Im SPK-Magazin zur Einheit: “Schaut mal, ein Transporter!”

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Daniela Lülfing berichtet über das nicht immer einfache Zusammenwachsen zweier Bibliotheken zur Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Das SPK-Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz


 

Daniela Lülfing

Geboren 1950 in Magdeburg
Von 1973–2015 an der Staatsbibliothek zu Berlin.

Bis 1998 im Haus Unter den Linden (Ost-Berlin). Zuletzt Baubeauftragte und Leiterin der Benutzungsabteilung.

Ich war seit 1973 in der Deutschen Staatsbibliothek beschäftigt und habe dort 17 Jahre in der Handschriftenabteilung gearbeitet – bis ich ein halbes Jahr nach Öffnung der Mauer in die Generaldirektion gewechselt bin. Man suchte Leute für die Umstrukturierung und da ich nicht parteilich gebunden war und wohl auch sonst als unbelastet galt, hat jemand gesagt: Fragen Sie doch Frau Lülfing.

Wie alle war auch ich ungeheuer euphorisch in dieser Zeit. Niemand von uns hatte ernsthaft für die eigene Lebenszeit in Betracht gezogen, dass es zu einer namhaften Veränderung in der DDR kommen würde. Wir waren begeistert über die Möglichkeiten, die sich in Windeseile auftaten. Als wir über einen ersten eigenen Haushalt verfügten, haben wir uns einen Transporter angeschafft. Da sind wir alle auf den Hof gelaufen und haben uns das Auto angesehen. Das war schon etwas Besonderes. Und alles ging sehr schnell. Am 3. Oktober 1990 kam schon die Vereinigung und dazwischen haben wir eigentlich nur gestrampelt. Denn natürlich ging sofort die Diskussion los: Zwei vollständige funktionierende Universalbibliotheken, die das Gleiche machen, also Erwerbung, Erschließen, die Sonderabteilungen – wie bekommt man das zusammen? Es zeichnete sich schnell ab, dass die Aufgaben zwischen den Häusern verteilt werden mussten und dabei ist die Stiftung sehr fair mit beiden Seiten umgegangen. Bei der Zusammenlegung der Sonderabteilungen wurde immer der dienstältere Abteilungsleiter zum neuen Leiter der Abteilung bestimmt. Das waren mitunter auch Mitarbeiter aus der Deutschen Staatsbibliothek – was nicht gerade zu großer Begeisterung des nun als Stellvertreters arbeitenden Kollegen aus dem Westen geführt hat. In einigen Fällen gab es sogar Gerichtsprozesse.

Meine Aufgabe bestand darin, die 453 Mitarbeiter der Staatsbibliothek Unter den Linden nach BAT einzugruppieren. Wir haben dafür als Erstes einen Stellenplan entwickelt und ich bin Herrn Baron noch heute dankbar, dass er uns in einem Crashkurs die Prinzipien eines bundesdeutschen Stellenplanes vermittelt hat. Nach diesem Stellenplan und den Aufgaben, die jeder einzelne wahrnahm, haben wir versucht, Tätigkeitsdarstellungen zu bauen. Das war eine aufwendige Aufgabe und teilweise schwierig, denn die Abschlüsse einiger Mitarbeiter wurden nach bundesdeutschem Recht nicht anerkannt. Ein anderes Problem ergab sich daraus, dass nach dem sogenannten Stellenkegel des Westens nicht genügend Stellen im höheren Dienst zur Verfügung standen. Ich musste den Mitarbeitern dann klarmachen: Tut uns leid, aber die Aufgabe, die Sie wahrnehmen, passt nicht mehr zum höheren Dienst, Sie kommen nur in den gehobenen Dienst. Das war für viele eine bittere Pille. Viele waren wütend oder sogar in Tränen aufgelöst. Aber alle wussten, dass es keinen Zweck hat, die Bibliothek zu verlassen. Wir sind ja fast eins zu eins übernommen worden – im Gegensatz zum Beispiel zur Humboldt-Universität oder der Berlin-Brandenburgischen Akademie, wo sehr viele Mitarbeiter entlassen wurden.

Nach und nach wurde mir klar, dass die Unterschiede zwischen den beiden deutschen Staaten doch größer waren, als ich es hatte wahrhaben wollen. Und es wurde mir auch bewusst, welchen Anspruch viele West-Berliner Kollegen vor sich hertrugen. Sie glaubten eigentlich per se, dass – falls eine Entscheidung zu treffen war – diese nur zugunsten der West-Berliner ausfallen konnte. Nachdem sie merkten, dass das nicht immer der Fall war, war bei einigen die Empörung groß.

Das Konzept sah vor, dass das Haus Unter den Linden für die alte Literatur und das jüngere Haus an der Potsdamer Straße für die neuere Literatur zuständig sein sollte. Dafür mussten Mitarbeiter auch versetzt werden. Es hat mir damals sehr zu denken gegeben, dass gerade die friedlichen und bescheidenen Mitarbeiter an die Potsdamer Straße umziehen mussten. Ich erinnere mich, dass eine Mitarbeiterin aus der Mongolei in meinem Büro bitterlich geweint hat. Sie wurde dann am anderen Haus tatsächlich nicht immer kollegial behandelt, nach dem Motto: Jetzt lerne erst mal zu arbeiten.

Auch gegen mich gab es Anwürfe. Mehrmals musste ich nachweisen, dass ich wirklich politisch unbelastet sei. Noch Mitte der Neunziger Jahre habe ich ein weiteres Mal meinen Lebenslauf aufschreiben müssen.

Aber das ist für mich abgeschlossen. Für mich steht im Vordergrund, dass sich innerhalb der letzten 25 Jahre für mich Möglichkeiten ergaben, von denen ich vorher nicht mal geträumt hätte. — AS

Jetzt zur WELTREISEN-Konferenz 25. – 27.2. anmelden

Die von Deutschland ausgehenden (Welt)reisen um 1800 stehen im Fokus der 3. Internationalen Chamissokonferenz

Weltreisen.
Aufzeichnen, aufheben, weitergeben – Forster, Humboldt, Chamisso

25. – 27.2. 2016, Staatsbibliothek zu Berlin
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin

Programm sowie Online-Anmeldung zur Konferenz:
http://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/online-anmeldung-zur-konferenz-weltreisen


Mit Reinhold und Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso verbindet sich eine Horizonterweiterung des intellektuellen Feldes im deutschsprachigen Raum, die den Eintritt in die Moderne nicht nur markiert, sondern wesentlich mitbestimmt. Der Rückgriff auf die Genannten ist daher auch nicht nur hinsichtlich der Genese moderner Wissensordnungen relevant, sondern kann auch als Ansatz für Schwerpunktverschiebungen im Verständnis unserer eigenen Gegenwart und Zukunft nutzbar gemacht werden. So kommen beispielsweise im Nachdenken über ein postnationales Europa nicht nur die Mehrsprachigkeit der Schriftsteller Forster, Humboldt und Chamisso, sondern auch deren Erfahrungen als ‚Reisende‘, als ‚Fremde‘, als ‚Nomaden‘ und als ‚Migranten‘ in den Blick. In der Reflexion des Anthropozäns wird die selbstverständliche Engführung natur- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen bei den Forschungsreisenden epistemologisch relevant. Die Beschäftigung mit ihnen zeigt, statt bewegter Subjekte, die eine starre Topographie durchqueren, vielmehr die Beweglichkeit und Relationalität von Konzepten wie „Preußen“, „Europa“, „Empirie“ „Welt“ oder eben „Moderne“.

Neben den bekannten Publikationen haben die genannten Reisenden auch Texte, Skizzen, Zeichnungen sowie Proben von Artefakten und Naturalien in Sammlungen hinterlassen, die in den letzten Jahren verstärkt zu Gegenständen der Forschung geworden sind. In diesen Hinterlassenschaften manifestieren sich Themenkomplexe zwischen den Begriffs- und Bestimmungspolen von Natur und Kultur – Tier- und Pflanzenwelt der Reise, Landschaften, Kartographien, Menschenbilder um 1800 –, die nicht zu trennen sind von den medialen Formaten ihres Erscheinens wie dem Tage- und Notizbuch, dem Skizzenheft, dem Gemälde, dem Briefwechsel oder der Sammlung. Diese stellen nicht nur hermeneutische Aufgaben, sondern erfordern eine Konservierungs- und Editionspraxis, die als zeitgemäße Grundlagenforschung zunehmend Mittel, Methoden und Perspektiven der digitalen Geisteswissenschaften aufnimmt und in die historische Erschließung integriert.

Die Konferenz wird veranstaltet von der Staatsbibliothek zu Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Potsdam und der Chamisso-Gesellschaft e.V. Sie findet zum Abschluss der von der Staatsbibliothek zu Berlin zusammen mit der Filmemacherin Ulrike Ottinger präsentierten Ausstellung WELTREISE. Forster – Humboldt – Chamisso – Ottinger statt.

(Forschung + Bibliothek) x Augenhöhe = Forschungsbibliothek

Zu den prägenden bibliothekswissenschaftlichen Debatten der vergangenen zwanzig Jahre zählt die erst unlängst wieder von Irmgard Siebert und Matthias Wehry befeuerte Kontroverse um Wesen und Aufgabe der Forschungsbibliothek. Ganz gleich aber, ob Forschungsbibliotheken, um überhaupt als solche gelten zu dürfen, einem differenzierten Kriterienkatalog genügen müssen, wie ihn etwa Haike Meinhardt entwickelt hat, oder ob bereits schon die Verfügbarkeit hochwertiger und gut erschlossener Spezialbestände – so die Position der Deutschen Forschungsgemeinschaft – diesen schillernden Bibliothekstypus konstituiert. Breiter Konsens dürfte in jedem Fall darüber bestehen, dass sich die wissenschaftspolitischen wie förderstrategischen Rahmenbedingungen gegenwärtig als für Forschungsbibliotheken ungewöhnlich günstig präsentieren. Dabei ist die Entscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ihre Initiative zur Stärkung herausragender Forschungsbibliotheken nach nur zwei Perioden einzustellen, sogar Beleg für die Gültigkeit dieser Einschätzung, machen doch offenbar die alternativ verfügbaren Förderangebote dieses spezifische Instrument verzichtbar. Angespielt ist damit aber keineswegs nur auf die zunehmende wechselseitige Durchlässigkeit der wissenschafts- bzw. infrastrukturbezogenen Segmente des Programmportfolios der potentesten Forschungsfördereinrichtung in Deutschland – stellvertretend hierfür sei die beide Bereiche adressierende Ausschreibung Forschungsdaten in der Praxis erwähnt. In diesem Zusammenhang geht es darüber hinaus auch um die zahlreichen Angebote jenseits der Förderlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft – allen voran Die Sprache der Objekte, Forschung in Museen und SammLehr – , mit denen die gerade in alten Bibliotheken blühenden materialorientierten Kompetenzen im Verbund mit der Forschung fruchtbar gemacht werden sollen.

Die angesprochenen Fördermöglichkeiten sind wiederum Ausdruck und zugleich Triebkraft einer im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften erfolgten Aufwertung objektbezogener Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen – ein Vorgang, der sich letztlich auch auf die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Historischen Grundwissenschaften auswirken dürfte und für den emblematisch die Aufklärung des Fälschungsskandals um das New Yorker Exemplar von Galileo Galileis Sidereus Nuncius stehen kann. Zusätzlich beschleunigt wird dieser Prozess durch die inzwischen von einer nationalen Koordinierungsstelle gebündelten Aktivitäten zur besseren Sichtbarmachung wissenschaftlicher Sammlungen sowie nicht zuletzt durch deren politische Anerkennung als Forschungsinfrastrukturen durch Wissenschaftsrat und Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. Vor diesem Hintergrund aber und zumal mit Blick auf die vielfältigen Verbindungslinien zu den dynamisch expandierenden Feldern von Open Science und Digital Humanities werden denn auch die schieren Dimensionen des Möglichkeitsraums erkennbar, der sich in neuer Qualität für die gleichberechtigte Partnerschaft und den wissenschaftlichen Dialog auf Augenhöhe zwischen Bibliothek und Forschung öffnet. Und womöglich liegt das kennzeichnende Charakteristikum von Forschungsbibliotheken auch gar nicht einmal so sehr im Betrieb eigener Forschungs-, Publikations-, Ausstellungs- und Stipendienbereiche, was Georg Ruppelt programmatisch anhand der Herzog August Bibliothek exemplifiziert. Denn ist es nicht weit weniger ihr institutionelles Arrangement als vielmehr ihr spezifischer Habitus, der eine Forschungsbibliothek letztlich ausmacht – mithin ihr Selbstbewusstsein, Forschenden auf Augenhöhe als “funktionale wissenschaftliche Partnerin” zu begegnen, wie es Stefan Gradmann in seiner Vision für eine Forschungsbibliothek der Zukunft formuliert?

Angesichts der hier in nur groben Zügen ausgemessenen wissenschafts- und förderpolitischen Perspektiven sowie nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz – ein der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Vollmitglied angehörender drittmittelaktiver Verbund von Archiven, Bibliotheken, Museen, Forschungsinstituten und Laboren – ist es wohl kaum weiter verwunderlich, dass sich die Staatsbibliothek zu Berlin in ihrer bis zum Jahr 2020 gültigen Strategie neben ihren zahlreichen anderen Schwerpunktaufgaben mit Nachdruck auch zu ihrer Funktion als Forschungsbibliothek bekennt. Dabei wird konkret die weitere Profilschärfung im Bereich der sammlungsbezogenen Grundlagenforschung – insbesondere auf den Feldern von Provenienz-, Raubgut- und Materialitätsforschung – als handlungsleitendes Ziel benannt:

“Als Forschungsbibliothek agiert die Staatsbibliothek zu Berlin in mehreren Bereichen: Sie betreibt sammlungsbezogene Grundlagenforschung, wobei die institutionelle Einbindung in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz optimale Rahmenbedingungen für eine spartenübergreifende Vermittlung objekt- und materialbezogener Forschungsergebnisse bietet; sie initiiert und beteiligt sich intensiv an gemeinsamen, auch spartenübergreifenden Projekten mit der Wissenschaft; sie profiliert sich als Produzentin und Anbieterin geistes- und kulturwissenschaftlicher Forschungsdaten; und sie gestaltet konsequent die partizipative Vermittlung von Forschungsergebnissen sowohl an die Wissenschaft selbst als auch an eine breitere Öffentlichkeit.”

Und auch in unserem Haus waren es in jüngster Zeit gerade die durchaus bereits als neues Paradigma etablierten Material Culture Studies – hierauf deutet zumindest die Vielzahl der entsprechenden Tagungen, Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereiche hin – , die sich als Plattform für eine gelingende funktionale Partnerschaft zwischen Bibliothek und Forschung empfahlen. Dies belegt zum einen das kooperativ mit der Universität Potsdam durchgeführte und im Rahmen der eingangs erwähnten Ausschreibung Die Sprache der Objekte geförderte Verbundprojekt Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher, in das die Staatsbibliothek zu Berlin ihre Expertise in der Digitalisierung, wissenschaftlichen Erschließung und konservatorischen Sicherung von historischen Handschriften und Druckwerken einbringt. Zum anderen aber erweist sich der Dialog zwischen Bibliothek und Forschung, wie er in Form einer mehrteiligen Vortragsreihe unter dem Titel Die Materialität von Schriftlichkeit gemeinsam mit Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten organisiert wird, als ausgesprochen anregend und ertragreich. An dieses Veranstaltungsformat ist über seine öffentlichkeitswirksame Vermittlungsfunktion hinaus vor allem auch der Wunsch gerichtet, es möge sich als Forum für die im Orbit der Material Culture Studies verorteten Aktivitäten sowohl innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als auch an den Universitäten und Forschungseinrichtungen im Großraum Berlin etablieren. Zwar wird die Reihe ihr Potential als Inkubator für kooperative, die Grenzen von Disziplinen und Sparten überschreitende Forschungsvorhaben erst noch unter Beweis stellen müssen. In jedem Fall aber haben die bisherigen Abende im Zeichen der „Materialität von Schriftlichkeit“ gezeigt, dass es nur eine kleiner Schritt ist von der Bibliothek für Forschung und Kultur – so das Motto der Staatsbibliothek zu Berlin – zur Bibliothek für Forschung zur materiellen Kultur.

Sonderdruck. Werkstattgespräch zum wissenschaftlichen Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert am 11.2.

Werkstattgespräch
Sonderdruck.  Wissenschaftliches Publizieren auf Papier im 21. Jahrhundert

Eine neue Veröffentlichungsreihe wird von Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) mit einem einführenden Vortrag vorgestellt sowie von den Herausgebern Valentin Groebner, Anke te Heesen, Christina Wessely, Michael Wildt und dem Gestalter der Reihe Helmut Völker präsentiert.

Donnerstag, 11. Februar
18.15 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

Die neue Reihe „Sonderdruck“ besteht aus kurzen, sehr sorgfältig gestalteten Heften im Umfang von 30 bis 40 Seiten von denen drei bis fünf pro Jahr publiziert werden. Sie enthalten in erster Linie außergewöhnlich gute Texte von Studierenden, Hausarbeiten oder Masterarbeiten, die üblicherweise keinen Weg in die Veröffentlichung finden. Darüber hinaus können aber auch Essays oder Reden arrivierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erscheinen und so ein Publikationsformat des kleinen Textes ergeben, das unhierarchisch, aber der Qualität verpflichtet ist, das nicht im Buchhandel vertrieben, sondern persönlich übergeben wird. Der Titel des Projekts knüpft deshalb an den schönen, aber weitgehend aus der Mode geratenen Sonderdruck an, der den veröffentlichten Zeitschriftenaufsatz als separat gehefteten Einzeltext dem Autor zum gelehrten Gabentausch zur Verfügung stellt.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Poster zur Veranstaltung als Pdf

Konferenz zu Alishēr Nawā’ī am 12.2.

Am 12. Februar findet an der Staatsbibliothek zu Berlin (Vormittag) und an der Botschaft der Republik Usbekistan (Nachmittag und Abend) die internationale Konferenz “ʽAlishēr Nawā’ī and his contribution to the development of world literature and culture” statt.

Die Konferenz ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Botschaft der Republik Usbekistan, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der Staatsbibliothek zu Berlin.

Mīr ʽAlishēr Nawā’ī war ein herausragender zentralasiatischer  turksprachiger Dichter des 15. Jahrhunderts und eine bedeutende Persönlichkeit unter dem timuridischen Sultan Husayn Bayqara. Die Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt in ihrer Sammlung orientalischer Handschriften zahlreiche Werke Nawā’ī’s. Eine kleine Auswahl wird während der Vormittags-Session an der Staatsbibliothek präsentiert werden.

Ein detailliertes Veranstaltungsprogramm folgt in Kürze.

Die Bibliotheken und das Welturheberrecht: Verhandlungen bei der World Intellectual Property Organization

Die Staatsbibliothek zu Berlin wirkt bei Verhandlungen um das Welturheberrecht mit. Manch einer mag hier ins Grübeln kommen: Was haben denn Bibliotheken mit dem Urheberrecht zu tun ? Und dann auch noch auf globaler Ebene ? Sehr viel.

Die meisten Bestände der Bibliotheken unterliegen, soweit die Schutzfrist (i.d.R. 70 Jahre nach dem Tod des Autors/ der Autorin) noch nicht abgelaufen ist, als „persönliche geistige Schöpfungen“ dem Urheberrecht.

Der Handlungsrahmen der Bibliotheken wird (auch) durch das Urheberrecht bestimmt

Das heißt, grob gesagt, dass Bibliotheken in der Ausübung bestimmter Services beschränkt sind: z.B. bei der Digitalisierung und Verfügbarmachung, beim Kopieren, Archivieren, der E-Ausleihe und bei der Dokumentlieferung. Denn das Urheberrecht gewährt den Autoren bzw. denen, die sich Nutzungsrechte einräumen lassen haben, exklusive Nutzungsrechte. Wenn Bibliotheken die Werke aus ihrem Bestand nun in einer der o.g. Weise nutzen wollen, brauchen sie dafür entweder eine gesetzliche Ausnahmeregelung oder die Zustimmung (Lizenz) des Rechteinhabers.

Die Urheberrechtsgesetzgebung wirkt sich also direkt auf die Dienste aus, die Bibliotheken Ihnen anbieten dürfen. Und hier spielt die Musik weniger auf nationaler als auf EU- und globaler Ebene.

Bald ein neues EU-Urheberrecht ?

Erst im Dezember hat die EU-Kommission ihre „Communication on the modernisation of the EU copyright rules“ verabschiedet. In ihr ist der Rahmen für die nächsten Reformen gezeichnet. Die Mitteilung nimmt auch Bezug auf Möglichkeiten für Wissenschaft und Bibliotheken, die erweitert werden könnten. Die Gesetzgebung der EU, die i.d.R. durch Richtlinien erfolgt, muss dann in den Mitgliedstaaten, also auch im Deutschen Urheberrechtsgesetz, umgesetzt werden.

Aber die EU – Gesetzgebung ist nicht frei von Vorgaben: In (globalen) völkerrechtlichen Verträgen wie etwa dem World Copyright Treaty (WCT) oder der (Revidierten) Berner Übereinkunft ist ein Mindest-(Urheberrechts-) Schutzniveau festgelegt. Darin ist geregelt, dass ein exklusiver Urheberrechtsschutz in allen Teilnehmerstaaten zu wahren ist und Ausnahmen davon nur unter relativ engen Voraussetzungen erlaubt sind (sog. Dreistufentest).

Globale Services – globales Recht

Web- Dienste und internationale Services spielen in der Wissenschaft und natürlich auch in (wissenschaftlichen) Bibliotheken eine große Rolle. In Zukunft wird diese noch größer werden, denn auch Bibliotheken gehen mit der Zeit. Dabei geht es etwa um die (natürlich nicht nur nationale) Online- Zugänglichmachung Verwaister oder vergriffener digitalisierten Bücher, internationale Archivierungsservices oder e-learning.

Solche grenzüberschreitenden Dienste werden ermöglicht bzw. vereinfacht, wenn Mitgliedstaaten der WIPO (World Intellectual Property Organisation), die auch den WCT abgeschlossen haben, sich darauf einigen, ihre urheberrechtlichen Ausnahmeregeln für Bibliotheken weitgehend zu harmonisieren.

Darum ging es auch bei der Dezember-Sitzung des WIPO – SCCR (Standing Committee on Copyright and Related Rights). Für den Deutschen Bibliotheksverband als „Official Observer“ konnte ich während der Verhandlungen Stellungnahmen abgeben.

Ob und ggf. welche neuen globalen Regelungen bei den Verhandlungen herauskommen, ist noch nicht absehbar: Die Interessenlage ist kontrovers und die vorhandenen bibliotheksurheberrechtlichen Regeln in den 188 WIPO-Staaten sehr unterschiedlich bzw. gar nicht vorhanden. Es wird daher wohl noch so einige Verhandlungsrunden geben, bis ein gemeinsamer Nenner gefunden ist.

Zustellungsprobleme bei Yahoo-Mailadressen

Leider haben wir im Moment Probleme mit der Zustellung von Benachrichtigungen an Yahoo-Mailadressen. Alle E-Mails, die an Konten bei diesem Anbieter verschickt werden, kommen als ‘unzustellbar’ zurück. Weiterlesen