Wagenbach-Archiv der ersten 40 Jahre an die Staatsbibliothek übergeben

Der Verlag Klaus Wagenbach, 1964 in Berlin (West) gegründet und seither publizistischer Begleiter und Zeuge bewegter bundesrepublikanischer Geschichte wie auch kultureller Entwicklungen Europas, überlässt sein Archiv der ersten vierzig Jahre der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Es umfasst 260 Ordner und etwa 2.100 Herstellungstüten, in denen der Entstehungsprozess eines jeden Buchs dokumentiert ist. Der Verlag schafft damit Platz für neue Publikationsvorhaben und übergibt der Forschung umfangreiche und bislang weitgehend unbekannte Quellen. Die Staatsbibliothek zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwarben das Teilarchiv des Wagenbach-Verlags mit Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder.

Susanne Schüssler, Verlegerin und Nachfolgerin von Klaus Wagenbach, betonte, „… dass die Entscheidung zugunsten der Staatsbibliothek zu Berlin aus mehreren Gründen gefallen ist, nicht zuletzt, weil den Verlag und die Stadt Berlin eine wechselvolle, oft nicht einfache Geschichte verbindet.“ Schon allein deshalb gehöre das Archiv hierher. Und weiter: „Ich bin gespannt, welche neuen Sichtweisen auf die Arbeit des Verlags als Teil des Literaturbetriebs wie auch auf seine Rolle als politischer und kultureller Akteur seit der äußerst bewegten Zeit Mitte der 1960er Jahre bis heute herausgearbeitet werden.“

Klaus Wagenbach hatte als Gründungsort des Verlags bewusst Berlin gewählt, sollten doch gegen die politische Teilung ost- wie westdeutsche Autoren gleichermaßen erscheinen. In den 1970er Jahren wurde vor allem politische Literatur verlegt, und so finden sich Schriftwechsel etwa mit Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Stephan Hermlin, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski, F.C. Delius, Peter Rühmkorf, Peter Schneider, Ernst Jandl, Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Peter Brückner (u.a. über dessen Amtsenthebungsverfahren), Otto Schily und dem Grips-Theater, außerdem die umfangreiche Korrespondenz mit Erich Fried, einem der zentralen politischen und literarischen Autoren des Verlags. Dazu kommen Unterlagen zu den Gerichtsprozessen, mit denen der Verlag überzogen wurde, etwa die Frage um den „Mord“ an Benno Ohnesorg. Die Dokumente zeigen die Entwicklung der damaligen Avantgardeliteratur als Abbild der allgemeinen politischen und kulturellen Lage und zeichnen die Führungsrolle nach, die der Verlag dabei einnahm – einschließlich der sich daraus ergebenden Schwierigkeiten sowohl mit dem Staat als auch innerhalb der Linken, etwa die Bedrohung durch die RAF.

In den 1980er Jahren beginnt die Entwicklung des Verlags hin zur Kultur- und Kunstgeschichte und zur italienischen Literatur mit Autoren wie Peter Burke, Alain Corbin, Natalie Zemon Davis, Carlo Ginzburg, Salvatore Settis, Heinz Berggruen, Wolfgang Ullrich, Giorgio Vasari und Horst Bredekamp sowie Giorgio Manganelli, Luigi Malerba, Gianni Celati, Stefano Benni, Norberto Bobbio und Natalia Ginzburg. Inzwischen hat sich der Verlag immer weiter internationalisiert, publiziert anspruchsvolle literarische Autoren die deutsch, italienisch, spanisch, französisch und englisch schreiben. Mit über 1.200 verlegten Titeln wählt der Verlag nach wie vor seine Bücher nach inhaltlichen und nicht nach merkantilen Kriterien aus. Ein besonderes Merkmal der Wagenbach-Bücher ist die hohe optische und haptische Qualität der Bücher.

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz setzte mit dem Kauf des Wagenbach-Archivs ihre Politik des Erwerbs bedeutender literarischer und wissenschaftlicher Verlagsarchive fort. Dass ihr dies nur mit der außerordentlichen finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder möglich war, unterstrich die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, besonders und erläuterte weiter: „Das Wagenbach-Archiv wird nun in jene Sammlung aufgenommen, in der sich bereits die Archive der Wissenschaftsverlage De Gruyter, Mohr-Siebeck und Vandenhoeck & Ruprecht sowie das Archiv des Literaturverlages Aufbau befinden, zudem konnten wir im letzten Jahr für die Musiksammlung einen bedeutenden Teil des Schott-Archivs sichern.“ Zu den nächsten Schritten der Bibliothek fuhr sie fort: „Dieses für die politisch-historische wie auch kunst- und kulturgeschichtliche Forschung so wichtige Archiv wird zunächst systematisch erschlossen und in konservatorisch beste Bedingungen gebracht. Dabei wird die vom Verlag angelegte Grundordnung nach Jahren und nach verlegten Büchern beibehalten, und selbstverständlich verbleiben die Verwertungs- und Urheberrechte bei den bisherigen Rechteinhabern.“

Das Archiv beinhaltet neben vielem anderen umfangreiche Chef- und Lektoratskorrespondenzen, Gutachten, Manuskriptablehnungen; dann in den Herstellungstüten Schriftwechsel von Herstellern, Gestaltern und Lektoren mit den Autoren zu den einzelnen Büchern, die dazugehörigen Manuskripte, Übersetzungen, Lektorate, Korrekturgänge und Einbandentwürfe. Aus dem Vertrieb gibt es Korrespondenzen mit Buchhändlern und Auslieferungen und mit Autoren über Lesungen und die Verbreitung der Bücher. Anhand von Absatzzahlen lassen sich die Wirkung von Rezensionen, Verkaufsaktionen, Werbemitteln oder Lesereisen ermitteln.

Für das Jahr 2014 wurden anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Verlags Ausstellungen und Veranstaltungen vorbereitet. Dabei wurde der Verlagsleitung deutlich, dass der Umgang mit den eigenen Archivalien eine ebenso große Sorgfalt verlangt wie die Gestaltung des Verlagsprogramms. Der Übergang des vollständigen Archivs der Jahre 1964 bis 2003 in die Bestände der Staatsbibliothek zu Berlin ist für die zeithistorische Forschung ein verheißungsvoller wie auch für die sichere und dauerhafte Aufbewahrung der unikalen Dokumente der richtige Schritt.

Wissenswerkstatt-Workshop Haus Potsdamer Straße | SBB-PK CC NC-BY-SA

Workshop zur DDR-Geschichte am 15.10.

Workshop
„Von Ausreiseantrag bis Zentralkomitee DDR Geschichte online – das Portal DDR- Presse sowie Quellen, Fakten, Archive und Aufarbeitung“

Donnerstag, 15. Oktober
17.00 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)

In diesem Workshop stellen wir Ihnen verschiedenste Online-Quellen zur DDR-Geschichte vor. Einen Schwerpunkt bildet die Einführung in unser Portal „DDR-Presse“, das die Volltextrecherche in drei DDR-Tageszeitungen über mehr als 40 Jahren ermöglicht. Danach lernen sie verschiedene Online-Quellen kennen – von Statistiken über interne Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit bis zu illegal im Samisdat veröffentlichten Zeitschriften.

Wir zeigen Ihnen, wie sie thematische und biographische Informationen finden und welche Archive sie nutzen können. Und wir informieren Sie über verschiedenste thematische Portale – vom Nationen Verteidigungsrat über Jugendopposition und Punk bis zum Möbeldesign.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

 

Workshop für PolitologInnen am 1.10.

Workshop
„Elektronische Journals und E-Books für die Politikwissenschaften“

Donnerstag, 01. Oktober
15 Uhr
Schulungsraum im Lesesaal, Haus Potsdamer Straße
Treffpunkt: Eingangshalle (I-Punkt)

anmelden

Dieses an PolitologInnen gerichtete Angebot soll insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (neuere) Möglichkeiten der Literatursuche nahebringen. Mit dem neuen „Discovery-System“ Stabikat+ eröffnet sich die Möglichkeit, zu jedem Thema der Politikwissenschaft unsere elektronischen und gedruckten Bücher sowie Zeitschriften zu finden. Ein großer Vorteil ist, dass hier, anders als in üblichen Bibliothekskatalogen, auch einzelne Aufsätze verzeichnet und anhand verschiedener Suchkriterien zu finden sind. Darüber hinaus werden anhand von Beispielen ergänzende politikwissenschaftliche Informationsquellen vorgestellt.

Weitere Termine der Wissenswerkstatt

 

„IT-Innovation“ oder: Was kann man mit einem Berliner Flughafen-Modell in einer Bibliothek anfangen?

Informationstechnologie (IT) ist als Grundlage für den überwiegenden Teil der Projekte, die im Bibliotheksbereich durchgeführt werden, nicht wegzudenken. Der Anteil der IT differiert dabei, ebenso wie das Themenspektrum: Von der Präsentation der Digitalisierten Sammlungen über neue Nachweisinstrumente bis hin zu Services, die man zunächst vielleicht gar nicht im Angebot einer Bibliothek erwartet.

So ist es auch im Bereich der IT-Innovationen in der Staatsbibliothek: Wir befassen uns intensiv mit der Konzeption, Entwicklung und Evaluation von digitalen Informationsdienstleistungen. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen und anderen Partnern nach Maximen der Usability und Nutzerorientierung.
Mit diesem Blog „IT-Innovation“ möchten wir nun eine Plattform etablieren, die wir zum einen für Informationen über unsere Aktivitäten in diesem Bereich nutzen wollen, die gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bietet, mit Ihnen zu diesen Themen in einen Dialog zu treten.
So werden wir Ihnen in den nächsten Beiträgen mit dem URL-Shortener ein Beispiel für einen neu entwickelten Service und mit der Beta-Version der umgebauten Präsentation der Digitalisierten Sammlungen ein weiteres prototypisches Ergebnis aus der der „IT-Werkstatt“ vorstellen.
Es sollen an dieser Stelle aber nicht nur Ergebnisse präsentiert werden. Wir wollen auch Einblicke in unsere internen Abläufe anbieten. Es wird daher auch Beiträge zu verwendeten Technologien geben, ebenso wie zu Methoden, die zum Beispiel bei unserer Software-Entwicklung eingesetzt werden. Als Stichworte seien hierfür Scrum und agiles Projektmanagement genannt – modifiziert für die Anwendung in Bibliotheken.

Und natürlich wird auch die Frage nach dem Nutzen des „Flughafen-Modells“ in der Bibliothek an dieser Stelle beantwortet werden – in Berlin naturgemäß ein ganz heißes Eisen.
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag einen kleinen Vorgeschmack gegeben zu haben auf das, was da kommen mag und sind sehr gespannt, welche Debatten sich auf dieser Plattform entwickeln werden.

Informationswürfel - Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Lizenz: CC-BY-NC-SA

Wir begrüßen Sie im Service-Blog!

Schön, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Kommen Sie direkt aus dem Foyer, unserer Blognetzwerk-Startseite? Oder haben Sie den Abschiedsartikel in der letzten Ausgabe von ‚Neues aus der Benutzung‚ gelesen? Dieses Informationsblatt der Benutzungsabteilung stellt mit dem Start des Blognetzwerks und der Nr. 122 das Erscheinen ein. Künftig wollen wir hier an dieser Stelle mit Ihnen in Kontakt treten. Wir glauben, dass dies  in einem Blog viel besser funktioniert als mit einem konventionellen Medium.

Was können Sie nun künftig unter dem Blogtitel ‚Service‘ erwarten? Am liebsten stellen wir natürlich neue Angebote oder Verbesserungen im Service vor, so zum Beispiel unsere neue FAQ-Liste auf den Webseiten. Das ist die Kür. Leider obliegt uns aber hier auch die Pflicht, auf so unangenehme Sachen wie verkürzte Öffnungszeiten, ganze Schließtage, Bereitstellungsverzögerungen oder andere, alltägliche Widrigkeiten hinzuweisen. Ist nicht schön, muss aber auch jemand machen. Wenn Sie regelmäßig hier hineinschauen oder sich vielleicht sogar den RSS-Feed abonnieren, entgeht Ihnen keine wichtige Benutzungsinformation mehr und Sie stehen nicht vor verschlossenen Türen, wenn wir aufgrund von Personalversammlungen später öffnen.

Auch noch bieten können wir Ihnen sicherlich Interessantes und Spekulatives von unseren mannigfaltigen Baustellen. Künftig also schnell mal darauf hinweisen, dass das Haus Potsdamer Straße nicht geschlossen ist, sondern nur durch den Bauzaun so aussieht (by the way – momentan wird der November heiß gehandelt für den Abschluss der Arbeiten im Eingangsbereich). Auch das war ein großer Wunsch von uns – aktueller werden und schneller auf Ereignisse reagieren können.

Persönlicher wird es! Hier schreibt nicht mehr ‚Die Staatsbibliothek‘, sondern einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, ob hier weiter von ‚wir‘ und ‚uns‘ die Rede sein wird? Nach kurzem Überlegen: Ja! Keiner schreibt für sich allein, wir arbeiten alle in Teams und schreiben entsprechend für eine Arbeitsgruppe, eine Abteilung oder tatsächlich für die gesamte Bibliothek. Wir schreiben dann im Auftrag und nicht etwa im behördlichen Pluralis Majestatis.

Dies soll zunächst genügen zum was, warum und wer. Nun hoffen wir, dass Ihnen das neue Format gefällt, Sie hin und wieder mal vorbeischauen und freuen uns über alle Kommentare und Anregungen. Versprochen: Wir nehmen Ihre Kommentare ernst und mit in unsere Arbeit!

Rechtskultur und Informationsinfrastruktur

Maßgeschneiderte Serviceangebote für die rechtswissenschaftliche Forschung vor den Herausforderungen von Internationalisierung und Interdisziplinarität

In einem mehrjährigen Prozess hat der Wissenschaftsrat die rechtswissenschaftlichen Forschungsstrukturen in Deutschland einer grundlegenden Evaluation unterzogen und als Resultat ein Bündel von Empfehlungen verabschiedet, die an drei strategischen Leitbildern orientiert sind:

  1. Aufwertung der juristischen Grundlagenfächer
  2. Förderung der Interdisziplinarität rechtwissenschaftlicher Forschung
  3. umfassende Internationalisierung des Fachs

Wie angesichts der Autorität des einflussreichen wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums kaum anders zu erwarten, hat sein Angang 2012 veröffentlichtes Positionspapier die disziplinäre Selbstreflexion über den methodischen Ort der Rechtswissenschaften befeuert und dabei vor allem jenen Stimmen zusätzliches Gewicht verliehen, die in transnationalen institutionellen Arrangements sowie in nicht alleine juristisch zu begreifenden normativen Ordnungssystemen zentrale Forschungsfelder identifizieren.

Als forschungsstrategisches Leitkonzept hat sich in diesem Zusammenhang auch in Deutschland der seit den späten 1960er Jahren vor allem von Lawrence M. Friedman geprägte und für ein Vielzahl von Fächern anschlussfähige Analyserahmen der Rechtskultur akademisch etablieren können. Hierfür stehen besonders prominent die Einrichtung von großformatigen drittmittelfinanzierten Verbundforschungsprojekten sowie die nicht zuletzt dadurch rasant anwachsende Zahl entsprechender Zeitschriften und Schriftenreihen – darunter etwa:

Rechtskultur: Zeitschrift für europäische Rechtsgeschichte

Studien zu Recht und Rechtskultur Chinas

Studien zur europäischen Rechtskultur

Schriftenreihe des Käte-Hamburger-Kollegs „Recht als Kultur“

Unter inhaltlichem Aspekt ist die Rechtskultur-Forschung insbesondere an Phänomenen von Multinormativität interessiert – und das nicht nur mit Bezug auf das dynamische Zusammenspiel von festgeschriebenen und informellen Spielregeln einer Gesellschaft, sondern zugleich auch unter dem Aspekt der sich beschleunigenden Transnationalisierung bzw. Überlagerung von Rechtsordnungen. Gerade aber die vor diesem Hintergrund ermöglichte Öffnung des Fachs für Methodenimpulse der Area Studies erklärt denn auch die Gründung des interdisziplinären Forschungsverbunds Recht im Kontext bzw. des Postdoc-Kollegs Rechtskulturen: Konfrontationen jenseits des Vergleichs am Berliner Forum Transregionale Studien, dessen Mitgliederversammlung im Übrigen unser Ober-Chef, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vorsitzt.

Analog dazu ist auch das Forschungsprogramm des an der an der Goethe-Universität Frankfurt am Main angesiedelten Exzellenzclusters Die Herausbildung normativer Ordnungen – des zweiten hier zu erwähnenden Projektverbunds – auf die rasanten gesellschaftlichen Veränderungsdynamiken der Globalisierung fokussiert, deren Wucht nicht zuletzt in der normativen Dimension sich beständig transformierender transnationaler Institutionsgefüge zu Tage tritt.

Demgegenüber geht es dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung an der Universität Bonn eingerichteten Käte Hamburger Kolleg Recht als Kultur vor allem darum, Recht in seiner Kulturbedeutung (Max Weber) stärker in den Blick geisteswissenschaftlicher Forschung zu rücken und letztlich einen „judicial turn“ der Geisteswissenschaften anzustoßen.

Gerade auch in Reaktion auf die hier nur angedeuteten wissenschaftsimmanenten Prozesse hat die Staatsbibliothek zu Berlin das Konzept für einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung entwickelt, der mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 an die Stelle des Sondersammelgebiets Recht trat. Das größtenteils bereits realisierte Arbeitsprogramm beinhaltet neben der nachfrageorientierten Schärfung des Erwerbungsprofils im Bereich der rechtswissenschaftlichen Forschungsliteratur vor allem den Aufbau spezieller Fernleih- und Digitalisierungsservices, die Einrichtung einer Suchmaschine für juristische Fachinformationen sowie nicht zuletzt die Freischaltung des ersten disziplinären Open-Access-Repositoriums für die rechtswissenschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum.

Förderpolitischer Hintergrund dieser Initiative bildete die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeleitete Transformation der etablierten Strukturen nationaler Literaturversorgung. So unterhielt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1949 in Kooperation mit zahlreichen wissenschaftlichen Bibliotheken aus dem gesamten Bundesgebiet ein dezentrales System von disziplin-, regional- und materialspezifischen Sondersammelgebieten. Ziel dieser koordinierten Erwerbungskooperation war es, unabhängig von der tatsächlichen Nutzung ein möglichst umfassendes Reservoir an internationaler wissenschaftlicher Spezialliteratur aufzubauen und überregional verfügbar zu machen. In den Nachkriegsjahren mit der Absicht errichtet, dem Mangel an fremdsprachigen Forschungspublikationen in Deutschland mit dem Instrument der Fernleihe zu begegnen, machte der Strukturwandel sowohl des wissenschaftlichen Publikationsmarkts als auch der Forschungsprozesse im digitalen Zeitalter eine grundlegende Revision des Sondersammelgebietssystems erforderlich. Befördert durch die Impulse des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Informationsinfrastrukturen in Deutschland sowie als Ergebnis einer mehrstufigen Evaluation hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft zum 1. Januar 2014 ihre auf den Aufbau umfassender Sammlungen zielenden Erwerbungsrichtlinien zugunsten einer dezidierten Ausrichtung des bibliothekarischen Dienstleistungsangebots auf die konkrete Nachfrage und den aktuellen Informationsbedarf der jeweiligen wissenschaftlichen Fachcommunity aufgegeben. Einher geht dieser Prozess nicht nur mit der Umbenennung der Sondersammelgebiete in Fachinformationsdienste für die Wissenschaft, sondern auch mit der Integration des bislang auf dauerhafte Strukturbildung ausgerichteten Finanzierungsmodells in die regulären projektbasierten Förderverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Spätestens die im Herbst des kommenden Jahres anstehende Entscheidung über den von der Staatsbibliothek zu Berlin einzureichenden Folgeantrag wird demnach also unter Beweis stellen müssen, ob es uns gelungen ist, dem aktuellen Fachinformationsbedarf der rechtswissenschaftlichen Forschungscommunity in Deutschland gerecht zu werden. Drücken Sie uns bitte die Daumen oder – noch besser – helfen Sie uns durch Ihr Feedback, unsere Fachinformationsangebote nahtlos an Ihre Anforderungen und Wünsche anzupassen. Schönen Dank!

Über den Ausgang des Verfahrens informieren wir Sie in jedem Fall natürlich hier.

 

Und wenn es etwas ausführlicher sein soll:

Ivo Vogel/Christian Mathieu: Rechtswissenschaftliche Fachinformationsversorgung im Wandel – Zur Transformation des Sondersammelgebiets Recht in einen Fachinformationsdienst für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung, in: Recht, Bibliothek, Dokumentation: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen 44 (2014), S. 1-14

http://intr2dok.vifa-recht.de/receive/mir_mods_00000006

 

„SchriftSprache. Indonesische Handschriften“

Ausstellung aus Anlass der Frankfurter Buchmesse mit Gastland Indonesien

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
montags bis samstags, 10 – 19 Uhr
bis 17. Oktober 2015

  • Eintritt frei
  • farbiger Katalog (186 Seiten)
  • mittwochs um 17 Uhr Führungen in der Ausstellung
  • Vorträge mit indonesischer Musik am 2., 5., 10. Oktober, Themen und Zeiten siehe http://sbb.berlin/w0i71d

In der Ausstellung „SchriftSprache“ – auf Indonesisch „Aksara dan Bahasa“ – präsentieren die Staatsbibliothek zu Berlin 46 Handschriften und das Indonesische Nationalmuseum, Jakarta, 7 Repliken von Steininschriften. Besuchern wird das Schreiben auf Palmblättern vorgeführt, am Computer kann das Schreiben in Javanisch, Buginesisch, Batakisch und Arabisch ausprobiert werden.

Von den 700 Handschriften, die die Staatsbibliothek zu Berlin besitzt und die aus dem heutigen Gebiet der Republik Indonesien stammen, sind etwa die Hälfte auf Papier aus Baumbast oder auf Palmblättern, Baumrinden, Bambus und Metall geschrieben. Diese Beschreibstoffe, ihre Formen wie auch ihre Bindungen sind für europäische Betrachter optisch und haptisch außerordentlich faszinierend. Zudem erscheinen Betrachtern, denen die feste Verbindung einer Sprache mit einem zugehörigen Alphabet geläufig ist, die in den indonesischen Handschriften repräsentierten Kombinationen aus Sprachen und Schriftzeichen recht ungewöhnlich, etwa wenn ein javanischer Text sowohl mit arabischen wie auch mit lateinischen oder javanischen Buchstaben geschrieben ist.


Digital erschlossene indonesische Handschriften der Staatsbibliothek zu Berlin sind in der Datenbank www.orient-digital.de zu finden.

Honorarfreie Pressebilder: http://sbb.berlin/61kmfa oder
http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder


Die Buchkunst hat in Indonesien eine lange Tradition. So wurden, bevor der Buchdruck Verbreitung fand, seit Jahrhunderten vor allem jene Materialien zum Beschreiben genutzt, die in der Natur zu finden waren. Die Auswahl der gezeigten Handschriften vermittelt deshalb nicht nur einen Einblick in die verschiedenen Schrifttraditionen und Schriftzeichen Indonesiens, sondern darüber hinaus auch eine Übersicht über die Materialien, die als Beschreibstoffe dienten – neben europäischem Papier auch Papier aus Baumbast sowie Palmblätter, Baumrinde, Bambus und Metall.

Malaiische und javanische Handschriften sind am häufigsten vertreten, da Werke in diesen Sprachen die wichtigsten und umfangreichsten Literaturen Indonesiens abbilden. Während die Mehrzahl der Manuskripte für den alltäglichen Gebrauch bestimmt und daher einfach ausgestattet waren, werden in der Ausstellung auch zahlreiche Handschriften mit kostbaren Miniaturen und aufwändigen Illuminationen gezeigt.

Oft datieren indonesische Handschriften ‚nur‘ in das 19. Jahrhundert zurück, denn die dortigen klimatischen wie auch die Nutzungs- und Aufbewahrungsbedingungen beschleunigen den Verfall der fragilen Beschreibstoffe. Vor diesem Hintergrund wirkt die Überlieferung von Handschriften aus früheren Jahrhunderten geradezu sensationell, einige davon sind in der Ausstellung zu sehen, etwa diese:

Die Nipah-Handschrift der Staatsbibliothek zu Berlin

In altjavanischer Kawi-Schrift wurde im Jahr 1407/1467 (Datierung je nach Lesung) auf Gebang-Palmblättern ein shivaitischer Text geschrieben. Dies ist eine der wenigen erhaltenen Nipah-Handschriften, weltweit sind nur wenige Dutzend überliefert, in Berlin ist dies die einzige. Diese Handschriften stellen den Übergang von Stein- und Metallinschriften zum portablen Schriftträger dar.

Der Text dieser Handschrift ist unikal, weltweit ist keine weitere Kopie bekannt. Es handelt sich um einen shivaitischen Text in Kawi-Schrift, auf Sanskrit mit altjavanischen Erläuterungen mit dem Titel Darma Pātañjala.
Die Aufbewahrung der Handschrift in dem hölzernen Kasten hat zwar den Verlust loser Teile verhindern können, da aber die Maße des Kastens zu knapp bemessen waren, litten die einzelnen Blätter bei jeder Bewegung. Zudem ist durch den Faden im Schnurloch in der Mitte der Blätter Feuchtigkeit eingedrungen und das Material an diesen Stellen spröde und brüchig geworden. Die einzelnen Palmblätter sind an diesen Stellen so destabilisiert, dass die Handschrift derzeit weder benutzt noch digitalisiert werden kann. Mit Fördermitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) wird jetzt die grundlegende konservatorische Sicherung und die Neukonzeption der Aufbewahrung der Handschrift in Angriff genommen. Das neue Aufbewahrungskonzept wird die Nutzung des Originals ermöglichen, ohne dass das eigentliche Palmblatt angefasst werden muss.

Honorarfreie Pressebilder: http://staatsbibliothek-berlin.de/aktuelles/presse-news/pressebilder/aktuelle-themen/

FAQ – Ihre Fragen, unsere Antworten

Auf unseren Webseiten haben wir ein neues Angebot für Sie. Seit August finden Sie unter dem Titel FAQ | Anmeldung und Benutzung unter der Rubrik „Service“ eine Seite, die Ihnen Antworten auf Fragen rund um die Benutzung der Bibliothek anbietet.

Wie und wo erhalte ich einen Bibliotheksausweis? Wie lange liegen meine Bestellungen zur Abholung bereit? Kann ich in der Staatsbibliothek WLAN nutzen? Welcher Standort der Bibliothek ist für mich am besten geeignet?

Dies sind nur einige der Fragen, auf die wir Ihnen dort übersichtliche und kompakte Antworten geben wollen. Besonders unseren neuen Leserinnen und Lesern soll hiermit der Einstieg in die Erstbenutzung der Bibliothek erleichtert werden. Aber vielleicht finden auch alle anderen noch den einen oder anderen nützlichen Tipp.

Ein Blick in unsere FAQs lohnt sich!

 

 

Interdisciplinary Conference on Digital Cultural Heritage 28.-30.10.

DCH 2015
Interdisciplinary Conference on Digital Cultural Heritage

Berlin, October 28-30, 2015

Preserving, Knowledge Generation, and Enabling Permanent Access to Cultural Heritage
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33
10785 Berlin

Conference Chair

Horst Kremers, Berlin, Germany

Organized by

CODATA-Germany the German National Committee for CODATA,

Committee on Data for Science and Technology of the International Council for Science (ICSU)

In cooperation with

Deutsche Gesellschaft für Kartographie
Staatsbibliothek zu Berlin
TOPOI Excellence Cluster
The Role of Culture in Early Expansions of Humans

Registration, program, contact

Ausstellung: „Displaced Persons“ 3.9. – 15.12.

Kabinettausstellung  im Jüdischen Museum
SAMMLUNG DER STAATSBIBLIOTHEK „DISPLACED PERSONS“

Im fremden Land. Publikationen aus den Lagern der Displaced Persons.

3. September – 15. Dezember 2015

Im Jahr 2009 begann die Staatsbibliothek zu Berlin, systematisch eine Sammlung mit solcher Literatur aufzubauen, die in den Jahren 1945 bis 1950 in den Lagern für jüdische „Displaced Persons“ in der amerikanischen und in der britischen Besatzungszone Deutschlands entstand. Eine Auswahl dieser seltenen, äußerst wertvollen historischen Zeugnisse wird vom 3. September an im Jüdischen Museum Berlin in einer kleinen Sonderausstellung zu sehen sein.

Pressemitteilung der Staatsbibliothek zu Berlin