Hey, Wilhelm: Kinderlust. Gezeichnet und radiert von H[einrich] J[ustus] Schneider. 5. Auflage, Gotha: Perthes, [1877]. Staatsbibliothek zu Berlin – PK. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Vergeben – Buchpatenschaft für den Monat Juli 2021

Diese Patenschaft hat bereits einen Paten gefunden – gerne werden wir hier in Kürze ein neues Kinderbuch vorstellen.

Sein Name, Wilhelm Hey, ist den wenigsten noch geläufig, aber zwei seiner Lieder kennen sicherlich die meisten. Das Gute-Nacht-Lied „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ hat immer Saison, das andere, „Alle Jahre wieder“, wird in der Weihnachtszeit dafür umso öfters gesungen. Wer aber ist dieser Wilhelm Hey und was gibt es noch von ihm wiederzuentdecken?

Hey, Wilhelm: Kinderlust. Gezeichnet und radiert von H[einrich] J[ustus] Schneider.
5. Auflage – Gotha : Perthes, [1877].
23 Blatt
Bibliothekssignatur: B III b, 1248

Johann Wilhelm Hey kam am 26. März 1789 in Leina (heute Ortsteil der Gemeinde Leinatal, Landkreis Gotha in Thüringen) als Sohn eines Pfarrers zur Welt.
Nach dem Tode seiner Eltern wuchs er bei seinem Bruder Karl auf, der ihm erst den Besuch des Gymnasiums in Gotha ermöglichte und anschließend ein Studium der Theologie in Jena und Göttingen.
Von 1811 bis 1814 arbeitete Wilhelm Hey als Hauslehrer in Appeltern bei Nimwegen in den Niederlanden und anschließend als Lehrer in einem Gothaer Schulinternat, bevor er 1818 Pfarrer in Töttelstädt, einem kleinen Ort nahe Gotha, wurde. Im Jahr 1827 erhielt Hey die Berufung zum Hofprediger in Gotha. Dort war er mit dem Verleger Friedrich Perthes befreundet. 1832 wurde Wilhelm Hey als Pfarrer, Superintendent und Bezirksschulinspektor nach Ichtershausen in Thüringen versetzt.
In Thüringen geriet Wilhelm Hey in Konflikt mit dem theologischen Rationalismus, der vernunftmäßigen Deutung der christlichen Religion. Hey setzte sich für ein lebendiges Christentum ein, eine menschenzugewandte Theologie, und engagierte sich für sozial-karitative Maßnahmen. So betreute er neben einer Fortbildungsschule für Handwerkerlehrlinge auch ein Kinderheim, das die Kinder von arbeitenden Müttern betreute. 1847 ehrte ihn die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg mit der Ehrendoktorwürde, als „einen um ganz Deutschlands Jugend hochverdienten Mann“. Bis zu seinem Tode am 19. Mai 1854  in Ichtershausen blieb Hey seiner Überzeugung und seinem Engagement für eine menschenzugewandte Theologie treu.

Seine Werke:

1829 veröffentlichte Wilhelm Hey eine „Auswahl von Predigten“ und neun Jahre später „Erzählungen aus dem Leben Jesu für die Jungen“ sowie 1850 das Werk „Das Kind von der Wiege bis zur Schule“.
Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt wurde Wilhelm Hey jedoch durch seine 1833 veröffentlichten „Fünfzig Fabeln für Kinder“, denen 1837 „Noch fünfzig Fabeln für Kinder“ folgten, jeweils mit Illustrationen von Otto Speckter (1807 – 1871). Da die Erstausgaben ohne Nennung Wilhelm Heys als Autor erschienen, wurde das Werk im 19. Jahrhundert zunächst als Otto Speckter’s Fabelbuch bekannt. In der Vorrede zu den „Noch fünfzig Fabeln“ stellte der Verlag jedoch ausdrücklich klar: „Noch fordert der ausdrückliche Wunsch unsres Otto Speckter in Hamburg die Erklärung, daß nur die Bilder, nicht die Worte des Büchleins von ihm sind.“ Diese Fabeln wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter ins Englische von Mary Howitts. Die hier vorgestellte Buchpatenschaft „Kinderlust“ erschien erstmals 1870 und wurde mehrfach wieder aufgelegt.

Wilhelm Hey schrieb aber auch Texte für Lieder. Eines einer bekanntesten ist, wie schon eingangs erwähnt, das Gute-Nacht-Lied „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“, das auch Aufnahme in das Evangelische Gesangbuch unter der Nummer 511 gefunden hat.
Das Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ wurde 1842 von Friedrich Silcher (1789 – 1860) vertont. Leicht in Vergessenheit gerieten inzwischen Lieder wie das Morgengebet „Wie fröhlich bin ich aufgewacht“ oder auch Lieder wie „Vöglein im hohen Baum“ und „Wer hat die Blumen nur erdacht“.

Die Fabeln sind oft zweistrophig in gereimten Versen. Hier eine Fabel, um den Autor noch einmal selbst zu Wort kommen zu lassen.

Fuchs und Ente
Fuchs: Frau Ente, was schwimmst du dort auf dem Teich?
Komm doch einmal her an das Ufer gleich;
Ich hab dich schon lange was wollen fragen.
Ente: Herr Fuchs, ich wüßte dir nichts zu sagen;
du bist mir so schon viel zu klug.
drum bleib ich dir lieber weit genug.

Herr Fuchs der ging am Ufer hin
und war verdrießlich in seinem Sinn.
Es lüstete ihn nach einem Braten,
das hatte die Ente gar wohl erraten.
Heut hätt er so gerne schwimmen können;
nun mußt er ihr doch das Leben gönnen.

 

Schaden: Bindung lose, Ecken und Kanten des Einbands beschädigt.

Kalkulierte Kosten: 180 €

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bei den „Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.“

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  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt. Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

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