Mein Praktikum bei der Stadtbibliothek Baden-Baden: „Virtuelle Schnitzeljagd“ im Literaturmuseum

Von Mitte Juni bis Mitte Juli 2021 war es mir glücklicherweise möglich, ein Praktikum in der Stadtbibliothek Baden-Baden zu absolvieren, denn aufgrund der Pandemie-Situation sah es zunächst so aus, als müsse das für das zweite Lehrjahr der FaMI-Ausbildung vorgesehene Praktikum in einer öffentlichen Bibliothek ausfallen.

Neben den täglich anfallenden bibliothekarischen Aufgaben (Leihbetrieb, Bearbeiten von Neuzugang inklusive Katalogisierung, Auskunftsdienste) konnte ich an Veranstaltungen im Bereich der Kinderbibliothek mitwirken (Vorlese- und Spiel-Aktionen, Puppentheater) sowie am Bücherflohmarkt der Bibliothek. Dieser fand in kleinerem Umfang als sonst und unter Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen statt, lockte aber dennoch eine Vielzahl an Lesebegeisterten an.
Eine besonders spannende Aufgabe, der ich mich während meines Praktikums gemeinsam mit den FaMI-Auszubildenden der Stadtbibliothek Baden-Baden widmen durfte, war das Gestalten eines digitalen Begleitprogramms für das neu konzipierte Literaturmuseum der Bibliothek mit der App „Actionbound“.

Das Literaturmuseum wurde in den 1970er-Jahren gegründet und widmete sich zunächst dem Schriftsteller Otto Flake, dessen Nachlass sich im Besitz der Stadtbibliothek befindet. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde das Museum um Räume erweitert, die sich mit Leben und Werk weiterer Literaten befassten, die in Baden-Baden tätig waren. 2016 begann die Neukonzeption des Museums in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich Muße der Universität Freiburg. Aus der Projektarbeit sollte das „Muße-Literaturmuseum Baden-Baden“ hervorgehen, in dem sich das literarische Baden-Baden auf vielfältige Weise präsentiert. Das Museum wurde als interaktives „Buch“ mit vielen Kapiteln gestaltet, das sich mit vielen Sinnen erleben lässt: Sehen, Hören, Fühlen und (Be-)Greifen. Es befindet sich an der Stelle des ursprünglichen Literaturmuseums sowie in verschiedenen direkt in die Räumlichkeiten der Stadtbibliothek integrierten Bereichen. Die feierliche Eröffnung des Museums fand am 10. Oktober dieses Jahres statt.

Die Aufgabe, mit der ich mich im Rahmen des Muße-Literaturmuseums befasste, bestand darin, ausgewählte „Kapitel“ des Museums in die Form einer „virtuellen Schnitzeljagd“ zu überführen als Begleitprogramm für die Besucher*innen, wobei die App „Actionbound“ verwendet werden sollte. Die Stadtbibliothek Baden-Baden besitzt eine Lizenz für die App, da diese bei Bibliotheksführungen für Schulklassen gerne und oft auf vor Ort verfügbaren iPads zur Anwendung kommt.
Ich beschäftigte mich intensiv mit zwei der insgesamt 16 Museums-Kapitel bzw. -Themen, und zwar dem Kapitel mit dem Titel „Pfiffige Verleger, Männerzirkel und lesesüchtige Frauen“, in dem es um die Geschichte des literarischen Betriebs in Baden-Baden geht, und mit dem Kapitel „Die Literatur und das ES“, das sich unter anderem um den Mediziner Georg Groddeck und die Psychoanalyse in Baden-Baden dreht.

Die bereits ausformulierten Texte für die einzelnen Museumsbereiche mussten durchgesehen und darin enthaltene besonders spannende, kuriose oder lehrreiche Aspekte in der „Actionbound“-App als „Bound“ (= virtuelle Schnitzeljagd) präsentiert werden. Dabei boten sich verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten für die einzelnen Aufgaben an, von der Multiple Choice-Quizfrage über den Lückentext bis hin zum Abfotografieren bestimmter Orte innerhalb der Ausstellung. Die Aufgaben wurden zunächst linear angeordnet und sollten ein Publikum ab der neunten Klasse und aufwärts ansprechen. Das Gestalten der „Bounds“ funktionierte sehr intuitiv und die Arbeit mit den Begleittexten hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nach Fertigstellen meiner „Bounds“ testete ich diese direkt in der „Actionbound“-App (via QR-Code-Scan).

Während der Arbeit an den virtuellen Schnitzeljagden trafen sich die am Projekt Mitarbeitenden jede Woche, um gemeinsam Fortschritte, Probleme und Ideen zu besprechen. Dabei wurde unter anderem festgelegt, dass für die in den „Bounds“ verwendeten Abbildungen das Urheberrecht geklärt werden muss und die Bildquellen im Detail angegeben werden sollen. Für eine noch abwechslungsreichere Gestaltung wurde die Grafikdesign-Plattform „Canva“ genutzt, die auch für die Instagram-Posts der Stadtbibliothek Baden-Baden verwendet wird.

Unter anderem durch die spannende Projektarbeit in Zusammenhang mit dem Muße-Literaturmuseum konnte ich mir einen guten Eindruck von den vielfältigen Tätigkeitsbereichen innerhalb einer öffentlichen Bibliothek verschaffen, die weit über das Gewährleisten des Leihbetriebs hinausgehen. Für die (leider nur) kurze Dauer meines Praktikums fühlte ich mich „mittendrin“ im Bibliotheksgeschehen und sehr gut betreut vom kompetenten und sympathischen Team der Stadtbibliothek im malerischen Baden-Baden!

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