Beiträge, die auch im Stiftungskontext Relevanz haben können.

#50JahreGrundstein

Es gibt keinen Sekt – wir haben uns diesmal gegen einen Festakt mit geladenen Gästen entschieden. Und dies, obwohl das Jubiläum ein durchaus rundes ist! Heute genau vor fünfzig Jahren, am 10. Oktober 1967, fanden die Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung unseres Hauses Potsdamer Straße statt.

Die Grundsteinplatte in der Marmorhalle

Die Bauarbeiten selbst hatten bereits fünf Monate zuvor begonnen – und die Ausführungszeichnungen Scharouns waren zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht ganz fertig. Der Bundespräsident kam und auch der Bundesschatzminister. Aus der Rede Scharouns sind einige Worte überliefert. Für das Wirken des Bibliothekars wie des Architekten “gelte auch heute und an diesem Ort jenes fordernde Wort aus dem 19. Jahrhunder: ‘Bildung macht frei’.” Das gefällt uns auch 50 Jahre später noch.

Ganz bestimmt gab es damals Getränke und sicher auch einen Empfang. Wir haben uns aber im Jahr 2017 entschlossen, das Jubiläum zeitgemäß ausschließlich im virtuellen Raum des Internets zu begehen. Zu Ehren unseres nunmehr 50-jährigen Grundsteins haben wir ein kleines Geschenkpaket zusammengestellt.

Um allen wunderbaren Fotos vom Haus Potsdamer Straße, aber auch von unseren anderen Standorten, eine Plattform zu bieten, starten wir heute unsere Instagram-Präsenz. Lang erwartet, können Sie uns ab sofort unter der Adresse https://www.instagram.com/staatsbibliothek_zu_berlin/ finden. Kennzeichnen Sie Ihre eigenen Fotos von unseren Häusern mit #staatsbibliothekzuberlin, dann finden wir Sie auch!

Unser Haus Potsdamer Straße erhält von uns zum Jubiläum eine kleine Online-Ausstellung. ‘Das Bücherschiff am Kulturforum’ soll künftig vor allem Besucherinnen und Besuchern in der Eingangshalle einen ersten Überblick über das Haus und seine Bewohner vermitteln. Zu diesem Zweck werden wir in den kommenden Wochen einen kleinen Bereich der Eingangshalle umgestalten, um die Ausstellung auf einem Bildschirm präsentieren zu können. Wie praktisch: Da es sich um eine virtuelle Ausstellung handelt, müssen Sie nicht auf die Präsentation bei uns im Haus warten, sondern können sich gleich in der Ausstellung umsehen: Link zur Ausstellung.

Screenshot vom Ausstellungs- und Veranstaltungsportal

Die einfache Realisierung der virtuellen Ausstellung wäre nicht möglich gewesen ohne unser neues Ausstellungs- und Veranstaltungsportal, das ebenfalls heute an den Start geht. Florian Schwalenberg aus der Abteilung Informations- und Datenmanagement der Bibliothek hat es realisiert und wir hoffen, Ihnen dort künftig ein buntes Kaleidoskop sowohl von Ankündigungen realer Ausstellungen, als auch einen virtuellen Raum für Online-Ausstellungen präsentieren zu können. Hier geht es zum Ausstellungs- und Veranstaltungsportal.

Im Portal werden Sie künftig auch unsere Veranstaltungshinweise finden. In einer Übergangsfrist sind noch nicht alle Termine im praktischen Kalender zu finden, nutzen Sie für diese Zeit bitte auch die verlinkten Hinweisseiten.

@staatsbibliothek_zu_berlin jetzt auch auf Instagram

Ein Beitrag von Corinna Ricks, Janine Ganschinietz und Zora Steiner

Hinter den Kulissen und in den Lesesälen der Staatsbibliothek gibt es vieles zu entdecken und zu bestaunen.  Die architektonische Vielfalt unserer Gebäude, die Innengestaltung der Lesesäle und unsere besonderen Bestände bieten eine Vielzahl von Motiven. Vor diesem Hintergrund wollen wir jetzt einen weiteren Schritt in Richtung digitaler Kommunikation mit unseren Nutzern und Nutzerinnen gehen und sind ab sofort auch auf Instagram aktiv.

Wir geben bildliche Einblicke hinter die Kulissen des Bibliotheksbetriebs, zeigen architektonische Ansichten unserer Bibliotheksbauten oder eröffnen auch mal die Möglichkeit, die Bauarbeiten am Standort Unter den Linden mit zu verfolgen.

Nun können auch Sie Impressionen aus unserer Bibliothek mit uns und anderen Followern teilen. Um unseren Instagram-Start gebührend zu feiern, möchten wir Sie zudem zu einem kleinen Gewinnspiel einladen. Laden Sie zu Ehren unseres heutigen Jubiläums (#50JahreGrundstein Haus Potsdamer Straße) ein Bild von Ihrem Lieblingsplatz in oder vor unseren Standorten hoch und kennzeichnen Sie es mit #noplacelikestabi und @staatsbibliothek_zu_berlin, um eine Bibliotheks-Jahreskarte zu gewinnen. Die genauen Teilnahmebedingungen finden Sie unter: http://sbb.berlin/gewinnspielbedingungen

Schon jetzt finden sich unter dem Hashtag #staatsbibliothekzuberlin  viele wirklich eindrucksvolle Aufnahmen, die von unseren Leserinnen und Lesern gepostet wurden. Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Bibliotheksfotos weiterhin mit diesem Hashtag versehen und sind gespannt  auf die Fortsetzung der gemeinsamen Bild-ungs-geschichte.

https://www.instagram.com/staatsbibliothek_zu_berlin/

© Leiden University Libraries, Or. 6980

Texts of records, records of texts – Werkstattgespräch zur Handschrift Ms. Leiden Or. 6980 am 25.10.

Wissenswerkstatt

Texts of records, records of texts – Ms. Leiden Or. 6980

Werkstattgespräch in englischer Sprache mit Dr. Anne Regourd (University of Copenhagen),
2017 Stipendiatin im Stipendienprogramm der SPK

Mittwoch, 25. Oktober 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Ms. Leiden Or. 6980, an item of the Christiaan Snouck Hurgronje collection, is a remarkable manuscript from several points of view. It was brought to the University Library of Leiden in 1936. Its paper, a product from the well-known Galvani mills in Friuli (Italy), has not previously been recorded, but nonetheless defines a terminus a quo for its production. The text of Or. 6980 is equally interesting. It lists the texts of 133 sung poems, each with the name of a singer and some musical instruments, all of it in a document which was produced before 1936. Some of these poems can be connected to an exceptional collection of songs recorded on wax cylinders commissioned by C. Snouck Hurgronje. But it is the text edition of ms. Or. 6980 that reveals the many mutations of these texts since their origin.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Stipendienprogramm der SPK an der Staatsbibliothek zu Berlin

Ausstellung „Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt“

nur noch bis 15. Oktober 2017

Im Tagesspiegel erschien jüngst unter dem Titel “Kaleidoskop der Kulturen” ein ausführlicher Beitrag über die Ausstellung “Gläubiges Staunen” der Staatsbibliothek zu Berlin:

 

Ausstellung im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum
Bodestraße, 10178 Berlin
Besuchereingang über den Kolonnadenhof

Öffnungszeiten und Informationen zu Eintrittspreisen


Koptischer Papyruskodex mit den Sprüchen Salomos (Abschrift Ägypten, Ende 4. Jh., SBB-Orientabteilung, Ms. or. oct. 987) © Staatsbibliothek zu Berlin – PK || CC BY-SANC 3.0

 

Anhand von herausragenden Handschriften zeigt die Ausstellung “Gläubiges Staunen” die Vielfalt der christlichen Traditionen im Vorderen Orient – von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert.

Bibelhandschriften jüdischer und orientalisch-christlicher Glaubensgemeinschaften werden gemeinsam mit islamischen Handschriften, die biblische Sujets reflektieren, präsentiert. Neben prächtig illuminierten armenischen Evangeliarien, syrischen Pergamentbibeln oder koptischen Papyri werden u.a. auch indische Miniaturen mit christlichen Motiven zu sehen sein.

Der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen den unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften war im östlichen Mittelmeerraum ein häufiges Phänomen. Die Bibel entstand im Orient – Judäa, Ägypten und Persien sind einige ihrer historischen Schauplätze. Der Islam wiederrum entstand in einem von Judentum und Christentum geprägten Umfeld; und der Koran bezieht sich an mehreren Stellen auf den biblischen Text und setzt diese Themen und Gestalten als bekannt voraus.

In der Ausstellung werden hochkarätige Handschriften aus den reichen Beständen der Orientabteilung der Staatsbibliothek für drei Monate mit islamischer Buchkunst aus der Privatsammlung Vollmer und dem Museum für Islamische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin in Dialog treten. Anhand zahlreicher Beispiele werden so die Verbindungen zwischen christlicher und islamischer Buchkunst sichtbar: Die Illustrationen in manchen islamischen Bilderhandschriften haben nicht selten verblüffende Ähnlichkeiten mit zeitgenössischen christlichen Vorbildern aus byzantinischen, armenischen und syrischen Manuskripten, besonders aus illustrierten Bibeln. Umgekehrt reflektieren auch die christlichen Bibelhandschriften den jahrhundertelangen Kulturkontakt mit ihrer muslimischen Umwelt.

Die Ausstellung beginnt bei den Ursprüngen der Bibel mit hebräischen und griechischen Urtexten: Ein früher koptischer Kodex (4. Jh. n.Chr.) aus Ägypten mit den Sprüchen Salomos ist das älteste Objekt. Eine Besonderheit stellt eine samaritanische Tora dar, die an der Stelle des Aaronitischen Segens von den Küssen der Gläubigen dunkel gefärbt ist. Sehr seltene biblische Zeugnisse aus dem einstmals christlichen Nubien des 10./11. Jahrhunderts, die ersten jemals gefundenen Texte der nubisch-christlichen Kultur, werden zu sehen sein. Leuchtende Farben und eine direkte Bildsprache zeichnen die äthiopischen Pergamenthandschriften aus, Zeugen einer ungebrochenen tiefen Religiosität, die bis heute das christliche Äthiopien prägt. Für die reiche arabisch-christliche materielle und geistige Kultur stehen ein Evangeliar aus dem Palästina des 11. Jahrhunderts und ein wunderbar illuminiertes Prophetenbuch aus dem frühen 14. Jahrhundert. In den gezeigten muslimischen Handschriften treten vertraute biblische Gestalten und Geschichten gleichsam verändert auf und sind doch immer wiederzuerkennen. Den zahlreichen im Koran und anderen islamischen Überlieferungen zu findenden biblischen Gestalten sind etwa die Qiṣaṣ al-anbiyāʾ (Erzählungen von den Propheten) gewidmet. Die indischen Miniaturen mit zahlreichen Heiligen- und Madonnendarstellungen aus der Sammlung Vollmer zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit europäischer Kunst, die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts zu beobachten ist.


Pressebilder: www.preussischer-kulturbesitz.de/newsroom/presse/pressebilder.html


Ausführliche Berichte über diese Ausstellung erschienen unter anderem hier:

14. Juli 2017, RBB Kulturradio / Kulturtermin, 5’20 min, Timecode 0:14

13. Juli 2017, Deutschlandfunk Kultur

14. Juli 2017, Deutsche Welle/Arabisches Programm Qantara

Das Gebäude der Königlichen Bibliothek am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909 – Werkstattgespräch am 24.10.

Wissenswerkstatt

Zwischen Mangelverwaltung und Innovation – Das Gebäude der Königlichen Bibliothek in Berlin am Opernplatz in den Jahren 1774 bis 1909

Werkstattgespräch mit Dr.-Ing. Elke Richter, BTU Cottbus-Senftenberg
Einführung von Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
Dienstag, 24. Oktober 2017
18.15 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Bis zum Umzug in ihr Haus Unter den Linden im Jahr 1909 hatte die Königliche Bibliothek zu Berlin als Vorgängerinstitution der heutigen Staatsbibliothek 125 Jahre lang ihren Sitz in dem Gebäude am Bebelplatz, das den leicht abwertenden Spitznamen „Kommode“ trägt. Im Gegensatz zu seiner barocken, schon damals nicht mehr modernen Architektursprache wurde mit dem Bau ein modernes Bibliothekskonzept verwirklicht, an dem sich die Entwicklung von der barocken Saalbibliothek zur Magazinbibliothek des 19. Jahrhunderts ablesen lässt.

Die Geschichte des Bibliotheksgebäudes ist geprägt von den Versuchen, die Buchunterbringung, die interne Abläufe und die Benutzbarkeit zu verbessern. In ihrem Vortrag beleuchtet Elke Richter die verschiedenen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen, in denen hochmoderne Entwicklungen des zeitgenössischen Bibliotheksbaus aufgegriffen wurden. Die Rolle der Oberbibliothekare im komplexen Netzwerk von Planungsbeteiligten wird ebenso betrachtet wie die Funktion des Bibliotheksgebäudes als Ort von Beziehungen zwischen Bibliothekaren und Nutzern und zwischen Menschen und Büchern.

Das Werkstattgespräch wird begleitet von einer Kabinettausstellung mit ausgewählten Beständen der Staatsbibliothek zum Gebäude der Königlichen Bibliothek.

 

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Werkstattgespräch zu Flugblättern im Zweiten Weltkrieg am 10.10.

Wissenswerkstatt

Kommunikation unter Feinden. Transnationale und -mediale Aspekte der Flugblattpropaganda im Zweiten Weltkrieg

Werkstattgespräch mit Dr. Christiane Caemmerer, Staatsbibliothek zu Berlin – Handschriftenabteilung
Dienstag, 10. Oktober 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Flugblatt zu einem der wichtigsten Mittel der psychologischen Kriegsführung. Millionen und Abermillionen von meist sorgfältig getexteten und illustrierten sowie – im Verhältnis zu den Handzetteln der Weimarer Republik – aufwendig produzierten Flugblättern wurden an den Fronten und in den Zentralabteilungen der Propagandaministerien hergestellt und über Ballons, Granaten und als Bombenbeiladungen an die Soldaten und die Zivilbevölkerung verteilt.
Der Beitrag beschäftigt sich mit den transnationalen Argumentationsstrategien von Flugblättern und deren national geprägten Manifestationen, die klar an den unterschiedlichen Adressaten orientiert sind, und diskutiert Veränderungen in der Rezeption von lyrischen Texten, die durch einen Wechsel des Mediums: Flugblatt, Liederbuch, Rundfunkbeitrag und Gedichtband bedingt sind.
Die Materialbasis des Beitrages bilden die Flugblätter der Weißen Rose, die Flugblattbeiträge von Thomas Mann im Auftrag der Alliierten, die Amerikarezeption der deutschen Propagandaeinheit Südstern und die Lyrikproduktion von Erich Weinert und Johannes R. Becher für die sowjetische Propaganda aus der Kirchner‘schen Sammlung von Feindflugblättern in der Staatsbibliothek.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

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Stimmen der Bibliothek: Einbandforschung

Hilfswissenschaften liefern wertvolle Erkenntnisse, die für die Forschung, insbesondere für Geschichtswissenschaften, unabdingbar sind. Aber was kann man sich konkret darunter vorstellen?

In dieser Folge bekommen wir im Gespräch mit Zora Steiner und Thomas Klaus Jacob (Einbandforscher und Referent der Staatsbibliothek zu Berlin) eine Einführung in eine besondere Hilfswissenschaft: die Einbandforschung.

Was ist die Einbandforschung? Wie unterstützt die Staatsbibliothek diesen Forschungsbereich? Benötigt man als Einbandforscher eine besondere Ausbildung?

Alle Antworten für Sie zum Abhören bereit.

 

Quellen zur Folge:

Stipendienprogramm seit 2009 – ein Rückblick

Der 10. Jahrgang im Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht an der Staatsbibliothek unmittelbar bevor; die bei solchen Gelegenheiten übliche Rückschau gibt es – wie jüngst angekündigt – schon jetzt, während der 9. Jahrgang noch in vollem Gange ist.

Insgesamt gab es bisher 325 Bewerbungen. Im Schnitt sind das reichlich 36 pro Jahr, doch wie es häufig bei Durchschnittswerten so ist, entspricht ihm die Zahl der Bewerbungen in keinem Jahr auch nur annähernd: Entweder gingen deutlich über 40 oder knapp unter 30 Anträge ein, ohne erkennbare Tendenz. Die Internationalität manifestiert sich in den ca. 50 vertretenen Ländern: Das reicht alphabetisch von Ägypten bis Zypern, geographisch von Neuseeland über Thailand, Japan, China, Usbekistan, Saudi-Arabien, Kamerun, Marokko, ganz Europa bis in alle Teile Amerikas. Bei weitem die meisten Bewerbungen kommen dabei aus Europa: einzelne aus Ländern wie Belgien, Bulgarien, Litauen, Norwegen, mehrere bis viele aus Ländern von (nun wieder geographisch) Finnland bis Irland, jedes Jahr aus Großbritannien, Russland, Italien und Polen. Vergleichbar vertreten sind darüber hinaus nur die USA. Eine detaillierte Übersicht folgt hier nicht, denn genaue Zahlen würden wegen der besonders auch im wissenschaftlichen Bereich stark zunehmenden internationalen Mobilität keine exakte Anschauung geben: Der Wirkungs- und damit Wohnort wechselt zuweilen schneller, als das beantragte Stipendium angetreten sein kann, und entspricht in noch wesentlich mehr Fällen nicht dem Herkunftsland nach Geburt. Unter Berücksichtigung dieser und der Nationalitäten ergäbe sich ein noch bunteres Bild.

Von 2009 bis 2016 wurden an der Staatsbibliothek 55 Stipendien gewährt, 94 Monate Aufenthalt insgesamt finanziert. Ungefähr gleich häufig waren ein- und zweimonatige Stipendien, die maximal mögliche Stipendiendauer von 3 Monaten ist relativ selten. Das hat seinen Grund zum einen darin, dass nicht immer die volle beantragte Zeit gewährt wird, um mehr Personen eine finanzielle Förderung zukommen zu lassen. Zum anderen werden oft nur einzelne Monate beantragt – weil ein längerer Auslandsaufenthalt beruflich oder privat schwer zu organisieren wäre, oder auch, weil das Projekt schon so gut vorbereitet ist, dass vor Ort eine klar umrissene, innerhalb einer kurzen Frist zu realisierende Aufgabe geplant wird.

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Kategorie A / B

24 Stipendien für Promovenden (Kategorie A) stehen 31 Stipendien für Promovierte (Kategorie B) gegenüber. Auch bei den Bewerbungen überwiegt Kategorie B deutlich. Das lässt sich leicht aus dem höheren Grad der Spezialisierung postdoktoraler und professoraler Forschung gegenüber der Promotion erklären, organisatorische Gründe kommen hinzu.

 

 

 

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016 nach Geschlecht

 

 

Eine andere Proportion mag überraschen: Bisher gab es 37 Stipendiatinnen und 18 männliche Stipendiaten. Auch bei den Bewerbungen liegt das weibliche Geschlecht vorn, allerdings nicht mit solch deutlichem Abstand, und nicht von Anfang an. Über Spekulationen hinausgehende Erklärungen kann ich für dieses Phänomen nicht finden; bibliothekspolitisch gewollt ist es jedenfalls keineswegs.

 

 

 

Die Forschenden kamen aus 18 verschiedenen Ländern; die meisten aus Polen (14), Italien (10), den USA (7), Großbritannien (5) und Russland(4):

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: Länderstatistik

 

Welche Materialien sind nun besonders gefragt?

Häufig die Bestände unserer Sonderabteilungen: Natürlich die unikalen Handschriften und Nachlässe. Spezielle Sammlungen wie Gesangbuch- und Librettosammlung, herausragende Sondermaterialien wie Inkunabeln, Flugschriften, historische Zeitungen und Karten. Spezielle Bereiche wie Mendelssohn-Archiv und Humboldt-Projekt. Großes Interesse gilt aber auch in besonderer Dichte vertretenen thematischen Segmenten des Hauptbestandes.

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden Projekte zur Germanistik und zur deutschen Geschichte und Kultur im weiten Sinne. Das überrascht nicht; eher schon, dass sich unter den „Germanica“ eine in der DDR herausgegebene griechische Zeitschrift (Pyrsosbefindet, und dass die Germanistik bis zu einem digitalen Editionsvorhaben einer oberdeutschen handschriftlichen Überlieferung eines mittelniederländischen Textes reicht.

Einige weitere Beispiele aus dem breiten Spektrum behandelter Themen: Untersucht wurden u.a. graphische Gestaltungsprinzipien der preußischen topographischen Kartenwerke aus der Regierungszeit Friedrichs II., die Geschichte des deutschen Stadttheaters in Danzig 1801 – 1841, die Verbreitung der Kopernikanischen Revolution durch Kalender und Astrologie, die Rolle der nationalpolitischen Erziehungsanstalten im Dritten Reich, französisch-mongolische diplomatische Beziehungen im Hinblick auf eine Allianz gegen die muslimischen Staaten, Buchdesign und visuelles Erzählen in Bilderbüchern weltweit, burmesische Grammatiken des Pali, die Frage der Bestrafung von NS-Kriegsverbrechen und die polnische Exilregierung.

Alle Abteilungen der Staatsbibliothek hatten bereits stipendiatische Gäste. Die Verteilung der Betreuung auf die einzelnen Abteilungen stellt sich wie folgt dar:

SPK-Stipendien an der SBB 2009 – 2016: betreuende Abteilung

So anschaulich dieses Diagramm ist, so unvollständig ist es doch in seiner Aussage. Unsichtbar bleiben die vielfältigen Interaktionen und Mehrfachnutzungen. Etwa durch die Dostojewski-Forscherin in der Osteuropaabteilung, die zur Untersuchung der ersten deutschen Gesamtausgabe des russischen Schriftstellers Exemplare auch im Rara-Bestand der Abteilung Historische Drucke und im Hauptbestand heranzieht und außerdem den Nachlass von deren Herausgeber Arthur Moeller van den Bruck in der Handschriftenabteilung konsultiert. Oder der Buchhistoriker, der die Herausbildung illustrierter Reiseführer von handschriftlichen Formaten über Inkunabeln bis zu Drucken ab dem 16. Jahrhundert neben der Handschriftenabteilung in der Abteilung Historische Drucke verfolgt und begleitend die Kartenabteilung aufsucht. Noch unerwarteter: Für eine Arbeit zu den Liedkompositionen Johanna Kinkels war nicht die Musikabteilung primäre Anlaufstelle, sondern die Zeitungsabteilung – auf Grundlage der zeitgenössischen Berliner und preußischen Presse sollte die Rolle der Komponistin und Dichterin in der Berliner Öffentlichkeit rekonstruiert werden. Begleitend wird in allen Fällen ein gut ausgebauter Hauptbestand mit Grundlagenwerken und spezialisierter Sekundärliteratur benötigt.

Eine Rolle kommt der betreuenden Abteilung dennoch zu: Sie stellt eine Kontaktperson zur fachlichen und organisatorischen Unterstützung ihres Schützlings, die bei der Kontaktaufnahme zu anderen Abteilungen und Institutionen hilft und – der wichtigste Beitrag zur Wahrnehmung der Stipendienaufenthalte in der Öffentlichkeit – ein Werkstattgespräch des Gastes im Rahmen der Wissenswerkstatt organisiert. Im Archiv der Wissenswerkstatt  sind die Ankündigungen mit Abstract auch späterhin enthalten. Nicht alle Stipendienprojekte lassen sich hier jedoch aufspüren, denn nicht immer gelingt es, solch ein Werkstattgespräch zu organisieren: sei es aufgrund eines nur kurzen Aufenthaltes, sei es wegen der Sommerpause in dieser Veranstaltungsreihe. In wenigen Fällen wird das Projekt in anderem Rahmen präsentiert: Ein besonders schönes Beispiel ist das der Klavierprofessorin, die Lieder des eher als Völkerrechtler bekannten Albrecht Mendelssohn Bartholdy zur Edition vorbereitete und diese zum Abschluss in einem Vortrags-Konzert der Mendelssohn-Gesellschaft kontextualisierte und zusammen mit einer Sängerin zu Gehör brachte.

Seit die SBB ein Blog betreibt, also seit Oktober 2015, hinterlässt das Stipendienprogramm auch hier seine Spuren: zum einen mit der Ankündigung von Werkstattgesprächen im Rahmen unserer Wissenswerkstatt, zum anderen durch die ersten Gastbeiträge von Stipendiaten zu ihren Forschungsprojekten. Wenn im Laufe der Zeit hier immer mehr dieser Beiträge entstehen, bekommen wir einen schönen Überblick über die im Rahmen des Stipendienprogramms beforschten Themen.

 

Grundsätzliches zum Stipendienprogramm finden Sie im Beitrag Researchers from all over the world welcome!

 

Logo des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Werkstattgespräch am 21.9.

Wissenswerkstatt

Esperanto – eine Sprache, die begeistert. Zur Kultur und Geschichte einer unterschätzten Weltsprache

Werkstattgespräch mit Fritz Wollenberg, Esperanto-Liga Berlin
Donnerstag, 21. September 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Esperanto-Sprachgemeinschaft hat in 130 Jahren nicht nur die Sprache selbst weiterentwickelt, auch eine vielfältige Esperanto-Kultur ist entstanden. Längst hat sie dabei unter Beweis gestellt, dass Esperanto eine Sprache ist, die sich für die internationale Kommunikation eignet.

Welche Besonderheiten hat diese internationale Plansprache? Was sind ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln? Wer lernt Esperanto, und wie wird es verwendet? Welche kulturellen Leistungen hat die Esperanto-Sprachgemeinschaft hervorgebracht?

Für eine Kultur, deren Existenz in der Öffentlichkeit immer wieder bestritten oder unterschätzt wird, hat die Esperanto-Kultur erstaunlich viel zu bieten:

den Esperanto-Weltbund (Rotterdam) mit 72 Landesverbänden, die Sammlung für Plansprachen der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, das Deutsche Esperanto-Institut mit der Deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen, die jährlichen Esperanto-Weltkongresse in verschiedenen Ländern, Kulturfestivals wie ARKONES in Poznań, die Esperanto-Akademie, die Literarische Esperanto-Akademie, das Esperanto-PEN-Zentrum, die Esperanto-Wikipedia, Web-Seiten wie Lernu!net, Apps wie Amikumu, die Esperanto-Redaktion von Radio China International, das Polnische Internet-Radio in Esperanto,  Verlage wie Edistudio in Pisa und Sezonoj in Kaliningrad und so weiter, und so weiter.

Fritz Wollenberg, Pädagoge und Kenner der Sprache und ihrer Kultur, wird sich in seinem Vortrag auf  eine Auswahl von Esperanto-Publikationen aus dem reichhaltigen Bestand,  darunter der Esperanto-Sondersammlung, der Staatsbibliothek zu Berlin beziehen, und natürlich auf die von ihm zusammengestellten zweisprachigen (Esperanto und Deutsch) Jubiläumsbücher der Esperanto-Liga Berlin (2006) und des Esperanto-Verbands Berlin-Brandenburg (2017):

„Esperanto – Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg“, Mondial-Verlag, New York, Berlin.

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Internationale Konferenz DCH 2017 vom 30.8.-1.9.

Interdisziplinäre Konferenz über die digitale Transformation des kulturellen Erbes vom 30. August bis 1. September 2017

Nach 2015 findet die Interdisciplinary Conference on Digital Cultural Heritage wiederum in den Veranstaltungsräumen der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Sie wird in enger Kooperation der Kartenabteilung mit CODATA Germany und weiteren Partnern aus der Kartographie durchgeführt. Die digitale Transformation des kulturellen Erbes wird nicht durch die zeit- und ortsunabhängige Bereitstellung gescannter Bilder erreicht, sondern durch die konsequente Anwendung neuer Technologien und innovativer Bearbeitungsmethoden. Der interdisziplinäre Ansatz spielt hierbei eine übergeordnete Rolle, was durch die Fokussierung auf die Kartographie verdeutlicht wird: Karten werden von allen Wissenschaften, die räumliche Wirkungen und Muster untersuchen, benötigt. Geoportale, Webmapping, 3D Clouds, Semantik oder Toponomastik sind nur wenige Schlagworte, die auf die breite Anwendungsvielfalt hinweisen.