Beiträge, die auch im Stiftungskontext Relevanz haben können.

Sie haben jetzt das Nachsehen – unser Podiumsgespräch zum kreativen Potential von Bibliothekslesesälen nun auch auf Video

Autoren schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden. Mit dieser pointierten Kurzformel sensibilisiert der französische Buchhistoriker Roger Chartier dafür, dass Texte erst in Druckereien, Verlagen, Buchhandlungen und gleichermaßen an der Ladenkasse sowie in Feuilleton und Lesesessel zu Büchern gemacht werden. Doch sind nicht auch wissenschaftliche ebenso wie literarische Texte – ganz im Sinne der critique génétique – das Produkt sozialer Beziehungssysteme?

Dieser Frage, die letztlich auf die Dekonstruktion des romantischen Geniekults und zumindest auf die Relativierung der Vorstellung vom schöpferischen Individuum zielt, ging am vergangenen Dienstag ein prominent besetztes Podium nach. Auf diesem nahmen neben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin und Moderatorin des Gesprächs, die folgenden Gäste aus Wissenschaft, Literaturbetrieb und Berliner Gründerszene Platz:

  • Anke te Heesen
    (Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Martina Löw
    (Professorin für Planungs- und Architektursoziologie an der Technischen Universität Berlin)
  • Judith Schalansky
    (Freie Schriftstellerin und Buchgestalterin)
  • Lea Schneider
    (Lyrikerin, Übersetzerin und Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13)
  • Tobias Kremkau
    (Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit)
  • Stephan Porombka
    (Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin)

Strukturiert wurde das gemeinsame öffentliche Nachdenken von der Leitthese, Bibliothekslesesäle seien gerade aufgrund ihrer charakteristischen Gleichzeitigkeit von Konzentration und Austausch Räume der Kreativität und gewissermaßen Coworking Spaces avant la lettre. Dabei kamen die disziplinierenden Effekte des Schreibens in Gemeinschaft und durchaus auch in Konkurrenz zu den übrigen Anwesenden ebenso zur Sprache wie die schöpferischen Impulse aus bloßem Zufall gepflückter Lesefrüchte. Sind Lesesäle ausschließlich Räume textueller bzw. buchbezogener Kreativität? Oder können sie auch künstlerische Schaffensprozesse stimulieren?

Als Schutzpatron schwebte jedenfalls von den ersten Minuten an Michel Foucault über der Diskussion – und dies keineswegs nur mit Blick auf die angesprochenen Aspekte von Disziplinierung und Selbstregulierung. Denn einig war sich das gesamte Podium in der Einschätzung, dass Bibliothekslesesälen oder anderen nichtkommerzialisierten, mit kulturellen Bedeutungsgehalten aufgeladenen und insofern inspirierenden gesellschaftlichen Gegenräumen – Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von “Heterotopien” bzw. “lokalisierten Utopien” – auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung eine große Zukunft beschieden ist.

Bereits in naher Zukunft – dies sei Ihnen mit Freude beschieden – wird ein Videomitschnitt des Gesprächsabends auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht. Ganz gleich, ob Sie sich die Aufzeichnung im Lesesaal oder im Coworking Space, alleine oder in Gesellschaft ansehen: Wir wünschen anregende Unterhaltung!

Um Ihnen bis dahin die Wartezeit etwas zu verkürzen, möchten wir Ihnen zum Schluss noch einige Ap­pe­tit­häp­pchen bzw. Gus­to­stü­ckerl servieren – in Form von O-Tönen, die wir in Hans Scharouns Leselandschaft, dem ikonischen Lesesaal unseres Hauses Potsdamer Straße, für Sie erlauscht haben:

 

„Vor dem Hintergrund meiner zwei liebsten Vorbilder stelle ich mir mit einiger Verzweiflung die Frage – und sitze dabei als winziger Mensch in der Stabi zwischen Hunderten, die in ihren Laptops und Büchern vergraben tätig sind und anscheinend schon irgendeinen Leitfaden für ihre Arbeit gefunden haben, und raufe mir die Haare, was nur sieht, wer aufschaut – wie, frage ich mich, bringt man um alle Welt den Eifer auf, wirklich gut zu schreiben? Und wie verwandelt man ihn in die Praxis?“ (Ann Cotten)

 

„Meine letzten beiden Bücher sind zum größten Teil in der Berliner Staatsbibliothek am Potsdamer Platz entstanden. So ist mir diese Bibliothek zu einem fast mystischen Ort geworden, jenem nämlich, wo schon zweimal etwas Großes, Schweres gelungen ist. […]

Inzwischen halte ich öffentliche Bibliotheken für den perfekten, den logischen und naturgemäßen Arbeitsplatz für Schriftsteller. […]

Ich liebe die Stabi, mit geringeren Worten kann ich es nicht sagen. Sie ist mein Ruhe- und mein Kraftzentrum, die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Konzentration, aus Unpersönlichkeit und Geborgenheit, aus Lust, Sucht und Qual.“ (Eva Menasse)

 

„Undenkbar, dass ich ohne diesen Ort auch nur eines meiner Bücher geschrieben hätte. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht hierher begebe.“ […]

Manchmal schiele ich auf den Nachbartisch, lese die abenteuerlich anmutenden Arbeitstitel der im Entstehen begriffenen Forschung und ertappe mich dabei zu überlegen, wer das alles lesen soll. Doch […] dann […] weiß ich wieder, dass das letztendlich gar nicht so wichtig ist. Die Hauptsache ist, dass wir weitermachen. Hier, in der Staatsbibliothek.“ (Judith Schalansky)

 

„Morgens fahre ich zum Arbeiten meist in die Staatsbibliothek, weil ich mich dort besser konzentrieren kann als zu Hause, da schmiere ich mir nur immer zu viele Brote zwischen dem Schreiben oder wasche Wäsche. […]

„Verena sagt, es gibt viele von uns hier, Schriftstellerinnen.“ (Stefanie de Velasco, in: Zitty 2017/33, S. 78)

 

 

E.T.A. Hoffmann (links) und Ludwig Devrient im Weinkeller von Lutter & Wegner in Berlin (um 1900) © bpk | Ingo Schulze © Gaby Gerster

Festveranstaltung zum Launch des E.T.A. Hoffmann Portals am 12.12.

Festveranstaltung zum Launch des E.T.A. Hoffmann Portals am 12.12.

  • Termin

    Di, 12. Dezember 2017
    17.30 Uhr

  • Veranstaltungsort

    Staatsbibliothek zu Berlin
    Otto-Braun-Saal
    Potsdamer Straße 33
    10785 Berlin

    Eintritt frei, Anmeldung erbeten

  • Anfahrt

    S + U Potsdamer Platz

    Bushaltestelle
    H Potsdamer Brücke (Bus M29)
    H Varian-Fry-Straße (Bus 200)
    H Kulturforum (Bus M48)

  • Alle Veranstaltungen

    Klicken Sie auf den obigen Link um sich weitere Veranstaltungen anzeigen zu lassen.



E.T.A. Hoffmann (links) und Ludwig Devrient im Weinkeller von Lutter & Wegner in Berlin (um 1900) © bpk | Ingo Schulze © Gaby Gerster


Seit Dezember 2016 ist das E.T.A. Hoffmann Portal in einer Betaversion online – Zeit, es endlich in die Vollversion umzuwandeln! Dieses Ereignis feiern wir am 12. Dezember 2017 um 17.30 Uhr in einer Festveranstaltung.

Sie sind herzlich eingeladen!

Zur Anmeldung

12. Dezember 2017
Beginn: 17.30 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Otto-Braun-Saal
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Programm

Grußworte
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
Bettina Wagner, Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg
Jörg Petzel, Vizepräsident der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft

Das E.T.A. Hoffmann Portal - Ein Angebot für Forschung, Lehre und Kultur

Das neue Webportal zur Künstlerpersönlichkeit E.T.A. Hoffmann ist ein facettenreiches Angebot für Forschung, Lehre und Bildung. Hierin werden die Sammlungen der Staatsbibliotheken Berlin und Bamberg sowie weiterer Einrichtungen virtuell zusammengeführt – dazu gehören beispielsweise illustrierte Buchausgaben, Autographe und juristische Akten, aber auch Buchobjekte und Gemälde. Mit der datenbankübergreifenden Suche können Fachliteratur und Quellenmaterialien von und zu Hoffmann ortsunabhängig recherchiert werden. Zudem ist das Portal eine zentrale Plattform für Fakten und Informationen rund um den Künstler und sein Umfeld, die durch interaktive Elemente und Datenvisualisierungen neue Zusammenhänge sichtbar macht.

In einer Kurzpräsentation stellen Ursula Jäcker und Christina Schmitz die wesentlichen Funktionen des Portals vor, weisen auf besondere Highlights hin und berichten über den aktuellen Stand des Projekts und Planungen für die weitere Entwicklung.


Ursula Jäcker und Christina Schmitz, Projektleitung

Zwischen Theorie und Philologie. Aktuelle Tendenzen der E.T.A. Hoffmann-Forschung

In ihrem Kurzvortrag unternimmt Prof. Dr. Claudia Liebrand einen kleinen Streifzug durch die relevantesten Publikationen der letzten Jahre zu E.T.A. Hoffmann. Claudia Liebrand ist Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft und Medientheorie an der Universität zu Köln. Gemeinsam mit Hartmut Steinecke, Harald Neumeyer und Kaltërina Latifi gibt sie das E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch heraus.


Claudia Liebrand, Herausgeberin des E.T.A. Hoffmann-Jahrbuchs (Universität Köln)

Literarische Quellen online: Ein kleiner Rundgang durch die Welt der Digitalen Edition

Das Edieren von Texten – historischer, aber auch literatur- und sprachwissenschaftlicher Quellen und Dokumente – zählt zum “Kerngeschäft” verschiedener geisteswissenschaftlicher Disziplinen. Im Zuge der Digitalen Transformation hat es einen grundlegenden Wandel erfahren: Quellen – Faksimiles, aber auch Lesefassungen und verschiedene Textstufen – können heute digital erschlossen, online verfügbar und interaktiv nutzbar gemacht werden. Dabei werden wir Rezipienten zunehmend von “LeserInnen” zu “NutzerInnen”. Der Kurzvortrag erläutert an verschiedenen ausgewählten Beispielen, Portalen und Funktionen das Potential solcher digitalen Editionen und wirft einen Blick auf die Herausforderungen und Perspektiven, die uns die vielberufenen “Digital Humanities” heute eröffnen.

Sibylle Söring studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Als Projektmitarbeiterin und Koordinatorin im Forschungsverbund TextGrid war sie an der Schaffung einer virtuellen Forschungsumgebung für Geistes- und Kulturwissenschaften beteiligt. Zudem betreute sie digitale Editionsprojekte zu Theodor Fontanes Notizheften und zu Johann Friedrich Blumenbach. Derzeit arbeitet sie am Center für Digitale Systeme der FU Berlin am Aufbau einer Digital-Humanities-Infrastruktur.

Sibylle Söring / Copyright: Jasper Ian Bray


Sibylle Söring (Center für Digitale Systeme der Freien Universität Berlin)

Musik
Eine Auswahl aus den ‘Duettini italiani’ (WV 67) von E.T.A. Hoffmann
Susanne Henschel (Violine), Jorma Lünenbürger (Cello), Maximilian Kleinert (Piano)

Von Künstlern und Dämonen

Ingo Schulze ist einer der renommiertesten deutschen Autoren seiner Generation. Sein Debüt ›33 Augenblicke des Glücks‹ (1995) wurde mit Begeisterung aufgenommen, einzelne Erzählungen wurden im New Yorker abgedruckt. ›Simple Storys‹ (1998) war ein spektakulärer Erfolg und ist Schullektüre. Für ›Handy‹ (2007) wurde er mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet, für ›Neue Leben‹ (2005) mit dem Joseph-Breitbach-Preis. Sein Werk wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Im September 2017 erschien sein neuer Roman ›Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst‹.

In Ingo Schulzes Werk ist E.T.A. Hoffmann sehr präsent, seien es Handlungsorte wie Dresden oder St. Petersburg, hoffmanneske Erzählfiguren wie Enrico Türmer oder die Teufelsgestalt Clemens von Barrista im Roman ›Neue Leben‹ oder der fiktive Herausgeber – E.T.A. Hoffmann scheint – mal mehr, mal weniger offensichtlich – in Ingo Schulzes Werken hervor.

Im Gespräch erzählt der Autor von seiner Faszination für E.T.A. Hoffmann und dessen Relevanz für die Gegenwartsliteratur. Er spricht über seine Neuerscheinung ›Peter Holtz‹ und liest Passagen aus seinen Werken vor, die den Einfluss von E.T.A. Hoffmann erkennen lassen.

Ingo Schulze | Copyright: Gaby Gerster


Lesung und Gespräch mit dem Autor Ingo Schulze über E.T.A. Hoffmann
Kleiner Empfang
Weinhandlung Lutter & Wegner


Rahmenprogramm

Büchertisch der Nicolai’schen Buchhandlung

Kleine Ausstellung ausgewählter Hoffmanniana

PC-Stationen zum Stöbern im E.T.A. Hoffmann Portal

Das E.T.A. Hoffmann Portal ist ein Dienst der Staatsbibliothek zu Berlin in Zusammenarbeit mit:

Schlagworte: , , ,

Im Schreibkollektiv der Einzelnen – ein Podiumsgespräch zum kreativen Potential von Bibliothekslesesälen

Autoren schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden. Mit dieser pointierten Kurzformel sensibilisiert der französische Buchhistoriker Roger Chartier dafür, dass Texte erst in Druckereien, Verlagen, Buchhandlungen und gleichermaßen an der Ladenkasse sowie in Feuilleton und Lesesessel zu Büchern gemacht werden. Doch sind nicht auch wissenschaftliche ebenso wie literarische Texte – ganz im Sinne der critique génétique – das Produkt sozialer Beziehungssysteme?

Dieser Frage, die letztlich auf die Dekonstruktion des romantischen Geniekults und zumindest auf die Relativierung der Vorstellung vom schöpferischen Individuum zielt, ging am vergangenen Dienstag ein prominent besetztes Podium nach. Auf diesem nahmen neben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin und Moderatorin des Gesprächs, die folgenden Gäste aus Wissenschaft, Literaturbetrieb und Berliner Gründerszene Platz:

  • Anke te Heesen
    (Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Martina Löw
    (Professorin für Planungs- und Architektursoziologie an der Technischen Universität Berlin)
  • Judith Schalansky
    (Freie Schriftstellerin und Buchgestalterin)
  • Lea Schneider
    (Lyrikerin, Übersetzerin und Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13)
  • Tobias Kremkau
    (Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit)
  • Stephan Porombka
    (Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin)

Strukturiert wurde das gemeinsame öffentliche Nachdenken von der Leitthese, Bibliothekslesesäle seien gerade aufgrund ihrer charakteristischen Gleichzeitigkeit von Konzentration und Austausch Räume der Kreativität und gewissermaßen Coworking Spaces avant la lettre. Dabei kamen die disziplinierenden Effekte des Schreibens in Gemeinschaft und durchaus auch in Konkurrenz zu den übrigen Anwesenden ebenso zur Sprache wie die schöpferischen Impulse aus bloßem Zufall gepflückter Lesefrüchte. Sind Lesesäle ausschließlich Räume textueller bzw. buchbezogener Kreativität? Oder können sie auch künstlerische Schaffensprozesse stimulieren?

Als Schutzpatron schwebte jedenfalls von den ersten Minuten an Michel Foucault über der Diskussion – und dies keineswegs nur mit Blick auf die angesprochenen Aspekte von Disziplinierung und Selbstregulierung. Denn einig war sich das gesamte Podium in der Einschätzung, dass Bibliothekslesesälen oder anderen nichtkommerzialisierten, mit kulturellen Bedeutungsgehalten aufgeladenen und insofern inspirierenden gesellschaftlichen Gegenräumen – Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von “Heterotopien” bzw. “lokalisierten Utopien” – auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung eine große Zukunft beschieden ist.

Bereits in naher Zukunft – dies sei Ihnen mit Freude beschieden – wird ein Videomitschnitt des Gesprächsabends auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht. Ganz gleich, ob Sie sich die Aufzeichnung im Lesesaal oder im Coworking Space, alleine oder in Gesellschaft ansehen: Wir wünschen anregende Unterhaltung!

Um Ihnen bis dahin die Wartezeit etwas zu verkürzen, möchten wir Ihnen zum Schluss noch einige Ap­pe­tit­häp­pchen bzw. Gus­to­stü­ckerl servieren – in Form von O-Tönen, die wir in Hans Scharouns Leselandschaft, dem ikonischen Lesesaal unseres Hauses Potsdamer Straße, für Sie erlauscht haben:

 

„Vor dem Hintergrund meiner zwei liebsten Vorbilder stelle ich mir mit einiger Verzweiflung die Frage – und sitze dabei als winziger Mensch in der Stabi zwischen Hunderten, die in ihren Laptops und Büchern vergraben tätig sind und anscheinend schon irgendeinen Leitfaden für ihre Arbeit gefunden haben, und raufe mir die Haare, was nur sieht, wer aufschaut – wie, frage ich mich, bringt man um alle Welt den Eifer auf, wirklich gut zu schreiben? Und wie verwandelt man ihn in die Praxis?“ (Ann Cotten)

 

„Meine letzten beiden Bücher sind zum größten Teil in der Berliner Staatsbibliothek am Potsdamer Platz entstanden. So ist mir diese Bibliothek zu einem fast mystischen Ort geworden, jenem nämlich, wo schon zweimal etwas Großes, Schweres gelungen ist. […]

Inzwischen halte ich öffentliche Bibliotheken für den perfekten, den logischen und naturgemäßen Arbeitsplatz für Schriftsteller. […]

Ich liebe die Stabi, mit geringeren Worten kann ich es nicht sagen. Sie ist mein Ruhe- und mein Kraftzentrum, die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Konzentration, aus Unpersönlichkeit und Geborgenheit, aus Lust, Sucht und Qual.“ (Eva Menasse)

 

„Undenkbar, dass ich ohne diesen Ort auch nur eines meiner Bücher geschrieben hätte. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht hierher begebe.“ […]

Manchmal schiele ich auf den Nachbartisch, lese die abenteuerlich anmutenden Arbeitstitel der im Entstehen begriffenen Forschung und ertappe mich dabei zu überlegen, wer das alles lesen soll. Doch […] dann […] weiß ich wieder, dass das letztendlich gar nicht so wichtig ist. Die Hauptsache ist, dass wir weitermachen. Hier, in der Staatsbibliothek.“ (Judith Schalansky)

 

„Morgens fahre ich zum Arbeiten meist in die Staatsbibliothek, weil ich mich dort besser konzentrieren kann als zu Hause, da schmiere ich mir nur immer zu viele Brote zwischen dem Schreiben oder wasche Wäsche. […]

„Verena sagt, es gibt viele von uns hier, Schriftstellerinnen.“ (Stefanie de Velasco, in: Zitty 2017/33, S. 78)