus, die Autofahrer:innen schon in den 1930er-Jahren den Weg wies.

Maike Biederstädt, Rianne van Duin, Peter Dahmen, Carola Pohlmann, Dr. Markus Heinz, Maaike van der Meulen und Nicolas Codron

Eines von Dr. Heinz’ Lieblingsstücken – eine Postkarte mit beweglichen Puzzleteilen – wurde sofort zum Prototyp eines zukünftigen Stabi-Merchandisingprodukts erklärt.

Dritter Akt: Peripetie – die Handlung erreicht ihren Höhepunkt

Auch im Beitrag der Projektgruppe Pop-up 3D ging es um Falt- und Konfigurationselemente, und die Kolleginnen Zoe Schubert, Natalia Sucharek, Casilda de Zulueta und Fenya Troch machten deutlich, dass Spielbilderbücher zwar spielerisch wirken, die Digitalisierung selbst jedoch alles andere als ein Kinderspiel ist.

Das Projekt widmet sich der interaktiven 3D-Digitalisierung historischer Spielbilderbücher. Ziel ist es, ihre mechanischen Funktionen und materiellen Eigenschaften digital möglichst originalgetreu nachzubilden. Dabei werden auch verborgene Strukturen, Gebrauchsspuren und Interaktionsmöglichkeiten berücksichtigt.

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, wissenschaftliche Genauigkeit mit technischem und
finanziellem Aufwand auszubalancieren.

Keine leichte Aufgabe, doch die Ergebnisse begeistern.

Was alles dahintersteckt, dokumentiert die Projekthomepage sehr anschaulich – entdecken Sie es dort selbst!

Vierter Akt: Fallende Handlung mit retardierendem Moment

Diesen Akt konnten wir nicht wie geplant umsetzen, denn es geschah etwas Unerwartetes: Es entsponn sich ein Gedankenaustausch auf Augenhöhe.

Unsere Gäste stellten sich und ihre Projekte den Expertinnen der 3D-Digitalisierung vor, und man besprach angeregt Details der Umsetzung der jeweiligen Arbeiten – sowohl handwerklich als auch produktionstechnisch.

Intermezzo

Szenische Darstellung des Sechs-Stufen-Modells einer Peer Education durch Tableaux vivants

1. Stufe: „So funktioniert es.“

2. Stufe: „Jetzt verstehe ich es.“

3. Stufe: „Ich probiere es selbst.“

4. Stufe: „Darauf bin ich stolz.“

5. Stufe: „Ich zeige es anderen.“

6. Stufe: „Jetzt können es alle – weitergeben.“

Es entwickelte sich ein fachlich fundiertes und zugleich lebendiges Gespräch, das so manche Podiumsdiskussion mühelos in den Schatten gestellt hätte. 

Erst dringende Termine setzten diesem spontanen Kolloquium ein Ende.

Anschließend widmete sich die Besuchsgruppe den Preziosen unseres Bestands, die von Sigrun Putjenter und Carola Pohlmann, der ehemaligen Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung, kenntnisreich präsentiert und vorgeführt wurden.

5. Akt: Auflösung der Handlung – lose Fäden werden verknüpft und offene Fragen geklärt

Etwa die Frage, warum Buntpapiere, Scheren und Klebestifte bereitlagen.

Diese Materialien und Werkzeuge übergaben wir unseren Gästen und überließen alles ihrer Kreativität.

Bitte einen Schlussapplaus für diese einzigartigen, signierten Kunstwerke, die nun in den Bestand der Staatsbibliothek aufgenommen werden!

Maike Biederstädt, Peter Dahmen, Maaike van der Meulen, Nicolas Codron und Rianne van Duin

Es war uns ein Vergnügen, und wir blicken gespannt auf alles Kommende.

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