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© Oliver Dietze

Deutsch-Französischer Jugendliteraturpreis 2026

29.10.2026/0 Kommentare/in Feuilleton, Foyer, Kinder- und Jugendbuch, SBB-Startseite/von Sigrun Putjenter

Saarbrücken, 2. Oktober 2026:

Fragerunde der Jugendjury © Oliver Dietze

„Essen Sie [Hühnchen-]Nuggets?“ (Eine erwartbare Frage, wenn man ein Buch über glückliche Hühner geschrieben hat, zu der die moralisch vertretbare Antwort dennoch schwierig ist, wenn man gleichzeitig bei der Wahrheit bleiben will.) „Ist es besser, ein Einzelkind zu sein?“ „Haben Sie auch Ihre Mutter angeflunkert, um von zu Hause ausreißen zu können?“ Die Fragen der deutschen und französischen Viertklässler:innen hagelten geradezu auf die Autor:innen und Illustrator:innen nieder.

Begrüßung durch Doris Pack beim Autor:innenabend

Die meisten der Nominierten für den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis hatten den gemütlichen Austausch auf dem Theaterschiff Maria-Helena am Vorabend zu „vernünftigen“ Zeiten verlassen, um nach der Anreise nach Saarbrücken bzw. nach bereits absolvierten Lesungen auf der 26. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse, die parallel stattfand, genügend ausgeruht in den aufregenden Tag der Preisverleihung starten zu können. Und vor diesem feierlichen Höhepunkt sah die Tagesordnung zunächst einmal die Befragung durch die Jugendjury vor.

Dabei stellte auch die intensive direkte Auseinandersetzung der Kinder mit denjenigen, die die preisverdächtigen Werke geschaffen hatten, schon ein Highlight dar. Die Schülerinnen und Schüler je einer deutschen und einer französischen Grundschulklasse hatten die Bücher durchgearbeitet, hatten sich gegenseitig in den Schulen besucht und begannen, jeweils mit Bögen vorbereiteter Fragen bewaffnet, pünktlich um 8:15 Uhr hellwach das Interview. Die Fragen und Antworten, auf Deutsch und Französisch, wurden simultan übersetzt. Jede:r im großen Saal der Staatskanzlei des Saarlands konnte sich mit einem Konferenzempfänger ausstatten lassen und den Gesprächen somit problemlos folgen:

© Didier Jeunesse

Agnès Marot zum Beispiel hatte auch so eine starke Großmutter wie ihre Protagonistin Salomé in Salomé, reine des idées. Sie diente als Vorbild, denn als Kind hatte Agnès Marot von ihr zunächst lange das eher stereotype Bild einer Oma, die gut kochen und gärtnern konnte – bis sie ihr dann einmal bei den Hausaufgaben half und sich herausstellte, dass ihre Großmutter ganz hervorragend in Latein war.

© Thienemann

„Mögen Sie auch Döner und die Spezialsauce?“ – Marie Hüttner (Rocky Winterfeld : ziemlich neben der Spur) bekannte, dass sie im Unterschied zu ihrem Protagonisten Rocky lieber Halloumi-Sandwiches isst und dass sie sich in ihrem Lieblingsladen in Berlin [„Nur“ in Neukölln, Hermannstr.] sogar drei verschiedene Saucen dazu aussuchen darf!
Die Frage, ob sie als Kind auch ihre Mutter angeflunkert habe, um ausreißen zu können, gab sie an die Kinder zurück – und es stellt sich heraus, dass deutlich mehr Autorinnen und Illustratorinnen ihre Mütter angeschwindelt haben, um deren Aufsicht zu entkommen, als das (bisher) unter den anwesenden Kindern der Fall war.

© Actes Sud

„Timoléon“ war als Name für ihren jüngsten Sohn in der näheren Auswahl, erzählte Anne Rehbinder. Später stand er Pate für den ängstlichen Protagonisten in ihrem Roman Même les ogres ont la frousse.
Wie lange sie für das Schreiben des Buches gebraucht habe? Das wisse sie nicht, erklärte die Autorin ganz freimütig. Sie sei etwas chaotisch, sie schreibe also und dann fange sie noch einmal wieder von vorn an.

© Beltz & Gelberg

Zwischen Illustratorinnen und Autorinnen zu unterscheiden, fiel den Kindern zuweilen schwer. Und so bemühten sie die Künstlerinnen, die eine oder andere Frage zu beantworten, die eigentlich für die Autorinnen gedacht war. Anna Schilling, die Mareike Krügels Inseltage mit Rosa illustrierte, wusste z. B., dass die Autorin ein großer Fan von Tove Janssons Mumins ist und diese als Vorbild für Rosas Großmutter genommen hat: „Mu“.
Die Mischung aus farbigem Cover und schwarz-weißen Zeichnungen im Text war die Vorgabe des Verlags. Dafür griff Anna Schilling zu Aquarell und Buntstift bzw. zum Bleistift. [Digitales Handwerkszeug kommt bei ihr zum Einsatz, wenn sie mit knappen Zeitvorgaben Zeichnungen für Zeitschriften anfertigt. Wenn es aber „um so etwas Wichtiges wie Kinderbücher“ gehe, dann nehme sie sich die Zeit und arbeite lieber analog, schließlich besäßen diese Werke den größeren Charme, da sie auch kleine Unvollkommenheiten aufwiesen, erzählte sie später.]

© Thierry Magnier

Die Frage, welchen Fußballverein Hervé Giraud, der Autor von La cabane de la fin du monde, bevorzugt, brannte einigen sicherlich unter den Nägeln. Paris St. Germain oder Olympique Marseille? Beide Clubs spielten für die anfänglichen Streitigkeiten zwischen Girauds Protagonisten eine große Rolle. Und der Autor selbst – bekannte, überhaupt kein Fußballfan zu sein! Wenn schon, dann läge ihm am Herzen, dass der Club von Le Havre erfolgreich sei, denn der Le Havre AC sei ein kleiner Verein mit geringem Budget, der sich nicht einfach hervorragende Spieler für viel Geld kaufen könne, so wie Paris Str. Germain oder Olympique Marseille. (Freude bei den Lehrern, die auch eher zu den Fans des HAC zählten.)

© Klett Kinderbuch

Und dann war da die Gewissensfrage nach den Hähnchennuggets, die Massuda Kassem beantworten musste. Nachdem sie in ihrem Erstlingswerk Chicken Survivor : Hühnchen süßsauer das Leben der (weitgehend) glücklichen Hühner ihrer Freundin Eva aus Falkensee so mitreißend beschrieben hatte, schien ein solcher Genuss kaum möglich. Und die Autorin räumte auch ein, dass sie Hühnerfleisch nur noch mit schlechtem Gewissen esse und sich manchmal noch kurzfristig umentscheide. Die kämpferische Vindaloo, das Huhn, das sich entschlossen so übermächtigen Gegnern wie einem Fuchs und einem Habicht entgegenstellte, sei im vergangenen Jahr jedoch eines friedlichen, natürlichen Todes gestorben.

© Seuil Jeunesse

Florence Rivières (Coquille d’œuf) erläuterte die Bedeutung des Romantitels. Transpersonen, die sich ihrer Geschlechtsidentität noch nicht bewusst seien, würden als „Egg“ (Ei/ œuf) bezeichnet. Wenn diese Personen verstehen und akzeptieren, dass sie trans sind, spreche man davon, dass das Ei Risse bekomme oder aufbreche. Die Eierschale (Coquille d’œuf) spiele also eine große Rolle. Als non-binäre Person sei Florence Rivières in der Schulzeit selbst gemobbt worden und wollte daher ein Buch über ein Transkind schreiben.

© Hanser

„Ihr kennt das alle: Das Licht geht aus und plötzlich sehen vertraute Dinge ganz gruselig aus. Daraus ist diese Geschichte entstanden“, erklärte Katja Reider. Manno Monster und ich habe sie innerhalb von drei Monaten geschrieben und dabei auch Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit einfließen lassen. Ja, klar habe sie als Kind nachts Angst gehabt. Sie sei in einem sehr alten Haus aufgewachsen und oben auf dem Dachboden über ihr seien hörbar Mäuse unterwegs gewesen. Der Keller dieses Hauses entspreche übrigens dem Keller, den sie in ihrem Roman beschreibt. Und ein Monster unter dem eigenen Bett fände sie ganz praktisch, das könne dann gleich den Staub auffeudeln.
Die Bilder von Jussi und seinem Monster Manno stammen aus der digitalen Feder von Daniela Kohl, die den Kindern erklärte, dass sie auf dem Computer jeden Stift und jede Kreide genau so einstellen könne, wie sie diese auch analog benutzen würde. [Es gehe einfach schneller so, erläuterte sie später. Sie hebe jedoch jede einzelne Entstehungsstufe ihrer Illustrationen auf, denn manchmal komme ein Verlag am Ende doch auf den ersten Entwurf zurück …]

© HongFei

Die Illustratorin Gaëlle Duhazé musste ebenfalls für ihre Autorin Delphine Roux erläuternd einspringen. Warum Marta in der Geschichte L’échappée belle de Marta eine Gans sei, wollten die Kinder wissen, und wieso sie ausgerechnet eine Konditorei betreibe. Die Künstlerin verriet, dass die Autorin eine Feinschmeckerin sei und sehr gern süße Sachen möge. Eine Konditorei gehöre zu ihrem Wohlbefinden einfach dazu. Marta, so vermutet sie, sei eine Gans, da Gänse Zugvögel sind, die also reisen – und Marta begebe sich ja auch auf eine Reise, eine Reise zu sich selbst. Und schließlich habe Delphine Roux diese Geschichte ihr zuliebe mit lauter Tieren bestückt, da sie nämlich deutlich lieber Tiere zeichne als Menschen.
Warum sie so gut zeichnen könne, wollten die Kinder noch von ihr wissen. Gaëlle Duhazé schob das einfach auf die zusätzlichen Jahre an Übung, die sie den Kindern voraushabe. Schließlich würden sie ja alle so mit vier bis fünf Jahren anfangen zu zeichnen – und sie sei eben einfach schon ein bisschen älter als die Kinder.

© Gerstenberg

In Anbetracht der Wohnungsnöte der Familie Mirza, die Cornelia Franz in ihrem Buch Das nennt man Glück beschreibt, wollten die jungen Leserinnen und Leser wissen, ob sie selbst ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Cornelia Franz erinnerte sich daran, als Studentin mehrmals in Hamburg umgezogen zu sein, immer wenn ihr danach zumute war. Insofern, schlussfolgerte sie, müsse der Wohnungsmarkt wohl deutlich entspannter gewesen sein.
Die schwierige Frage, ob es besser sei, Einzelkind zu sein, beantwortete sie ganz eindeutig und ohne zu zögern im Sinne aller Geschwisterkinder: Sie habe es sehr gemocht, sich ein Zimmer mit ihrer großen Schwester zu teilen. Man konnte abends immer noch reden und Spielchen spielen, wenn man doch eigentlich längst schlafen sollte.

© Avant-Verlag

Mit einem Werk, das gänzlich ohne Text auskommt, war schließlich Katharina Greve vertreten. Warum sie denn darauf verzichtet habe, wollten die Kinder wissen. Und die Comiczeichnerin und Autorin erläuterte, dass sie mit dem Band Meine Geschichten von Mutter und Tochter sprachenunabhängig unterhalten wollte. Diese Geschichten könnten auf der ganzen Welt verstanden werden, genauso wie der alte Comic aus den 1930er Jahren [Erich Ohser: Vater und Sohn], der ebenfalls komplett ohne Text funktionierte. Es sei aber wirklich eine Herausforderung gewesen. Wie lange sie gebraucht habe, das Buch zu zeichnen? „Unendlich lange! Also ich hab‘ wirklich ewig lange daran gesessen.“ Ihre Lieblingsgeschichte? Mutter und Tochter sitzen im Restaurant, werden vom Ober schmählich ignoriert – und lassen sich eine Pizza per Lieferservice ins Restaurant bringen!

Nicht Pizza, sondern eine Pause mit Getränken wartete anschließend auf alle, bevor es dann richtig spannend wurde.

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Open image in lightbox: Christine Streichert-Clivot Open image in lightbox: Christine Streichert-Clivot
Open image in lightbox: Doris Pack Open image in lightbox: Doris Pack
Open image in lightbox: Jérôme Spinoza Open image in lightbox: Jérôme Spinoza
Open image in lightbox: Pascale Trimbach Open image in lightbox: Pascale Trimbach

Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur, eröffnete stellvertretend für die Ministerpräsidentin des Saarlands die feierliche Preisverleihung und lobte in diesem Rahmen auch ausdrücklich das Engagement der Staatsbibliothek zu Berlin und der Bibliothèque nationale de France, die im Juni eine Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis geschlossen hätten, um den Literaturaustausch zwischen Deutschland und Frankreich zu stärken und die Sichtbarkeit der Kinder- und Jugendliteratur beider Länder zu fördern.

Ina Jaich. Foto: © Oliver Dietze

Die Bedeutung der freien Entfaltungsmöglichkeiten für Autor:innen und Illustrator:innen sowie der Leselust und Lesefähigkeiten der heranwachsenden Generationen für das gemeinsame Fundament der Demokratie beschworen neben Ministerin Streichert-Clivot auch Doris Pack, Vorstandsvorsitzende der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und Präsidentin der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse, Jérôme Spinoza, Generalkonsul der Republik Frankreich im Saarland, und Pascale Trimbach, Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks.

Alle – bemerkenswert kurzen – Reden, die anschließende szenische Lesung von Ina Jaich, die alle zwölf nominierten Bücher noch einmal kurz vorstellte und auch die kurzen Fragen der Jurymitglieder sowie die Antworten der Autor:innen und Illustratorinnen stehen auf YouTube zum Nacherleben zur Verfügung: Verleihung des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises 2026 – YouTube   https://www.youtube.com/live/DyPPHUgz8sc

Fachmännisch wie ein Stadionsprecher steigerte anschließend Lennie, der Vertreter der Saarbrücker Grundschulklasse, die Spannung, als er den Namen der ersten Preisträgerin verlas: „Der Preis der Jugendjury auf deutscher Seite geeeht aaaaan … Chicken Survivor!“ Für die Grundschulklasse aus Saint-Avold verkündete Theresa kurz und knapp den Gewinnertitel: „Marta!“

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Open image in lightbox: Verkündung der Preisträgerin für das dt.-sprachige Werk Open image in lightbox: Verkündung der Preisträgerin für das dt.-sprachige Werk
Open image in lightbox: Massuda Kassem Open image in lightbox: Massuda Kassem
Open image in lightbox: Gaëlle Duhazé Foto: © Oliver Dietze Open image in lightbox: Gaëlle Duhazé Foto: © Oliver Dietze

Für die Fachjury verkündete und begründete Dr. Stefan Hauck die Entscheidung für die Preisträgerin: Cornelia Franz, mit dem Titel Das nennt man Glück. Anschließend lüftete Frau Prof. Dr. Mathilde Lévêque das Geheimnis, welcher der französischen Titel zum diesjährigen Gewinner gekürt wurde: La cabane de la fin du monde von Hervé Giraud.

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Open image in lightbox: Cornelia Franz, Preisträgerin 2026 für das dt.-sprachige Werk. Foto: © Oliver Dietze Open image in lightbox: Cornelia Franz, Preisträgerin 2026 für das dt.-sprachige Werk. Foto: © Oliver Dietze
© Oliver Dietze
Open image in lightbox: Hervé Giraud, Preisträger 2026 für das frz.-sprachige Werk. Foto: © Oliver Dietze Open image in lightbox: Hervé Giraud, Preisträger 2026 für das frz.-sprachige Werk. Foto: © Oliver Dietze
© Oliver Dietze

 

Die nominierten Bücher 2026 im Lesesaal „Vivarium“

In der Kinder- und Jugendbuchabteilung haben wir natürlich mitgefiebert, hatten selbst Favoriten – und waren nicht zuletzt sehr gespannt, wie sich das Votum unserer Schülerpraktikantin Naëlle (14) zu den Entscheidungen der Jugend- und der Fachjury verhalten würde. Als bilinguale Muttersprachlerin verschaffte sich Naëlle mit Leichtigkeit einen Überblick sowohl über die deutsch- als auch die französischsprachigen Titel. Drei davon gefielen ihr ganz besonders:

Mein absoluter Liebling war das französische Buch L’échappée belle de Marta.

„Marta hat es geliebt, in der Bäckerei zu arbeiten. Sie hat dafür gebrannt! Aber über die Jahre hat sie die Motivation verloren, ihre mentale Gesundheit war in Gefahr. Und dann bekam sie den Rat eines Freundes, einen Urlaub zu machen. Da findet sie sich dann selbst wieder; sie findet Dinge, die ihr selbst wichtig sind. Stück für Stück setzt sie für sich selbst wieder Prioritäten. – Natürlich soll sie die Dinge machen, die sie liebt, aber sie sollte sich dabei nicht selbst aus dem Blick verlieren. Das lernt sie bei ihrem Urlaub auf der Insel. Und das ist supersuperschön dargestellt. Und die Illustrationen, die Farben – das ist total ansprechend für Kinder! Die Pastellfarben, die Charaktere, die Dialoge – es ist superschön! Marta kommt danach wieder, und das wird als Stärke dargestellt, dass sie gelernt hat, die Dinge, die sie liebt zu tun, aber sich dabei nicht selbst zu vergessen – und eben immer wieder einen Urlaub nehmen zu können.“

Außerdem hat mir von den deutschen Büchern am besten Inseltage mit Rosa gefallen.

„Das fand ich unglaublich gut! Es geht um ein depressives Mädchen, das von ihrem Vater auf die Insel zu ihrer Großmutter geschickt wird, die sie bis dahin gar nicht kannte. Am Anfang redet sie nicht viel. Sie isst nicht. Sie ist in dieser sehr depressiven Phase. Ihr einziger Anker ist, dass sie draußen immer mit ihrer Freundin Rosa spielt. Nur ist Rosa, wie man dann erfährt, verstorben. Rosa war ihre beste Freundin, und nach deren Tod ist sie in die Depression verfallen. Ihrer Oma geht es tatsächlich ähnlich. Sie hat mit ihrer besten Freundin ihr ganzes Leben zusammen gelebt, aber nun ist die Freundin dement. Sie ist in ein Pflegeheim gekommen und erinnert sich nicht mehr an die Oma. – Man merkt, wie Lila langsam heilt. Irgendwann spricht sie wieder ihren ersten ganzen Satz und findet die Liebe zum Leben und sich selbst wieder. Sehr süß finde ich das Zitat von Rosa, die nämlich immer, wenn Lila los muss, sagt: ,Das Leben ruft nach Dir!‘ Und dabei war es früher stets Rosa, die sich von Lila mit den Worten verabschiedete: ,Das Leben ruft nach mir!‘ Das geht jetzt natürlich nicht mehr, da Rosa ja verstorben ist. – Der Heilungsprozess von Lila und auch von der alten Dame ist superschön dargestellt.

Beide Bücher finde ich super wichtig für Kinder. Sie behandeln Tabuthemen, auch wie schmerzvoll Tod sein kann und wie wichtig es ist, aus der Traurigkeit herauszufinden und zu lernen, mit dem Schmerz zu leben.“

Auf einer leichteren Note hat mir Chicken Survivor sehr, sehr gut gefallen.

„Es basiert auf einer echten Geschichte – natürlich etwas romantisiert und mit Jokes verfeinert, aber an sich existiert die Geschichte wirklich so. Es handelt von einem Huhn, das mit einer Familie von fünf Hühnern in einem Stall lebt. Alle sind glücklich, und das wird sehr süß und ansprechend für Kinder dargestellt. In den späteren Wochen kommen aber immer wieder Habichte oder Füchse, die nach und nach die Hennen umbringen. Aber Vindaloo setzt sich für die anderen Hühner ein und kämpft als Huhn gegen Füchse, kämpft gegen Habichte – und gewinnt! Vindaloo wird jedes Mal verletzt, und die Ärzte geben auf, aber die Nachbarin [eine Ärztin] pflegt das Huhn. Das ist jedes Mal ein langer, schmerzhafter Prozess. Wunder passieren nicht so von einer Seite auf die andere. Und für die pflegende Nachbarin ist die Pflege des Huhns auch ein anstrengender Prozess. Aber Vindaloo wird geheilt und kann mit den verbleibenden drei Hühnern im Stall leben. – Ganz am Ende des Buches werden auch Fotos von der echten Vindaloo gezeigt.

Das sind meine drei Lieblingsgeschichten.“

Herzlichen Dank noch einmal, liebe Naëlle, für Deine Auswahl und Dein entschiedenes, mitreißendes Plädoyer!

Vielleicht begeben Sie, liebe Leserin/lieber Leser, sich jetzt selbst auf die Suche nach persönlichen Favoriten? Diese und viele weitere Bände können Sie über den StabiKat in den Lesesaal Vivarium zur Lektüre bestellen. Viel Spaß!

Schlagworte: Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis, Deutsch-Französischer Jugendliteraturpreis, Jugendliteratur, Kinder- und Jugendbuchabteilung, Kinderliteratur
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