Kuzushiji-Workshop 2026 – Rückblick

Dieser Beitrag erschien zuerst im CrossAsia Blog, verfasst von Christian Dunkel.

Vom 25. bis zum 27. Februar 2026 fand in der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB), Haus Potsdamer Straße, der gemeinsam von der Ostasienabteilung, dem National Institute of Japanese Literature (NIJL) und der European Association of Japanese Resource Specialists (EAJRS) organisierte Kuzushiji-Workshop 2026 statt.

20 Wissenschaftler:innen, Studierende, Bibliothekar:innen und Kurator:innen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Norwegen, den USA und Singapur waren zu Gast an der Stabi, um sich für drei volle Tage unter der Leitung von Prof. YAMAMOTO Kazuaki und Prof. ŌTA Naohiro vom NIJL in das Lesen kursiv geschriebener bzw. gedruckter vormoderner japanischer Texte (kuzushiji) zu vertiefen.

Im Fokus des Workshops standen Materialien aus den Sammlungen der Ostasienabteilung.

An den ersten beiden Tagen wurden Auszüge aus Topographien zu berühmten Orten in Japan, sogenannte meisho zue, die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert verlegt wurden gelesen. Diese Topographien bilden innerhalb der vormodernen Japan-Sammlung der SBB einen kleinen thematischen Schwerpunkt. Die Digitalisate der Werke sind in den Digitalisierten Sammlungen der SBB frei verfügbar und können dort eingesehen und genutzt werden.

 

Ein Beispiel für die im Workshop gelesenen Textpassagen: Doppelseite aus dem Miyako meisho zue (Berühmte Orte der kaiserlichen Hauptstadt, 1780, Heft 3, 65v/66r, Signatur Libri japon. 9).

Ein Beispiel für die im Workshop gelesenen Textpassagen: Doppelseite aus dem Miyako meisho zue (Berühmte Orte der kaiserlichen Hauptstadt, 1780, Heft 3, 65v/66r, Signatur Libri japon. 9).

 

Der Text der linken Seite (66r) in der ursprünglichen kursiv geschriebenen, gedruckten Version unter Verwendung der damals gebräuchlichen Varianten für die Silbenschriftzeichen (hentaigana).

 

Umsetzung des Textes in Druckschrift mit den heute üblichen Zeichen.

 

Am dritten Tag standen zwei Dokumente im Mittelpunkt (Signaturen: Libri japon. 446-1, Libri japon. 446-2), die im Zusammenhang mit der preußischen Expedition nach Japan 1860/61 stehen und Teil der Verhandlungen bzgl. der Aufnahme deutsch-japanischer (Handels-)Beziehungen waren. Sie fielen dem Leiter der Expedition, Friedrich Graf zu Eulenburg, Jahre nach Beendigung seiner Mission beim Kramen unter seinen privaten Papieren wieder in die Hände und er übersandte sie der damaligen Königlichen Bibliothek zur Aufbewahrung. Als offizielle Schreiben der damaligen japanischen Regierung unterscheiden sie sich deutlich in Duktus und Aufbau von den in den anderen Sessions gelesenen Druckwerken.

 

Beginn des ersten Dokuments, dem offiziellen Schreiben des „Rats der Senioren“ (rōjū), Signatur: Libri japon. 446-1.

 

Prof. Ōta erstellte komplette Fassungen beider Dokumente in moderner Druckschrift sowie in modernem Japanisch. Diese sind jetzt auch im Themenportal über den „Beginn der Japan-Sammlung“ im Abschnitt zu Eulenburg nachlesbar. Wenn Sie mehr über die preußische Expedition und die Erlebnisse deren Teilnehmer in Japan erfahren möchten, empfehlen wir, das Themenportal zur „Preußischen Expedition in Japan 1860/61“ zu besuchen.

Ein gemeinsames Abendessen der Teilnehmenden mit vielen anregenden Gesprächen bildete den Abschluss.

Weitere Informationen zu den regelmäßig vom NIJL und der EAJRS organisierten Workshops finden sich auf der Webseite der EAJRS, inkl. Verlinkungen zu Videoaufzeichnungen und zugehörigen Arbeitsmaterialien. Die Unterlagen zum Berliner Workshop werden dort auch in Kürze zur Verfügung stehen.

 

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