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Happy Birthday, altes Haus!

Genau am 15. Dezember 1978, heute vor 40 Jahren, fand Deine große Eröffnungsfeier statt. Nie wieder war das Ostfoyer so voll wie an diesem Tag. Dir zu Ehren war die ganz große Prominenz angereist: der Bundespräsident selbst,  zu dieser Zeit Walter Scheel, hielt die Eröffnungsansprache. Und zurecht, warst Du doch wirklich ein Beispiel spektakulärer Architektur und bist es bis heute. Von außen zunächst gewöhnungsbedürftig, zu Zeiten sogar geschmäht als Bücherbuckel oder hässlicher Klotz, hingepflanzt wie ein Riegel auf alte Strukturen. Von innen aber ausnahmslos bewundert. Diese Weite! Die Ruhe! Die eleganten Terrassen der Lesesaallandschaft! Wer zu viele Ausrufungszeichen setzt, hat seine Emotionen nicht unter Kontrolle, habe ich gerade gelernt. Tja, tatsächlich ist es so. Selbst die, die seit vielen Jahren täglich bei Dir ein- und ausgehen, werden noch leidenschaftlich, wenn es um Dich geht.

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Du bist in die Jahre gekommen, das steht außer Frage. Für den flüchtigen Blick der vielen Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Welt trägt Deine Fassade noch. Sie sind überrascht, wenn wir Dein Alter verraten. Der goldene Magazinturm glänzt weiterhin in der Sonne.  Die Gedanken der Leserinnen und Leser fliegen noch durch die Weite der Lesesaallandschaft. Spektakuläre Sichtachsen verlocken täglich zum Fotografieren. Du bist ein Instagram-Star. Auch die vielen Studierenden der Architektur, die extra zu Deiner Besichtigung anreisen, kannst Du immer wieder beeindrucken. Für sie bist Du ein Referenzmodell.

Über alle Äußerlichkeiten hinweg bist Du zudem bis heute ein zutiefst demokratischer Bau. Nichts Einschüchterndes strahlt die Eingangshalle aus, die Dachlandschaft mit Elementen aus dem schlichten Industriebau behütet die Gebäuderiegel, die, weit ausgebreiteten Armen vergleichbar, alle willkommen heißen, die nach Wissen suchen. Viele Büros liegen nicht versteckt in abgeschotteten Verwaltungstrakten, sondern auf offenen Galerien. Transparenz war für Deine Väter, Hans Scharoun und Edgar Wisniewski, offenbar schon damals ein Begriff. Heute stehen auch in den internen Gängen viele Deiner Türen offen. Die Architektur wirkt nicht nur im Lesesaal auf die Menschen, die sich in ihr aufhalten.

Was für eine gute Nachricht, dass Deine Generalsanierung längst beschlossene Sache ist. Die Kur wird Dir gut tun, auch wenn sie Dich sicher einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Alle, die in Dir lesen und arbeiten dürfen, wünschen Dir dafür alles Gute, damit Du auch die Gedanken kommender Generationen beflügeln kannst. Herzlichen Glückwunsch, altes Haus!

20 Jahre Zeitungsabteilung im Westhafen

Heute vor 20 Jahren, am Montag, dem 22. September 1997, öffnete erstmals der Lesesaal der Zeitungsabteilung im Berliner Westhafen. Die provisorische Unterbringung in einem eigens zu diesem Zweck umgebauten ehemaligen Getreidespeicher war notwendig geworden, um das Haus Unter den Linden umfassend sanieren und restaurieren zu können.

Mit einem Bestand von mehr als 200.000 Originalbänden und über 250.000 Mikroformen, bei  aktuell 280 laufenden Zeitungsabonnements (davon 155 aus dem Ausland) ist die Zeitungssammlung der Staatsbibliothek zu Berlin die größte ihrer Art in Deutschland. Während viele Bibliotheken in den letzten Jahrzehnten aus Platz- und Kostenersparnisgründen Zeitungsbände ausgeschieden und laufende Abonnements gekündigt haben, konnte die Abteilung ihre Sammlung vor allem durch Schenkungen und Bestandsübernahmen von anderen Einrichtungen sinnvoll ergänzen und erweitern. So verwundert es nicht, dass viele historische, deutschsprachige Zeitungen im gedruckten Original nur noch in der Staatsbibliothek vorhanden sind, die – aller Digitalisierung zum Trotz – vor allem von Forschungseinrichtungen, Museen und Gedenkstätten für hochwertige Reproduktionen sehr stark nachgefragt und genutzt werden.

Die mit nur 14 MitarbeiterInnen vergleichsweise kleine Abteilung zählt aber mit über 4.500 aktiven Lesern, durchschnittlich 21.000 in den Lesesaal bereitgestellten Medien pro Jahr, über 1.000 positiv bearbeiteten Fernleihbestellungen und mehr als 2.500 beantworteten mündlichen und schriftlichen Anfragen pro Jahr zu den gefragtesten in der Nutzung der archivierten Materialien. Das aus den Beständen der Zeitungsabteilung digitalisierte historische „Berliner Tageblatt, 1878-1928“ ist im europäischen Portal „Europeana Newspapers“ die mit Abstand am stärksten genutzte elektronische Ressource in diesem Portal überhaupt.

Wenn die Abteilung im Jahr 2019 endlich in die neuen Räume im Haus Unter den Linden ziehen wird, wird damit für Viele ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gehen, nur Einige werden vielleicht die Ruhe und Abgeschiedenheit des Westhafens vermissen.