Das Blog-Netzwerk der Staatsbibliothek zu Berlin – Beiträge für Forschung und Kultur

„IT-Innovation“ oder: Was kann man mit einem Berliner Flughafen-Modell in einer Bibliothek anfangen?

Informationstechnologie (IT) ist als Grundlage für den überwiegenden Teil der Projekte, die im Bibliotheksbereich durchgeführt werden, nicht wegzudenken. Der Anteil der IT differiert dabei, ebenso wie das Themenspektrum: Von der Präsentation der Digitalisierten Sammlungen über neue Nachweisinstrumente bis hin zu Services, die man zunächst vielleicht gar nicht im Angebot einer Bibliothek erwartet.

So ist es auch im Bereich der IT-Innovationen in der Staatsbibliothek: Wir befassen uns intensiv mit der Konzeption, Entwicklung und Evaluation von digitalen Informationsdienstleistungen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen und anderen Partnern nach Maximen der Usability und Nutzerorientierung.
Mit diesem Blog “IT-Innovation” möchten wir nun eine Plattform etablieren, die wir zum einen für Informationen über unsere Aktivitäten in diesem Bereich nutzen wollen, die gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bietet, mit Ihnen zu diesen Themen in einen Dialog zu treten.
So werden wir Ihnen in den nächsten Beiträgen mit dem URL-Shortener ein Beispiel für einen neu entwickelten Service und mit der Beta-Version der umgebauten Präsentation der Digitalisierten Sammlungen ein weiteres prototypisches Ergebnis aus der der “IT-Werkstatt” vorstellen.
Es sollen an dieser Stelle aber nicht nur Ergebnisse präsentiert werden. Wir wollen auch Einblicke in unsere internen Abläufe anbieten. Es wird daher auch Beiträge zu verwendeten Technologien geben, ebenso wie zu Methoden, die zum Beispiel bei unserer Software-Entwicklung eingesetzt werden. Als Stichworte seien hierfür Scrum und agiles Projektmanagement genannt – modifiziert für die Anwendung in Bibliotheken.

Und natürlich wird auch die Frage nach dem Nutzen des „Flughafen-Modells“ in der Bibliothek an dieser Stelle beantwortet werden – in Berlin naturgemäß ein ganz heißes Eisen.
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag einen kleinen Vorgeschmack gegeben zu haben auf das, was da kommen mag und sind sehr gespannt, welche Debatten sich auf dieser Plattform entwickeln werden.

Informationswürfel - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Lizenz: CC-BY-NC-SA

Wir begrüßen Sie im Service-Blog!

Schön, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Kommen Sie direkt aus dem Foyer, unserer Blognetzwerk-Startseite? Oder haben Sie den Abschiedsartikel in der letzten Ausgabe von ‘Neues aus der Benutzung‘ gelesen? Dieses Informationsblatt der Benutzungsabteilung stellt mit dem Start des Blognetzwerks und der Nr. 122 das Erscheinen ein. Künftig wollen wir hier an dieser Stelle mit Ihnen in Kontakt treten. Wir glauben, dass dies  in einem Blog viel besser funktioniert als mit einem konventionellen Medium.

Was können Sie nun künftig unter dem Blogtitel ‘Service’ erwarten? Am liebsten stellen wir natürlich neue Angebote oder Verbesserungen im Service vor, so zum Beispiel unsere neue FAQ-Liste auf den Webseiten. Das ist die Kür. Leider obliegt uns aber hier auch die Pflicht, auf so unangenehme Sachen wie verkürzte Öffnungszeiten, ganze Schließtage, Bereitstellungsverzögerungen oder andere, alltägliche Widrigkeiten hinzuweisen. Ist nicht schön, muss aber auch jemand machen. Wenn Sie regelmäßig hier hineinschauen oder sich vielleicht sogar den RSS-Feed abonnieren, entgeht Ihnen keine wichtige Benutzungsinformation mehr und Sie stehen nicht vor verschlossenen Türen, wenn wir aufgrund von Personalversammlungen später öffnen.

Auch noch bieten können wir Ihnen sicherlich Interessantes und Spekulatives von unseren mannigfaltigen Baustellen. Künftig also schnell mal darauf hinweisen, dass das Haus Potsdamer Straße nicht geschlossen ist, sondern nur durch den Bauzaun so aussieht (by the way – momentan wird der November heiß gehandelt für den Abschluss der Arbeiten im Eingangsbereich). Auch das war ein großer Wunsch von uns – aktueller werden und schneller auf Ereignisse reagieren können.

Persönlicher wird es! Hier schreibt nicht mehr ‘Die Staatsbibliothek’, sondern einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, ob hier weiter von ‘wir’ und ‘uns’ die Rede sein wird? Nach kurzem Überlegen: Ja! Keiner schreibt für sich allein, wir arbeiten alle in Teams und schreiben entsprechend für eine Arbeitsgruppe, eine Abteilung oder tatsächlich für die gesamte Bibliothek. Wir schreiben dann im Auftrag und nicht etwa im behördlichen Pluralis Majestatis.

Dies soll zunächst genügen zum was, warum und wer. Nun hoffen wir, dass Ihnen das neue Format gefällt, Sie hin und wieder mal vorbeischauen und freuen uns über alle Kommentare und Anregungen. Versprochen: Wir nehmen Ihre Kommentare ernst und mit in unsere Arbeit!

Rechtskultur und Informationsinfrastruktur

Maßgeschneiderte Serviceangebote für die rechtswissenschaftliche Forschung vor den Herausforderungen von Internationalisierung und Interdisziplinarität

In einem mehrjährigen Prozess hat der Wissenschaftsrat die rechtswissenschaftlichen Forschungsstrukturen in Deutschland einer grundlegenden Evaluation unterzogen und als Resultat ein Bündel von Empfehlungen verabschiedet, die an drei strategischen Leitbildern orientiert sind:

  1. Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer
  2. Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung
  3. umfassende Internationalisierung des Fachs

Wie angesichts der Autorität des einflussreichen wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums kaum anders zu erwarten, hat sein Angang 2012 veröffentlichtes Positionspapier die disziplinäre Selbstreflexion über den methodischen Ort der Rechtswissenschaften befeuert und dabei vor allem jenen Stimmen zusätzliches Gewicht verliehen, die in transnationalen institutionellen Arrangements sowie in nicht alleine juristisch zu begreifenden normativen Ordnungssystemen zentrale Forschungsfelder identifizieren.

Als forschungsstrategisches Leitkonzept hat sich in diesem Zusammenhang auch in Deutschland der seit den späten 1960er Jahren vor allem von Lawrence M. Friedman geprägte und für ein Vielzahl von Fächern anschlussfähige Analyserahmen der Rechtskultur akademisch etablieren können. Hierfür stehen besonders prominent die Einrichtung von großformatigen drittmittelfinanzierten Verbundforschungsprojekten sowie die nicht zuletzt dadurch rasant anwachsende Zahl entsprechender Zeitschriften und Schriftenreihen – darunter etwa:

Rechtskultur: Zeitschrift für europäische Rechtsgeschichte

Studien zu Recht und Rechtskultur Chinas

Studien zur europäischen Rechtskultur

Schriftenreihe des Käte-Hamburger-Kollegs „Recht als Kultur“

Unter inhaltlichem Aspekt ist die Rechtskultur-Forschung insbesondere an Phänomenen von Multinormativität interessiert – und das nicht nur mit Bezug auf das dynamische Zusammenspiel von festgeschriebenen und informellen Spielregeln einer Gesellschaft, sondern zugleich auch unter dem Aspekt der sich beschleunigenden Transnationalisierung bzw. Überlagerung von Rechtsordnungen. Gerade aber die vor diesem Hintergrund ermöglichte Öffnung des Fachs für Methodenimpulse der Area Studies erklärt denn auch die Gründung des interdisziplinären Forschungsverbunds Recht im Kontext bzw. des Postdoc-Kollegs Rechtskulturen: Konfrontationen jenseits des Vergleichs am Berliner Forum Transregionale Studien, dessen Mitgliederversammlung im Übrigen unser Ober-Chef, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vorsitzt.

Analog dazu ist auch das Forschungsprogramm des an der an der Goethe-Universität Frankfurt am Main angesiedelten Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen – des zweiten hier zu erwähnenden Projektverbunds – auf die rasanten gesellschaftlichen Veränderungsdynamiken der Globalisierung fokussiert, deren Wucht nicht zuletzt in der normativen Dimension sich beständig transformierender transnationaler Institutionsgefüge zu Tage tritt.

Demgegenüber geht es dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung an der Universität Bonn eingerichteten Käte Hamburger Kolleg Recht als Kultur vor allem darum, Recht in seiner Kulturbedeutung (Max Weber) stärker in den Blick geisteswissenschaftlicher Forschung zu rücken und letztlich einen „judicial turn“ der Geisteswissenschaften anzustoßen.

Gerade auch in Reaktion auf die hier nur angedeuteten wissenschaftsimmanenten Prozesse hat die Staatsbibliothek zu Berlin das Konzept für einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung entwickelt, der mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 an die Stelle des Sondersammelgebiets Recht trat. Das größtenteils bereits realisierte Arbeitsprogramm beinhaltet neben der nachfrageorientierten Schärfung des Erwerbungsprofils im Bereich der rechtswissenschaftlichen Forschungsliteratur vor allem den Aufbau spezieller Fernleih- und Digitalisierungsservices, die Einrichtung einer Suchmaschine für juristische Fachinformationen sowie nicht zuletzt die Freischaltung des ersten disziplinären Open-Access-Repositoriums für die rechtswissenschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum.

Förderpolitischer Hintergrund dieser Initiative bildete die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeleitete Transformation der etablierten Strukturen nationaler Literaturversorgung. So unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1949 in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin-, regional- und materialspezifischen Sondersammelgebieten. Ziel dieser koordinierten Erwerbungskooperation war es, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler wissenschaftlicher Spezialliteratur aufzubauen und überregional verfügbar zu machen. In den Nachkriegsjahren mit der Absicht errichtet, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland mit dem Instrument der Fernleihe zu begegnen, machte der Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarkts als auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Befördert durch die Impulse des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland sowie als Ergebnis einer mehrstufigen Evaluation hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 ihre auf den Aufbau umfassender Sammlungen zielenden Erwerbungsrichtlinien zugunsten einer dezidierten Ausrichtung des bibliothekarischen Dienstleistungsangebots auf die konkrete Nachfrage und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity aufgegeben. Einher geht dieser Prozess nicht nur mit der Umbenennung der Sondersammelgebiete in Fachinformationsdienste für die Wissenschaft, sondern auch mit der Integration des bislang auf dauerhafte Strukturbildung ausgerichteten Finanzierungsmodells in die regulären projektbasierten Förderverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Spätestens die im Herbst des kommenden Jahres anstehende Entscheidung über den von der Staatsbibliothek zu Berlin einzureichenden Folgeantrag wird demnach also unter Beweis stellen müssen, ob es uns gelungen ist, dem aktuellen Fachinformationsbedarf der rechtswissenschaftlichen Forschungscommunity in Deutschland gerecht zu werden. Drücken Sie uns bitte die Daumen oder – noch besser – helfen Sie uns durch Ihr Feedback, unsere Fachinformationsangebote nahtlos an Ihre Anforderungen und Wünsche anzupassen. Schönen Dank!

Über den Ausgang des Verfahrens informieren wir Sie in jedem Fall natürlich hier.

 

Und wenn es etwas ausführlicher sein soll:

Ivo Vogel/Christian Mathieu: Rechtswissenschaftliche Fachinformationsversorgung im Wandel – Zur Transformation des Sondersammelgebiets Recht in einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, in: Recht, Bibliothek, Dokumentation: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen 44 (2014), S. 1-14

http://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00000006

 

Ausstellung: “Displaced Persons” 3.9. – 15.12.

Kabinettausstellung  im Jüdischen Museum
SAMMLUNG DER STAATSBIBLIOTHEK “DISPLACED PERSONS”

Im fremden Land. Publikationen aus den Lagern der Displaced Persons.

3. September – 15. Dezember 2015

Im Jahr 2009 begann die Staatsbibliothek zu Berlin, systematisch eine Sammlung mit solcher Literatur aufzubauen, die in den Jahren 1945 bis 1950 in den Lagern für jüdische “Displaced Persons” in der amerikanischen und in der britischen Besatzungszone Deutschlands entstand. Eine Auswahl dieser seltenen, äußerst wertvollen historischen Zeugnisse wird vom 3. September an im Jüdischen Museum Berlin in einer kleinen Sonderausstellung zu sehen sein.

Pressemitteilung der Staatsbibliothek zu Berlin