Laokoongruppe. Rom, Vatikanische Museen

Laokoons Autopsie

In der Reihe Werkstattgespräche der Staatsbibliothek fand am 24. April 2017 der sehr gut besuchte und äußerst hörenswerte Vortrag von Prof. Dr. Luca Giuliani, Rektor am Wissenschaftskolleg und Professor für Klassische Archäologie an der Humboldt-Universität, mit dem Titel „Laokoons Autopsie“ statt.

Bekanntermaßen war Laokoon Priester aus Troia, der kurz vor der mythischen Eroberung der Stadt durch die Griechen mit seinen Söhnen Opfer eines Angriffs zweier Schlangen geworden sein soll. Der Stoff ist früh – im Homer nachfolgenden sogenannten epischen Kyklos – in der antiken Literatur bezeugt und wird mehrfach und variantenreich von Späteren aufgegriffen. Ihre klassische Ausprägung findet die Geschichte dann bei Vergil im 2. Buch seiner Aeneis. Aus Laokoons Mund stammt der in Büchmanns geflügelte Worte – das Danaergeschenk! – eingegangene Vergilsatz Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes. Insgesamt besaß der Mythos aber keine ausgeprägte Verbreitung. Folgerichtig gibt es nur wenige und durchweg unbedeutende Exponate der antiken bildenden Kunst, die uns bekannt sind – bis auf die eine Ausnahme der Laokoongruppe. Diese lobte bereits der ältere Plinius in seiner Universalenzyklopädie über alle Maßen, und seine Worte halfen, das in der Renaissance wiedergefundene Kunstwerk zu identifizieren. Papst Julius II. erwarb es kurz darauf und ließ es im vatikanischen Belvedere aufstellen.

Ihre zumindest aus deutscher Perspektive eigentliche Berühmtheit fand die Skulptur aber erst durch Johann Joachim Winckelmann. Er sah in ihr eine Versinnbildlichung des antiken Griechentums und ersann die bekannten Worte von der edlen Einfalt und der stillen Größe für die Beschreibung des Kunstwerkes. Winckelmann und die Auseinandersetzung mit ihm bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren dann der eigentliche Gegenstand von Prof. Giulianis Vortrag. Erstaunlicherweise hatte Winckelmann keine Kenntnis von der Originalmarmorplastik in den vatikanischen Sammlungen, als er 1755 in Dresden seine Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und der Bildhauerkunst zur Veröffentlichung brachte. Er stützte sich vielmehr auf eine Miniaturreproduktion aus Bronze.

Nachdem er in Rom das Original gesehen hatte, korrigierte Winckelmann 1764 dieses Manko stillschweigend mit seiner zweiten, erheblich realistischeren Beschreibung in der Geschichte der Kunst des Altertums. Dem Pathos, der Physiognomie des Schmerzes schenkt er nun die gebührende Beachtung, die auch dem Laien nicht verborgen bleiben kann. Freilich hatte der Text von 1755 bereits seine Wirkung entfaltet und wurde von Lessing 1766 in seiner Schrift Laokoon oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie weiter theoretisch untermauert – mit einer erheblichen Wirkung auf die nachfolgende Zeit des Sturms und Drangs sowie der deutschen Klassik. Am Ende stand dann Goethe, der die Dichotomie von Form und Inhalt in der Schönheit des Grauens zusammenführte.

Das eigentlich sichere Fundament der Autopsie musste bei der Laokoongruppe allerdings später relativiert werden. Die ohne rechte Arme bzw. Hände aufgefundene Skulptur wurde – wie man seit dem Fund des abgeknickten Laokoonarmes zu Beginn des letzten Jahrhunderts definitiv weiß – von einem Schüler Michelangelos mit dem sieghaft in die Höhe gestreckten Arm falsch ergänzt. Die Fehler wurden 1960 korrigiert. Eine neue Debatte entbrannte, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Eine aktuelle Ausstellung im Winckelmanninstitut der HU legt davon ein mehr als beredtes Zeugnis ab:

http://www.laokoon.hu-berlin.de/

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Wer wollte, konnte die Gespräche dann bei einem Glas Wein ausklingen lassen.

Landschaftsplatz, Modellstudie / Jörn Köppler, Rom 2012

Die Poetik des Bauens: Werkstattgespräch und Buchvorstellung am 11.5.

Wissenswerkstatt
Die Poetik des Bauens – Betrachtungen und Entwürfe
Werkstattgespräch und Buchvorstellung mit Architekt Dr. Jörn Köppler
Donnerstag 11. Mai 2017
18.15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal
Haus Potsdamer Straße 33
Treffpunkt in der Eingangshalle (I-Punkt)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

„erfindbar sind gedichte nicht
es gibt sie ohne uns    irgendwo seit
irgendwo hinter    sie sind dort in ewigkeit
der dichter findet das gedicht“
Jan Skácel

„Ich habe nichts zu sagen, ich habe zu entfalten, und das ist mein Reichtum […].“
Peter Handke

 

Was möchten wir zum Ausdruck bringen, wenn wir eine Erfahrung mit den Worten „ein poetischer Moment“ oder „– wie poetisch!“ zu fassen versuchen? Wollen wir mit dem Begriff des Poetischen nicht ein „Mehr“ beschreiben, etwas, was nicht leicht zu greifen ist, uns jedoch zu berühren und Bedeutung auszustrahlen scheint? Und: Wünschen wir uns nicht solch eine Erfahrung auch von Gebautem, im Idealfall von dem selbst Entworfenen? Man könnte an dieser Stelle weiterfragen, ob das Poetische überhaupt noch eine gesellschaftlich wahrnehmbare Rolle spielt in einer Zeit der fast total erscheinenden Ökonomisierung und Technisierung von allem und jedem.

Diesen und daran anschließenden Fragen geht Jörn Köppler in seinem im transcript Verlag erschienenen Buch „Die Poetik des Bauens: Betrachtungen und Entwürfe“ (2016) nach. Im Vortrag wie im Buch versucht er dabei, sich dem Begriff der Poetik aus philosophischer, literarischer und schließlich architektonischer Perspektive zu nähern, um daraus eine Brücke in das architektonische Entwerfen und Bauen zu schlagen.

Der Vortrag versteht sich explizit als Anregung zu einer Diskussion mit den Gästen, da man erfahrungsgemäß so am ehesten Hinweise auf den Gedanken des Poetischen finden mag.

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Jörn Köppler studierte Architektur an der TU Berlin und promovierte mit einer Arbeit zum „Sinngehalt des Architektonischen: Modernes Bauen und ästhetische Erfahrungen des Erhabenen und der Schönheit“ an der TU Graz. Gemeinsam mit seiner Frau Annette Köppler-Türk führt er seit 2008 das Architekturbüro Köppler Türk Architekten. Jörn Köppler lehrte und forschte bereits an zahlreichen europäischen Hochschulen, darunter die University of Edinburgh, die polytechnischen Hochschulen in Turin und Mailand, die Universität Ljubljana, die TU Berlin und die FH Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Architektur der Moderne, ihr möglicher Bedeutungsgehalt und dessen Übertragung in eine bauliche Form. Im Jahr 2010 erschien im transcript Verlag Köpplers Monographie „Sinn und Krise moderner Architektur: Zeitgenössisches Bauen zwischen Schönheitserfahrung und Rationalitätsglauben.“

 

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Workshop: Turkish and Turkic Manuscript Studies: An Introduction (27.3.-1.4.2017)

Ein Beitrag von Dr. Thoralf Hanstein

Im Rahmen der von der Orientabteilung organisierten Workshop-Reihe „Scriptorium“ fand dieses Jahr eine Veranstaltung mit Fokus auf die osmanisch-türkische und osttürkische Handschriftenkultur statt. Die fachliche Konzeption und Ausgestaltung des Workshops übernahmen Frau Prof. Dr. Claudia Römer (Universität Wien) und Frau Prof. Dr. Ingeborg Baldauf (Humboldt-Universität Berlin). Am ersten Veranstaltungstag hielt Frau Prof. Römer zudem die Keynote lecture unter dem Titel: “How to deal with damaged manuscripts – a case study of a 16th-century Mühimme Defteri (ÖNB Mxt. 270)”. Neben den informationsreichen Vorlesungen waren es vor allem auch die praktisch ausgerichteten Seminare zu Restaurierung/Konservierung (Frau Dr. Patricia Engel, Donau-Universität Krems) und zur Papierherstellung (Katharina Siedler, Berlin), die die auf sechs Tage ausgelegte Veranstaltung prägten. Hinzu kamen die sogenannten Hands-on Sessions, bei denen die Workshop-Teilnehmer das im Theorieteil vermittelte Wissen an Originalhandschriften direkt umsetzen konnten. Prof. Dr. Claus-Peter Haase unterrichtete osmanische Buchkunst und Kalligraphie.

Die osmanische Handschriftenkultur ist faszinierend in ihrer Vielfalt. Sie schließt Dokumente, Archivakten und Urkunden ebenso ein wie Texthandschriften als Zeugnisse der reichhaltigen islamischen Wissenskultur oder illustrierte Prachthandschriften aus den Palastwerkstätten. Die Erweiterung der Perspektive um die osttürkischen Schriftzeugnisse Mittel- und Zentralasiens gaben der Veranstaltung einen besonderen Reiz und machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer recht eigenständigen Handschriftenkultur vertraut, die bisher nur wenigen Spezialisten bekannt ist. Die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin bewahrt mit ca. 3.200 Bänden die größte Sammlung türkischer Handschriften in Deutschland.

Bisher fanden Workshops mit Schwerpunkten zu den arabischen, persischen, hebräischen und armenischen Handschriftenkulturen statt. Schwerpunkte der kommenden „Scriptorien“, die jährlich organisiert werden, sind voraussichtlich „Manuskriptvermerke in islamischen Handschriften“ oder „Malaiische Handschriften“.

Hands-on-Session    –   Arbeiten mit dem Original

 

Traditionelles Papierschöpfen

 

Fahrradcodieraktion – gemeinsam gegen Fahrraddiebe

April, April – er macht was er will! Trotz des wechselhaften Wetters sind die Fahrradständer vor unseren Häusern voll.

Im letzten Jahr kam es vor, dass Fahrräder vor dem Haus Potsdamer Straße entwendet wurden. Die Staatsbibliothek haftet nicht für den Verlust oder Beschädigung abgestellter Fahrräder, aber wir wissen: ‚Gelegenheit macht Diebe‘ und sind bemüht, die Gelegenheiten für Fahrraddiebstähle zu verringern.  Die Hecken wurden mittlerweile gekürzt – aus Naturschutzgründen war dies erst im März möglich.

Um unseren Nutzer*innen ein gutes Gefühl beim Anschließen ihrer Fahrräder zu geben, haben wir zusammen mit der Polizei Berlin eine Fahrradcodieraktion geplant. Die Fahrräder werden (kostenfrei) mit einem individuell nummerierten Aufkleber gekennzeichnet – die Kennzeichnung dient der schnellen Wiederauffindung bei Verlust bzw. Entwendung und wirkt gleichzeitig als Warnung an die möglichen Diebe. Um ein Fahrrad codieren zu lassen, wird ein Personalausweis und ein Nachweis zum Eigentümer (z.B. Kaufbeleg) benötigt.

Die Codieraktion wird vor dem Haus Potsdamer Straße am Mittwoch, dem 26.04.2017 zwischen 12 und 15 Uhr stattfinden. Pro Fahrrad werden ca. 10 Minuten eingeplant. Falls Sie Interesse an dieser Aktion haben, wenden Sie sich bitte für die Terminvergabe direkt an den I-Punkt im Haus Potsdamer Straße.
Falls Sie Interesse haben, aber an dieser Aktion nicht teilnehmen können oder keinen Termin mehr bekommen, finden Sie weitere Termine und Informationen zum Thema Fahrradkennzeichnung bei der Polizei Berlin.

„Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“ (John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1917 – 1963). Damit die Freude nicht in Frust umschlägt:  ein gutes Schloss zulegen, das Fahrrad anschließen – nicht nur abschließen – und demnächst bei einer Fahrradcodieraktion teilnehmen!

Werkstattgespräch zur Bürokratie und Verwaltung im Verlagsgewerbe am 2.5.

Wissenswerkstatt

Bürokratie und Verwaltung im Verlagsgewerbe – vom handschriftlichen Verlegerbrief zum Formular

Werkstattgespräch mit  Univ.-Prof. Dr. Christine Haug (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Dienstag, 02. Mai 2017
18.15 Uhr
Konferenzraum 4
Haus Unter den Linden
Treffpunkt im Eingangsbereich (Rotunde)
Eintritt frei, Anmeldung erbeten

 

Die Führung eines im internationalen Markt aktiven Verlagshauses im 18. Jahrhundert stellten den Inhaber, seine Prokuristen und Handlungsgehilfen vor große Herausforderungen, allemal im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Hier erforderte allein die Fragmentierung der Wirtschaftsräume mit ihren eigenen Währungen, Zollbestimmungen sowie Verkehrssystemen, ihrer Dezentralisierung der Literaturstandorte ein hohes Maß an kaufmännisch-verlegerischer Fachkompetenz, Funktionalität der Arbeitsabläufe und Zeitorganisation; Herausforderungen, die nur in einem professionell geführten Verlagskontor zu bewältigen waren. Das Kontor war das Logistikzentrum des Verlagshauses, die Schaltzentrale für die Koordinierung des internationalen Warenverkehrs bzw. Materialflusses. Korrespondenz mit Autoren, Druckern, Papierlieferanten etc., flankiert von der akribischen Führung der Handelsbücher, beanspruchte einen erheblichen Zeitaufwand. Der in der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrte Nachlass des Verlegers Friedrich Nicolai verzeichnet nur für die Korrespondenz 30.000 Blatt. Nach eigenen Angaben verfasste Nicolai allein wegen der Betreuung seiner Rezensenten für die Allgemeine Deutsche Bibliothek bis zu 400 Briefe im Jahr.

 

Beim Geschäftsbrief handelt es sich um ein Verkehrsschriftstück, das generell einer gewissen Funktionalität und Normierung unterlag. Geschäftskorrespondenz war per se für eine weiträumige und grenzüberschreitende Zirkulation bestimmt und allein aus diesem Grund unterlag dieser Brieftypus Standardisierungsprozessen, die in der internationalen Handelswelt etabliert waren. Ein entscheidendes Kommunikationskriterium war die Kuvertierung, die nach einem strengen Reglement erfolgte. Am Beispiel der Kuvertierung lässt sich auch die sukzessive Ausdifferenzierung von herkömmlichem Geschäftsbrief und standardisiertem Vordruck nachweisen. Frachtbriefe, Bestellscheine, Pränumerationsvordrucke etc. stellten ein Hybrid zwischen Brief und Formular dar. Das Formular barg eine standardisierte Nachricht, eine Kombination aus Druckschrift und Handschrift. Frachtbriefe wurden so gefaltet, dass sie jederzeit wieder geöffnet und geschlossen werden konnten, waren also im Gegensatz zum Geschäftsbrief nicht versiegelt.

 

Eine Veranstaltung der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit

Alle Veranstaltungen der Wissenswerkstatt.

Wiedererwerbung der Druckausgabe der Dayak-Bibel von 1858

Ein Beitrag von Thoralf Hanstein.

Im Februar 2017 konnte die Staatsbibliothek einen Kriegsverlust ersetzen, der auch in anderer Hinsicht den Bestand der Bibliothek bereichert.

Alles begann 1840 mit der Reise von August Hardeland zu der bis dahin nur wenig erschlossenen „Ausseninsel“ Borneo, genauer zu den indigenen Stämmen der Ngaju-Dayak in Zentral-/Süd-Borneo. Niederländisch-Indien konzentrierte sich zu dieser Zeit hauptsächlich auf die Insel Java, und erst langsam wurden weitere Inseln des Archipels dem Kolonialreich einverleibt.

Der in Kirchenkreisen nicht unumstrittene Hardeland (s. „Hardelandkonflikt“) war für die Rheinische Mission als Missionar tätig. Einem neuen Ansatz seiner Missionsgesellschaft folgend, sollte er sich auf Borneo u.a. um die Ausbildung von „Nationalgehülfen“, also von einheimischen Hilfslehrern, kümmern. Zusammen mit Friedrich Becker fertigte er eine Übersetzung des Neuen Testaments in die dortige Lokalsprache an, und nach Beckers Tod im Jahre 1849 im Alleingang eine Übersetzung des Alten Testaments (Surat brasi Djandji idjä solake). Da die Ngaju-Dayak keine Schrift hatten, benutzte Hardeland das lateinische Alphabet. Er fertigte auf die Drucklegung ausgerichtete, eigenhändige Manuskripte an. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde anhand dieser Vorlage eine Druckfassung des Alten und Neuen Testaments 1858 in Amsterdam besorgt. Ein Jahr später reiste Hardeland erneut als Missionar nach Südafrika – und nahm dabei seine Manuskripte mit, wie man dem Autograph entnehmen kann:

Auf dem Schmutzblatt der Handschrift ist folgender Vermerk eingeklebt: „Het eigenhandig Handschrift van Aug. Hardeland. Zijne vertaling van het Oude testament in de taal der Dajaks van Zuid-Borneo. Bij zijn vertrek van Z.O. Afrika ten geschenk gegeven aan Millies“.

Auf Seite 1 dann folgender Eintrag: „This translation was given by Hardeland to Prof. Millies, and in 1858 was printed at Amsterdam. From Prof. Millies … , Utrecht. May 1870…Brugge“.

Dieser 309seitige Autograph des Alten Testaments fand seinen Weg in die Bestände der Staatsbibliothek und wird unter der Signatur Ms. or. fol. 4319 im Handschriftenmagazin der Orientabteilung aufbewahrt.

Besitzt eine Bibliothek einen solchen Autograph, der auch noch als Basis zur Drucklegung diente, so ist es nur verständlich, dass auch dieser Druck zu den Beständen gehören sollte. Bis zum 2. Weltkrieg waren zwei Exemplare des zweibändigen Druckwerks des Alten Testaments in der damals noch Preußischen Staatsbibliothek verzeichnet – danach werden sie als Kriegsverlust geführt. Der Autograf selbst kam erst zu DDR-Zeiten in den Bestand der Deutschen Staatsbibliothek (Berlin-Ost), und erhielt daher nach der Wiedervereinigung die Akzessionsnummer acc.ms.or.1991.38. Jetzt ist es gelungen, diese Druckausgaben antiquarisch in den Niederlanden zu erwerben, sodass Autograph und Druck (Signatur 4 A 55114-1 und -2) wieder unter einem „Bibliotheksdach“ vereint sind.

Ms. or. fol. 4319, S. 1

Quellen und weiterführende Literatur:

Karl Böhmer: Beobachtungen zu den ersten Hermannsburger Missionarskursen im Hardelandkonflikt. in: Jobst Reller: Ausbildung für Mission: Das Missionsseminar Hermannsburg von 1849 bis 2012. LIT Verlag Münster 2016, S. 149-164;

Jan Lodewyk Swellengrebel: In Leijdeckers voetspoor : anderhalve eeuw bijbelvertaling en taalkunde in de indonesische talen. in: Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde. Teil I: 1820-1900. Leiden: Brill, 1974, 68.

Bildquelle: Carl Schwaner: Borneo. Beschrijving van het stroomgebied van den Barito en reizen langs eenige voorname rivieren van het zuid-oostelijk gedeelte van dat eiland door Dr. C. A. L. M. Schwaner. Amsterdam, 1854. Titelbild von Band 2. (nach Auguste van Pers und Heinrich von Gaffron, lithographiert bei C. W. Mieling).

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Wissenswerkstatt-Workshops im Mai

In unserer Wissenswerkstatt vermitteln wir Ihnen elektronische Ressourcen oder Internetquellen zu Ihrem Fach, zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie schnell und treffsicher zu den gewünschten Suchergebnissen kommen, elektronische Texte oder Digitalisate finden und diese weiter verarbeiten können. Im Mai möchten wir Sie zu folgenden Workshops einladen:

 

Workshop
Bitte Recht offen! – Open Access in den Rechtswissenschaften
Dienstag, 16. Mai, 16.00 Uhr

 

Workshop
Fragestunde Bildrecherche & Bildrechte
Donnerstag, 18. Mai, 16.00 Uhr

 

Außerdem:
e-day!
Elektronische Ressourcen: schnell, aktuell und überall wissenschaftlich arbeiten
Workshops, Beratung, Präsentationen
Donnerstag, 4. Mai, 10-15.30 Uhr

 

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Ein Angebot der Staatsbibliothek zu Berlin und ihrer Kooperationspartner.

Potsdam, 22. April, Bachs h-Moll-Messe : Vortrag und Aufführung

Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, stellt das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach vor, dieses gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Nikolaikantor Björn O. Wiede (Potsdam), erläutert die authentische Aufführungspraxis des Barock-Ensembles EXXENTIAL BACH, das unter seiner Leitung die Messe aufführt.

Samstag, 22. April 2017
Nikolaikirche Potsdam; Am Alten Markt

18.30 Uhr | Einführung mit
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin u. Präsidentin der Brandenburgischen Bach-Gesellschaft,
Björn O. Wiede, Dirigent und Nikolaikantor

19.30 Uhr | Johann Sebastian Bach: h-Moll-Messe
Barock-Ensemble EXXENTIAL BACH, Dirigent: Björn O. Wiede

Die seit Karfreitag andauernden Osterfesttage Potsdam schließen am Samstag, 22. April 2017, mit einer ausführlichen Einführung in die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach (BWV 232) und mit der Aufführung des Werkes ab. Das Autograph, das zusammen mit 80% aller überlieferten Werke des Meisters in der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter besten konservatorischen Bedingungen aufbewahrt wird, gehört seit dem Jahr 2015 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Autograph der h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Titelblatt || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Das heute weltweit am häufigsten aufgeführte Werk Bachs für Vokal- und Instrumentalstimmen wurde von J. S. Bach selbst ohne Titel gelassen. Erst im Nachlassverzeichnis wird es als „große catholische Messe“ bezeichnet, es beinhaltet den vollständigen lateinischen Text der katholischen Messliturgie.

Bach hatte schon im Jahr 1733 mit der Arbeit an der Messe begonnen, jedoch stellte er sie erst kurz vor seinem Lebensende in den Jahren 1748-49 und damit auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft fertig. Die Verwendung von historischen und zeitgenössischen Satzarten, Formen und Kompositionstechniken in einem Werk ist das herausragende Alleinstellungsmerkmal der h-Moll-Messe.

Die einzige vollständige Partitur aus Bachs Lebzeiten ist mit Tinte auf Papier verfasst. Er verwendete 99 Blätter und vier Titelblätter, die Abmessungen betragen zwischen 33,5 x 21 cm und 36 x 23 cm. Die h-Moll-Messe besteht aus vier Teilen, der erste wurde 1733 komponiert, die Teile II bis IV vermutlich zwischen August 1748 und Oktober 1749. Eine Datierung durch den Meister selbst liegt nicht vor, sie lässt sich aber durch Schriftvergleiche ermitteln.

Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs ging das Autograph der gesamten Messe in den Besitz seines Sohnes Carl Philipp Emanuel über, der die Handschrift im Rahmen seiner Arbeit als Musiker verwendete. Danach ging die Handschrift auf dessen Tochter Anna Carolina Philippina über. 1805 wurde sie vom Schweizer Musikpädagogen und Musikverleger Hans Georg Nägeli erworben und in der Familie weiter vererbt. Nach einer weiteren Station erwarb die Bach-Gesellschaft Leipzig 1857 das Autograph. 1861 konnte das wertvolle Autograph schließlich von der Königlichen Bibliothek zu Berlin, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, erworben werden, wo sie nun dauerhaft verwahrt wird.

Autograph h-Moll-Messe, Johann Sebastian Bach, BWV 232, Kyrie || Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – Lizenz CC-BY-NC-SA 3.0

Die h-Moll-Messe befindet sich in Berlin in einem herausragenden Umfeld: Zur weltweit größten Bach-Sammlung gehören neben etwa 80% aller von Johann Sebastian Bach im Autograph überlieferten Werke auch nahezu alle Werke seiner vier komponierenden Söhne sowie das Alt-Bachische Archiv, ein von ihm selbst zusammengestelltes Musikarchiv mit Kompositionen seiner Musiker-Vorfahren.

Johann Sebastian Bach war als Komponist wegweisend, seine Werke beeinflussen die Musikgeschichte bis heute nachhaltig, wobei sich sowohl Komponisten an seinem Schaffen orientieren als auch die Werke Bachs fester Bestandteil des Konzertlebens sind.

 

weitere Informationen erhalten Sie bei der Skt. Nikolai Kirchengemeinde Potsdam

Buchpatenschaft für den Monat April

Johann Sebastian Bachs Choräle passen immer gut zu hohen christlichen Feiertagen. Daher haben wir als Patenschaft für den Monat April eine Partiturabschrift aus der Musikabteilung ausgesucht.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750): Sammelhandschrift mit Choralbearbeitungen (BWV 672-675, 677 u. 679) und Duetten (BWV 802-805) aus der Klavierübung 3. Teil. Abschrift von Gottfried Heinrich Moering (1747-1825). Bibliothekssignatur: Mus.ms. Bach P 566.

Bach, Johann Sebastian (1685-1750):
Sammelhandschrift mit Choralbearbeitungen (BWV 672-675, 677 u. 679) und Duetten (BWV 802-805) aus der Klavierübung 3. Teil.
Abschrift von Gottfried Heinrich Moering (1747-1825)

36 S., Kartonumschlag mit handgefertigtem Buntpapier.

Das Manuskript vereinigt Abschriften des größten Teils der Choralbearbeitungen sowie der vier Duette aus dem 3. Teil der Clavier Übung, die Bach 1739 in Nürnberg im Druck herausgab. Es stammt aus dem Besitz des Bach-Schülers Johann Philipp Kirnberger (1721-1783), der in Berlin als Lehrer und musikalischer Berater der preußischen Prinzessin Anna Amalia (1723 – 1787), der jüngsten Schwester Friedrichs II., wirkte. Der Schreiber Gottfried Heinrich Moering (1747-1825) war ein Schüler Kirnbergers.

Restaurierungsbedarf: Trocken reinigen, Risse schließen, fliegendes Papier einfügen, Umschlag ablösen, neu umheften, Bezugspapier stabiblisieren, Kanten und Ecken sichern und festigen, Schutzverpackung

Kalkulierte Kosten: 330 €

 

 

 

 

Übernehmen Sie eine Buchpatenschaft bei den “Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.”

Wenn Sie Interesse daran haben, dass diese Partiturabschrift  restauriert und damit wieder benutzt werden kann, dann schreiben Sie an freunde@sbb.spk-berlin.de. Für Ihre Hilfe, ein bedrohtes Werk vor dem Verfall zu bewahren, erhalten Sie:

  • ein Exlibris aus alterungsbeständigem Papier mit Ihrem Namen oder einem von Ihnen gewünschten Namen,
  • die Möglichkeit, das restaurierte Werk zu besichtigen beim Jahresempfang oder bei einem Termin nach Vereinbarung,
  • eine Spendenbescheinigung für Ihr Finanzamt.

Weitere Hinweise zu Buchpatenschaften und eine große Auswahl an  Patenschaften aus allen Abteilungen der Staatsbibliothek zu Berlin finden Sie auf der Seite der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. Das Spektrum reicht weit über Bücher hinaus – hier finden Sie auch Noten, Landkarten, Zeitungen, Handschriften.

Kontakt: Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V., Gwendolyn Mertz, Unter den Linden 8, 10117 Berlin, Telefon: 030 – 266 43 8000, Mail: freunde@sbb.spk-Berlin.de

Bilder von der Baustelle Unter den Linden

75 Jahre nach ihrer Zerstörung wurde die Kuppel über dem Eingangsportal neu aufgebaut || Foto: BBR, Jens Andreae

Das Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden ist das Stammhaus der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und gehört zu den bedeutendsten Bibliotheksbauten weltweit. Es ist mit einer Grundfläche von 107 mal 170 Metern und einer Bruttogrundfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern zudem eines der größten Gebäude Berlins.
Die Grundinstandsetzung und Erweiterung findet seit 2005 bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, unterteilt in zwei Bauabschnitte.

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300 Plätze im großen Veranstaltungssaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Kissenförmige Kunstharzelemente formen die Lichtdecke || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Große Veranstaltungssaal nach seiner Sanierung: Die fehlende historische Decke wurde ersetzt durch eine lichtdurchlässige, aus kissenförmigen Kunstharz-Elementen bestehende Kassettenstruktur nach einem Entwurf des Architekturbüros HG Merz. Zur Erbauungszeit waren die Halbsäulen komplett vergoldet, ein erhaltener Rest der Vergoldung ist in der nordwestlichen Ecke des Saales noch zu sehen.

künftiger Handschriftenlesesaal || Foto: BBR, Jens Andreae

Der Handschriftenlesesaal ist mit original erhaltenen Lesetischen ausgestattet, die denkmalgerecht aufgearbeitet und mit Strom- und Datennetzanschlüssen versehen wurden.

Lichtkissen, entwickelt von Kress & Adams, Köln || Foto: BRR, Jens Andreae

Die Lampen, die sogenannten Lichtkissen, wurden speziell für die Staatsbibliothek von HG Merz und den Lichtplanern Kress und Adams aus Köln entworfen.

 

nicht standsichere Außenwände || Foto: BBR, J. Andreae

Während der Sanierung der Außenwände wurde festgestellt, dass diese nicht durchgängig massiv ausgeführt waren, sondern aus einer tragenden Wand und einer innenseitig mit einem Abstand zu dieser tragenden Wand vorgesetzten zweiten Wand bestanden. Da die Planer zunächst von durchgängig massiv gemauerten Wänden ausgehen mussten, war mit dieser Entdeckung die vorherige statische Berechnung dieser Wände hinfällig geworden, die Deckenkonstruktion musste komplett umgeplant werden. Der Hohlraum wurde dort, wo es die Statik erforderte, mit Beton verfüllt, und dort, wo dies nicht notwendig war, mit einer Wärmedämmung. Weitere Hohlräume traten in Wänden des zweiten Bauabschnittes zu Tage und führten aus Gründen des Brandschutzes oder der Standsicherheit zu zusätzlichen Baumaßnahmen.

 

Detail eines Treppengeländers: Im Inneren eines Balusters
korrodierter Stahlstab || Foto: BBR, Bernd Helmich

Auf der Grundlage von Untersuchungen im Vorfeld der Grundinstandsetzung wurden in den repräsentativen Treppenhäusern des Altbaus zunächst lediglich neue Befestigungen des denkmalgeschützten Geländers geplant. Zu Beginn der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die Stahlstäbe im Inneren der von außen intakt scheinenden Messingbaluster so stark korrodiert waren, dass eine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Rund 1000 Baluster mussten aufwändig saniert, die Hälfe davon sogar nachgebaut werden.

 

Fachwerkträger waren auszutauschen: rechts alt, links neu || Foto: BBR, Jens Andreae

Über dem Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle wurden noch während der Erbauungszeit nachträglich vier Geschosse mit zusätzlichen Magazinen errichtet, deren gewaltigen Lasten mit großen Stahlfachwerkträgern hoch über der Haupttreppe abgefangen werden. Diese Träger, verborgen hinter einem Tonnengewölbe und später über einer Flachdecke aus der Nachkriegszeit, wurden nach Auszug der Bibliothek und anschließender Entkernung Ende 2013 umfänglich begutachtet. Dabei sind erhebliche Materialschäden festgestellt worden, die auf eine unzureichende Standsicherheit schließen ließen. Dies erforderte den kompletten Austausch der gesamten Konstruktion. Durch die weitreichende Folgen auf die benachbarten tragenden Bauteile wurden die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in diesem Bereich völlig neu geplant.

 

Tragwerk für die neue Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Von der einst etwa 20 Meter hohen Kuppel im Vestibül sind aus der Entstehungszeit nur die zwei sich kreuzende Stahlbetonbögen übrig geblieben, die die ursprüngliche Kuppelschale einmal getragen haben. Dem architektonischen Konzept folgend, war die Wiederherstellung der Kuppel zunächst in ihrer ursprünglichen Geometrie direkt unter diesen, heute denkmalgeschützten Stahlbetonbögen geplant. Die Bausubstanz dieser lange hinter der Flachdecke aus der Nachkriegszeit verborgenen Bögen erwies sich erwartungsgemäß als dringend sanierungsbedürftig. Allerdings ergab die genaue Vermessung im Vorfeld der Detailplanung der zu rekonstruierenden Kuppelschale, dass sich die Betonkonstruktion etwas verformt und um einige Zentimeter gesenkt hatte, möglicherweise eine Folge von Kriegszerstörung und Abriss des früher benachbarten Kuppellesesaales. Eine Kuppel in der ursprünglichen Geometrie war hier nicht mehr ausführbar. Die Neuplanung wurde an die jetzige Geometrie angepasst.

Eine Restauratorin arbeitet am historischen Majolika-Ring in der Kuppel über dem Vestibül || Foto: BBR, Florian Profitlich

Das Oberlicht in der Kuppel des Foyers ist mit einem dreifachen Ring aus Majoliken eingefasst, die Kaiser Wilhelm II. persönlich in Königsberger Werkstätten ausgewählt hat.

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ausführliche Informationen zum Bauprojekte Unter den Linden:

Endspurt auf der Großbaustelle

ausführliche Informationen zur Grundinstandsetzung Unter den Linden

‘Tout Berlin’ willkommen am 10. Juni

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Darüber berichteten neben anderen auch

Deutsche Presseagentur, dpa (hier übernommen von Berliner Zeitung)
Der Tagesspiegel
rbb Abendschau (Nachrichtenblock I, 1:43)

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