Was bleibt, was fehlt
Fachtagung am 15. und 16. April 2027
Bibliotheken gegen Antisemitismus
Geschichte, Gegenwart und Perspektiven für die Prävention
Vorläufiges Programm und Anmeldung siehe unten
Bibliotheken sind Orte des Wissens, der Begegnung und des gesellschaftlichen Austauschs. Sie bewahren Geschichte, ermöglichen unterschiedliche Perspektiven und schaffen Räume für Bildung und Partizipation. Zugleich sind sie kein vom gesellschaftlichen Geschehen losgelöster Bereich: Antisemitismus, antisemitische Vorfälle und diskriminierende Strukturen machen auch vor ihnen nicht halt. Damit stellt sich die Frage: wie können Bibliotheken Antisemitismus erkennen, ihm wirksam entgegentreten und jüdisches Leben, jüdische Geschichte und Kultur sichtbar machen?
Ausgangspunkt der Fachtagung sind aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus und konkrete Erfahrungen aus der Präventions- und Beratungsarbeit. Welche Vorfälle und Dynamiken begegnen uns gegenwärtig? Welche Erfahrungen machen betroffene Besucher:innen, und welche Handlungsmöglichkeiten haben Bibliotheken im Umgang mit antisemitischen Vorfällen und diskriminierenden Strukturen? Beiträge aus der Beratungspraxis, der Antidiskriminierungsarbeit und der bibliothekarischen Praxis beleuchten Herausforderungen und diskutieren Möglichkeiten institutionellen Handelns.
Die Tagung folgt dabei bewusst dem Pendelschlag zwischen konkreter Präventionspraxis und gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und historischen Perspektiven. Auf Beiträge zu aktuellen Fällen und praktischen Handlungsmöglichkeiten folgen historische Tiefenbohrungen und grundsätzliche Fragen nach der Bedeutung von Schrift, Wissen und Überlieferung im Judentum. Dieser Wechsel soll die unterschiedlichen Zugänge nicht voneinander trennen, sondern miteinander ins Gespräch bringen: Die Auseinandersetzung mit gegenwärtigem Antisemitismus gewinnt an Tiefe, wenn sie historische Erfahrungen und Kontinuitäten berücksichtigt; zugleich erhalten historische Themen eine besondere Aktualität, wenn sie mit heutigen Formen antisemitischer Ausgrenzung und Angriffen auf jüdische Wissensbestände in Beziehung gesetzt werden.
Die Geschichte deutsch-jüdischer Bibliotheken nach dem Holocaust, die Bewahrung schriftlicher Kultur im Wilnaer Ghetto sowie Bücherraub, Provenienzforschung und Restitution verweisen auf die besondere Bedeutung jüdischen Schrifttums – und auf den antisemitischen Versuch, jüdische Kultur, ihre Zeugnisse und ihre Überlieferung zu zerstören.
Die Fachtagung verbindet so die unmittelbaren Herausforderungen der Antisemitismusprävention mit historischen Erfahrungen und Fragen nach der gesellschaftlichen Verantwortung – und Verstrickung – von Bibliotheken.
Wir laden insbesondere Beschäftigte und Auszubildende deutschsprachiger Bibliotheken – öffentlicher und wissenschaftlicher – herzlich ein, mitzudiskutieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Bibliotheken ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können: als Orte des Wissens, der Vielfalt und mit einer klaren Haltung gegen Antisemitismus.
Gefördert durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft EVZ.
Jetzt anmelden!
Vorläufiges Programm:
Donnerstag, 15.04.2027
Zur Bedeutung schriftlichen Kulturguts im Judentum:
Die Papierbrigade im Wilnaer Ghetto. Brigitte Jünger
(Wissenschaftliche) Bibliotheken als Teil der Stadtgesellschaft:
Vorfälle, Studien im akademischen Umfeld, Betroffene.
Johanna Niendorf (Berlin Monitor)
Antisemitismus und Diversität:
Sind Juden Weiß? Probleme des Antidiskriminierungsgesetzes
Dr. Doris Liebscher (Ombudsfrau der Landesstelle für Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung LADS)
Freitag, 16.04.2027
Gegen Vereinnahmung gewappnet? Bibliotheken und ihre Verbündeten:
Broschürenvorstellung „Alles nur leere Worte? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Bibliotheken“ der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus. Aktuelle Vorfälle und Zusammenschluss im Kulturbetrieb „Open Arts Hub“
Jüdische Sammlungen und ihr Verschwinden:
German-jewish libraries after the Holocaust. A history of disappearance. Buchvorstellung mit Anna Holzer-Kawałko, Israel
Bibliothekarische Initiativen und Positionierungen:
Podium zu aktuellen Debatten, Themen – und möglichen Leerstellen der Diskurse um die demokratische Bibliothek mit Regina Kittler (Vorsitzende dbv Berlin), Dr. Julia Maas (Stabi Berlin), N.N.
Die Germania Judaica – Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums:
Die wissenschaftliche Spezialbibliothek mit Sitz in der Kölner Stadtbibliothek stellt ihre Sammlung zu Geschichte, Gegenwart jüdischer Kultur sowie ihre weltweite Vernetzung vor und reflektiert Herausforderungen – historisch wie aktuell. Mit Dr. Ursula Reuter
Provenienzforschung und Restitution:
Anfänge der Rückerstattung nach 1945 und Möglichkeiten und Grenzen der aktuellen Forschung. Dr. Elisabeth Gallas (Dubnow-Institut Leipzig) und Michaela Scheibe (Stabi Berlin)


CC-BY-NC-SA-3.0






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