Ankündigungen von Veranstaltungen und Terminen

Vom Alexanderplatz in den Orbit

Editionsgeschichte und typographische Gestaltung des vielleicht wichtigsten Berlin-Romans des 20. Jahrhunderts – die Rede ist natürlich von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – standen am gestrigen Dienstag im Zentrum jenes Dialogs mit der Forschung, den die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Monaten mit dem Arbeitskreis Die Materialität der Literatur führt, einem Zusammenschluss von Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten.

Dabei ging es dem Referenten Dr. Bernhard Metz (Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin) vor allem darum, diese von Walter Benjamin so bezeichnete „äußerste, schwindelnde, letzte, vorgeschobenste Stufe des alten bürgerlichen Bildungsromans“ als überzeugend durchgestaltetes und nicht selten irritierendes Gesamtkunstwerk in allen seinen materialen Facetten zum Funkeln zu bringen. Denn der im Herbst 1929 bei S. Fischer in Berlin erschienene und von Georg Salter gestaltete Erfolgsroman ist in seiner ursprünglichen, montageartig zerschnittenen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt – nicht zuletzt das Resultat von Döblins Verfemung durch das nationalsozialistische Regime. Gerade vor diesem historischen Hintergrund zog Bernhard Metz Die Geschichte vom Franz Biberkopf – so der moritatenhafte Untertitel des Romans – zugleich auch zur Illustration von Problemen heran, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird.

Neu herausgebracht werden aber keineswegs nur erfolgreiche Texte – auch publikumswirksame Vortragsreihen sind vor Veränderungen nicht gefeit: Seien es die über die Stadt verstreuten Eventi collaterali der Biennale von Venedig, seien es die “außer Konkurrenz” gezeigten Filmbeiträge zur Berlinale – jedes Festival, das etwas auf sich hält, wird früher oder später von einem eigenen Satellitenprogramm begleitet. Und so freut sich auch die Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit über einen Halo thematisch anschlussfähiger Vorträge, die in den kommenden Monaten in loser Folge in ihrem Orbit sichtbar und vor allem hörbar werden sollen.

Den Startpunkt zu dieser begleitenden Expeditionsreise durch die unendlichen Weiten der Gutenberg-Galaxis markiert am 24. November der Vortrag Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung, in dessen Rahmen der Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich am Beispiel philosophischer Doktorarbeiten des 19. Jahrhunderts den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat unter Berücksichtigung materialer Aspekte rekonstruieren wird.

Bereits zwei Tage später – also am 26. November – möchten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) im interdisziplinären Dialog die zentralen Ergebnisse der 2011 von ihnen veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Produktionsorte und Importwege vorstellen. Konkret sollen dabei insbesondere die folgenden Fragenkomplexe diskutiert werden: Aus welchen Gründen und Motiven wurden Rechtshandschriften gesammelt? Wo verliefen die geographischen und institutionellen Wege des Handschriftentransfers, welche Akteure waren beteiligt? Welche Aufschlüsse gibt der Codex in der Materialität seiner Benutzung? Organisiert wird dieser Vortrag in Kooperation mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin sowie dem dort angesiedelten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung.

Sind Sie denn schon ready for Liftoff? Der Countdown für Ihren Flug in den Orbit der Materialität von Schriftlichkeit wurde jedenfalls schon gestartet. Und bitte vertrauen Sie uns: Ihre Reise wird ganz sicher nicht als Odyssee im Weltraum enden. Wir freuen uns auf Sie!

 

Daniel Hope “Sounds of Hollywood”: Lesung mit dem Autor

Buchvorstellung
Wie Emigranten aus Europa die amerikanische Filmmusik erfanden:
Daniel Hope „Sounds of Hollywood”
Lesung mit dem Autor

Montag, 23. November 2015

18 Uhr

Eintritt frei

Anmeldung erbeten: freunde@sbb.spk-berlin.de

Staatsbibliothek zu Berlin
Otto-Braun-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

 

Dissertationsmonat November

Als hochseriöse Forschungsbibliothek und ehemals preußische Einrichtung werden Sie vermutlich kaum einen Beitrag zum lieblichen Wonnemonat Mai von uns erwarten, “denn eine Staatsbibliothek ist, bitte sehr! kein Vergnügungsetablissemang.” Naturgemäß stehen bei uns viel eher die arbeitssamen und etwas spröderen Jahreszeiten im Fokus, weshalb wir hiermit den November zum Dissertationsmonat erklären: Möge das Licht der wissenschaftlichen Erkenntnis diesen Nebelmonat ein wenig aufhellen!

Für klare(re) Sicht auf das steinige Feld der Doktorarbeit wollen wir in den kommenden Wochen mit zwei Veranstaltungen sorgen – und das sowohl aus Praxisperspektive als auch unter Forschungsaspekt.

Gerade mit Blick auf den aktuellen Strukturwandel der Wissenschaftskommunikation unter dem Leitbild der Open Science und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Forschenden laden wir Promovierende aller Fachrichtungen sehr herzlich ein, am 12. und 19. November an einem zweiteiligen Workshop zum wissenschaftlichen Publizieren teilzunehmen. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine konventionelle oder eine elektronische Veröffentlichung planen, ob im Open Access oder vielleicht sogar als bereits von der ersten Idee an offene Doktorarbeit. Denn unsere Themenvorschläge – von der Gestaltung von Verlagsverträgen über Strategien zur Bildrechteklärung und Akquise von Druckkostenzuschüssen bis hin zur Wahl des “richtigen” Publikationsorts – möchten wir am konkreten Fallbeispiel Ihres Veröffentlichungsprojekts mit Ihnen diskutieren. Und sollten Sie sich zudem auch für Publikationsmöglichkeiten für Forschungsdaten oder für neuere Entwicklungen im Bereich der alternativen Bibliometrie interessieren, so stehen wir Ihnen auch in diesen Belangen sehr gerne mit einigen Tipps zur Seite.

An ein allgemeines Publikum wendet sich dagegen die zweite hier anzuzeigende Veranstaltung, in deren Zentrum die zwischen 1817 und 1883 an der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten philosophischen Dissertationen stehen sollen. Unter dem Vortragstitel Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung erwartet Sie der Versuch des Medien- und Kunsttheoretikers Stefan Heidenreich, den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat zu rekonstruieren. Da der Referent dabei auch die Veränderung der materialen Dimension von Dissertationsschriften beleuchtet, organisieren wir dieses Werkstattgespräch in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog, zumal an deren Konzeption gleich drei Einrichtungen mit Promotionsrecht beteiligt sind.

Ob mit oder ohne Doktortitel – seien Sie uns herzlich willkommen!