Auf der Suche nach der verlorenen Zeit…

Wussten Sie, dass es eine Liste der längsten Romane gibt? Und dass Marcel Prousts „À la recherche du temps perdu“ es in dieser Liste nur knapp in die Top 10, nämlich auf Platz 8 schafft? Auf der Liste der 100 eindrücklichsten Bücher nimmt das Romanwerk aber Platz 2 ein – trotz seiner Länge also offenbar viel gelesen! Heute, am 10. Juli 2021, wäre Proust 150 Jahre alt geworden und zu diesem Anlass widmet ihm das Feuilleton (z.B. FAZ vom 04.07.21)  schon seit einigen Tagen viel Aufmerksamkeit. Einem Blogpost bleibt in diesem Rahmen nur wenig zu sagen – was also tun? Den Kolleg*innenkreis befragen, auf die eigene Proust-Erfahrung zurückreifen und natürlich vor allem im StaBiKat auf Perlensuche gehen!

Für den Anfang also den Kolleg*innenkreis in einer kleinen Blitzumfrage nach Assoziationen zu Marcel Proust befragen: Natürlich denken alle sofort an das ab 1913 zunächst bei Grasset erschienene Jahrhundertwerk „À la recherche du temps perdu“ – zunächst, weil ab 1916 Gallimard zum Verleger Prousts wird. Nachdem André Gide als Lektor bei Gallimard den ersten Band „Du côté de chez Swann“ abgelehnt hatte, besann man sich also drei Jahre später eines Besseren. Darüber hinaus wird es bei den Kolleg*innen allerdings zurückhaltend: „Schwerer Stoff“, wird da gesagt, „nur den ersten Band gelesen“, „schlechtes Gewissen“, „Buch, das keiner gelesen hat“ etc. Doch auch „Lindenblütentee!“ wird von einer Komplettleserin aller sieben Bände spontan aufgerufen und damit kommen wir direkt zum zweiten Ansatz dieses Texts, zur eigenen Proust-Erfahrung.

Gegenstück zum Lindenblütentee ist für die Autorin dieser Zeilen nämlich das Gebäckstück Madeleine, das als Überrest der Beschäftigung mit Proust anlässlich der Zwischenprüfung Romanistik an der Uni im Gedächtnis geblieben ist. Die „Recherche“ war Teil einer umfangreichen Leseliste, die den Kanon französischer Literatur abdecken sollte. Unter entsprechendem Zeitdruck war es nicht leicht, den ausführlichen Beschreibungen von Weißdornhecken mit angemessener Offenheit – und Lesezähigkeit – zu begegnen, so dass der 1919 mit dem Prix Goncourt gewürdigte zweite Band „À l’ombre des jeunes filles en fleurs“ und alle folgenden Bände auf dem Regalbrett der ungelesenen und herausfordernd winkenden Literaturklassiker geblieben sind.

Bleibt also noch der – von vornherein wohl vielversprechendste – Blick in den StaBiKat: Neben zahlreicher Sekundärliteratur mit der beliebten Titel-Kombination „Proust und …“, z.B. Proust und Politik, Proust und Geld, Proust und Versailles, Proust und Mittelalter, Krieg oder Lachen, findet sich hier auch die älteste in der Staatsbibliothek vorhandene Ausgabe der „Recherche“, von der allerdings einige Bände dem Krieg zum Opfer gefallen sind. Alternativ können wir für eiligere Leser*innen eine Comicausgabe anbieten. Und wer mehr über Prousts Leben erfahren möchte, dem bzw. der seien die Erinnerungen von Celeste Albaret empfohlen, die lange Jahre als Haushälterin des Autors tätig war. Für diejenigen, die sich gerne in der Aura großer Künstler*innen bewegen – übrigens hat auch Walter Benjamin vor dem zweiten Weltkrieg gemeinsam mit Franz Hessel an einer deutschen Gesamtübersetzung gearbeitet – sei außerdem noch auf die zahlreichen Autographen bei Gallica verwiesen.

Und wie steht es mit Ihnen? Haben Sie Proust gelesen? Egal wie Ihre Antwort ausfällt, vielleicht ist heute der perfekte Tag, um Prousts Werk entweder eine Chance zu geben oder nochmals die Lieblingsstellen zu lesen? Bei Lindenblütentee und Madeleines!

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