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Buchpatenschaft für November 2026

04.11.2026/0 Kommentare/in Foyer, Freunde/von Gwendolyn Mertz-Jork

541 Wassertürme und Gasbehälter – das ist eine große Zahl, aber ein Blick auf die gleich vorne im Buch stehende Klappkarte zeigt: Von Paris bis Königsberg, von Mailand bis Kopenhagen standen und stehen diese nach Otto Intzes Patent gebauten Behältnisse. Das Buch jedoch erweist sich als weniger dauerhaft – es ist das einzige in einer Bibliothek vorhandene Exemplar.
Nachweis über die Konstruktion und die Verbreitung von 541 Wasserthürmen und Gasbehältern nach dem System und den Berechnungen des Geheimen Regierungsrath Professor O[tto] Intze in Aachen : In d. J. 1883 bis 1900 vorwiegend ausgef. durch d. Firmen … Angewandt in Deutschland, in Oesterreich, in der Schweiz, in Italien, in Dänemark, in Schweden, in Belgien, in Holland, in Frankreich, in Spanien und in Südamerika. Aachen : La Ruelle, 1900.
Bibliothekssignatur: Ny 7320

 

Übersichtskarte aller Reservoire und Gasbehälter bis 1900.

Otto Intze, geboren 1843 in Laage, im Kreis Rostock, wird mit diesem Buch hier geehrt und gewürdigt für seine herausragenden Leistungen beim Bau von Wasser- bzw. Gasbehältnissen. In diesem reich bebilderten Band entdeckt wohl jede und jeder ein Bauwerk, das bekannt, vertraut vorkommt. Ein Blick auf den Titel mit der beeindruckenden Zahl von 541 und ein weiterer Blick auf die Übersichtskarte über die regionale Verbreitung von Bauwerken nach Intzes Patent genügt – da nimmt es wenig wunder, dass einem diese Bauwerke vertraut vorkommen.

Wer war aber dieser heutzutage fast unbekannte Ingenieur? Nach einer Ausbildung und einer Anstellung bei einer britischen Gesellschaft, die in Russland, im heutigen Lettland, eine Eisenbahnlinie von Riga ins Landesinnere baute, kehrte er nach Hannover zurück, um ein Ingenieurstudium aufzu-nehmen, das er 1886 als Jahrgangsbester abschloss. Nach vier Jahren in Minden und Hamburg berief ihn sein früherer Lehrer August von Kaven als Dozent für Baukonstruktion und Wasserbau nach Aachen an die gerade erst gegründete Königliche Rheinisch-Westfälische Polytechnische Schule zu Aachen. Mit 27 Jahren wurde Intze also bereits Professor.

 

Beispiel für einen Gasbehälter.

Die Auflage, nicht nur lehrend sondern auch als freischaffender Ingenieur tätig zu sein, kam Intze entgegen. In einer Zeit, in der Städte eine öffentliche Wasserversorgung aufbauten und auch die Dampflokomotiven aus Hochbehältern betankt werden mussten, stieg der Bedarf an Wasserbehältern. Diese durchaus kostspieligen Behälter zu verbessern und nicht zuletzt kostengünstiger zu bauen, gelang Otto Intze durch eine neuartige Formgebung – seine konstruierten Behälter waren unten abgeschrägt und hatten keinen flachen, sondern einen nach oben gewölbten Boden. So erreichte er, dass sich die horizontal wirkenden Kräfte gegeneinander aufhoben. Entsprechend konnte der Tank auf einem relativ engen Kreisring gelagert werden, was wiederum den tragenden Turm schlanker und kostengünstiger machte. Für Details mit Formeln und Zeichnungen sei auf den einleitenden Vortrag von Dr. Forchheimer in dem hier genannten Werk verwiesen.

Allein die Anzahl der nach diesem Prinzip gebauten Wassertürme und Behälter verdeutlichen die Bedeutung dieses Systems. Was in diesem Buch gar nicht zur Sprache kommt und sicherlich eine eigene Publikation verdient hätte, sind die von Otto Intze konzipierten Talsperren. Ein Blick auf die hier veröffentlichte Liste ist beeindruckend: Otto Intze – Wikipedia.

Nicht nur dieses Buch zur Würdigung von Otto Intzes Lebensleistung zeigt seine Bedeutung. Als Professor erhielt er Berufungen nach Braunschweig, Berlin und München, er blieb jedoch in Aachen. Die Stadt Remscheid ernannte Intze 1893 zum Ehrenbürger – hier hatte er die Eschbachtalsperre als erste deutsche Trinkwasser-Talsperre überhaupt gebaut. Die Technische Universität in Dresden verlieh ihm 1902die Ehrendoktorwürde und auch heute gibt es eine Reihe Gedenktafeln und Straßen nach seinem Namen. Bereits 1904 starb Otto Intze in Aachen.

nötige Reparaturen: Einbandrestaurierung
kalkulierte Kosten: 145 €

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft

bei den „Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.“

Wenn Sie Interesse daran haben, dass dieses Buch restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de.  Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.

Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz-Jork, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.  Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Schlagworte: Buchpatenschaft, Buchrestaurierung, Freunde der Staatsbibliothek, Ingenieurwesen, Kulturelles Erbe, Technikgeschichte
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