Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

Ausstellung SchriftSprache am 1. Oktober eröffnet

Ungewohnt buntes Treiben im Foyer des Hauses Potsdamer Straße: Am 1. Oktober wurde die Ausstellung SchriftSprache – Aksara dan Bahasa durch die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, den Botschafter der Republik Indonesien, Seine Exzellenz Dr.-Ing. Fauzi Bowo, sowie die Direktorin des Nationalsmuseums Jakarta, Dra. Intan Mardiana, feierlich eröffnet. Nach einem vielseitigen Abendprogramm mit indonesischer Musik und Tanz zogen die beiden Direktorinnen und der Botschafter an der Spitze der Gäste in einer Prozession zum Dietrich-Bonhoeffer-Saal und durchschnitten dort gemeinsam das Band zur Eröffnung. Neben der Präsentation der wertvollen Handschriften im Ausstellungsraum finden im Foyer Vorführungen zu indonesischen Schriften und zur Herstellung von Maulbeerbaumpapier statt. Ebenfalls präsentiert sich das World Culture Forum der UNESCO mit einem Informationsstand über Indonesien. Die Ausstellung findet aus Anlass der Frankfurter Buchmesse statt, auf der in diesem Jahr Indonesien das Ehrengastland ist.

In ihrer Ansprache betonte Barbara Schneider-Kempf die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Indonesien und dem Nationalmuseum, aus der die Neukatalogisierung des indonesischen Handschriftenbestands resultiert. Zu der Ausstellung erscheint ein reich bebilderter zweisprachiger Katalog. Der vor allem für die Wissenschaft interessante Katalog der Handschriften wird ebenfalls in Kürze veröffentlicht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Oktober 2015 im Dietrich-Bonhoeffer-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, zu sehen (weitere Informationen).

Zum 500. Geburtstag Cranachs des Jüngeren

Heute vor 500 Jahren wurde in Wittenberg einer der bedeutendsten Maler der Renaissance geboren: Am 4. Oktober 1515 kam Lucas Cranach der Jüngere auf die Welt. Martin Luther sollte wenige Jahre später seine Thesen veröffentlichen, die noch junge Wittenberger Universität zu einem Zentrum humanistischer Gelehrsamkeit avancieren. Zahlreiche Studenten strömten in die Vorlesungen Melanchthons und lernten die griechische Grammatik. Fürsten und Gelehrte diskutierten über antike Autoren und biblische Schriften.

Die Bilder Cranachs des Jüngeren stellen diese Welt vor Augen. Sie behandeln die Themen der Reformationszeit und lassen dabei die Gesichtszüge zeitgenössischer Gelehrter lebendig werden. In einer vierbändigen Bibel, die 1561 in Wittenberg gedruckt wurde, stellt Cranach sogar einen Gelehrten mit seiner Familie dar: In Form von Miniaturportraits, die auf Vorsatzblättern in die verschiedenen Bände eingefügt sind, werden – neben Martin Luther (Bd. 1) – der thüringisch-sächsische Edelmann Nikolaus von Ebeleben (Bd. 2), dessen Frau (Bd. 3) sowie drei seiner Kinder (Bd. 4) vorgestellt.

In der Staatsbibliothek zu Berlin werden die Bände heute aufbewahrt. Sie tragen die Signatur: Libr. in membr. impr. 12-15. Nähere Informationen zu ihnen finden sich in: Jutta Fliege, Die Bibel des Nikolaus von Ebeleben im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. In: Mitteilungen / Staatsbibliothek zu Berlin, Preussischer Kulturbesitz N.F. – 7.1998, S. 261-295.

 

Herzlich willkommen auf SBB aktuell, unserem neuen Blog-Netzwerk

Wir freuen uns heute den nächsten Schritt im digitalen Raum zu unternehmen.  Gerne gemeinsam mit Ihnen!

Unsere zahlreichen und vielfältigen Informationskanäle, wie unsere Website, unsere Newsletter und regelmäßigen Publikationen, unsere Aktivitäten in den Sozialen Medien auf Facebook, Twitter, YouTube finden mit diesem Blog nun eine sinnvolle und zeitgemäße Ergänzung.

Mit diesem Netzwerk wollen wir den Inhalt der verteilten Informationen unserer Einrichtung bündeln und in neuer Form und mit ansprechendem Design für Sie präsentieren.

Inhaltlich dürfen Sie eine Zusammenschau unserer Tätigkeiten, Services und Veranstaltungen erwarten.  Unserem Leitmotiv „Für Forschung und Kultur“ folgend werden die Beiträge über Wissenswertes informieren.  Seien diese kurz und knapp gehalten zum schnellen Wahrnehmen oder auch länger, in die Tiefe gehend, so verfolgen wir mit SBB aktuell ein Ziel:  Ihnen transparent zu machen, was Sie von dieser Institution in der Mitte Berlins erwarten können.

Sicher gehören wir nicht zu den ersten bloggenden Bibliotheken, aber zum Ausgleich beginnen wir vom Start weg mit einem ganzen Bündel an thematisch aufgebauten Einzelblogs. Vom ersten Tag an erwarten Sie Beiträge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen unserer Bibliothek. Unsere Sammlungsaktivitäten und Dienstleistungen sind so vielfältig wie das Personal.  Auch wir sind gespannt, welch thematischer Blumenstrauß nun ab Herbst erblühen wird. Lassen wir uns überraschen!

Blogs leben vom Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Wir freuen uns daher ganz besonders auf Ihre Anregungen, Kommentare und Kritiken.

Ihre Barbara Schneider-Kempf

Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Wir begrüßen Reinhard Altenhöner!

Reinhard Altenhöner wurde am Morgen des 1. Oktober von Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf herzlich als neuer Ständiger Vertreter der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin willkommen geheißen. Reinhard Altenhöner, Jahrgang 1963, kommt von der Deutschen Nationalbibliothek, wo er zum Strategischen Lenkungsteam (Vorstand) gehörte. Seit 2014 leitete er den Fachbereich Informationsinfrastruktur und Bestandserhaltung. Er zeichnete für die Strategie- und Konzeptentwicklung der DNB wesentlich mitverantwortlich, entwickelte IT-gestützte Dienstleistungen und tat sich bei der Formatentwicklung, bei Digitalisierungsprojekten, Indexierungsverfahren, bei der Langzeitarchivierung und bei der Entwicklung von Bereitstellungssystemen hervor. Ein ausführliches Porträt erschien in Heft 3/2015 des „Bibliotheksmagazins“.

Entmystifizierung des Herzens

Die World Heart Federation hat in diesen Tagen daran erinnert, welche Aufgabe tagtäglich unserem Herzen zukommt: Indem es das Blut durch den Körper pumpt, stellt es die sauer- und nährstoffliche Versorgung der Organe sicher. Die physiologische Bedeutung, die dem Herzen damit zuerkannt ist, war jedoch lange unbekannt. Bis ins 17. Jahrhundert hinein nahm man in Westeuropa an, dass die Aufgabe des Herzens in der Veredelung des Blutes liege. In Anknüpfung an Vorstellungen des einflussreichen griechischen Arztes Galen (129–ca. 216) ging man davon aus, dass das Blut von der rechten in die linke Herzkammer fließe und dabei mit Lebensgeistern angereichert werde. Derart aufbereitet, versorge es den Körper mit Lebenskraft und werde von ihm verbraucht.

Hinterfragt wird diese Vorstellung bei uns erst ungefähr 1400 Jahre später – durch eine Abhandlung William Harveys (1578–1657). In seiner Schrift über die „Bewegung des Herzens und des Blutes“ („Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus“) bringt der englische Arzt seine Zweifel zum Ausdruck: Er sei sich „nicht ganz sicher“, ob die überlieferten Thesen, an die seine Kollegen anknüpften, tatsächlich zuträfen. „Sinn und Nutzen der Herzbewegung“ will er daher „nicht aus Büchern und den Schriften anderer“ ergründen, sondern „durch eigenes Sehen“. Will heißen: durch den Eingriff in lebende Organismen. Harvey fixiert Kalt- und Warmblütler auf einen Tisch, öffnet ihnen den Brustkorb und perforiert ihre Schlagadern. Was er dabei wahrnimmt und mit viel Aufmerksamkeit beobachtet, ist das Pulsieren der Blutgefäße.

Zu den Vorstellungen Galens stand diese Beobachtung im Widerspruch: Das Herz saugt das Blut nicht an. Es pumpt es in die Arterien, und zwar in rauhen Mengen. Bei dem Versuch, sie grob zu überschlagen, kommt Harvey auf ein Volumen, das viel zu umfangreich ist, um vom Körper verbraucht zu werden. Statt an einen schrittweisen Verzehr des Blutes sei daher an einen Kreislauf zu denken. Man müsse, so Harvey, „notwendigerweise schließen“, dass sich das Blut „bei Lebewesen in einem Kreise“ bewege, und dass dies „die Tätigkeit bzw. Betätigung des Herzens [sei], die es mittels seines Pulses zustande bringt“.

Für Harveys Zeitgenossen war diese Schlussfolgerung schwer nachzuvollziehen. Sie kam ihnen einer Entmystifizierung des Herzens gleich. Selbst Fachkollegen reagierten ungläubig. Sollte das Herz tatsächlich nur eine Pumpe sein? Der einstige Sitz der Seele nicht mehr als ein Muskel? Weitere Beobachtungen schienen diese These zu bekräftigen. Bevor sie sich erhärten konnte, sollten jedoch noch mehrere Jahrzehnte vergehen.

Über die Sammlungen der Staatsbibliothek lassen sich die Etappen der Herzforschung erschließen. So können neben historischen Schriften u.a. von William Harvey (im Haus Unter den Linden) auch jüngere Beiträge zur kardiologischen Forschung (im Haus Potsdamer Straße) online oder vor Ort bestellt und eingesehen werden. Einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Titel verschafft der StaBiKat bzw. der StaBiKat+.

Ausstellung SchriftSprache 2.-17.10.

Ausstellung indonesischer Handschriften aus den Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin
SchriftSprache – Aksara dan Bahasa

In Kooperation mit dem Indonesischen Nationalmuseum, Jakarta und mit freundlicher Unterstützung der Botschaft der Republik Indonesien in Berlin sowie der Senatskanzlei Berlin

Schriftsprache

Druck

2. – 17. Oktober 2015

Mo – Sa 10 – 19 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen

Eintritt frei

Staatsbibliothek zu Berlin
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Kuratorenführung durch die Ausstellung jeweils Mittwoch um 17 Uhr. Eintritt frei.


Begleitveranstaltungen im Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße 33

Freitag, 2. Oktober 2015
15 – 19 Uhr
Seminar
Schriftlichkeit & Sprache in indonesischen Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin

Montag, 5. Oktober 2015
15 – 19 Uhr
Seminar
Literarische Schatzkammer Indonesien und Indonesische Superhelden

Samstag, 10. Oktober 2015
10 – 14 Uhr
Lesung
Lesung aus indonesischen Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin

In den Pausen traditioneller indonesischer Tanz

Der Simón-Bolívar-Saal ist nicht barrierefrei zugänglich.

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

Anmeldung zu den Veranstaltungen bitte unter: orientabt@sbb.spk-berlin.de

Humboldts Reisetagebücher: Werkstattgespräch am 6.10.

Werkstattgespräch
„Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher“

Dienstag, 06. Oktober
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Anmeldung

Dr. Jutta Weber / Julia Bispinck-Roßbacher, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dr. Tobias Kraft, Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Die Amerikanischen Reisetagebücher sind das wichtigste materielle Zeugnis für Alexander von Humboldts berühmte Forschungsreise durch die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804. Zugleich bilden sie die Arbeitsgrundlage des von Humboldt in den Jahren 1805 bis 1838 publizierten, 29-bändigen Reisewerks Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent. Darüber hinaus wissen wir, dass die im Konvolut der Tagebücher enthaltenen Texte nicht nur bereits vor der eigentlichen Amerika-Reise ansetzen, sondern auch durchgehend bis kurz vor seinem Tod 1859 von Humboldt benutzt, verändert, beschrieben und ergänzt worden sind. Erst eine um die Erkenntnismöglichkeiten materialwissenschaftlicher Forschung erweiterte Lektüre ermöglicht, die vielschichtigen Dimensionen dieses lebenslangen Arbeits- und Schreibprozesses in den Tagebüchern nachvollziehen und angemessen deuten zu können. Der Vortrag wird exemplarisch einige Dimensionen dieser Arbeit am Material der Humboldt‘schen Texte ausleuchten und zukünftige Kooperationsvorhaben zwischen Literaturwissenschaft, Bibliothek und Materialforschung vorstellen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Es gibt keinen richtigen Link im falschen! Warum URL-Shortener politisch sind.

tl,dr: Die Staatsbibliothek zu Berlin wechselt von bit.ly auf einen eigenen Dienst zum Kürzen von URLs. Und versteht dies als einen politischen Akt.

Wir Bibliotheken gehen mittlerweile bewusster mit den Daten unserer NutzerInnen um. Einem kurzen aber heftigen Flirt mit dem Web 2.0 folgte die Ernüchterung – und die Erkenntnis, dass es vielleicht keine wirklich gute Idee ist, unsere OPAC-Suchen direkt in Facebook zu integrieren (ja, das hat es wirklich gegeben).

Google Analytics ist Geschichte

Schon seit 2011 ist auch das Thema Google Analytics vom Tisch: Dank der wegweisenden Handreichung des Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein hat sich die Open-Source-Alternative „Piwik“ in unseren Einrichtungen durchgesetzt. Wir erhalten nach wie vor wertvolle Rückmeldungen über die Nutzung unserer Dienste. Die Daten verlassen jedoch nie unsere eigenen Server und wir können selbst den notwendigen Grad der Anonymisierung bestimmen.

Umso erstaunlicher ist es, dass ein anderer Datensammel-Dienst, in vielen unserer Services täglich dutzendfach eingesetzt, all die Jahre auf ausländischen Servern – neumodisch „Cloud“ genannt – überdauert hat: URL-Shortener. Diese kleinen Helfer sind ebenso simpel wie praktisch: auf Twitter gibt es bedenklich wenig Platz, jedes Zeichen ist kostbar. Und wer möchte schon gern solche Link-Ungetüme auf Facebook oder dem Info-Ausdruck im Lesesaal sehen:

http://staatsbibliothek-berlin.de/vor-ort/lesesaele-und-serviceangebote/unter-den-linden/

Der funktionstüchtige Versand einer solchen Adresse mittels einer E-Mail gleicht auch eher einem Glückspiel. URL-Shortener bieten hier eine einfache Lösung, sie machen aus der Adresse oben in Bruchteilen einer Sekunde:

http://bit.ly/2k8ecp6

Und das zuverlässig und kostenlos.

Die Daten unserer NutzerInnen haben dort nichts verloren

URL-Shortener kommen mittlerweile an vielen Stellen unserer Systeme vor – etwa in OPACs, Discovery-Systemen und fachspezifischen Nachweissystemen. Eben überall da, wo man NutzerInnen handliche, kurze URLs anbieten möchte.

Worüber aber wenig nachgedacht wird: Das Klickverhalten unserer NutzerInnen wir nun nicht nur von Facebook oder Twitter gespeichert und ausgewertet – das ist schließlich ihr Geschäftsmodell – sondern zusätzlich noch von einer weiteren, kommerziell am Markt agierenden Firma. Bei jedem einzelnen Klick auf einen gekürzten Link. Die Daten unserer NutzerInnen haben dort nichts verloren, ganz unabhängig ob die Firmen nun auf bit.ly, tinyurl.com oder einen der anderen 340 Namen hören.

Datensparsamkeit steht Bibliotheken gut zu Gesicht

Interessanterweise besteht über den Grundsatz der Datensparsamkeit eigentlich ein breiter Konsens, vom Bundesdatenschutzgesetz bis hin zum Grundsatz der Hacker-Ethik des Chaos Computer Club: „Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen“ – im direktesten Sinne ein probater Wahlspruch für Bibliotheken.

Die Alternative

Die Staatsbibliothek zu Berlin hat nun einen ebenso naheliegenden wie einfachen Ausweg gewählt: die Installation eines eigenen URL-Shorteners für unsere Dienste. Im Open-Source-Bereich findet sich eigentlich nur ein ernst zu nehmender Kandidat, dem man auch gern etwas mehr Entwicklungsdynamik wünschen würde: http://yourls.org

URL-Shortener basieren auf gut verstandener Technologie, und es spricht nichts dagegen, dass bereits kleine IT-Abteilungen einen entsprechenden Dienst aufsetzen. Die Nutzeroberfläche zum Kürzen von Links ist dabei nur für die eigenen MitarbeiterInnen interessant; NutzerInnen bekommen schlicht die fertigen Links präsentiert.

Schulungsvideo oder bessere Nutzeroberfläche?

Bei der Einführung standen wir vor einer grundlegenden Entscheidung: lassen wir den Dienst unverändert, und bieten Schulungen im Haus an, wie die dann doch etwas technisch anmutende, nicht selbsterklärende Nutzeroberfläche zu nutzen ist –

Oder investieren wir die Zeit, um dank der mitgelieferten API eine leichter zu bedienende, auf die allernötigsten Funktionen reduzierte Oberfläche anzubieten?

Die Backends von 99% unserer Dienste sind eine Zumutung

Ich glaube, dass wir gut daran tun, uns an Bibliotheken auch um gut gestaltete eigene, interne Nutzeroberflächen zu kümmern. Die Backends von 99% unserer Dienste sind eine Zumutung. Wenn wir täglich mit diesem Elend konfrontiert sind, und es irgendwann einfach hinnehmen – denn: es war ja schon immer so – verlieren wir zum einen den Spaß an unserer Arbeit, verlieren aber auch Klick um Klick den Kontakt zu unseren gerade jüngeren NutzerInnen, die hocheffiziente und ästhetisch angenehme Oberflächen schlicht voraussetzen. Schon bald sprechen wir nicht mehr deren visuelle Sprache.

 

simplicity

 

Wir entschieden uns also, ein sehr reduziertes, minimalistisches Frontend für die interne Nutzung zu bauen. Dank Frameworks wie Bootstrap beschränkte sich die Investition auf ca. zwei Tage:

 

shortener-Plakat

 

 

 

Seit der Einführung vor vier Monaten wurde der Dienst von 40 unterschiedlichen Personen in unserem Haus eingesetzt, tausende Nutzerklicks landeten nicht mehr auf den Servern anderer Leute. Wenn Sie nun Links in dieser Form bei uns finden: http://sbb.berlin/9jucki – die sind von uns handgebaut, Ihre Daten verlassen nie unseren Server.

Wir planen derzeit eine Outreach-Strategie, um sinnvolle Bausteine für eine moderne, digitale Bibliothek Open Source zu stellen. Unser Yourls-Frontend wird hier nur ein sehr bescheidener Anfang sein. Dieses Blog wollen wir nutzen, um auch weit komplexere Entwicklungen zu diskutieren.

Bibliotheken haben Jahrtausende lang die Informationsverarbeitung der Gesellschaften entscheidend mitgeprägt. Firmen sollten uns diese Aufgabe nicht abnehmen.

Wagenbach-Archiv der ersten 40 Jahre an die Staatsbibliothek übergeben

Der Verlag Klaus Wagenbach, 1964 in Berlin (West) gegründet und seither publizistischer Begleiter und Zeuge bewegter bundesrepublikanischer Geschichte wie auch kultureller Entwicklungen Europas, überlässt sein Archiv der ersten vierzig Jahre der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Es umfasst 260 Ordner und etwa 2.100 Herstellungstüten, in denen der Entstehungsprozess eines jeden Buchs dokumentiert ist. Der Verlag schafft damit Platz für neue Publikationsvorhaben und übergibt der Forschung umfangreiche und bislang weitgehend unbekannte Quellen. Die Staatsbibliothek zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwarben das Teilarchiv des Wagenbach-Verlags mit Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder.

Susanne Schüssler, Verlegerin und Nachfolgerin von Klaus Wagenbach, betonte, „… dass die Entscheidung zugunsten der Staatsbibliothek zu Berlin aus mehreren Gründen gefallen ist, nicht zuletzt, weil den Verlag und die Stadt Berlin eine wechselvolle, oft nicht einfache Geschichte verbindet.“ Schon allein deshalb gehöre das Archiv hierher. Und weiter: „Ich bin gespannt, welche neuen Sichtweisen auf die Arbeit des Verlags als Teil des Literaturbetriebs wie auch auf seine Rolle als politischer und kultureller Akteur seit der äußerst bewegten Zeit Mitte der 1960er Jahre bis heute herausgearbeitet werden.“

Klaus Wagenbach hatte als Gründungsort des Verlags bewusst Berlin gewählt, sollten doch gegen die politische Teilung ost- wie westdeutsche Autoren gleichermaßen erscheinen. In den 1970er Jahren wurde vor allem politische Literatur verlegt, und so finden sich Schriftwechsel etwa mit Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Stephan Hermlin, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski, F.C. Delius, Peter Rühmkorf, Peter Schneider, Ernst Jandl, Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Peter Brückner (u.a. über dessen Amtsenthebungsverfahren), Otto Schily und dem Grips-Theater, außerdem die umfangreiche Korrespondenz mit Erich Fried, einem der zentralen politischen und literarischen Autoren des Verlags. Dazu kommen Unterlagen zu den Gerichtsprozessen, mit denen der Verlag überzogen wurde, etwa die Frage um den „Mord“ an Benno Ohnesorg. Die Dokumente zeigen die Entwicklung der damaligen Avantgardeliteratur als Abbild der allgemeinen politischen und kulturellen Lage und zeichnen die Führungsrolle nach, die der Verlag dabei einnahm – einschließlich der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten sowohl mit dem Staat als auch innerhalb der Linken, etwa die Bedrohung durch die RAF.

In den 1980er Jahren beginnt die Entwicklung des Verlags hin zur Kultur- und Kunstgeschichte und zur italienischen Literatur mit Autoren wie Peter Burke, Alain Corbin, Natalie Zemon Davis, Carlo Ginzburg, Salvatore Settis, Heinz Berggruen, Wolfgang Ullrich, Giorgio Vasari und Horst Bredekamp sowie Giorgio Manganelli, Luigi Malerba, Gianni Celati, Stefano Benni, Norberto Bobbio und Natalia Ginzburg. Inzwischen hat sich der Verlag immer weiter internationalisiert, publiziert anspruchsvolle literarische Autoren die deutsch, italienisch, spanisch, französisch und englisch schreiben. Mit über 1.200 verlegten Titeln wählt der Verlag nach wie vor seine Bücher nach inhaltlichen und nicht nach merkantilen Kriterien aus. Ein besonderes Merkmal der Wagenbach-Bücher ist die hohe optische und haptische Qualität der Bücher.

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz setzte mit dem Kauf des Wagenbach-Archivs ihre Politik des Erwerbs bedeutender literarischer und wissenschaftlicher Verlagsarchive fort. Dass ihr dies nur mit der außerordentlichen finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder möglich war, unterstrich die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, besonders und erläuterte weiter: „Das Wagenbach-Archiv wird nun in jene Sammlung aufgenommen, in der sich bereits die Archive der Wissenschaftsverlage De Gruyter, Mohr-Siebeck und Vandenhoeck & Ruprecht sowie das Archiv des Literaturverlages Aufbau befinden, zudem konnten wir im letzten Jahr für die Musiksammlung einen bedeutenden Teil des Schott-Archivs sichern.“ Zu den nächsten Schritten der Bibliothek fuhr sie fort: „Dieses für die politisch-historische wie auch kunst- und kulturgeschichtliche Forschung so wichtige Archiv wird zunächst systematisch erschlossen und in konservatorisch beste Bedingungen gebracht. Dabei wird die vom Verlag angelegte Grundordnung nach Jahren und nach verlegten Büchern beibehalten, und selbstverständlich verbleiben die Verwertungs- und Urheberrechte bei den bisherigen Rechteinhabern.“

Das Archiv beinhaltet neben vielem anderen umfangreiche Chef- und Lektoratskorrespondenzen, Gutachten, Manuskriptablehnungen; dann in den Herstellungstüten Schriftwechsel von Herstellern, Gestaltern und Lektoren mit den Autoren zu den einzelnen Büchern, die dazugehörigen Manuskripte, Übersetzungen, Lektorate, Korrekturgänge und Einbandentwürfe. Aus dem Vertrieb gibt es Korrespondenzen mit Buchhändlern und Auslieferungen und mit Autoren über Lesungen und die Verbreitung der Bücher. Anhand von Absatzzahlen lassen sich die Wirkung von Rezensionen, Verkaufsaktionen, Werbemitteln oder Lesereisen ermitteln.

Für das Jahr 2014 wurden anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Verlags Ausstellungen und Veranstaltungen vorbereitet. Dabei wurde der Verlagsleitung deutlich, dass der Umgang mit den eigenen Archivalien eine ebenso große Sorgfalt verlangt wie die Gestaltung des Verlagsprogramms. Der Übergang des vollständigen Archivs der Jahre 1964 bis 2003 in die Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin ist für die zeithistorische Forschung ein verheißungsvoller wie auch für die sichere und dauerhafte Aufbewahrung der unikalen Dokumente der richtige Schritt.

„IT-Innovation“ oder: Was kann man mit einem Berliner Flughafen-Modell in einer Bibliothek anfangen?

Informationstechnologie (IT) ist als Grundlage für den überwiegenden Teil der Projekte, die im Bibliotheksbereich durchgeführt werden, nicht wegzudenken. Der Anteil der IT differiert dabei, ebenso wie das Themenspektrum: Von der Präsentation der Digitalisierten Sammlungen über neue Nachweisinstrumente bis hin zu Services, die man zunächst vielleicht gar nicht im Angebot einer Bibliothek erwartet.

So ist es auch im Bereich der IT-Innovationen in der Staatsbibliothek: Wir befassen uns intensiv mit der Konzeption, Entwicklung und Evaluation von digitalen Informationsdienstleistungen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen und anderen Partnern nach Maximen der Usability und Nutzerorientierung.
Mit diesem Blog „IT-Innovation“ möchten wir nun eine Plattform etablieren, die wir zum einen für Informationen über unsere Aktivitäten in diesem Bereich nutzen wollen, die gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bietet, mit Ihnen zu diesen Themen in einen Dialog zu treten.
So werden wir Ihnen in den nächsten Beiträgen mit dem URL-Shortener ein Beispiel für einen neu entwickelten Service und mit der Beta-Version der umgebauten Präsentation der Digitalisierten Sammlungen ein weiteres prototypisches Ergebnis aus der der „IT-Werkstatt“ vorstellen.
Es sollen an dieser Stelle aber nicht nur Ergebnisse präsentiert werden. Wir wollen auch Einblicke in unsere internen Abläufe anbieten. Es wird daher auch Beiträge zu verwendeten Technologien geben, ebenso wie zu Methoden, die zum Beispiel bei unserer Software-Entwicklung eingesetzt werden. Als Stichworte seien hierfür Scrum und agiles Projektmanagement genannt – modifiziert für die Anwendung in Bibliotheken.

Und natürlich wird auch die Frage nach dem Nutzen des „Flughafen-Modells“ in der Bibliothek an dieser Stelle beantwortet werden – in Berlin naturgemäß ein ganz heißes Eisen.
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag einen kleinen Vorgeschmack gegeben zu haben auf das, was da kommen mag und sind sehr gespannt, welche Debatten sich auf dieser Plattform entwickeln werden.