Beiträge

“Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin …” – Weitere Vorträge zur Materialität von Schriftlichkeit

Mit einem geradezu faustischen Programm startete in dieser Woche eine Serie von Vorträgen, mit denen unsere etablierte Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog in loser Folge flankiert werden soll. Selbstverständlich ist damit keinesfalls auf eine wie auch immer geartete Beteiligung Mephistos an der Konzeption dieses neuen Formats angespielt, sondern vielmehr auf dessen Themenprofil, denn von der Philosophie ging es stracks auf das Feld der Rechtswissenschaften. Ob es uns freilich gelingen wird, die frisch begründete Reihe mit Beiträgen zu medizinischen und theologischen Inhalten fortzusetzen? Ein Blick in das „geheimnisvolle Buch, von Nostradamus’ eigner Hand“ würde vermutlich die Antwort verraten. Aber lassen Sie sich doch lieber überraschen, denn der nächste Termin ist bereits für Mitte Februar 2016 geplant!

Den Auftakt jedenfalls markierte am vergangenen Dienstag der Berliner Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich mit einer Analyse der Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung. Auf Quellenbasis von an der Philosophischen Fakultät der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin verteidigten Doktorarbeiten aus den Jahren 1817 bis 1883 rekonstruierte der Referent unter Einsatz von Verfahren des distant reading den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zur wissenschaftlichen Textsorte, wie wir sie heute kennen. Dabei nahm die im Vortrag vorgestellte quantitativ-statistisch angelegte Untersuchung, die im Übrigen selbst im Rahmen eines an der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelten Promotionsvorhabens durchgeführt wird, vor allem die Materialität der Dissertationsschriften in den Fokus – konkret etwa deren Format, Seitenzahl und Kapitellänge.

Bereits zwei Tage später – also am gestrigen Donnerstag – widmeten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) den zweiten Themenabend der Materialität kanonistischer Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Anlass für diesen Dialog zwischen den Perspektiven von Kodikologie und rechtshistorischer Forschung gab das Erscheinen der Akten der von den beiden Referentinnen an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters: Produktionsorte und Importwege. Eingeladen hatten der Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung gemeinsam mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin.

Neben dem unmittelbaren wissenschaftlichen Ertrag für die Vermessung von historischen Sammlungskontexten und Transferprozessen mittelalterlicher Rechtscodices gab der Gemeinschaftsvortrag zugleich anregende Impulse, das Potential der Forschung zu materialen (Text)Kulturen in interdisziplinärer Perspektive weiter auszuloten – zumal mit Blick auf zwei aktuelle wissenschaftspolitische Debatten. Denn zum einen sollte die “Wiederentdeckung” der Objekte  im Zuge des material turn der Geistes- und Kulturwissenschaften eminent dazu beitragen können, die Position der – wie der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands warnt – von ihrer Marginalisierung bedrohten Historischen Grundwissenschaften zu stärken. Zum anderen aber dürfte das Paradigma des new materialism gerade auch die von Seiten des Wissenschaftsrats geforderte Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer und transdisziplinäre Öffnung der Rechtswissenschaften rasant befördern. Die anbrechende Epoche der “Neuen alten Sachlichkeit” hat insofern also die Chance, zu einem veritablen Goldenen Zeitalter etwa der Rechtsarchäologie und -ikonographie zu werden. Und vielleicht wird man schon in wenigen Jahren von den Angehörigen der juristischen Fakultäten sagen: “Hier ist das Wohlbehagen erblich, Die Wange heitert wie der Mund, Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich, Sie sind zufrieden und gesund.

 

 

 

„Nomade wider Willen“ – Ein literarischer Abend in der Staatsbibliothek

Die Staatsbibliothek lud am 6. November zu einer Lesung von Texten des Autors Rudolf Frank (1886-1979) unter dem Titel „Nomade wider Willen“ in den Simon-Bolivar-Saal ein.

Der Abend stand unter der sinntragenden Überschrift „Nomade wider Willen“, ein Zitat aus Franks Auswandererroman „Ahnen und Enkel”, denn sie stellt eine doppelte – autobiografische und literarische – Referenz dar. Sie verweist zum einem auf das Schicksal Rudolf Franks, der bedroht und verfolgt, ins Exil getrieben wurde: 1936 nach Wien, 1938 aus Wien nach Zürich. Rudolf Frank akzeptierte das ihm aufgezwungene Leben als Nomade und deutete es positiv: als Schweizer Bürger blieb er Weltbürger, heimatlos und doch überall zuhause. Zum anderen wird das so verstandene Nomadentum zur literarischen Referenz: dies zeigt sich sehr deutlich in seinen Romanen. Gerade aus diesem Grund hatten wir uns entschieden, in dieser Veranstaltung nicht die Studien zum literarischen Werk Rudolf Franks in den Vordergrund zu stellen, die gerade in der Reihe der Staatsbibliothek unter dem Titel „Geschichten erzählen als Lebenshilfe – Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk Rudolf Franks“ erschienen sind, sondern Auszüge aus den Originaltexten Rudolf Franks zu lesen. Oder besser: lesen zu lassen. Es hat uns sehr gefreut, dass wir die Berliner Schauspielerinnen Monika Lennartz und Gundula Köster für diesen Abend gewinnen konnten. Und so bildeten den Schwerpunkt des literarischen Abends – ebenso wie des Tagungsbandes – die Texte, in denen Rudolf Frank schon frühzeitig vor Antisemitismus und den Schrecken des Krieges warnte und in denen er von seinen Exilerfahrungen berichtete.
Monika Lennartz und Gundula Köster lasen aus Franks 1931 erschienenem Jugendbuch „Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua“, das 1933 auf der Liste der verbotenen Jugendbücher stand, sowie aus seinem 1936 erschienenen Roman „Ahnen und Enkel“ – ergänzt um seine Autobiographie „Spielzeit meines Lebens“ (1960).
Mit diesem Werkstattgespräch fand eine Reihe von Aktivitäten der Staatsbibliothek rund um Rudolf Frank einen würdigen Abschluss: Den Auftakt hatte 2013 die Ausstellung „Ein sehr lebhaftes Vielerlei… – Der Theatermann und Schriftsteller Rudolf Frank“ gebildet, die von einem ganztägigen Symposium begleitet wurde, das Leben und Wirken Rudolf Franks unter dem politischen Einfluss seiner Zeit untersuchte. Die Ergebnisse dieser Tagung einerseits, ergänzt um Beträge weiterer Exilforscherinnen und -forscher, werden in dem kürzlich erschienenen Aufsatzband „Geschichten erzählen als Lebenshilfe“ dokumentiert.

Rudolf Frank – Geschichten erzählen als Lebenshilfe. Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk. Herausgegeben von Lutz Winckler in Zusammenarbeit mit Ursula Jäcker und Cornelia Kosmol. Berlin 2015 (Beiträge aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Band 49)

Werkstattgespräch zur kirchenslawischen Typographie am 1.12.

Werkstattgespräch
Kirchenslawische Typographie als Kunst und Waffe: Am Beispiel der ostslawischen Drucke des 15. bis 17. Jahrhunderts

Dienstag, 01. Dezember
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)
Anmeldung

– Dr. Vladimir Neumann –

Der Vortrag widmet sich verschiedenen Aspekten der kirchenslawischen Schriftlichkeit. Anhand ausgewählter Drucke aus drei Jahrhunderten aus dem ostslawischen Raum soll vor allem die Funktion der kirchenslawischen Schrift dargestellt werden. Dabei stehen nicht nur die Fragen des Ästhetischen im Vordergrund, die bei der Gestaltung der slawischen Drucke in spezifisch osteuropäischer Art und Weise zum Tragen kommen, sondern auch die der religiösen Polemik zwischen der Slavia Latina und der Slavia Orthodoxa, die mancherorts, wie beispielsweise in den Randgebieten der Rzeczpospolita, im 17. Jahrhundert den Charakter einer bewaffneten Auseinandersetzung angenommen hatte. Am Beispiel ausgewählter Werke von bekannten ostslawischen Druckern wie Francysk Skaryna, Ivan Fedorov, Jelysej Pleteneckyj und Simeon Polockij sowie einer Reihe von Drucken aus weniger bekannten Druckereien auf dem weißrussischen, ukrainischen und russischen Boden soll die Vielfalt und die Kontinuität des kirchenslawischen Drucks vom 15. bis zum 17. Jahrhundert skizziert werden.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Vom Alexanderplatz in den Orbit

Editionsgeschichte und typographische Gestaltung des vielleicht wichtigsten Berlin-Romans des 20. Jahrhunderts – die Rede ist natürlich von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz – standen am gestrigen Dienstag im Zentrum jenes Dialogs mit der Forschung, den die Staatsbibliothek zu Berlin seit einigen Monaten mit dem Arbeitskreis Die Materialität der Literatur führt, einem Zusammenschluss von Angehörigen der Berliner und Potsdamer Universitäten.

Dabei ging es dem Referenten Dr. Bernhard Metz (Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin) vor allem darum, diese von Walter Benjamin so bezeichnete „äußerste, schwindelnde, letzte, vorgeschobenste Stufe des alten bürgerlichen Bildungsromans“ als überzeugend durchgestaltetes und nicht selten irritierendes Gesamtkunstwerk in allen seinen materialen Facetten zum Funkeln zu bringen. Denn der im Herbst 1929 bei S. Fischer in Berlin erschienene und von Georg Salter gestaltete Erfolgsroman ist in seiner ursprünglichen, montageartig zerschnittenen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt – nicht zuletzt das Resultat von Döblins Verfemung durch das nationalsozialistische Regime. Gerade vor diesem historischen Hintergrund zog Bernhard Metz Die Geschichte vom Franz Biberkopf – so der moritatenhafte Untertitel des Romans – zugleich auch zur Illustration von Problemen heran, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird.

Neu herausgebracht werden aber keineswegs nur erfolgreiche Texte – auch publikumswirksame Vortragsreihen sind vor Veränderungen nicht gefeit: Seien es die über die Stadt verstreuten Eventi collaterali der Biennale von Venedig, seien es die “außer Konkurrenz” gezeigten Filmbeiträge zur Berlinale – jedes Festival, das etwas auf sich hält, wird früher oder später von einem eigenen Satellitenprogramm begleitet. Und so freut sich auch die Veranstaltungsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit über einen Halo thematisch anschlussfähiger Vorträge, die in den kommenden Monaten in loser Folge in ihrem Orbit sichtbar und vor allem hörbar werden sollen.

Den Startpunkt zu dieser begleitenden Expeditionsreise durch die unendlichen Weiten der Gutenberg-Galaxis markiert am 24. November der Vortrag Die Dissertation als Format akademischer Datenverarbeitung, in dessen Rahmen der Kunst- und Medientheoretiker Stefan Heidenreich am Beispiel philosophischer Doktorarbeiten des 19. Jahrhunderts den Wandel der Dissertation von einer lateinisch verfassten Ritualschrift zum heute geläufigen Wissensformat unter Berücksichtigung materialer Aspekte rekonstruieren wird.

Bereits zwei Tage später – also am 26. November – möchten Dr. Patrizia Carmassi (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel) und Prof. Dr. Gisela Drossbach (Ludwig-Maximilians-Universität München/Universität Augsburg) im interdisziplinären Dialog die zentralen Ergebnisse der 2011 von ihnen veranstalteten Tagung Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters. Produktionsorte und Importwege vorstellen. Konkret sollen dabei insbesondere die folgenden Fragenkomplexe diskutiert werden: Aus welchen Gründen und Motiven wurden Rechtshandschriften gesammelt? Wo verliefen die geographischen und institutionellen Wege des Handschriftentransfers, welche Akteure waren beteiligt? Welche Aufschlüsse gibt der Codex in der Materialität seiner Benutzung? Organisiert wird dieser Vortrag in Kooperation mit der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin sowie dem dort angesiedelten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung.

Sind Sie denn schon ready for Liftoff? Der Countdown für Ihren Flug in den Orbit der Materialität von Schriftlichkeit wurde jedenfalls schon gestartet. Und bitte vertrauen Sie uns: Ihre Reise wird ganz sicher nicht als Odyssee im Weltraum enden. Wir freuen uns auf Sie!

 

Werkstattgespräch: „Nomade wider Willen“ – Rudolf-Frank-Lesung am 6.11.

„NOMADE WIDER WILLEN“ – Ein literarischer Abend
Gundula Köster und Monika Lennartz lesen Texte von Rudolf Frank (1886 – 1979) über Krieg, Antisemitismus und Exil

anlässlich der Veröffentlichung des Bandes ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe‘ – Beiträge zum literarischen und künstlerischen Werk Rudolf Franks herausgegeben von Lutz Winckler

Freitag, 06. November
18.00 Uhr
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße
Anmeldung

Rudolf Frank (1886-1979) ist von Berlin über Wien 1938 in die Schweiz emigriert. Die Staatsbibliothek zu Berlin hat dem Theaterkritiker, Dramaturgen und Schriftsteller 2013 eine Ausstellung und ein Kolloquium gewidmet, dessen Vorträge 2015 unter dem Titel ‚Geschichten erzählen als Lebenshilfe’. Beiträge zum künstlerischen und literarischen Werk R. Franks  im Verlag der Staatsbibliothek veröffentlicht wurde. Anlässlich des Erscheinens des von Lutz Winckler, Ursula Jäcker und Cornelia Kosmol herausgegebenen Bandes lädt die Staatsbibliothek zu einem literarischen Abend ein, an dem die Berliner Schauspielerinnen Gundula Köster und Monika Lennartz literarische Texte von Rudolf Frank aus der Zeit der Weimarer Republik und dem Exil lesen. Der in Basel lebende Sohn Dr. Vincent Frank-Steiner ist anwesend.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Werkstattgespräch zu Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz« am 3.11.

Werkstattgespräch
»Sie redet Fraktur mit ihm.«
Zur Editionsgeschichte und typographischen Gestaltung von Alfred Döblins »Berlin Alexanderplatz«

Dienstag, 03. November
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Anmeldung

Dr. Bernhard Metz, Freie Universität Berlin

Der vielleicht wichtigste Berlin-Roman des 20. Jahrhunderts, Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz, ist heute so bekannt und verbreitet wie nie zuvor. Freilich hat er Döblins andere Arbeiten weitgehend verdrängt und diesen in der öffentlichen Wahrnehmung zum Ein-Buch-Autor werden lassen, eine auch in Übersetzungen in andere Literaturen anzutreffende Verengung. Dabei ist auffällig, dass sein im Herbst 1929 erstmals bei S. Fischer in Berlin veröffentlichter und bis 1933 in vier Folgeauflagen in 50000 Exemplaren erschienener Roman in der ursprünglichen typographischen Einrichtung heute nahezu unbekannt ist und spätere Auflagen das Bewusstsein um dieses überzeugend durchgestaltete Gesamtkunstwerk verdecken konnten. Der Vortrag versucht, den Roman in der materialen Form, in der er bei Erscheinen gefeiert wurde und bis 1947 ausschließlich rezipierbar war, neu zu erschließen. Berlin Alexanderplatz dient dabei auch zur Illustration von Problemen, die sich ergeben, sobald ein aus gebrochenen Schriften gesetzter Text nach 1945 neu herausgebracht wird, sowie der Frage, wie mit typographischen Auffälligkeiten umgegangen wird, wenn sie in einem regulären und wenig markierten Rahmen auftauchen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

Humboldts Reisetagebücher: Werkstattgespräch am 6.10.

Werkstattgespräch
“Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher”

Dienstag, 06. Oktober
18.15 Uhr
Konferenzraum 4, Haus Unter den Linden
Treffpunkt: Eingangsbereich (Rotunde)

Anmeldung

Dr. Jutta Weber / Julia Bispinck-Roßbacher, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Dr. Tobias Kraft, Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Die Amerikanischen Reisetagebücher sind das wichtigste materielle Zeugnis für Alexander von Humboldts berühmte Forschungsreise durch die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804. Zugleich bilden sie die Arbeitsgrundlage des von Humboldt in den Jahren 1805 bis 1838 publizierten, 29-bändigen Reisewerks Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent. Darüber hinaus wissen wir, dass die im Konvolut der Tagebücher enthaltenen Texte nicht nur bereits vor der eigentlichen Amerika-Reise ansetzen, sondern auch durchgehend bis kurz vor seinem Tod 1859 von Humboldt benutzt, verändert, beschrieben und ergänzt worden sind. Erst eine um die Erkenntnismöglichkeiten materialwissenschaftlicher Forschung erweiterte Lektüre ermöglicht, die vielschichtigen Dimensionen dieses lebenslangen Arbeits- und Schreibprozesses in den Tagebüchern nachvollziehen und angemessen deuten zu können. Der Vortrag wird exemplarisch einige Dimensionen dieser Arbeit am Material der Humboldt‘schen Texte ausleuchten und zukünftige Kooperationsvorhaben zwischen Literaturwissenschaft, Bibliothek und Materialforschung vorstellen.

Eine Veranstaltung aus der Reihe Die Materialität von Schriftlichkeit.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt