• BLOG-NETZWERK FÜR FORSCHUNG UND KULTUR
SBB aktuell
  • FOYER
  • SERVICE
  • IT-INNOVATION
  • WISSEN
  • FEUILLETON
  • Menü Menü

Röntgentermin für den Pharao

05.06.2026/0 Kommentare/in Feuilleton, Foyer, Porträtsammlung, SNA/von Thomas Parschik

Am 8. November 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die nach ihm benannten Strahlen. Bereits 1897 unternahm der Ägyptologe Sir William Matthew Flinders Petrie den Versuch, die Arme und Beine einer Mumie mittels Röntgenstrahlung zu untersuchen. Die Untersuchung fand im Anatomischen Institut der Universität London statt. Auf den Aufnahmen glaubte Flinders Petrie Spuren von rituellem Kannibalismus zu erkennen. Dies erwies sich später als Irrtum. 1898 röntgte Flinders Petrie in Kairo erstmalig eine vollständige Mumie.

Am 26. März 1903 untersuchten die australischen Anatomen Grafton Elliot Smith und Frederic Wood Jones die Mumie des Pharaos Thutmosis IV. Unter der Inventarnummer CG 61073 ruht der Herrscher aus der 18. Dynastie in einem Magazin des Ägyptischen Museums Kairo. Zur Untersuchung wurde seine Majestät mit einem Taxi quer durch die Stadt zur Klinik kutschiert. Smith und Jones stellten fest, dass es sich um einen männlichen Leichnam handelte, der zum Todeszeitpunkt etwa 28 Jahre alt und stark abgemagert war.

1913 begann der italienische Röntgenologe Mario Bertolotti, Mumien zu durchleuchten. Seine Intention war es, in den Bandagen verborgene Amulette und Schmuckstücke – idealerweise aus Gold – aufzuspüren. Im 19. Jahrhundert waren Mumienpartys, auf denen man in geselliger Runde auf der Suche nach verborgenen Kleinodien Mumien auswickelte und den Verstorbenen voyeuristisch ins Antlitz blickte, der letzte Schrei. Dank der Röntgenstrahlen konnte man sich jetzt das enttäuschende Auspacken sparen, wenn es nichts zu holen gab.

Die Dame, die auf dem obigen Foto die Röntgenaufnahme betrachtet, ist Anna Reginalda Bolan (1887-1968). Von 1926 bis 1932 leitete sie die Röntgenabteilung des Field Museums in Chicago, Illinois. Hier durchleuchtete sie ägyptische und peruanische Mumien sowie mumifizierte Tiere. Versuchsweise modifizierte sie die Entfernung von Röntgenapparat und Objekt, die Aufnahmezeit und die Spannung. So gelang es ihr, ein neues Röntgenverfahren zu entwickeln, durch das die Aufnahmequalität wesentlich verbessert wurde. Unser Foto beweist, dass sämtliche Details des Skeletts auf dem Röntgenbild deutlich erkennbar sind. Auf der Grundlage solcher Aufnahmen erforschte Dr. Roy Lee Moodie vom Welcome Historical Museum London in enger Zusammenarbeit mit Bolan altertümliche Krankheitsbilder. Er stellte fest, dass bereits die alten Ägypter unter Arthritis und Rachitis litten, und dass die Inkas von Parodontitis geplagt waren. Bolan stellte ihre Methode auf mehreren Tagungen vor und schrieb einen Aufsatz darüber.

Das Foto von Anna Bolan und ihrem leider nicht namentlich genannten Patienten hat die Signatur Portr. Slg / Album 21 / Bolan, Anna, Nr. 1 . Es gehört zur Sammlung der Atlantic Photo Gesellschaft. Diese bestand von 1919-1944. In den zwanziger und dreißiger Jahren war sie die führende Pressefotoagentur Deutschlands. In unseren digitalisierten Sammlungen kann man sich den Schnappschuß einschließlich der Rückseite, auf die ein zeitgenössischer Pressetext aufgeklebt ist, anschauen.

Schlagworte: Ägyptologie, Anna Bolan, Anna Reginalda Bolan, Atlantic Photo Gesellschaft, Fotografie, Mumie, Portrait, Röntgen
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Auf WhatsApp teilen
  • Teilen auf Pinterest
  • Teilen auf LinkedIn
  • Teilen auf Tumblr
  • Teilen auf Vk
  • Teilen auf Reddit
  • Per E-Mail teilen
https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/anna_bolan-1-e1749647488303.png 411 491 Thomas Parschik https://blog.sbb.berlin/wp-content/uploads/stabi-logo-kante.png Thomas Parschik2026-06-05 12:39:312026-06-24 09:40:24Röntgentermin für den Pharao
Das könnte Sie auch interessieren
Adventskalender-Türchen18 2019
Heinroth remastered
Bermudakonferenz 1953 – die Fotografen warten auf die Großen Drei Dwight D. Eisenhower, Winston Churchill und Joseph Laniel; Bildnachweis bpk-Fotoarchiv Hanns Hubmann Podiumsdiskussion: Von den News zum Kulturgut
Together for Cultural Heritage – A Symposium 
Schweigen ist Gold
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Search Search

Kommentare:

  • H. Dembowski bei Reden über Rodrian
  • Ulrike Rodrian bei Reden über Rodrian
  • Thomas Parschik bei Ein Bruchpilot im Brunnenhof
  • Dr. Richter bei Ein Bruchpilot im Brunnenhof
  • Eva Rothkirch bei Wer war C. M. Scävola? Die Geschichte eines Pseudonyms

Schlagwörter

Ausbildung Ausleihe Ausstellung Benutzung Benutzungseinschränkung Bilderbuch Buchpatenschaft CrossAsia Datenbank digitale Lektüretipps Digitalisierung E.T.A. Hoffmann Fachinformation Freunde der Staatsbibliothek Geschichte Hinweis Import Jugendbuch Kinderbuch Kulturelles Erbe Lesesaal Martin Luther Materialität Musik Osteuropa Presse Promovierende Provenienzforschung Recherche Recht Rechtsforschung Rechtswissenschaften Reformation Restaurierung sbb online offen Service Servicezeiten Slawistik Stipendienprogramm Werkstattgespräch Wissenswerkstatt Workshop Zeitschriftendatenbank Zeitungen Öffnungszeiten

Unsere Blogs

  • E. T. A. HOFFMANN PORTAL
  • FEUILLETON
  • FOYER
  • FREUNDE DER BIBLIOTHEK
  • HISTORISCHE DRUCKE
  • INKUNABELN
  • IT-INNOVATION
  • KARTEN
  • MUSIK
  • ORIENT
  • PODCAST
  • PRESSE
  • SERVICE
  • TERMINE
  • WISSEN

Suche über alle Beiträge:

Search Search

Folgen Sie uns auf Instagram

Folgen Sie uns auf Bluesky

Folgen Sie uns auf Mastodon

Besuchen Sie uns auf Youtube

ARCHIV ALLER BLOGBEITRÄGE

Zum Kalender
© Copyright - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  • RSS-Feeds abonnieren
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
  • Barriere melden
Link to: 200 Jahre nach dem letzten Takt: Carl Maria von Weber Link to: 200 Jahre nach dem letzten Takt: Carl Maria von Weber 200 Jahre nach dem letzten Takt: Carl Maria von WeberPorträt Carl Maria von Weber auf Notenblatt (Beginn des 4. Satzes der Sinfonie Nr. 2 C-Dur) Link to: Keine Auslastungsanzeige am 10.6. morgens | <span lang="en"> No Occupancy Display Morning of June 10 </span> Link to: Keine Auslastungsanzeige am 10.6. morgens | <span lang="en"> No Occupancy Display Morning of June 10 </span> Keine Auslastungsanzeige am 10.6. morgens | No Occupancy Display...
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen