Herausragende Verlegerpersönlichkeit und engagierter Freund der Staatsbibliothek zu Berlin. Nachruf auf Klaus G. Saur (1941–2026)
Gut eine Woche nach seinem 85. Geburtstag verstarb in München der Verleger Klaus G. Saur. Seine herausragende verlegerische Bedeutung, seine rege Verbandstätigkeit und hohe buchgeschichtliche Kompetenz werden von der Fachwelt bereits in ausführlichen und wertschätzenden Nachrufen gewürdigt. Daher will ich an dieser Stelle mit Hochachtung und Dank bevorzugt an Herrn Saurs höchst verdienstvolles Wirken als Vorsitzender des Freundes- und Fördervereins unseres Hauses erinnern. Von 2006 bis 2014 trug der „Verein der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V.“ wesentlich sein Gesicht und seine Handschrift. Wie stets, wenn Herr Saur sich etwas vornahm und umsetzte, leitete er den Verein mit beeindruckend viel Herzblut und Engagement, mit großer Sachkenntnis und mitreißender Begeisterung. Eine der schönsten Anekdoten stammt in diesem Zusammenhang von Jakob Hein und beschreibt präzise die überwältigende, charmante Direktheit in seinem Wesen. „Kennst du die Freunde der Staatsbibliothek?“, fragte er Hein seinerzeit. „Nein“, antwortete Hein wahrheitsgemäß. „Siehst Du, und morgen wirst Du dort eintreten.“
Mit Leidenschaft etablierte Herr Saur für die Mitglieder ‚seines‘ Vereins ein anspruchsvolles und buntes Veranstaltungsprogramm. Er machte aus den Jahresempfängen des Vereins strahlende Ereignisse und initiierte eine beachtete Diskussionsreihe, in der er sich mit namhaften Zeitgenossinnen und Zeitgenossen wie dem Wissenschaftsmanager Wolfgang Frühwald, dem Astrophysiker Reimar Lüst, mit dem Historiker Gerhard A. Ritter und mit Jutta Limbach, mit Michael W. Blumenthal, Hildegard Hamm-Brücher, Joachim Gauck oder dem evangelischen Landesbischof Wolfgang Huber unterhielt. Und wenn er einmal nicht selbst zu den Diskutanten zählte, lud er Prominente zum Zwiegespräch. Von ihm arrangiert, diskutierten in der Staatsbibliothek große Geister wie Peter Sloterdijk mit Manfred Osten, Karol Sauerland mit Wolfgang Benz und Franziska Augstein mit Ekkehart Krippendorf. Als Saur die Münchner Ausstellung „Die Weiße Rose – Der Widerstand von Studenten gegen Hitler, München 1942/1943“ nach Berlin holte, ergänzte er die eigentliche Ausstellung um ein zweitägiges Kolloquium und gewann ebenfalls wieder erstklassige Teilnehmende für die Vorträge in der Staatsbibliothek.
Mit großem Nachdruck widmete sich Klaus G. Saur auch dem Max-Herrmann-Preis, der bis heute vom Freundesverein der Bibliothek an Menschen verliehen wird, die sich um unser Haus oder das Bibliothekswesen besonders verdient gemacht haben. Persönlichkeiten mit großen Namen wurden in der Ära Saur ausgezeichnet: Bernhard Fabian und Karin von Welck, Günter de Bruyn, Inge Jens, Georg Siebeck und Micha Ullman, Ingeborg Berggreen-Merkel und die Breslauer Foundation in New York.
Als die Staatsbibliothek im Jahr 2011 ihren 350. Geburtstag feierte und Bettina Flitner prominente Menschen gemeinsam mit Schätzen der Staatsbibliothek fotografisch in Szene setzte, durfte folglich auch Klaus G. Saur keinesfalls unter den Porträtierten fehlen. Er entschied sich für das 1834 erstmals erschienene Zentralorgan der deutschen Buchbranche und posierte im Lesesaal des Hauses in der Potsdamer Straße auf einem Stapel historischer Ausgaben des „Börsenblatts für den Deutschen Buchhandel“.
Ein Vermächtnis in deutlich sechsstelliger Höhe, das dem Freundesverein in jenen Jahren zufiel, nutzte Herr Saur, um kostspielige Erwerbungen für die Staatsbibliothek mit Vereinsmitteln großzügig zu unterstützen. Er subventionierte freudig und mit Überzeugung zahlreiche Ankäufe, die der Bibliothek anderenfalls versagt geblieben wären. War die Kaufsumme für neue Schätze noch immer nicht aus Eigenmitteln der Bibliothek und der Unterstützung des Freundesvereins zusammengekommen, begnügte er sich nicht mit dem üblichen Verfassen von schriftlichen Anträgen, um fördernde Stiftungen um Drittmittel zu bitten – er fuhr persönlich direkt zu den Stiftungen und überzeugte die Verantwortlichen mit Einfühlungsvermögen, Rhetorik und Raffinesse davon, den fehlenden Teil an der Kaufsumme unbedingt beisteuern zu müssen.
Ein Herzensanliegen war Klaus G. Saur auch das Projekt, einen Teil des Nachlasses von Dietrich Bonhoeffer physisch zu sichern und knapp 200 Blätter restauratorisch zu behandeln. Er schrieb Briefe und führte Telefonate, er trommelte und warb für die gute Sache, so lange, bis auch hier das nötige Geld beisammen war.
Von kaum zu ermessendem Quellenwert sind die von ihm vermittelten Schenkungen an die Staatsbibliothek. Seine exzellenten Kontakte in die deutsche und weltweite Verlagsszene bescherten der Handschriftabteilung die verbliebenen Unterlagen des Oxforder Verlages Bruno Cassirer, das umfangreiche Firmenarchiv des Tübinger Wissenschaftsverlags Mohr Siebeck und auch das Archiv des traditionsreichen Göttinger Wissenschaftsverlags Vandenhoeck & Ruprecht.
Klaus G. Saurs so vielfältiges und unermüdliches Wirken wird somit im Haus weiterleben, nicht zuletzt in den 19 Kästen und 21 Ordnern seines persönlichen Nachlasses, die er der Staatsbibliothek übergeben hat. Er war ein enger und treuer Freund der Staatsbibliothek von bewundernswerter Kreativität und Tatkraft. Wir haben ihm außerordentlich viel zu verdanken und verabschieden uns von ihm mit Wehmut und Trauer.




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