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Frauen in einer Männerdomäne – Druckerinnen im 16. Jahrhundert?

Unser vierter und (vorerst) letzter Beitrag zum Abschluss des Projektes VD16 digital ist den Frauen im Buchdruckgewerbe gewidmet. Obwohl die “Schwarze Kunst” seit Johannes Gutenberg fest in männlicher Hand lag, sind doch immer wieder weibliche Namen im Impressum zu lesen. Tatsächlich traten Frauen ganz offiziell bereits im 16. Jahrhundert als Druckerinnen auf. Sie wirkten als Ehefrauen im Handwerksbetrieb ihres Mannes mit, führten aber auch als Witwen die Offizin selbständig weiter.

Ein Beitrag von Evelyn Hanisch und Friederike Willasch.

Zwei Witwen in Nürnberg

Unser Beitrag rückt zwei Buchdruckerinnen des 16. Jahrhunderts ins Rampenlicht: Zum einen Kunigunde Hergot, die von 1524 bis 1547 im Buchdruckgewerbe überaus erfolgreich gewesen ist; zum anderen Katharina Gerlach (ca. 1520–1591), die unter dem Namen ihres dritten Ehemannes in die Forschung eingegangen ist. Beide Frauen übten das Handwerk in der Reichsstadt Nürnberg aus, die bereits 1525/1526 die Reformation eingeführt hatte. Beide Frauen waren aktiv daran beteiligt, den Namen ihrer Druckwerkstätten über die Stadtgrenzen hinweg bekannt zu machen. Beide Frauen waren auch selbständig in der Druckerei ihres jeweiligen Ehemannes tätig: Während Kunigunde Hergot im Laufe ihrer zweiten Ehe die Offizin insgesamt etwa zehn Jahre lang leitete, führte Katharina Gerlach erst nach dem Tod ihres dritten Ehemannes in den letzten 15 Jahren ihres Lebens das Geschäft eigenständig fort.

Kunigunde Hergot – eine der ersten selbständigen Druckerinnen

Buchdruckerinnen wurden häufig über ihre Ehen definiert – so auch zunächst Kunigunde Hergot. Sie war mit Hans Hergot verheiratet, der in den Jahren 1524 bis 1526 im Nürnberger Ämterbüchlein als Drucker mit zeitweise drei Druckergesellen und zwei Setzern aufgeführt ist. Sein buchdruckerisches Wirken endete jäh, als er am 20. Mai 1527 aus politischen Gründen auf dem Leipziger Marktplatz mit dem Schwert hingerichtet wurde. Seine Ehefrau Kunigunde versuchte noch Ende April sich beim Nürnberger Rat für ihren Ehemann einzusetzen – doch vergeblich. Der Name Hans Hergot wurde 1527 aus dem Nürnberger Ämterbüchlein gestrichen. Obwohl Kunigunde Hergot in der Folgezeit noch nicht im Ämterbüchlein eingetragen war, tritt sie dennoch erstmals als eigenständige Buchdruckerin in Nürnberg in Erscheinung.

Buchdruckerwerkstatt aus dem Ständebüchlein von Hans Sachs mit Holzschnitten von Jost Amman. Frankfurt am Main: Sigmund Feyerabend, 1574 (VD16 ZV 13547). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Die Offizin Hans Hergot

Kunigunde Hergots späteres Wirken wurde durch ihr Umfeld und die Druckerei ihres Ehemannes geprägt. Hans Hergot hatte sich von 1524 bis 1526 als bedeutendster frühreformatorischer Drucker Nürnbergs etabliert, der ausschließlich in deutscher Sprache druckte. In diesem Zeitraum brachte er insgesamt sechs Nachdrucke des in Wittenberg gedruckten Neuen Testaments in der Übersetzung Martin Luthers heraus, darunter 1524 eine mit Holzschnitten von Erhard Schön, Hans Sebald und Barthel Beham ausgestattete Ausgabe (VD16 B 4344). Er hatte eine Vielzahl der wichtigsten politischen Werke Luthers im Programm, einschließlich der Schriften gegen radikalere Reformationsströmungen wie die Flugschrift „Wider die himlischen Propheten“, die sich gegen die Täuferbewegung richtete. Auch Werke anderer Autoren der Reformationszeit wie Philipp Melanchthon oder Argula von Grumbach kamen aus seiner Presse. Von den nicht-lutherischen Reformationsvertretern findet sich allein Thomas Müntzer in seinem Verlagsprogramm.

In der Offizin Hergot wurden bis 1527 weit über 90 Drucke herausgegeben – davon wurden knapp zwanzig Drucke über das Projekt digitalisiert.

Kunigunde Hergot übernimmt die Offizin

Kunigunde Hergot, die ihren Mann schon während seiner Reisen in der Geschäftsführung vertreten hatte, übernahm die Offizin und führte sie zunächst alleine weiter. Im ersten Jahr ihres Schaffens sind fünf unfirmierte Drucke von ihr nachgewiesen, darunter zwei Ausgaben der „Historie Lienhart Keysers”, eines lutherischen Theologen, der 1527 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen hingerichtet worden war.

Ämterbüchlein und Kolophon: Nachweise einer Druckerin

Die Kolophone der ersten firmierten Drucke von Kunigunde Hergot bzw. Wachter im Jahr 1528 (VD16 W 4083 und E 4052). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Bereits 1528 sind sieben Drucke überliefert, in deren Kolophon der Name Kunigunde Hergot bzw. Kunigunde Wachter zu lesen ist. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Nachdem sie im Dezember 1527 ihren zweiten Ehemann Georg Wachter geheiratet hatte, firmierte sie nicht nur unter ihrem neuen Namen, sondern brachte auch weiterhin Werke unter ihrem Namen aus erster Ehe heraus. Und zwar obwohl ihr zweiter Ehemann schon zu Beginn ihrer Ehe die Offizin übernommen hatte. Im Nürnberger Ämterbüchlein wechseln sich Kunigunde und Georg Wachter als eingetragene Drucker bzw. Druckerin immer wieder ab. Von 1531 bis 1540 ist die „Wachterin“ durchgängig verzeichnet, während im Jahr 1541 ihr Name erst nachträglich gestrichen wurde. Sie hatte für mindestens zehn Jahre die Leitung der Offizin eigenständig übernommen.

Insgesamt sind 444 Drucke aus der Offizin Hergot/Wachter von 1527 bis 1547, dem Todesjahr Kunigundes, in der VD 16-Datenbank nachgewiesen.

Der Name Hergot als Qualitätsmerkmal

Es kann als Geschäftsstrategie ausgelegt werden, dass die Eheleute jeweils unter ihrem eigenen Namen publizierten. Der Name Hergot hatte sich offensichtlich auf dem Buchmarkt als Qualitätsmerkmal etabliert. Auch im Verlagsprogramm knüpfte Kunigunde Hergot/Wachter daher an die Erfolge ihres ersten Ehemannes an. So erschienen unter ihrem Namen etwa 20 Luther-Drucke wie z.B. „Die Auslegung des hundertelften Psalms“, „Wider die Antinomer“, eine Streitschrift Luthers gegen Johannes Agricola, „Vom Weihwasser“ oder die „Hochzeitpredigt über den Spruch zu den Hebräern“ sowie je eine Ausgabe des Alten und Neuen Testaments in der Übersetzung Luthers (VD16 ZV 1557 und ZV 1838). Gleichzeitig veröffentlichte sie auch Schriften von Autoren, die nicht die lutherische Linie vertraten, wie zum Beispiel das 1539 von Kaspar Schwenkfeld herausgegebene „Deutsch Passional unsers Herren Christi“.

Musikdrucke in Zeiten der Reformation

Neben dem reformatorischen Schrifttum verlagerte die Druckerei Hergot/Wachter jedoch den Programmschwerpunkt auf Lieddrucke geringen Umfangs und leistete damit einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung des reformatorischen Kirchenliedes. Schon ihr erster Ehemann Hans Hergot war als Musikdrucker in Erscheinung getreten: 1525 brachte er die erste mit gedruckten Noten versehene deutsche Messe (VD16 M 4898) heraus. Er druckte geistliche und politische Lieder sowie drei Ausgaben des „Enchiridion geistlicher Gesänge und Psalmen“. Kunigunde Hergot/Wachter knüpfte an diese Tradition an und nahm dabei nicht nur biblische Themen wie etwa den verlorenen Sohn, sondern auch populäre Stoffe wie den der Lucretia oder eine Version des Spieles der Frau Susanna in ihr Programm auf. Mehr als 60 Liedflugschriften von Kunigunde Hergot/Wachter neben ca. 50 weiteren Lieddrucken ihres zweiten Ehemannes Georg Wachter aus dem Bestand der Staatsbibliothek sind heute digital verfügbar.

Titelholzschnitt zum Druck des Lucretia-Liedes von 1528 (VD16 B 5512). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Kunigunde Hergot präsentierte sich auf dem bis dahin männlich dominierten Bucherdruckermarkt als eine äußerst erfolgreiche Geschäftsfrau. Sie verstand es bestens, das Lesebedürfnis eines breiten Publikums zu befriedigen und machte sich – unabhängig von ihrem zweiten Ehemann – als eine der ersten Buchdruckerinnen über die Reichsstadt Nürnberg hinaus einen großen Namen. 

Der lange Weg in die Selbständigkeit: Katharina Gerlach

Mitte des 16. Jahrhunderts tritt eine weitere Buchdruckerin in der Reichsstadt Nürnberg in Erscheinung: Katharina Gerlach. Ihre erste Ehe mit dem Fuhrknecht Nicolaus Schmid war von kurzer Dauer. Für das Buchdruckgewerbe entscheidend ist ab 1541 ihre zweite Ehe mit Johann vom Berg. Ihre Mitgift – das Haus „auf dem Neuen Bau bei der Kalkhütte“– war für ihn die Gelegenheit, eine eigene Druckereiwerkstatt zu eröffnen.

Einstieg ins Buchdruckgewerbe: Die Offizin Johanns vom Berg

Kolophon von Johann vom Berg und Ulrich Neuber (VD16 D 1570). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Im Jahre 1542 ist Johann vom Berg im Nürnberger Ämterbüchlein als Buchdrucker mit zwei Setzern verzeichnet. In der VD 16-Datenbank lassen sich für das erste Jahr bereits 18 Drucke nachweisen. Neben einem „Psalter Davids“ handelt es sich dabei überwiegend um historische und reformatorische Flugschriftenliteratur.

Gemeinsam mit seinem Setzer Ulrich Neuber veröffentlichte Johann vom Berg bis zu seinem Tod im Jahr 1563 etwa 570 Drucke in deutscher, lateinischer und tschechischer Sprache, von denen 67 im Rahmen des Projektes digitalisiert wurden. Darunter befinden sich etwa 50 Nachdrucke der Schriften Martin Luthers, wie zum Beispiel zahlreiche Drucke seiner Hauspostille, vier Vollbibeln sowie drei Ausgaben des Neuen Testaments. Auf dem Verlagsprogramm standen außerdem Kirchenordnungen, Erbauungsschriften, Flugschriften sowie zahlreiche Musikdrucke mit Noten wie beispielsweise ein Kirchengesangbuch in deutscher und lateinischer Sprache.

Johann vom Bergs Erben: eine Witwe im Hintergrund

Etwa 20 Jahre hält die (Ehe-)Gemeinschaft. Nach Johann vom Bergs Tod wird seine Ehefrau Katharina im darauffolgenden Jahr 1564 als „Johann vom Bergs Witib“ im Ämterbüchlein mit drei Setzern verzeichnet. Sie führte die Offizin zunächst bis 1565 gemeinsam mit Ulrich Neuber weiter. In allen 43 Drucken, die in dieser Zeit von ihr veröffentlicht wurden, spiegelt sich diese Druckergemeinschaft im Impressum oder Kolophon wieder: „Noribergae, In Officina Ulrici Neuberi, & Haeredum Ioannis Montani“ oder „Gedruckt zu Nürnberg/ durch Ulrich Newber/ unnd Johann vom Bergs Erben“. Im Gegensatz zu Kunigunde Hergot signierte die Witwe Katharina vom Berg jedoch nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern in Funktion der Erben und dies ausschließlich an zweiter Stelle. Eine Eigenständigkeit Katharina vom Bergs wird zu dieser Zeit noch nicht sichtbar.

Eine lohnende Mitgift

Schon im August 1565 heiratete die Witwe Katharina vom Berg den aus Erding stammenden Dietrich Gerlach. Nach dem Erwerb des Bürgerrechts der Reichsstadt Nürnberg übernahm er ihren Teil der Druckerei. Schon 1566 wurde Katharina aus dem Ämterbüchlein gestrichen und stattdessen ihr dritter Ehemann zusammen mit Ulrich Neuber eingetragen. Auch diese Druckergemeinschaft erwies sich als äußerst produktiv. Allein bis 1567 brachten sie fast 40 Drucke heraus und firmierten gemeinsam, wobei Ulrich Neuber weiterhin an erster Stelle genannt wurde. 1567 schied dieser jedoch aus, um seine eigene Druckerei zu eröffnen. In der Folgezeit führte Dietrich Gerlach die Offizin bis 1575 alleine weiter, erinnerte in der Firmierung aber an seinen Vorgänger: „Gedruckt zu Nürnberg/ durch Dieterich Gerlatzen/ In Johann vom Berg selig Druckerey.“ Auch das Druckprogramm blieb unverändert. Gerlach brachte zusammen mit Johann Wolff in Frankfurt eine Vollbibel in der Übersetzung Martin Luthers mit zahlreichen Illustrationen von Virgil Solis heraus. Unter den lutherischen Autoren dominierte mit über 30 Drucken Johannes Mathesius, der sich besonders mit seiner Luther-Biographie einen Namen machte. Daneben brachte Gerlach auch Verordnungen der Reichsstadt Nürnberg sowie eine Vielzahl musikpraktischer Werke und Gesangsbücher heraus. Als Dietrich Gerlach im August 1575 stirbt, hatte er etwa 140 Drucke publiziert.

40 Jahre Erfahrung im Buchgewerbe – Offizin Katharina Gerlach

Zum dritten Mal Witwe geworden übernimmt Katharina Gerlach die Druckerei zum ersten Mal in eigener Regie. 1576 wird sie im Ämterbüchlein anstelle ihres dritten Mannes unter den Buchdruckern und den Buchführern eingetragen – damit war sie zur selbständigen Druckerin und Geschäftsführerin aufgestiegen.

Druckermarke: Buchschmuck mit Botschaft

Bericht über die letzten Tage Martin Luthers von Justus Jonas sowie einer Rede und Leichenpredigt von Philipp Melanchthon und Johann Bugenhagen, Johann vom Berg 1546 (VD16 J 904). – „Musica deutsch“ von Ambrosius Wifflingseder, Dietrich Gerlach 1572 (VD16 W 3087). – Titelblatt der „Kinderpostilla“ von Dietrich Veit, Katharina Gerlach 1577 (VD16 D 1581). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Dass Katharina Gerlach den Wert von Tradition erkannte, wird in der Verwendung der Druckermarke ihres ersten Ehemannes deutlich. Bereits seit 1542 verwendete Johann vom Berg eine Druckermarke, die er mit nur kleinen Gestaltungsvarianten bis an sein Schaffensende beibehielt.

Die Druckermarke Johanns vom Berg stellt – je nach Variante in einem Kreis, Kranzgewinde oder Rollwerkrahmen – eine Verklärungsszene Christi zwischen Mose und Elia auf dem Berg Tabor dar, darunter drei Apostel, die sich von dem gleißenden Licht abwenden. Über der Christusfigur schwebt ein Spruchband mit dem Motto „Hic est filius meus dilectus in quo mihi bene complacitum est“ (Matthäus 3,17). Meistens ist unter dem Signet das Bibelwort „Psalm LXXXIX. Wol dem volck das jauchtzen kan“ typografisch hinzugefügt. Für das 16. Jahrhundert sind emblematische Druckermarken wie die Johann vom Bergs charakteristisch. Mit dem religiösen Motiv „Christus auf dem Berg von Tabor“ wird gleichzeitig der Name „Vom Berg“ bildhaft ausgestaltet. Da diese Marke in einer Vielzahl der insgesamt etwa 570 Drucke aus der Offizin vom Berg bis 1563 verwendet wurde, entwickelte sie sich zu einem Qualitätsmerkmal und diente der Repräsentation der Druckerwerkstatt. Es ist daher wenig erstaunlich, dass sich sowohl Dietrich Gerlach als auch Katharina Gerlach diesen Wiedererkennungswert zunutze machten.

Das Wagnis Altdorf

Aber Katharina Gerlach ging auch neue Wege. Bereits 1579 gründete sie eine Zweigstelle im nahegelegenen Altdorf, in dem bislang noch kein Druckgewerbe angesiedelt war. Sie hoffte, von der dort neugegründeten „Academia Norica“, in der 1577 der Lehrbetrieb in den höheren Fakultäten aufgenommen worden war, zu profitieren. In der Altdorfer Zweit-Offizin veröffentlichte sie überwiegend Hochschulschriften, deren Urheber in engem Bezug mit Personen der Akademie standen. Hier druckte sie auch mindestens zwei Werke mit griechischem Typenmaterial (VD16 A 400 und X 62). Doch bereits 1578 trat Nikolaus Knorr, ein ehemaliger Setzer der Gerlach’schen Offizin, mit der Gründung einer weiteren Druckerei in Altdorf in ernsthafte Konkurrenz zu Katharina und stieg 1585 sogar zum offiziellen Drucker der Altdorfer Akademie auf. Als kluge Geschäftsfrau gab Katharina Gerlach die Zweigstelle auf, in der sie bis dahin etwa 25 Werke für die Altdorfer Akademie veröffentlicht hatte.

Profilschärfung

Gleichzeitig konzentrierte sich Katharina Gerlach darauf, vermehrt Musikdrucke herzustellen. Neben der Publikation von Stimmbüchern, Gesangbüchern, musiktheoretischen Werken mit Noten sowie eines lateinischen Responsoriums war sie maßgeblich an der Verbreitung italienischer Musik in Deutschland beteiligt. In den folgenden Jahren baute sie ihre Nürnberger Offizin zu einer der führenden Druckereien für musikalische Werke im deutschsprachigen Raum aus. Die Firmierung „In Officina Musica Catharinae Gerlachiae“ wurde zu einem herausragenden Qualitätsmerkmal. Gleichzeitig avancierte ihr Druckbetrieb zu einer der beiden offiziellen Druckereien des Nürnberger Rats, der ihr bis zu ihrem Schaffensende ein dauerhaftes Einkommen garantierte.

Die herausragenden geschäftlichen Erfolge, die sowohl Kunigunde Hergot als auch Katharina Gerlach als Geschäftsführerinnen der eigenen Druckerei auszeichneten, wurden auch durch die Handwerkerverordnung der Reichsstadt Nürnberg ermöglicht, die keine Organisation von Handwerkern in Zünften duldete. Während Zünfte Frauen aus den Handwerksbetrieben zu verdrängen versuchten, trat der Nürnberger Rat im 16. Jahrhundert aktiv für die Rechte der Frau in der Berufsarbeit ein. Das erlaubte es Ehefrauen, berufstätig zu sein und das Handwerk gemeinsam mit ihrem Mann auszuüben. Stimmten die Grundvoraussetzungen nutzten Ehefrauen und Witwen ihre Chance und trugen ihr Können erfolgreich über die Grenzen Nürnbergs hinaus.

Wir hoffen, die vier Beiträge zum Abschluss des Projektes VD16 digital haben Ihre Neugierde auf die vielen Schätze des 16. Jahrhunderts geweckt. In unserer Schatztruhe – den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin – stehen über 10.000 Werke für Sie zum Stöbern bereit! Oder Sie blättern einmal in unseren digitalisierten Liedflugschriften aus dem Projekt VD Lied

Ausschnitt aus der von Katharina Gerlach verwendeten Druckermarke („Kinderpostilla“ 1577). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Für Laien und Experten: Bildschätze des 16. Jahrhunderts

Albrecht Dürer über die menschlichen Proportionen, Nürnberg 1532 (VD16 D 2860). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

In unserem dritten Beitrag zum Abschluss des Projektes VD16 digital stehen die Wissenschaften und neue Illustrationsformen im Mittelpunkt – zum Beispiel Arznei-  und Pflanzenbücher, Tierbücher und anatomische Werke, in denen Sie jetzt virtuell blättern können!

Ein Beitrag von Evelyn Hanisch und Friederike Willasch.

Fachbereiche wie Astronomie, Alchemie, Mathematik und Geschichte eroberten den Buchmarkt – vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Wissen wurde in Arznei-  und Pflanzenbüchern, Pestbüchern oder Tierbüchern vermittelt. Manche Werke richteten sich an den Experten, manche explizit an den Laien. Fachliteratur bestand neben volkssprachiger Gebrauchsliteratur, darunter Anleitungen aller Art, Nachschlagewerke oder Lehrbücher. Die Gattung der Fachprosa und die Ausstattung wissenschaftlicher Werke entwickelten sich dabei mit dem Buchdruck entscheidend weiter, zum Beispiel bei den Illustrationstechniken.

Ausführliche Beschreibung und Darstellung

Pflanzen-, Arznei- oder Kräuterbücher gehörten zu den frühesten lexikographischen und enzyklopädischen Werken im Bereich der Medizin und existierten bereits im Mittelalter. Doch die Abbildungen in den frühen Werken – sofern denn vorhanden – hatten häufig illustrativen Charakter und setzten meistens Kenntnisse über das Erscheinungsbild einer Pflanze aus praktischer Erfahrung voraus. Im 16. Jahrhundert nahmen nun Werke zu, die sich um ausführlichere und detailgetreue Pflanzenbeschreibungen und Abbildungen bemühten, um auch dem Laien als Leitfaden zu dienen. Pflanzen sollten eindeutig identifizierbar sein, auch wenn der Leser oder die Leserin das Objekt nie selbst zu Gesicht bekommen hatte.

Zu aller welt trost und gemeinem nutze

Fachprosa richtete sich in der Frühen Neuzeit nicht nur an Gelehrte. Auch Laien hatten durch diese Werke Zugang zu Wissen, konnten mithilfe eines Buches ihre Hausapotheke bestücken, einen Kräutergarten anlegen oder sich medizinischen Rat einholen. Diese Zielrichtung äußert sich – wie zum Beispiel im “Gart der Gesundheit” – häufig schon im Vorwort. Der Autor möchte „nit erlichers, nit nützers wercks od[er] arbeit thun […], dan[n] eyn buch zusamen bringen, darinne vil kreüter und ander creaturen krafft und natur mit iren farben un[d] gestalten würden begriffen, zu aller welt trost und gemeinem nutze“.

Der Hahn in einer Ausgabe des „Gart der Gesundheit“ von 1509 (VD16 H 5124)… Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Das deutschsprachige Kräuterbuch

Das spätmittelalterliche Werk der “Gart der Gesundheit” von Johannes de Cuba aus dem Jahr 1485 war eines der ersten gedruckten Kräuterbücher in deutscher Sprache. Es handelte sich um ein großes Publikationsprojekt mit zahlreichen Illustrationen. Dabei standen nicht nur pflanzliche Arzneien im Mittelpunkt, sondern auch Heilmittel tierischer und mineralischer Herkunft. Die Wirkmacht dieses Arzneibuches wird deutlich mit Blick auf die nachgedruckten, bearbeiteten, erweiterten, übersetzten Ausgaben. An die 60 Ausgaben bis ins 18. Jahrhundert belegen das Interesse der Zeitgenossen an dem Werk. Zwei in Straßburg gedruckte Ausgaben von 1509 und 1515 wurden im Rahmen des Projektes digitalisiert.

…und der Hahn in Konrad Gessners „Icones avium“ von 1555 (VD16 G 1732). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Konrad Gessners Tierbuch

Wissenschaftliche Bestseller waren außerdem Tierbücher. Konrad Gessner – Arzt, Zoologe, Botaniker, Philologe und Theologe zugleich – veröffentlichte zahlreiche naturhistorische Arbeiten, doch vor allem seine „Historia animalium“ war eines der herausragenden wissenschaftlichen Werke der Zeit. Gessner arbeitete dabei mit dem Züricher Buchdrucker Christoph Froschauer zusammen. Zu dem fünfbändigen Werk Gessners gehört ein „Bildband“, die „Icones animalium“, der im Rahmen des Projektes digitalisiert wurde. Die Abbildungen stammten zum Teil von Gessner selbst oder von beauftragten Künstlern. Einen Teil der Exemplare ließ Froschauer schließlich sogar kolorieren, was besonders vermögende Kunden anzog.

Neue Illustrationstechniken

Für Gessner hatte eine wissenschaftliche Dokumentation der Tierarten und somit das Herausstellen identifizierender Details Vorrang, sodass er großen Wert auf eine annähernd naturgetreue Darstellung der Tiere legte. War das Herstellen von Holzschnitten für den Abdruck von Bildern im 15. Jahrhundert noch eine vorrangig handwerkliche Tätigkeit, arbeiteten Buchdrucker im 16. Jahrhundert verstärkt mit Künstlern zusammen. Großen Einfluss auf Buchillustrationen übten Albrecht Dürer und seine theoretischen Darlegungen zur perspektivischen Darstellung aus. Die Bilder erhielten zunehmend Tiefe, zum Beispiel durch Schraffurtechniken, was sich auch im direkten Vergleich mit früheren Holzschnitten sehen lässt. 

Vesalius‘ Durchbruch in der Anatomie

Ebenso wie Kräuter- und Tierbücher profitierte das Wissensgebiet der Anatomie im 16. Jahrhundert von den neuen technischen und künstlerischen Fertigkeiten bei Buchillustrationen. Gleichzeitig ist an der Verbreitung von Fachliteratur auch deren Bedeutung im 16. Jahrhundert abzulesen. Das lässt sich zum Beispiel an der „Anatomia deudsch“ nachvollziehen. Es handelt sich um einen von dem Wundarzt Jakob Baumann im Jahr 1551 in Nürnberg herausgegebenen Auszug eines der wohl berühmtesten Werke in der Geschichte der Anatomie.

Die lateinische Vorlage

Die „Anatomia deudsch“ basiert auf dem Werk „De humani corporis fabrica libri septem“ des in Brüssel geborenen Anatoms und Chirurgs Andreas Vesalius, später Leibarzt von Kaiser Karl V. und König Philipp II. von Spanien. Vesalius behandelte in seinem Werk den Aufbau des Körpers und wird als Begründer der neuzeitlichen Anatomie gesehen. Er war einer der Ersten, die öffentlich in sogenannten anatomischen Theatern sezierten. Die erste Leichenöffnung nahm er 1537 in Löwen vor, es folgte ein Ruf an die Universität in Padua. Seine Erkenntnisse verarbeitete Vesalius in der im Jahr 1543 erschienenen ersten lateinischen Ausgabe seines Werkes.

 

Drei Kupferstiche zum Muskelaufbau des menschlichen Körpers aus der „Anatomia Deudsch“ von Jakob Baumann, Nürnberg 1551 (VD16 V 917). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Holzschnitt und Kupferstich

Schon Vesalius legte besonderen Wert auf die Ausstattung seines Werkes. Etwa 200 teilweise ganzseitige Illustrationen des menschlichen Körpers zeugen von großer anatomischer Exaktheit und künstlerischer Qualität. In der „Anatomia Deudsch“ wurde nun nicht auf Vesalius‘ originale Holzschnitte zurückgegriffen, die der Tizian-Schüler Jan Stephan von Kalkar angefertigt hatte. Die Ausgabe des Nürnberger Wundarztes Baumann basierte auf den vierzig – im 16. Jahrhundert im Buchdruck noch seltenen – Kupferstichen des englischen Druckers und Stechers Thomas Gemini und seiner Ausgabe “Compendiosa totius anatomie delineatio” von 1545.

Zugang zu Information im nicht-digitalen Zeitalter

Im deutschen Sprachraum fand Vesalius‘ Werk vor allem auch in der deutschen Übersetzung Verbreitung „dadurch man zu erfahrung kommenn mag, welche nicht allein den Artzten […] sonder auch den liebhabern der natur, un[d] den wundartzten hoch von nöten zuwissen“ ist, wie sich Jakob Baumann in der Widmung seines Werkes äußert. Diese Entwicklung hin zu volkssprachiger Fachliteratur ging vor allem auch von Paracelsus aus, der Anfang des 16. Jahrhunderts die erste Vorlesung in deutscher Sprache hielt und viele seiner Werke in deutscher Sprache veröffentlichte. Das war nicht nur ungewöhnlich in der medizinischen Fachwelt, sondern wurde auch größtenteils abgelehnt. Dabei hatte der volkssprachige Buchdruck großes Potential: Wissenschaftliche Themen waren allen Interessierten ohne Sprachbarriere zugänglich und die Grenzen zwischen Fach- und Gebrauchsliteratur verschwammen zugunsten einer breiteren Allgemeinbildung.

Im nächsten Beitrag zum VD16 digital geht es um Akteurinnen im Buchdruckgewerbe. Haben Sie sich eigentlich schon einmal Gedanken über Buchdruckerinnen in der Frühen Neuzeit gemacht?

Bibel, Sachsenspiegel & Co.: Recht und Religion in den deutschen Drucken des 16. Jahrhunderts

Zum Abschluss des Projektes VD16 digital möchten wir Ihnen einen tieferen Einblick in den Bestand geben, der nun digital zur Verfügung steht, und dadurch Leserinnen und Leser zum Stöbern anregen – unser zweiter Beitrag stellt die theologischen und juristischen Werke aus dem Projektbestand näher vor.

Ein Beitrag von Evelyn Hanisch und Friederike Willasch.

Das Wissensgebiet Theologie

Ein Großteil der Drucke des Projektes VD16 digital ist theologischer und religiöser Art und entspringt damit einem typischen Wissensgebiet des 16. Jahrhunderts. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nahm religiöse Literatur mehr als 40% der gesamten Buchproduktion ein und spiegelte damit das Bedürfnis der Bevölkerung nach Information und Diskussion in einer Zeit des konfessionellen Umbruchs wider. Durch den Buchdruck verloren die römische Kirche und der geistliche Stand das Monopol über die Veröffentlichung von Glaubensinhalten – das kam vor allem dem reformatorischen Gedankengut zugute.

Die Lutherbibel

Die deutschsprachige Bibel war dabei ein wegweisender Druck, der die Bevölkerung unabhängiger von Priestern und Pfarrern werden ließ. Im Rahmen von VD16 digital wurden über 100 Bibelausgaben digitalisiert. Darunter sind natürlich die Bibelübersetzungen von Martin Luther. Dabei sind das Septembertestament und Dezembertestament von 1522 sowie die erste vollständige Lutherbibel von 1534 in sechs Teilen mit je einem eigenen Titelblatt von herausragender Bedeutung. Außerdem finden sich darunter auch buchkünstlerische Schätze wie die handkolorierte Prachtbibel aus dem Besitz von Joachim von Anhalt-Dessau.

Eigenhändige Unterschrift Martin Luthers in einer Wittenberger Bibelausgabe von 1541 (VD16 B 2712). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Eine Attraktion ist die Lutherbibel von 1541 aus dem Besitz von Luthers Schüler Matthias Wanckel. Der Einband ist aufwendig verziert und mit Beschlägen und Schließen ausgestattet. Der Rückdeckel weist das Jahr 1542 als Herstellungsdatum des Einbandes und „Mathias Wanckelivs“ als seinen Besitzer aus. Dieses Exemplar wird durch die Personen einzigartig, die im 16. Jahrhundert ihre Spuren in dem Band hinterließen. Martin Luther selbst notierte eine Anmerkung zur Bibelstelle Johannes 5,39 mit eigenhändiger Unterschrift.

Doch damit nicht genug – hinzu kommen zwei weitere Autographen vom August 1547 aus der Feder von Johannes Bugenhagen und Caspar Cruciger. Diese Provenienzspuren in ihrer Summe geben einen Einblick in das soziale Netzwerk Luthers. Alle drei waren Weggefährten Luthers und Bugenhagen und Cruciger sogar an der Bibelübersetzung beteiligt. Bugenhagen kam 1521 nach Wittenberg und wurde Pfarrer der Stadtkirche. Er war einer der engsten Freunde und Berater Luthers und hielt sogar bei dessen Begräbnis eine Predigt. Gemeinsam mit dem Theologieprofessor Cruciger durchlebte Bugenhagen die Belagerung Wittenbergs im Schmalkaldischen Krieg und die folgende Kapitulation im Mai 1547.

Nicht nur Bibeln

Damit erschöpfte sich aber keinesfalls das theologische Schrifttum des 16. Jahrhunderts. Der theologische Diskurs und Glaubenskampf – und damit auch Martin Luthers Ideen – wurden vor allem durch Flugschriften befördert. Auch das Erbauungsschriftum nahm einen breiten Platz in der Buchproduktion des 16. Jahrhunderts ein. Das Gebet als persönlicher Zugang zu Gott war ein zentrales Element der Glaubenspraxis und äußerte sich typografisch in der Literaturgattung des evangelischen Gebetbuches. Ein typisches Beispiel ist der im Rahmen des Projektes digitalisierte Band „Christliche Schul und Haußgebetlein“. Des Weiteren bot Erbauungsliteratur, die in der Tradition der spätmittelalterlichen Gattung der Ars moriendi stand, den Menschen Unterstützung und Orientierung. Diese Literatur unterstützte die Gläubigen, mit Gebeten und Anweisungen den Anfechtungen des Teufels zu widerstehen,  wie zum Beispiel das in mehreren Auflagen erschienene Buch des lutherischen Theologen Kaspar Kantz mit dem Titel „Wie man den Krancken und sterbenden Menschen ermanen, troesten, und Gott befehlen sol”. Diese Ausgabe aus dem Jahr 1568 ist – wie die meisten Ausgaben der Erbauungs- und Trostschriften für Sterbende – auf jeder Seite mit aufwendigen Randleisten ausgestattet.

Schmuck im Druck: die Initiale

Gestaltungsreichtum: links eine gerahmte Initiale zum ersten Buch Mose (VD16 B 2694), in der Mitte eine Initiale umgeben von der biblischen Szene der Opferung Isaaks (VD16 ZV 8842) und rechts eine freistehende, ornamental gestaltete Initiale (VD16 ZV 1230). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Charakteristisch für die Buchproduktion des 16. Jahrhunderts sind außerdem schmückende Initialen. Dieses typografische Element stammte noch aus der Handschriftenproduktion, als fertige Manuskripte in Handarbeit verziert und koloriert wurden. Im Druck musste nun für den Anfangsbuchstaben Raum im Satz gelassen werden, um dann die vom Formschneider aus Holz geschnittenen Zierbuchstaben einzufügen. Für ein harmonisches Satzbild wurden Schriftsatz und illustratorische Elemente typografisch aufeinander abgestimmt.

Das Wissensgebiet Recht

Wie die Theologie hatte auch die Rechtswissenschaft bereits eine schriftliche Tradition vor dem Buchdruck. Schrift entwickelte sich zum Medium der Information und der Speicherung von Wissen. Eines der ältesten und bedeutendsten Rechtsbücher in deutscher Sprache war der Sachsenspiegel. Zunächst ohne herrschaftlichen Auftrag von Eike von Repgow im 12. Jahrhundert verfasst, wurde der Text erweitert und ergänzt, glossiert und kommentiert, gewann an Legitimität und wurde schließlich als autoritatives Rechtsbuch angenommen.

Textgestaltung am Beispiel des Sachsenspiegels

Sachsenspiegel (Lehnrecht) von 1467 (Signatur: Ms. germ. fol. 9) im Vergleich mit einem Druck des Augsburger Buchdruckers Johann Otmar von 1508 (VD 16 D 741). Handschriftenabteilung / Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Neben einer großen Anzahl an Handschriften, welche die Textentwicklung begleiteten, sind auch viele gedruckte Ausgaben bzw. Auszüge des Sachsenspiegels überliefert. Dabei wurde nicht nur der Text übernommen; bis ins 16. Jahrhundert orientierte sich auch die Seitengestaltung an der Handschrift. Vier Ausgaben bzw. Auszüge des Gesetzestextes wurden im Rahmen des Projektes digitalisiert.

Das Titelblatt im Wandel

Im Vergleich: Die Titelblätter von Sachsenspiegel-Ausgaben von 1501 (VD16 D 733) und von 1582 (VD16 D 739). Abteilung Historische Drucke. Lizenz: CC-BY-NC-SA

Ein Wandel zeigt sich dagegen beim Titelblatt und führt damit eine entscheidende Entwicklung des 16. Jahrhunderts vor Augen. Bereits in einer Ausgabe von 1501 gab es eine Art Titelblatt mit einem dreizeiligen Schriftblock im oberen Drittel der Seite beginnend mit: „Hie hebt sich an der Sachssenspiegel“. Dieses Titelblatt musste aber in Zusammenhang mit dem Kolophon am Ende des Buches gelesen werden. Eine erste Seite mit Titel, Erscheinungsjahr und Druckort, das den modernen Vorstellungen eines Titelblatts entspricht, entwickelte sich erst im Laufe des 16. Jahrhunderts wie in einer späteren Ausgabe des Sachsenspiegels zu sehen ist.

Informationssysteme für Experten: Dissertationen und Disputationen

Eine weitere Gattung, die sich mit dem Buchdruck ausdifferenzierte und dessen Produktion sprunghaft anstieg, waren Dissertationen und Disputationen. Sowohl für die Theologie als auch für die Rechtswissenschaft gewannen diese Hochschulschriften als Informationsspeicher von gelehrtem Spezialwissen, Ergebnissen und Theorien an Bedeutung und befeuerten den akademisch-wissenschaftlichen Diskurs. Gleichzeitig waren insbesondere in der Theologie Dissertationen und Disputationen als Argumentationsquelle ein Mittel des Glaubenskampfes und der Verbreitung von konfessionellem Denken und vor allem eine Form der gelehrten Streitkultur – gerade in Ergänzung zu den Flugschriften, die sich eher an ein breites Publikum richteten. Etwa 10% des Projektes VD16 digital sind Dissertationen und stammen vor allem aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Weiter geht es im nächsten Beitrag unserer Reihe zum Projekt VD16 digital mit Illustrationen in wissenschaftlichen Werken!