Fred Rodrian – Vater, Schriftsteller, (Chef-)Lektor, Verlagsleiter
Ein Festabend zum 100. Geburtstag
„Ihr wollt ein bisschen über mich wissen. In Berlin wurde ich geboren. Das war am 14.7.1926. Als kleiner Junge war ich still und schüchtern. Meine Mutter sagte immer: ,Was sieht der Junge spillrig aus!‘ Wenn die großen Jungen beim Bäckermeister Kuchenkanten erbettelten oder beim Fleischer Wurstzipfel, dann nahmen sie mich mit, um mit mir recht bedürftig auszusehen“, …
… so stellte sich Fred Rodrian (gesprochen von Steffen Schott) zu Beginn der szenischen Lesung am 14. Oktober 2026 vor.
Als Erwachsener wandte sich Rodrian der Kinderliteratur zu. Dass er, der doch eigentlich als Lektor arbeitete, auch selbst zum Bilderbuchautor wurde, beschrieb er wie folgt:
„Ich las Grimm rauf und runter, las Bilderbücher vor, erzählte auch Geschichten, in denen die flink erdachten Helden sich schließlich die Zähne putzten, die Hälse wuschen oder ähnliche Erziehungsziele demonstrierten. Eines Abends sagte die Tochter mit fester Stimme, dass sie eine Geschichte wolle, die es nicht gibt. Das Pädagogische war damit fortgewiesen, das Agogische offenbar gewünscht – aber wie?“
Produkt der fantasievollen abendlichen Erzählungen, die darauf folgten, war schließlich die Geschichte vom Wolkenschaf. Der Verleger Alfred Holz, dem er den Text anonym, über einen gemeinsamen Freund vermittelt, anbot, urteilte:
„Wirklich, es ist schlechtweg reizend und, von ganz winzigen Kleinigkeiten abgesehen, die mir aufgefallen sind, hübsch und frisch erzählt. Beinahe jeder unserer DDR-Kinderbuch-Autoren könnte sich da eine Scheibe abschneiden!
Der Pionierverband fehlt zwar, doch das macht ja weiter nichts; er würde auch in die Atmosphäre gar nicht hineinpassen. […] Den Autor müsste man ermuntern, bei der Stange zu bleiben.“
Die Texte und Briefe, aus denen Diana Johanns kenntnisreich die szenische Lesung zusammengestellt hatte, waren kurzweilig und vermittelten einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Kinderbuchproduktion der DDR. Die kreativen Interpretationen der vertonten Gedichte von Peter Hacks, einem engen Freund Rodrians, die Andreas Arend (Gitarre und Gesang) vortrug, passten thematisch hervorragend und rundeten diesen Teil des Abends virtuos ab.
Frau Prof. Eva Maria Kohl trat mit ihrem darauf folgenden Vortrag gewissermaßen noch einmal einen Schritt zurück, indem sie einen sehr guten Überblick über die Entwicklung der DDR-Kinderliteratur gab und auf deren Besonderheiten bzw. das Besondere am Werk Rodrians hinwies. Die mit Lebenszeugnissen und Werken Rodrians üppig befüllten Vitrinen, die Gelegenheit zum sofortigen Bücherkauf sowie die anschließenden Gespräche bei Wasser und Wein bildeten einen perfekten Abschluss für diesen „bunten Abend“ mit kulturellem und wissenschaftlichem Anspruch.
Ein herzlicher Dank für die Unterstützung in vielerlei Form geht in diesem Zusammenhang noch einmal an: Ulrike Rodrian, Gwendolyn Mertz-Jork und den Verein der Freunde der Staatsbibliothek, Prof. Eva Maria Kohl, Tobias Bank, Andreas Arend, Steffen Schott, Ulrich Lipka, Petra Newiger und Angelika Diekow.
Wenn Sie an weiteren Informationen zum Wirken und Werk Fred Rodrians interessiert sind, stehen Ihnen die folgenden Beiträge hier im Blog
Reden über Rodrian (Teil 1) – SBB aktuell
Reden über Rodrian (Teil 2) – SBB aktuell
Reden über Rodrian (Teil 3) – SBB aktuell
sowie eine Onlineausstellung zur Verfügung: „Hirsch Heinrich“ und vieles mehr: Fred Rodrian und die DDR-Kinderliteratur – SBB aktuell.
Werfen Sie auch gerne einen Blick in den Katalog der Staatsbibliothek und besuchen Sie uns im Lesesaal „Vivarium“, um die von Ihnen bestellte Kinder- und Jugendliteratur einzusehen.

SBB-PK/Putjenter





Elizabeth Shaw
SBB-PK



Ihr Kommentar
An Diskussion beteiligen?Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!