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10+1 im Lesesaal, diesmal: Fast nüscht

05.11.2024/3 Kommentare/in Ausstellung, Feuilleton, Foyer, Handschriften, Kinder- und Jugendbuch, Lesesaal/von Diana Johanns

 

Im Jahr 2022 überraschte und beeindruckte eine Vitrine unter dem Motto Fast nichts in der Ausstellung „BILDERKUNST. Das Buch als künstlerisches Medium“ des Museums für angewandte Kunst in Wien. Beinahe ätherische, fast monochrome oder in Reinweiß gehaltene Papierarbeiten und Aussagen, die auf Bogentextur, Seitenformung und präzisen Linien basieren – die Reduktion und Interpretation von Möglichkeiten begeisterte den Kinderbuchkenner, Sammler und Mitkurator Professor Friedrich C. Heller, dem wir an dieser Stelle zum 85. Geburtstag gratulieren.

Doch so aufregend diese Vitrine und überhaupt die ganze Ausstellung gewesen ist, DAS Thema können wir an der Stabi Berlin mit Leichtigkeit interpretieren.

Ab dem 5. November 2024 stehen elf themenbezogene Kinder- und Jugendbücher im Handschriftenlesesaal für Sie bereit – zum Blättern, Staunen, Studieren, Vergleichen und Teilen.

Entdecken Sie uns!*

Fast nüscht geht dem Berliner über seine Tierliebe.
Bleibende Spuren dieser Verbundenheit finden sich an vielen Orten und unter vielen Sohlen.

 

Hendrik Hellige und Dawid Ryski: Alle meine Tiere. Kleine Gestalten / Signatur: 53 MC 201

 


Fast nüscht hilft gegen den robusten Humor des Berliners, der die Geschmacklosigkeit besitzt, eine junge Vegetarierin Bulette zu nennen.
Armes Fleischpflanzerl!

 

Hans-Dieter Schwarz: Es war einmal ein kleines Flußpferd. Nach einem afrikanischen Märchen. Altberliner Verlag / Signatur: 3/41 BA 335

 


Bleiben wir beim Wasser! Nur 150 ml Flüssigkeit (also fast nüscht!) werden für das Gefühl benötigt, austreten zu müssen.
Und der Tiergarten fühlt sich Born Slippy.

 

Thomas Fuchs: Summer Rave. Thienemann /Signatur: 53 MA 5995

 


Apropos Born Slippy – fast nüscht hatte David Bowie mehr in seinem Berliner Kühlschrank, nachdem Iggy Pop kurzzeitig bei ihm einzog.
Nur ein Haar in der Suppe.

 

Jonny Marx und Gerhard van Wyk: HEROES. Großartige Menschen und grandiose Ideen. 360 Grad Verlag / Signatur: 53 MB 7652

 


Fast nüscht ist so ein einzelnes Haar. Und doch ist es ein Bollwerk gegen die Vollglatze.
So wie die Berliner Mauer ein Bollwerk gegen Imperialismus, Kriegstreiberei und David Bowie war.

 

Giancarlo Macrì, Carolina Zanotti und Sacco & Vallerino: Die Mauer. Eine Parabel / 360 Grad Verlag / Signatur: 53 BB 12212

 


Jetzt ist die Mauer ein Kunstobjekt, aber wirklich fast nüscht sagen viele Graffitis in der Stadt aus.
Hingegen gibt es so diverse Stencils in Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg …

 

Fausto Gilberti: Banksy. Corraini edizioni / Signatur: 53 BA 16196

 


En passant Mitte, Prenzlauer Berg und Kreuzberg … Durch fast nüscht lässt sich der Berliner von seinem sokratischen Politikverständnis abbringen.
Das spricht für Beschlagenheit und ist kein Meckern.

 

Justyna Bednarek und Daniel de Latour: Die erstaunlichen Abenteuer von zehn Socken (vier rechten und sechs linken). Woow Books / Signatur: 53 MA 38244

 


Meckern. Meckern? Meckern!
Fast nüscht liebt der Berliner so sehr wie seine Schwaben. Zum Beispiel den Gustav Schwab.
Der wiederum hätte das Pergamonmuseum geliebt.

 

Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums. Enthält den trojanischen Sagenkreis mit Ilias und Odyssee. Magellan / Signatur: 53 MA 33531

 


Da kannste zahnlos La Paloma pfeifen – fast nüscht bringt einen Berliner zum Staunen.
Oder zum Verstummen.
Oder gar zum Lächeln.

 

Michaël Escoffier und Matthieu Maudet: Palomino. Mixtvision Verlag / Signatur: 53 BA 16929

 


Als ähnlich karg wie das eigne Mienenspiel, also als fast nüscht, empfindet ein Großteil der Berliner sein Gehalt.
Aber es heißt ja auch: Arm, aber sexy.

 

Vitali Konstantinov: Alles Geld der Welt. Vom Muschelgeld zur Kryptowährung. Gerstenberg Verlag / Signatur: 53 BB 11540

 


Rein gar nüscht ist an diesem Ausstellungskatalog zu meckern, der sich mit der Darstellung der Städte Wien und Berlin in der Kinderliteratur von 1870 bis 1945 beschäftigt.

 

Friedrich C. Heller und Carola Pohlmann: Wien und Berlin. Zwei Metropolen im Spiegel des Kinderbuchs 1870 – 1945. [Ausstellung, 16. Mai – 28. Juni 2008, Berlin]. Staatsbibliothek zu Berlin / Signatur: A I, 1680


*Einen kostenfreien Bibliotheksausweis zur Nutzung unserer Lesesäle erhalten Sie unter: https://staatsbibliothek-berlin.de/service/anmeldung

Schlagworte: 10+1 im Lesesaal, Berlin, Bilderbuch, Kinderbuch
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3 Kommentare
  1. Burkhard Golm sagte:
    05.11.2024 um 08:43

    GROSSARTIG!!!

    Antworten
    • Diana Johanns
      Diana Johanns sagte:
      18.11.2024 um 10:22

      Da in Berlin gilt: Nicht geschimpft, ist Lob genug, winken wir bescheiden ab und sagen: Ist doch nüscht.

      Antworten
  2. Lamble, Jeanette
    Lamble, Jeanette sagte:
    16.11.2024 um 12:34

    Wirklich großartig – wer steckt hinter diesem tollen Blog-Beitrag ???

    Antworten

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