Beiträge, die auch im Stiftungskontext Relevanz haben können.

Für Forschung und Kultur – Auch während der Open Access Week 2016

Vor dem Hintergrund der Berliner Open Access-Strategie – wir berichteten  – findet anlässlich der heute beginnenden internationalen Open Access Week 2016 an den Bibliotheken der hiesigen drei großen Universitäten die Posterausstellung Open in Action statt. Selbstverständlich sind auch wir mit einer Präsentation unserer Initiativen für den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen dabei, wenn es darum geht, die aktuellen Open Access-Aktivitäten in Berlin und Brandenburg vorzustellen.

Begleitend werden die insgesamt 30 Poster auch im Rahmen des Podiumsgesprächs Open in Action – Praxisperspektiven zu sehen sein – also am kommenden Mittwoch, 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, in den Räumen des Wikimedia Deutschland e.V.

Da wir getreu nach Elvis Presley das Motto der diesjährigen Open Access Week sehr ernst nehmen, startet bei uns bereits am morgigen Dienstag die dreiteilige Veranstaltungsreihe Publikationskulturen im Wandel – Open Access in den … Ziel dieser Workshops ist es, den Stand der Transformation des Publikationssystems in jenen Wissenschaftsbereichen auszumessen, in denen die Staatsbibliothek zu Berlin ihre Sammel- und Kompetenzschwerpunkte hat.

Seien Sie uns herzlich willkommen! Unsere Türen stehen offen und ermöglichen Ihnen – klar! – Open Access.

Präsentation historischer Bücher für das schwedische Königspaar

Aus schwedischem Privatbesitz erwerben die Staatsbibliothek zu Berlin und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in diesen Tagen eine in ihrer Art einzigartige Bibliothek, die in enger Verbindung zu Friedrich dem Großen steht. Es handelt sich um die Privatbibliothek seiner Nichte Sophie Albertine (1753-1829), Prinzessin von Schweden und Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg, deren Sammlung wiederum die Privatbibliotheken seiner Schwester Luise Ulrike von Preußen (1720-1782) – als Lovisa Ulrika Königin von Schweden – und seiner Mutter Sophia Dorothea von Hannover (1687-1757) – Königin in Preußen – umfasst.

Im Rahmen ihres Staatsbesuchs in Deutschland hatten Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann, Parzinger, am Nachmittag des 6. Oktober im Schloß Charlottenburg die Gelegenheit, dem König und der Königin von Schweden einige Bücher mit schwedischer Provenienz persönlich vorzustellen. – v.l.n.r.: Dr. Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; I.M. Silvia, Königin von Schweden; S.M. Carl XVI Gustav, König von Schweden; Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin; Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Der goldene Käfig. Prächtiges Federvieh von Carll Cneut

Ein Rückblick auf die Ausstellung vom 7. bis 17. September sowie den Gesprächsabend am 13. September 2016

Ankunft der Illustrationen Carll Cneuts in der Staatsbibliothek. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Müller CC NC-BY-SA

Ankunft der Illustrationen Carll Cneuts in der Staatsbibliothek. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Müller CC NC-BY-SA

Der Besuch des vielfach ausgezeichneten flämischen Illustrators Carll Cneut und seiner Werke, insbesondere zu dem Bilderbuch „Der goldene Käfig“, sorgten im „goldenen Bücherschiff“ am Potsdamer Platz für zahlreiche erfreuliche Überraschungen.

Es begann mit der Zusendung der Originalillustrationen für die Ausstellung im Foyer. Die Auswahl des Künstlers war sehr großzügig. Und da Carll Cneut seine Buchillustrationen nicht als eine Sammlung von Gebrauchsgrafiken, sondern jede einzelne als individuelles Kunstwerk versteht, ging jedes Bild in seinem in Stil und Farbe individuellen Rahmen auf die Reise. Um allerdings möglichst viele von ihnen in den Vitrinen im Foyer zeigen zu können, mussten einige Werke vorsichtig ausgerahmt werden.

Diese wurden tagsüber, da es sich um eine Veranstaltung in Kooperation mit dem internationalen literaturfestival berlin (ilb) handelte, von einigen Volontärinnen des ilb beaufsichtigt. Sehr freundlich und mit großem Enthusiasmus gingen sie auf die Besucher zu und informierten über die Ausstellung – ein Luxus, den wir uns sonst leider nicht leisten können.

Aufbau der Ausstellung. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/J. Lausch CC NC-BY-SA

Aufbau der Ausstellung. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/J. Lausch CC NC-BY-SA

Am Abend des 13. September blieb der Dietrich-Bonhoeffer-Saal zunächst denn auch erstaunlich leer. Die Besucher des Gesprächsabends mit Carll Cneut standen im Foyer, erfreuten sich an der Ausstellung und vertieften sich ins Gespräch. Die opulenten Bilder des „bibliophilen Gesamtkunstwerks“, wie Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung,  kurz darauf vor den gut gefüllten Reihen des Vortragssaals aus der Jurybegründung für die Nominierung zum Deutschen Jugendliteraturpreis zitierte, hatte alle in den Bann gezogen.

Dieser Sog verstärkte sich noch, als Carll Cneut – auf Flämisch – und Carola Pohlmann – auf Deutsch – die ersten Seiten des Bilderbuchs zur entsprechenden Beamer-Präsentation vorlasen. (Der Künstler wäre auch ein hervorragender Hörbuchsprecher!)

Nur ungern kehrte man, gerade nachdem die Erzählung sich dem Höhepunkt der Spannungskurve näherte, in die Realität zurück, wurde jedoch gleich in der Folge von den bunten Lebensgeschichten Carll Cneuts, genial übersetzt von Rosalie Förster, mitgerissen. Ein Künstler, der als Kind vor allem Märchenbücher liebte, die er sich mit Sammelpunkten zusammensparte. Dessen Liebe zu Spaghetti schließlich zur frühen künstlerischen Prägung durch Kunstdrucke James Ensors führte, eine Sammelpunkt-Werbeaktion der Nudelfirma Soubry. Ein Illustrator, der nie Illustrator werden wollte und schon an der Hochschule, dem Sint-Lucas-Institut in Gent, regelmäßig durch die entsprechenden Fachprüfungen fiel. Ein begeisterter Werbegraphiker, der als Berufsanfänger mit Vorliebe Tiefkühlnahrung für den russischen Markt bewarb. Spezialität: Primavera – Frühlingssalat.

Die Podiumsrunde: Carll Cneut, Rosalie Förster, Carola Pohlmann. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Die Podiumsrunde: Carll Cneut, Rosalie Förster, Carola Pohlmann. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Am Einstieg in die Illustration waren eine verzweifelte Nachbarin und ein weißer Fleck in dem von ihr betreuten Magazin „Flair“ schuld. Nach einiger Überredung füllte Cneut die leere Stelle mit einer Illustration. Das Prozedere wiederholte sich gleich in der nächsten Woche – und in der übernächsten. Es stellte sich heraus, dass der eigentlich zuständige Illustrator sich das Handgelenk gebrochen hatte. Nach drei Wochen lud der Herausgeber der „Flair“ Carll Cneut nach Antwerpen ein. Er warf ihm angesichts seiner realistischen Darstellungsweise von Frauenfiguren (groß/klein, dick/dünn) Frauenfeindlichkeit vor und verbat sich jegliche weitere Mitarbeit. Am nächsten Tag, als hätte das Schicksal diese ungerechtfertigte Kritik und das undankbare Verhalten strafen wollen, war er tot. „Ein Herzinfarkt beim Fahrradfahren, hätte jederzeit passieren können“, beteuerte Cneut, dessen Illustratorenkarriere damit zunächst einmal beendet war.

Ein weiterer Zufall bescherte ihm dann die erste Zusammenarbeit mit Geert de Kockere, zu dem Zeitpunkt bereits ein bekannter belgischer Kinderbuchautor und –lyriker. Bei der Besprechung einer neuen Werbekampagne war Cneut eine alte Illustration aus der Mappe gerutscht, die er seinerzeit für die „Flair“ gezeichnet hatte. Die Marketingspezialistin vermittelte ihn daraufhin an ihren Bruder, der Kinderbücher verlegte. Allerdings stießen die ersten beiden Illustrationen, die Cneut für Gedichte de Kockeres anfertigte, nicht auf die Gegenliebe des Lyrikers. Er beschwerte sich jeweils prompt per Fax, obgleich sich Cneut Mühe gegeben hatte, lustige Gesichter zu zeichnen, wie er sie für ein junges Publikum für passend hielt. Dem Künstler wurde eine dritte und definitiv letzte Chance eingeräumt. Diese nutzte er, indem er zwei Varianten einreichte: eine, von der er vermutete, dass man sie in dieser Form für Kinder erwarten würde, und eine, die er so gestaltete, wie es ihm persönlich am besten gefiel. De Kockere meldete sich wiederum postwendend per Fax. Er freute sich über die zweite Variante und schlug die Zusammenarbeit für ein Kinderbuch vor.

Inzwischen illustriert Carll Cneut seit zwei Jahrzehnten höchst erfolgreich vornehmlich Kinderbücher. Dabei hat sich eine relativ feste Vorgehensweise etabliert:

Carll Cneut. - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Carll Cneut. – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Der Illustrator liest zunächst den Text. Dabei ist es ihm wichtig, dass er den Autor oder die Autorin kennt und mag und dass die Urheber des Textes ihm vertrauen und ihr Werk „loslassen“ können. Schließlich übernimmt Cneut auch die Aufteilung des Textes und entscheidet über graphische Hervorhebungen.

Danach müssen die Ideen reifen. Das könne mehrere Monate, ein Jahr – oder auch mal fünf Jahre dauern, schmunzelte Cneut. Er beginne dann herumzuprobieren, und an dem Punkt packe ihn immer wieder die Panik, nicht rechtzeitig fertigzuwerden. Innerhalb von drei bis vier Monaten fertigt er die Skizzen sehr exakt und präzise mit Bleistift an. Letztlich entsteht ein Dummy des zukünftigen Buches.

Der Illustrator zeigt dem Autor die Skizzen, für den Fall, dass es massive Einwände geben sollte. Allerdings, überlegte Cneut, komme das eigentlich nie vor. Er habe sich von Anfang an eine sehr eigenständige Arbeitsweise angewöhnt.

Auf der Grundlage dieser Skizzen fertigt er anschließend die eigentlichen Illustrationen auf dickem Zeichenpapier („Steinbach, 300g!“) an. Lage für Lage arbeitet sich Cneut von den dunkleren zu den helleren Farben vor. Auch die handschriftlichen Passagen des Textes gehören dazu, auch für die Textfassungen von Übersetzungen, sofern es sich nicht um eine spanische oder polnische Ausgabe handelt. Das sei ihm dann doch zu kompliziert.

Wenn der Künstler im Verlauf des Entstehungsprozesses einen Punkt erreicht, an dem er selbst einigermaßen zufrieden ist, ruft er seine Verlegerin an. Diese wohnt nur 200 Meter entfernt. Sie weiß, dass eine solche Einladung, eben einmal gucken zu kommen, ihre einzige Chance sein wird, vor der Fertigstellung des Buches etwas zu sehen zu bekommen. Das weitere Ritual, das sich in stillschweigendem Einverständnis in den letzten zwanzig Jahren herausgebildet hat, sieht vor, dass sie lobt: „Das ist SEHR schön!“ – und er dann beflügelt weitermalt. Schließlich schickt er seine Gemälde an den Verlag. Dort werden sie gescannt, eine weitere Bearbeitung findet danach nicht mehr statt.

Illustration aus "Der goldene Käfig" von Carll Cneut. - Mit frdl. Genehmigung des Bohem Verlags

Illustration aus “Der goldene Käfig” von Carll Cneut. – Mit frdl. Genehmigung des Bohem Verlags

An dem Bilderbuch „Der goldene Käfig“ arbeitete Carll Cneut ein Jahr und vier Monate. Das Buch wurde 2015 mit dem flämischen Culturrprijs voor de Letteren ausgezeichnet („Den Preis bekommen sonst nur große Romanautoren. Ich hielt den Anruf also zunächst für einen Scherz und legte wieder auf.“), und es befindet sich aktuell auf der Liste der Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016. Dass ein solcher Titel, der sich mit einem schwierigen, dunklen Thema der Kindheit (Grausamkeit eines vernachlässigten Kindes) beschäftigt, zuerst von einem flämischen Verlag herausgebracht wurde, ist nicht ungewöhnlich. Flandern umfasst zwar ein recht kleines Sprachgebiet, durch eine intensive staatliche Förderung von Buchprojekten sind jedoch auch wirtschaftlich riskantere Verlagsaktivitäten möglich. Insofern verfügt Flandern, wie u.a. auch Schweden, über ein sehr vielfältiges Kinder- und Jugendliteraturangebot. Deutsche Verlage übernehmen häufig solche innovativen Bücher aus skandinavischen Ländern, bzw. aus Belgien und den Niederlanden in ihre Programme.

Die Frage aus dem Publikum, warum denn in „Der goldene Käfig“ nur Gelb-, Rot- und Orangetöne sowie Schwarz und Weiß vorherrschen, aber z.B. kein Blau, parierte Cneut spontan flämisch: „Ik heb mijn gele fase!“ Tatsächlich, erläuterte er anschließend, habe jede Geschichte für ihn eine Hauptfarbe, um die er dann alles andere herumgruppiere.

Eine weitere Publikumsfrage verdeutlichte die Begeisterung für Cneuts Illustrationen quer durch alle Altersschichten: „Gibt es schon jemanden, der eine Ihrer Illustrationen als Tattoo trägt?“ Carll Cneut lachte: „Ja, und ich sollte es sogar selber stechen!“ Das habe er dann aber doch abgelehnt, sowohl für den gewünschten Totenschädel als auch für den Vogel.

Carll Cneut signiert - auf Papier, nicht als Tattoo! - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Carll Cneut signiert – auf Papier, nicht als Tattoo! – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Die Pläne für die nächsten Jahre sind vielfältig und anspruchsvoll. Für 2017 hat Carll Cneut einer Galerie eine Ausstellung freier Arbeiten versprochen. (Eine Ausstellung von Illustrationen begeisterte in Flandern jüngst 50.000 Besucher, gerechnet hatte der Künstler mit „vielleicht 5.000“. Tatsächlich zählte aber rein rechnerisch fast jeder hundertste Einwohner Flanderns zu den Besuchern!) Außerdem will Cneut bis 2021 sämtliche Märchen der Brüder Grimm und Andersens illustrieren! Dazu soll eine große Ausstellung stattfinden. Alle diese Vorhaben sind bereits vertraglich festgehalten und verursachen bei den Rezipienten bereits große Vorfreude, beim Künstler selbst jedoch immer wieder Panikanflüge unterschiedlicher Intensität. Eins steht für Carll Cneut jedoch unverrückbar fest: Das Buch mit seinen Bildern muss seine Leser finden, nicht umgekehrt. Auf die Frage, ob er je noch einmal etwas speziell für Kinder illustrieren wolle, lautete die Antwort: „Nein, das letzte Mal gab’s ja immerhin einen Toten!“

Christoph Rieger (ilb). - Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Christoph Rieger (ilb). – Staatsbibliothek zu Berlin-PK/S. Putjenter CC NC-BY-SA

Am Ende dieses ebenso informativen wie unterhaltsamen Abends bleibt zu hoffen, dass es sich um den Auftakt zu einer langen Reihe gemeinsamer Veranstaltungen der Staatsbibliothek mit dem ilb gehandelt haben möge; eine Absicht, die bereits eingangs von Christoph Rieger, dem Programmleiter Internationale Kinder- und Jugendliteratur des ilb, als auch von Carola Pohlmann formuliert wurde.

Moses-Mendelssohn-Medaille an Ulla Unseld-Berkéwicz übergeben

„Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen und das Beste tun: Das ist die Bestimmung des Menschen.“ Dieses Lebensmotto des großen Philosophen Moses Mendelssohn (1729 – 1786) könnte auch über dem 6. September 2016 in der Staatsbibliothek gestanden haben. An diesem wunderbar warmen Sommerabend übergaben Professor Julius Schoeps vom Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, gemeinsam im gut gekühlten Otto-Braun-Saal die Moses-Mendelssohn-Medaille an Ulla Unseld-Berkéwicz. Die Schriftstellerin, Schauspielerin und Verlegerin wurde geehrt für ihr Handeln „im Sinne und in der Tradition des Denkens von Moses Mendelssohn für Toleranz und Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit“.

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf begrüßt die Gäste. Foto: Margrit Schmidt, MMZ

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf begrüßt die Gäste. Foto: Margrit Schmidt, MMZ

Barbara Schneider-Kempf und der frühere Kulturstaatssekretär André Schmitz – in einer Doppelrolle als Vorsitzender des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek wie auch als Vorsitzender der Mendelssohn-Gesellschaft – begrüßten die Gäste zur erstmaligen Verleihung der Medaille in den Räumen der Staatsbibliothek. Professor Schoeps erläuterte die Hintergründe der Medaillenvergabe.

Seit langem ist die Staatsbibliothek zu Berlin der Familie Mendelssohn besonders verbunden. 1878 erhielt die Bibliothek von den Erben Felix Mendelssohn Bartholdys den kompositorischen Nachlass des Künstlers. Weitere Gaben folgten. Und 1964 wurde der Staatsbibliothek (West) das Familienarchiv der Mendelssohns übereignet  – ein Archiv, das wichtige Geschäftspapiere, Korrespondenzen, Familienbriefe und weitere Dokumente enthält. Die Sammlung wird in der Musikabteilung der Staatsbibliothek gehütet, die diesen Schatz als Teil ihres Namens – Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv – trägt. Ein eigens für das Haus an der Potsdamer Straße entworfener Raum präsentiert Gemälde, Dokumente und Informationen zu dieser für Berlin so bedeutsamen Familie. – Kaum etwas liegt also näher, als eine Ehrung, die sich auf den großen Philosophen und Aufklärer des 18. Jahrhunderts beruft, in eben dieser Staatsbibliothek zu Berlin zu veranstalten. Man möchte höchstens fragen: Warum erst jetzt? – Wird doch die Medaille bereits seit 1993 vergeben. Doch beteuerten sowohl Barbara Schneider-Kempf als auch Julius Schoeps, mit der diesjährigen Preisverleihung eine neue Tradition begründen und die Medaille auch künftig gemeinsam in den Räumen der Staatsbibliothek verleihen zu wollen.

Rachel Salamander verfolgte anschließend in ihrer detailreichen Laudatio höchst anschaulich den Lebensweg der Geehrten. Ulla Unseld-Berkéwicz zog in ihren Dankesworten immer wieder eine Verbindung zwischen dem Lebenswerk Moses Mendelssohns und ihrem eigenen Schaffen und begeisterte die Gäste mit ihren klug formulierten Gedanken. Einen würdigen Rahmen erhielt die Veranstaltung durch die Pianistin Maria Baranova, die neben Werken von Mendelssohn Bartholdy und Bach auch eine seelenwärmende Eigenkomposition spielte.

Die Geehrte und ihre Laudatorin: Ulla Unseld-Berkéwicz und Rachel Salamander. Foto: Margrit Schmidt (MMZ)

Die Geehrte und ihre Laudatorin: Ulla Unseld-Berkéwicz und Rachel Salamander. Foto: Margrit Schmidt (MMZ)

Beim anschließenden Empfang ergaben sich zahlreiche günstige Gelegenheiten für Autogrammjäger, waren neben der Gewürdigten doch zahlreiche weitere Schriftstellerinnen und Autoren zugegen. Nur Selfies wurden so gut wie gar nicht geschossen – Literaten sind eben doch keine „Celebrities“.

Möge der gelungene Abend der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit sein!

So viel Busoni

Am 4. September eröffnet die mehrmonatige Ausstellung “BUSONI. Freiheit für die Tonkunst!”. Dass es überhaupt möglich ist, heute so viel von und über Ferruccio Busoni auszustellen, ist all denen zu verdanken, die schon zu seinen Lebzeiten wie auch nach seinem Tod sorgsam darauf achteten, dass sein Nachlass als Sammlung aufgebaut und späterhin als Ganzes bewahrt wurde – und bis heute nach Möglichkeit weiter ergänzt wird. Auch sind die umsichtigen Bibliothekare nicht zu vergessen, die während des Zweiten Weltkrieges mit der Auslagerung all der Schätze der Staatsbibliothek befasst waren und dabei auch im Nachlass Busoni solche Partien bildeten, dass ein Totalverlust ausgeschlossen sein würde. So beherbergt die Staatsbibliothek zu Berlin heute über 11.000 Stücke im Busoni-Nachlass, lediglich 25 Musikautographe sind kriegsbedingt in der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau.

Der Umfang des Nachlasses Ferruccio Busoni ist außerordentlich, und auch seine Qualität ist für die Wissenschaft hervorragend. Anhand von 9.000 Briefen,  366 Musikautographen, 180 theoretischen Schriften und Libretti, etwa 900 Konzertprogrammen und Kritiken sowie 600 Fotografien können seine Entwicklung, sein Ringen mit der Kunst, seine Kontakte, sein Dasein als Förderer junger Künstler oder als in jungen Jahren selbst Geförderter nachvollzogen werden.

Schon Ferruccios Eltern ahnten, dass ihr als Wunderkind wahrgenommener Sohn stets Gegenstand der Forschung sein könnte – und so hielten sie seine täglichen Notizen und Kompositionen und frühen Bearbeitungen anderer Werke zusammen, legten Alben an und sammelten alles, was über ihr Kind erschien. Später wurde dieses durch seine eigene Familie fortgesetzt, seine Frau Gerda und sein Söhne. Von den 150 Exponaten in der Busoni-Ausstellung stammen 110 aus diesem Nachlass.

Dass auch nach seinem Tod der Nachlass zusammenblieb und schließlich in die damals Preußische Staatsbibliothek fand, ist vor allem dem Busoni-Comité zu danken. Zu diesem informellen Kreis fanden sich nach seinem Tod im Jahr 1925 solche Persönlichkeiten zusammen, die Busoni in der einen oder anderen Weise nahe gestanden hatten und nun gemeinsam dafür Sorge trugen, dass mit seinem Erbe ganz in seinem Sinne verfahren würde. Neben seinen Söhnen und seiner Witwe Gerda, zu der Ferruccio Busoni immer ein überaus inniges Verhältnis hatte, wirkten in dem Comité auch einstige Schüler Busonis, die später selbst zu Komponisten gereift waren, so Egon Petri und Kurt Weill. Es war für die Preußische Staatsbibliothek auch sicher nicht von Nachteil, dass zu diesem Comité Leo Kestenberg gehörte – selbst ein Musikpädagoge und Pianist, und im Preußischen Kulturministerium über viele Jahre für Musik zuständig. Das Comité achtete darauf, dass der Nachlass in einem Archiv zusammengefasst blieb, um optimale Bedingungen für Editions- und Forschungsvorhaben zu schaffen. Unter anderem sorgte man gemeinsam dafür, dass die beachtliche Liszt-Sammlung Busonis – darin 70 Klavierwerke Liszt als Erstausgaben – nicht herausgelöst und, wie damals aus Thüringen erbeten, nach Weimar ging. Der als Schenkung übereignete Nachlass kam ab November 1925 bis zum Jahr 1943 in mehreren Partien in die Preußische Staatsbibliothek, heute Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

Allein die immens vielen Briefe, 9.000, zeugen von dem reichen Leben des Künstlers, der mit Franz Liszt, Leo Blech, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Béla Bartók, Arthur Schnabel, Otto Klemperer, Stefan Zweig, Max Oppenheimer, Jakob Wassermann, Jean Sibelius, George Bernard Shaw und vielen anderen Persönlichkeiten korrespondierte. Allein diese Briefe sind eine enorme Fundgrube zur Berliner Zeitgeschichte und liefern wie kein zweiter Nachlass Informationen zur europäischen Kultur- und Musikgeschichte. Nahezu alle Briefe sind in der Datenbank Kalliope erschlossen, also für jeden Interessierten bequem von zu Hause aus zu erreichen.

Übrigens ist in die Ausstellung in der Kunstbibliothek, die wie die Staatsbibliothek zu Berlin am Kulturforum liegt, für die ersten Wochen ein besonderes Stück aus der großen Johann Sebastian Bach Sammlung der Staatsbibliothek integriert: Die Kunst der Fuge wird mit einem Blatt vorgestellt, dies weil Busoni zu der Musik von J. S. Bach eine sehr enge Beziehung hat und fortwährend dessen Werke bearbeitete.

Die Busoni-Ausstellung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist ein hevorragendes Beispiel für das Zusammenspiel ihrer verschiedenen Wissenschaftsrichtungen, also des Staatlichen Instituts für Musikforschung, der Staatsbibliothek zu Berlin und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin: Die Kuratoren der Ausstellung, wie auch zusätzlich hinzugewonnene externe Autoren des bald erscheinenden Katalogs, widmeten sich dem Leben und Werk Ferruccio Busonis aus verschiedenen Perspektiven und zeigen so zum ersten Mal ein Bild einer Persönlichkeit, die weit mehr war als Komponist, Interpret, Msikpädagoge und Förderer junger Musiker. Gezeigt wird eine Persönlichkeit, die stets alle Seiten der Kunst einbezog, auch indem Busoni selbst als Literat oder bildender Künstler aktiv war.

13.9.: Bilderbuchkünstler Carll Cneut zu Gast, zehn Tage Ausstellung

In der Veranstaltungsreihe „Kinderbuch im Gespräch“ wird am 13. September um 18 Uhr der flämische Bilderbuchkünstler Carll Cneut begrüßt. Er gehört gegenwärtig zu den bedeutendsten Illustratoren in Europa.

Außerdem wird ab dem 7. September an neun Tagen im Foyer unseres Hauses Potsdamer Straße 33 / Kulturforum ein Teil seines Werkes vorgestellt: “Der goldende Käfig. Prächtiges Federvieh”.


Veranstaltung “Carll Cneut im Gespräch”
13. September 2016, 18 Uhr
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Voranmeldung gern unter kinderbuchabt@sbb.spk-berlin.de, telefonisch 030 266 436401

Präsentation “Der goldende Käfig. Prächtiges Federvieh”
Werke des flämischen Bilderbuchkünstlers Carll Cneut
7. – 17. September 2016
Mo-Fr 9-21 Uhr, Sa 10-19 Uhr, am 8.9. und sonntags geschlossen
Foyer, Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum

jeweils freier Eintritt


„Meine Bilder setzen sich im Unsichtbaren fort. Meine Leser haben die Freiheit, sie in ihrem Kopf zu vervollständigen. Das bringt die Erwachsenen oft durcheinander, aber niemals die Kinder.“ So beschreibt Carll Cneut seine Arbeit, die mit den höchsten Preisen für Bilderbuchkünstler ausgezeichnet ist.

Der flämische Künstler Carll Cneut gehört gegenwärtig zu den bedeutendsten Illustratoren in Europa. Schon mehrere seiner Bücher sind auch in deutscher Sprache verlegt, darunter Hexenfee, Rotgelbschwarzweiß und Die wundersame Liebesgeschichte des Mister Morf. Dem deutschen Publikum wurde Carll Cneut vor allem durch die Nominierung seines Bilderbuchs Der goldene Käfig für die Auswahlliste zum  Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 in der Sparte Bilderbuch bekannt.

Cneuts Variantenreichtum demonstriert das Ausschreiten vielfältiger gestalterischer Möglichkeiten. Zu seinen Vorbildern zählt er die  belgischen Expressionisten Gustave Van de Woestijne und James Ensor, seine Illustrationskunst erinnert zugleich an die Altmeister flämischer und niederländischer Malerei, an Jan van Eyck und Pieter Bruegel. Mit dem Buch Dulle Griet  hat Cneut sich sogar dem direkten Vergleich mit Bruegel ausgesetzt, die von Geert De Kockere verfasste und von Cneut illustrierte Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Gemälde des niederländischen Malers.

Die Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin, die in Zusammenarbeit mit dem internationalen literaturfestival berlin und der BOHEM PRESS GmbH vorbereitet wurde, zeigt Originalillustrationen aus Der goldene Käfig und aus dem dazugehörigen Malbuch, des Weiten Originale aus dem Buch Der blaue Vogel nach dem gleichnamigen Märchenspiel von Maurice Maeterlinck. Cneuts Anspruch, keine „Gebrauchsarbeiten“ sondern eigenständige Kunstwerke zu schaffen, zeigt sich u. a. daran, dass er seine Bilder in historische Rahmen fassen lässt, einige Bilder sind in dieser Kombination ausgestellt.

Über das Buch “Der goldene Käfig”

Das Buch, nach dem die Ausstellung benannt ist, erzählt die poetische und zugleich düstere Geschichte der einsamen kindlichen Prinzessin Valentina, deren Lebensinhalt das Sammeln seltener Vögel ist. Wenn es ihren Dienern nicht gelingt, die seltenen Tiere in aller Welt zu fangen, werden ihnen die Köpfe abschlagen. Die philosophische Geschichte von Anna Castagnoli über ein mit allzu großer Macht ausgestattetes, zugleich verlassenes und emotional verwahrlostes Kind wurde von Carll Cneut in prachtvolle, farbgewaltige Bilder umgesetzt. Er kombinierte aus mehreren Farbschichten aufgebaute Illustrationsgemälde mit kritzeligen Kinderzeichnungen, setzt in der Typographie eine klare Antiqua gegen krakelige Schreibschrift und macht so das Ungleichgewicht aus märchenhaftem Reichtum und der zur Grausamkeit verkommenen kindlichen Hilflosigkeit deutlich. Der harte Kontrast zwischen subtil ausgeführten Bildkompositionen und kompromissloser Simplizität macht den besonderen Reiz dieses Buchs aus, das in der Nominierungsbegründung für den Deutschen Jugendliteraturpreis als „bibliophiles Gesamtkunstwerk“ bezeichnet wird.

Aller guten Materialitäten sind drei – mindestens!

Unser Dialog mit der Forschung …

Die Aufwertung von objektbezogenen Kompetenzen zu wissenschaftlichen Schlüsselqualifikationen im Zuge des Material Turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eröffnet gerade für Forschungsbibliotheken mit herausragenden Spezialbeständen und historischen Sondersammlungen ungeahnte Chancen für ihre Neupositionierung gegenüber Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Vor diesem Hintergrund organisieren die Staatsbibliothek zu Berlin und der Arbeitskreis Materialität der Literatur seit 2014 die beliebte Vortragsreihe „Die Materialität von Schriftlichkeit“. Ziel dieses Dialogs zwischen Bibliothek und Forschung – so der programmatische Untertitel der Veranstaltungsserie – ist es, theoriegeleitete Perspektiven auf Handschriften, historische Drucke und moderne Künstlerbücher mit aus der Praxis entwickelten Fragestellungen zu konfrontieren und dabei den Dualismus von Trägersubstanz und semiotischer Ebene von Texten zu überwinden.

Als integrierende Klammer der ausgewählten Vorträge dient das Forschungsprogramm des von Angehörigen der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Universität Potsdam getragenen Arbeitskreises. Konkret geht es den sich in den Grenzbereichen von Literatur- und Buchwissenschaft sowie von Analytischer Bibliographie, Typographiegeschichte, Materialitätsstudien und Artefaktanalyse verortenden Mitgliedern dieses Netzwerks darum, die Möglichkeiten vor allem literaturwissenschaftlicher Forschung durch die theoretische und systematische Beschäftigung mit den materialen und medialen Grundlagen von Texten zu erweitern: Im Zentrum stehen dabei sowohl die Theorie der textuellen Materialität und Dinghaftigkeit als auch die historische Beschäftigung mit den Trägermaterialien und Technologien, Schreibgeräten und Schreibstoffen, Formaten und Formen materieller Texte.

… geht natürlich weiter

Gerade mit Blick auf das neue Forschungsinteresse der Geistes- und Kulturwissenschaften nach ihrem Material Turn an Artefakten und “Nonhumans” (Bruno Latour) ist es insofern wohl auch nur folgerichtig, dass wir im Rahmen unserer Veranstaltungsaktivitäten das gute alte Sprichwort beherzigen, dem zufolge aller guten Dinge drei sind – oder vielmehr: mindestens drei. Denn von unserer Nachbarschaft im Berliner Regierungsviertel wissen wir ja nur zu gut, wie wichtig es ist, den Dialog keinesfalls abreißen zu lassen.

Seien Sie also herzlich eingeladen zur dritten Staffel unserer gemeinsamen Vortragsreihe “Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog”, die wir natürlich nicht im Pay-TV, sondern wie immer live und exklusiv in unseren Räumen übertragen und gelegentlich auch über unseren YouTube-Kanal im Nachgang zugänglich machen. Während wir uns schon auf Sie freuen, dürfen Sie sich auf ein gewohnt abwechslungsreiches Programm freuen, das gewissermaßen den Bogen vom Druckbogen zum Geigenbogen schlägt und zum Reformationsjubiläum mit einem echten Hammerthema aufwarten möchte. Neugierig geworden? Dann werfen Sie doch einfach einen Blick in unsere Informationsmateriali(tät)en unter:

www.staatsbibliothek-berlin.de/materialitaet

P.S. Die Vortragsreihe ist Bestandteil eines übergreifenden Akademieprogramms, unter dessen Dach die Staatsbibliothek zu Berlin voraussichtlich ab 2017 ihre Veranstaltungsaktivitäten bündeln möchte.

“Einigkeit und Recht und Freiheit” – vom 26. – 27.8. zeigen wir das Deutschlandlied

“Das Lied der Deutschen” von Hoffmann von Fallersleben – zu sehen am 26./27. August am Kulturforum

Vor 175 Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben auf der Insel Helgoland „Das Lied der Deutschen“. Die eigenhändige Niederschrift der Staatsbibliothek zu Berlin trägt das Datum 26. August 1841. Die dritte Strophe des Deutschlandliedes wurde im Jahr 1991 zum Text der Nationalhymne bestimmt, ihre Melodie stammt von Joseph Haydn.

An zwei Tagen Ende August 2016 kann im Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek das Gedicht in Augenschein genommen werden. Über das Autograph Fallerslebens hinaus werden auch Porträts und Dokumente aus seinem Leben gezeigt. Ergänzend zu sehen sind drei Gedichte, mit denen Lyriker aus Deutschland ihre Sicht auf ihr heutiges Heimatland in Worte fassten.


„Das Lied der Deutschen“ – Das Autograph von H. v. Fallersleben
sowie weitere historische und aktuelle Dokumente

Gedichte von Tanja Dückers, Marica Bodrozic und Jan Koneffke

Freitag/Samstag, 26./27. August 2016
jeweils von 10 bis 19 Uhr
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum, 10785 Berlin

freier Eintritt

Faksimile vom „Lied der Deutschen“ inkl. 20-seitige Broschüre,
u. a. mit Bibliographie zum Thema 175 Jahre Lied der Deutschen (6 €)


Im Jahr 1903 erwarb die Königliche Bibliothek zu Berlin, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, den umfangreichen schriftlichen Nachlass des Dichters Hoffmann von Fallersleben und damit auch sein lyrisches Tagebuch der beginnenden 1840er Jahre, in dem sich das Gedicht „Das Lied der Deutschen“ befindet.
Der Gelehrte und Dichter Hoffmann von Fallersleben hielt sich im Sommer des Jahres 1841 zu einem Erholungsurlaub auf der Insel Helgoland auf. Einige seiner dort gefassten Gedanken mündeten in „Das Lied der Deutschen“. In dem Gedicht, dessen dritte Strophe er mit den Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit“ einleitete, stellte von Fallersleben die deutsche Nation in den Mittelpunkt und unterstrich seinen politischen Wunsch nach der Vereinigung der Einzelstaaten zu einem Staat, der durch gemeinsame Werte und eine Sprache geprägt sein sollte.
Schon in den ersten Septembertagen 1841 verlegte Julius Campe das Gedicht Fallerslebens zusammen mit den Noten Haydns und überbrachte dem Dichter noch während dessen Urlaub auf Helgoland den Erstdruck.

Das Autograph in der Staatsbibliothek zu Berlin

Während der Auslagerungen der Bestände der Bibliothek zum Schutz vor Kriegseinwirkungen in der ersten Hälfte der 1940er Jahre wurden die reichen und wertvollen Sammlungen weit verstreut. Der Papierbogen mit dem Deutschlandlied – vermutlich war bereits in den 1920er Jahren dieser Bogen für Ausstellungszwecke aus dem lyrischen Tagebuch herausgelöst worden – nahm jedoch nur einen kurzen Weg in die Tresore der gegenüberliegenden Bank. Von dort kehrte das Gedicht nach dem Zweiten Weltkrieg in das Stammhaus der Bibliothek Unter den Linden zurück. Mithin befand sich eine der eigenhändigen Niederschriften vom „Lied der Deutschen“ über mehrere Jahrzehnte bis zur Wiedervereinigung Deutschlands in Ostberlin – öffentlich herausgestellt wurde dieser Umstand nie.

Auf der Vorderseite des Papierbogens stehen die Schlusszeilen eines Gedichts, das nie veröffentlicht worden scheint. Auf derselben Seite ist das auf den 25. August 1841 datierte Gedicht „Zum Abschiede“ zu sehen. Auf der folgenden Seite steht „Das Lied der Deutschen“, datiert auf den 26. August 1841.

Wie viele Autographe des Deutschlandliedes existieren, ist nicht belegt. Dass das Berliner Exemplar aus dem lyrischen Tagebuch des Dichters stammt und ohne jede Korrektur erscheint, spricht jedoch dafür, dass es sich hierbei um die erste Reinschrift handelt. Gesichert ist die Existenz von zwei weiteren Exemplaren in Bibliotheken in Cologny nahe Genf und Dortmund.

In der das Faksimile begleitenden Broschüre sind zahlreiche Details über die Entstehung und Verbreitung des Deutschlandliedes wie auch über seine Wirkung und Rezeption dargelegt. Das Faksimile mit der Broschüre ist für 6 € in der Ausstellung erhältlich (auch zu bestellen über publikationen@sbb.spk-berlin.de).

Digitale Abbildung

aktuelle Berichterstattung

Die Abbildung des Deutschlandliedes steht in der Digitalen Bibliothek der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz kostenfrei zur Verfügung: http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN856912018&PHYSID=PHYS_0002&DMDID=DMDLOG_0001
Abbildung: Staatsbibliothek zu Berlin – PK

kommerzielle Zwecke

Für die kommerzielle Nutzung der Abbildung steht die
bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte, Tel. 030 / 278 792 0, kontakt@bpk-images.de, mit ihren Dienstleistungen zur Verfügung.

Neue Blogreihe: Meere und Ozeane

Am 7. Juni fiel der Startschuss für das aktuelle Wissenschaftsjahr 2016*2017, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Initiative Wissenschaft im Dialog ausgerichtet wird. Im Zentrum stehen dieses Mal Meere und Ozeane. Unter dem Motto Entdecken. Nutzen. Schützen finden zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen zu den sechs Themenschwerpunkten Nahrungsquelle und Schatzkammer, Rohstofflager und Energielieferant, Arktis und Antarktis, Wetterküche und Klimamaschine, Seestraße und Handelsroute sowie Sehnsuchtsort und Naturgewalt statt.

Vielleicht sind Sie bereits an Bord der MS Wissenschaft gewesen, die im Juni am Berliner Schiffbauerdamm ankerte und zur Mitmach-Ausstellung „Meere und Ozeane“ einlud, und können nun nicht genug davon bekommen? Oder Sie kommen gerade aus dem Sommerurlaub an der See zurück und vermissen die frische Meeresluft? Die Berliner Luft hat zwar “einen holden Duft”, wie schon Heinrich Bolten-Baeckers – Texter der Berliner Landeshymne – wusste, doch wahrlich keinen salzhaltigen, und die Spree ist auch nicht ganz ein Ozean, doch Berlin, vor allem aber die Staatsbibliothek zu Berlin hat Ihnen da einiges zum Thema zu bieten – nicht nur architektonisch mit dem „großen Bibliothekstanker“ Hans Scharouns mit seinen Bullaugenfenstern und den relingartigen Galerien. Deshalb setzen wir für Sie die Segel und stechen in See zu einer Entdeckungsreise durch unsere Fachgebiete und Sammlungsbereiche.

In der Blogreihe „Meere und Ozeane“ schließen wir uns dem Motto Entdecken. Nutzen. Schützen an und berichten während des Wissenschaftsjahrs regelmäßig über allerlei Wissenswertes zum Thema aus verschiedenen Fachgebieten, besondere Buchschätze und skurrile Fakten – mal ernsthafter, mal unterhaltsamer, und immer mit Bezug zu unseren Sammlungen. Freuen Sie sich beispielsweise auf Beiträge aus den Bereichen Politik, Technik, Literatur, Geografie, Tourismus und vieles mehr.

Lichten Sie mit uns die Anker und tauchen Sie gleich zum Auftakt mit uns ab in die Tiefsee – mit einem Beitrag aus der Zoologie: Zwischen Mythos und Wissen: Vom Leviathan zum Riesenkalmar.

Save the Date! Am 26. und 27.8. Originalhandschrift Lied der Deutschen

Nur am 26. und 27.8. im Haus Potsdamer Straße zu sehen: Die Originalhandschrift des “Liedes der Deutschen” aus der Feder des Dichters und Germanisten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Neben dem Autograph werden auch Dokumente rund um den Autor und das Gedicht gezeigt.

Einigkeit und Recht und Freiheit
175 Jahre „Lied der Deutschen“
Die Original-Handschrift von 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Nur am Freitag, 26. und Samstag, 27. August 2016
10 bis 19 Uhr
Eintritt frei

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33
10785 Berlin – Tiergarten