Orientalischer Lesesaal der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin. Gotthold Eljakim Weil, 1924.

Antisemitismusprävention in Bibliotheken stärken: Neues Projekt startet

Wie können wissenschaftliche Bibliotheken Antisemitismus erkennen, Betroffene unterstützen und Mitarbeitende im Umgang mit Vorfällen stärken? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neues Projekt zur Antisemitismusprävention, das im April an den Start gegangen ist.

Antisemitismus ist ein vielfältiges und anhaltendes Problem. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den nachfolgenden Kriegen in der Region wächst die Bereitschaft zu antisemitischer Diskriminierung auch in Berlin – und leider auch in Kultur- und Wissenseinrichtungen. Schmähpropaganda, Vandalismus und persönliche Auseinandersetzungen in Bibliotheken stellen uns vor die Herausforderung, Nutzende besser zu schützen und Service-Personal nicht allein zu lassen.

Doch wann handelt es sich eigentlich um Antisemitismus? Wer befasst sich schon mit dem Phänomen und wo gibt es bereits Wissen zum Umgang mit seinen Erscheinungsformen? Welche Bedarfe haben die Betroffenen – und was brauchen unsere Kolleg:innen, die als erste Ansprechpartner:innen auf eindeutige und weniger eindeutige Vorfälle reagieren müssen?

Wir vernetzen uns mit Expert:innen, erarbeiten Handlungsstrategien und Monitoring-Systeme und werden ansprechbar.

Ziel des Projekts ist es, Mitarbeitende für Diskriminierungsformen weiter zu sensibilisieren und mehr Sicherheit im Umgang mit antisemitischen Vorfällen zu gewinnen. Neben der Vermittlung von Wissen stehen daher konkrete Handlungsmöglichkeiten im Mittelpunkt: Mitarbeitende sollen darin unterstützt werden, in problematischen Situationen sicher und angemessen reagieren zu können. Dabei verstehen wir das Engagement gegen Antisemitismus als gemeinsame Aufgabe der gesamten Institution Stabi.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der strukturierten Dokumentation und Analyse von Vorfällen. Nur auf der Grundlage einer systematischen Erfassung und Auswertung antisemitischer Vorfälle kann untersucht werden, ob und in welcher Form Antisemitismus im Bibliothekskontext auftritt, welche Entwicklungen sich beobachten lassen – und welche Maßnahmen erforderlich sind.

Darüber hinaus sollen Betroffene niedrigschwellige Beschwerde- und Beratungsmöglichkeiten erhalten. Das Projekt versteht sich dabei ausdrücklich als Beitrag zu einer diskriminierungssensiblen und respektvollen Bibliotheks- und Arbeitskultur.

Die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt sollen im Rahmen einer Fachtagung für die deutschsprachige Bibliotheken-Community vorgestellt und diskutiert werden.
Weitere Informationen zu Termin und Programm folgen.

Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft EVZ.

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