DFG fördert deutsch-polnisches Kooperationsprojekt zur Erschließung frühneuzeitlicher Drucke in polnischen Bibliotheken

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein neues Kooperationsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin mit vier Bibliotheken in Polen. Ziel des Vorhabens ist es, rund 16.000 Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts zu erschließen und zu digitalisieren. Dadurch werden umfangreiche Bestände aus den historischen Regionen Preußen, Pommern und Livland erstmals systematisch erfasst und digital zugänglich sein.

Das Vorhaben stärkt die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Bibliotheken. Projektpartner sind die Biblioteka Narodowa (Nationalbibliothek Warszawa), die Biblioteka Elbląska (Stadtbibliothek Elbląg), die Polska Akademia Nauk Biblioteka Gdańska (Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften Gdańsk) sowie die Biblioteka Uniwersytecka w Toruniu (Universitätsbibliothek Toruń). Gemeinsam verfolgen die Einrichtungen das Ziel, bedeutende Bestände des frühneuzeitlichen Bucherbes sichtbar zu machen und ihre wissenschaftliche Nutzung nachhaltig zu erleichtern.

Der Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin Achim Bonte erläutert: „Dieses wegweisende Projekt verbindet die Erschließung seltener historischer Drucke mit dem weiteren Ausbau etablierter digitaler Informationsinfrastrukturen. Es zeigt zugleich, wie fruchtbar die internationale Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken gestaltet werden kann. Das Kooperationsprojekt mit vier bedeutenden polnischen Partnern freut mich ganz besonders. Es wird die vertrauensvollen Kontakte der Staatsbibliothek zu Berlin zu unseren Nachbarn weiter voranbringen.“

Erschließung und Digitalisierung von 16.000 Drucken

Im Fokus des Projekts stehen bisher nicht in den nationalbibliografischen Verzeichnissen der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke (VD) nachgewiesene Bestände. Im Verlauf des Projekts werden die Objekte im Verbundkatalog K10plus sowie in den Bibliothekssystemen der beteiligten Einrichtungen erschlossen und in den Referenzkatalogen VD 16, VD 17 und VD 18 nachgewiesen. Ergänzend werden die Werke nach den Praxisregeln der DFG digitalisiert und online bereitgestellt. Bereits vorhandene Digitalisate sollen ebenfalls katalogisiert und in die entsprechenden Nachweissysteme integriert werden.

Neue Perspektiven für die Frühneuzeitforschung

Mit dem Abschluss des Projekts entsteht eine deutlich erweiterte Forschungs- und Datengrundlage für die Frühneuzeitforschung. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für vergleichende Untersuchungen zur Kultur-, Wissens- und Buchgeschichte im deutschsprachigen und mitteleuropäischen Raum.

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Erschließung von Provenienzen und ihren historischen Kontexten. Die Analyse von Besitzvermerken, Sammlungszusammenhängen und Überlieferungswegen verspricht neue Erkenntnisse über historische Bibliothekslandschaften, deren Bestände infolge des Zweiten Weltkriegs vielfach zerstört, verlagert und neu zusammengeführt wurden.

Darüber hinaus trägt das Projekt dazu bei, die Bedeutung der Verzeichnisse der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 16., 17. und 18. Jahrhunderts als zentrale Referenzinstrumente für die Erschließung frühneuzeitlicher Drucke im mitteleuropäischen Raum weiter auszubauen. Perspektivisch kann das Projekt als Modell für weitere europäische Kooperationen dienen, um relevante Bestände systematisch zu erfassen und einen wissenschaftsadäquaten Zugang zu bislang wenig erschlossenen Sammlungen zu schaffen.

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