Unsere redaktionelle Auswahl für den Rückblick

Moses-Mendelssohn-Medaille an Ulla Unseld-Berkéwicz übergeben

„Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen und das Beste tun: Das ist die Bestimmung des Menschen.“ Dieses Lebensmotto des großen Philosophen Moses Mendelssohn (1729 – 1786) könnte auch über dem 6. September 2016 in der Staatsbibliothek gestanden haben. An diesem wunderbar warmen Sommerabend übergaben Professor Julius Schoeps vom Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum und die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, gemeinsam im gut gekühlten Otto-Braun-Saal die Moses-Mendelssohn-Medaille an Ulla Unseld-Berkéwicz. Die Schriftstellerin, Schauspielerin und Verlegerin wurde geehrt für ihr Handeln „im Sinne und in der Tradition des Denkens von Moses Mendelssohn für Toleranz und Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit“.

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf begrüßt die Gäste. Foto: Margrit Schmidt, MMZ

Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf begrüßt die Gäste. Foto: Margrit Schmidt, MMZ

Barbara Schneider-Kempf und der frühere Kulturstaatssekretär André Schmitz – in einer Doppelrolle als Vorsitzender des Vereins der Freunde der Staatsbibliothek wie auch als Vorsitzender der Mendelssohn-Gesellschaft – begrüßten die Gäste zur erstmaligen Verleihung der Medaille in den Räumen der Staatsbibliothek. Professor Schoeps erläuterte die Hintergründe der Medaillenvergabe.

Seit langem ist die Staatsbibliothek zu Berlin der Familie Mendelssohn besonders verbunden. 1878 erhielt die Bibliothek von den Erben Felix Mendelssohn Bartholdys den kompositorischen Nachlass des Künstlers. Weitere Gaben folgten. Und 1964 wurde der Staatsbibliothek (West) das Familienarchiv der Mendelssohns übereignet  – ein Archiv, das wichtige Geschäftspapiere, Korrespondenzen, Familienbriefe und weitere Dokumente enthält. Die Sammlung wird in der Musikabteilung der Staatsbibliothek gehütet, die diesen Schatz als Teil ihres Namens – Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv – trägt. Ein eigens für das Haus an der Potsdamer Straße entworfener Raum präsentiert Gemälde, Dokumente und Informationen zu dieser für Berlin so bedeutsamen Familie. – Kaum etwas liegt also näher, als eine Ehrung, die sich auf den großen Philosophen und Aufklärer des 18. Jahrhunderts beruft, in eben dieser Staatsbibliothek zu Berlin zu veranstalten. Man möchte höchstens fragen: Warum erst jetzt? – Wird doch die Medaille bereits seit 1993 vergeben. Doch beteuerten sowohl Barbara Schneider-Kempf als auch Julius Schoeps, mit der diesjährigen Preisverleihung eine neue Tradition begründen und die Medaille auch künftig gemeinsam in den Räumen der Staatsbibliothek verleihen zu wollen.

Rachel Salamander verfolgte anschließend in ihrer detailreichen Laudatio höchst anschaulich den Lebensweg der Geehrten. Ulla Unseld-Berkéwicz zog in ihren Dankesworten immer wieder eine Verbindung zwischen dem Lebenswerk Moses Mendelssohns und ihrem eigenen Schaffen und begeisterte die Gäste mit ihren klug formulierten Gedanken. Einen würdigen Rahmen erhielt die Veranstaltung durch die Pianistin Maria Baranova, die neben Werken von Mendelssohn Bartholdy und Bach auch eine seelenwärmende Eigenkomposition spielte.

Die Geehrte und ihre Laudatorin: Ulla Unseld-Berkéwicz und Rachel Salamander. Foto: Margrit Schmidt (MMZ)

Die Geehrte und ihre Laudatorin: Ulla Unseld-Berkéwicz und Rachel Salamander. Foto: Margrit Schmidt (MMZ)

Beim anschließenden Empfang ergaben sich zahlreiche günstige Gelegenheiten für Autogrammjäger, waren neben der Gewürdigten doch zahlreiche weitere Schriftstellerinnen und Autoren zugegen. Nur Selfies wurden so gut wie gar nicht geschossen – Literaten sind eben doch keine „Celebrities“.

Möge der gelungene Abend der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit sein!

14.9. : Max-Herrmann-Preis an Wim Wenders

Mittwoch, 14. September : 15 Uhr Film „Der Himmel über Berlin“, 18 Uhr Preisverleihung an Wim Wenders

In diesem Jahr erhält Wim Wenders die wichtigste Auszeichnung, die in Deutschland für Verdienste um das Bibliothekswesen vergeben wird, den Max-Herrmann-Preis der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V.

Der Filmregisseur, Autor und Produzent Wim Wenders hat in seinem Film „Der Himmel über Berlin“ (1987) die Staatsbibliothek zu Berlin zu einem der zentralen, magischen Schauplätzen erwählt und ihr so „ein ebenso schönes wie bleibendes filmisches Denkmal von internationalem Rang gesetzt“, erklärt André Schmitz, Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. zur Preisverleihung 2016. Der Lesesaal im Haus an der Potsdamer Straße, von dem Architekten Hans Scharoun konzipiert und von seinem Partner Edgar Wisniewski fertiggestellt, gleicht einer fließenden Landschaft mit seinen Ebenen und Emporen. Im Film wird er zum Treffpunkt wie Rückzugsort der Engel. So wie sie jungen wie alten Menschen in ihren Gedankenwelten beistehen, fügen sich diese zu einem vielstimmigen Kosmos zusammen. „Bibliotheken sind Herzkammern der Bildung, Begegnungsorte mit Büchern, mit Menschen, mit Gedanken, mit sich selbst. Wim Wenders hat der Magie, dem Wesen einer Bibliothek ein unvergessliches Gesicht gegeben“, erklärt, André Schmitz weiter.

Seit dem Jahr 2000 verleihen die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V. mindestens alle zwei Jahre den Max-Herrmann-Preis an eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise um das Bibliothekswesen und die Staatsbibliothek zu Berlin verdient gemacht hat. Zu den von einer Jury ausgewählten Preisträgern gehörten bislang neben anderen der langjährige Direktor der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Retter der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale), Paul Raabe, Dr. Ekaterina Genieva, Generaldirektorin der Gesamtrussischen Staatlichen Rudomino-Bibliothek für Ausländische Literatur in Moskau, der Schriftsteller Günter de Bruyn sowie der israelische Künstler Micha Ullman.

Der Preis ist nach dem bedeutenden Literaturwissenschaftler Max Hermann benannt, der 1923 an der Humboldt-Universität zu Berlin das weltweit erste Theaterwissenschaftliche Institut gründete. 1933 verlor Max Herrmann seine Professur an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. In der Staatsbibliothek durfte er keine Bücher mehr ausleihen, durfte diese lediglich – über siebzigjährig – am Stehpult einsehen. Im Jahr 1942 wurde er nach KZ Theresienstadt deportiert und starb dort nach wenigen Wochen.


Mittwoch, 14. September 2016
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin
Otto Braun-Saal

15 Uhr : Filmvorführung „Der Himmel über Berlin“
Offen für alle –Eintritt frei

18 Uhr : Verleihung des Max-Herrmann-Preises 2016 an Wim Wenders
Teilnahme nur nach Anmeldung bei freunde@sbb.spk-berlin.de

Es sprechen
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin
André Schmitz, Vorsitzender des Vorstandes der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V.
Laudatio: Dieter Kosslick, Festivaldirektor der Internationalen Filmfestspiele Berlin
Preisträger Wim Wenders


Ihr Pressekontakt
Gwendolyn Mertz 030 / 266 43 8000
freunde@sbb.spk-berlin.de

13.9.: Bilderbuchkünstler Carll Cneut zu Gast, zehn Tage Ausstellung

In der Veranstaltungsreihe „Kinderbuch im Gespräch“ wird am 13. September um 18 Uhr der flämische Bilderbuchkünstler Carll Cneut begrüßt. Er gehört gegenwärtig zu den bedeutendsten Illustratoren in Europa.

Außerdem wird ab dem 7. September an neun Tagen im Foyer unseres Hauses Potsdamer Straße 33 / Kulturforum ein Teil seines Werkes vorgestellt: „Der goldende Käfig. Prächtiges Federvieh“.


Veranstaltung „Carll Cneut im Gespräch“
13. September 2016, 18 Uhr
Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum
Dietrich-Bonhoeffer-Saal
Voranmeldung gern unter kinderbuchabt@sbb.spk-berlin.de, telefonisch 030 266 436401

Präsentation „Der goldende Käfig. Prächtiges Federvieh“
Werke des flämischen Bilderbuchkünstlers Carll Cneut
7. – 17. September 2016
Mo-Fr 9-21 Uhr, Sa 10-19 Uhr, am 8.9. und sonntags geschlossen
Foyer, Haus Potsdamer Straße 33 / Kulturforum

jeweils freier Eintritt


„Meine Bilder setzen sich im Unsichtbaren fort. Meine Leser haben die Freiheit, sie in ihrem Kopf zu vervollständigen. Das bringt die Erwachsenen oft durcheinander, aber niemals die Kinder.“ So beschreibt Carll Cneut seine Arbeit, die mit den höchsten Preisen für Bilderbuchkünstler ausgezeichnet ist.

Der flämische Künstler Carll Cneut gehört gegenwärtig zu den bedeutendsten Illustratoren in Europa. Schon mehrere seiner Bücher sind auch in deutscher Sprache verlegt, darunter Hexenfee, Rotgelbschwarzweiß und Die wundersame Liebesgeschichte des Mister Morf. Dem deutschen Publikum wurde Carll Cneut vor allem durch die Nominierung seines Bilderbuchs Der goldene Käfig für die Auswahlliste zum  Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 in der Sparte Bilderbuch bekannt.

Cneuts Variantenreichtum demonstriert das Ausschreiten vielfältiger gestalterischer Möglichkeiten. Zu seinen Vorbildern zählt er die  belgischen Expressionisten Gustave Van de Woestijne und James Ensor, seine Illustrationskunst erinnert zugleich an die Altmeister flämischer und niederländischer Malerei, an Jan van Eyck und Pieter Bruegel. Mit dem Buch Dulle Griet  hat Cneut sich sogar dem direkten Vergleich mit Bruegel ausgesetzt, die von Geert De Kockere verfasste und von Cneut illustrierte Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Gemälde des niederländischen Malers.

Die Ausstellung in der Staatsbibliothek zu Berlin, die in Zusammenarbeit mit dem internationalen literaturfestival berlin und der BOHEM PRESS GmbH vorbereitet wurde, zeigt Originalillustrationen aus Der goldene Käfig und aus dem dazugehörigen Malbuch, des Weiten Originale aus dem Buch Der blaue Vogel nach dem gleichnamigen Märchenspiel von Maurice Maeterlinck. Cneuts Anspruch, keine „Gebrauchsarbeiten“ sondern eigenständige Kunstwerke zu schaffen, zeigt sich u. a. daran, dass er seine Bilder in historische Rahmen fassen lässt, einige Bilder sind in dieser Kombination ausgestellt.

Über das Buch „Der goldene Käfig“

Das Buch, nach dem die Ausstellung benannt ist, erzählt die poetische und zugleich düstere Geschichte der einsamen kindlichen Prinzessin Valentina, deren Lebensinhalt das Sammeln seltener Vögel ist. Wenn es ihren Dienern nicht gelingt, die seltenen Tiere in aller Welt zu fangen, werden ihnen die Köpfe abschlagen. Die philosophische Geschichte von Anna Castagnoli über ein mit allzu großer Macht ausgestattetes, zugleich verlassenes und emotional verwahrlostes Kind wurde von Carll Cneut in prachtvolle, farbgewaltige Bilder umgesetzt. Er kombinierte aus mehreren Farbschichten aufgebaute Illustrationsgemälde mit kritzeligen Kinderzeichnungen, setzt in der Typographie eine klare Antiqua gegen krakelige Schreibschrift und macht so das Ungleichgewicht aus märchenhaftem Reichtum und der zur Grausamkeit verkommenen kindlichen Hilflosigkeit deutlich. Der harte Kontrast zwischen subtil ausgeführten Bildkompositionen und kompromissloser Simplizität macht den besonderen Reiz dieses Buchs aus, das in der Nominierungsbegründung für den Deutschen Jugendliteraturpreis als „bibliophiles Gesamtkunstwerk“ bezeichnet wird.

Das 18. Jahrhundert wird lebendig!

Welche Vorstellungen haben wir vom Leben im 18. Jahrhundert und wodurch werden sie geprägt? Neben musealen Gegenständen, Gebäuden, Parks und anderen Hinterlassenschaften (denken wir nur an die Musik) sind es vor allem die papiernen Kulturgüter, die Einblicke in das damalige Leben gewähren. Die Staatsbibliothek besitzt nicht nur herausragende Musikalien, Handschriften und Karten aus dieser Zeit, sondern auch eine der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen Historischer Drucke dieser Zeit. Aus diesem Grund nimmt sie seit 2009 an dem kooperativen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt VD 18 teil. Gemeinsam mit anderen Bibliotheken Deutschlands entsteht ein „Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 18. Jahrhunderts“, das zugleich als Nationalbibliographie und digitale Bibliothek firmiert. Wer bibliographische Recherchen über den bereits redigierten und digitalisierten Projektbestand (150.000 Titel) der beteiligten Bibliotheken durchführen möchte, dem sei die VD18-Datenbank empfohlen. Möchte man sich durch die digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek bewegen und digitalisierte Drucke des 18. Jahrhunderts erkunden, dann ist man hier an der richtigen Adresse. Über 20.000 Werke können hier bereits durchsucht und gelesen werden. Rasch fällt auf, dass unsere Schwerpunkte bei Sprachen / Literaturen, der Theologie und der Rechtswissenschaft liegen.

Ein Blick auf die unterschiedlichen Gattungen der digitalisierten verzeichneten Drucke ergibt folgendes Bild:

Gelegenheitsschrift (davon 1/3 Funeralschriften) 26 %
Universitätsschrift, Dissertation, Schulschrift 19 %
Verordnung, Edikt, Amtsdruckschrift 8 %
Lied oder Liedersammlung, Lyrik 15 %
Roman, Schauspiel, Komödie, Tragödie, Traktakt 7 %
Flugschrift, Streitschrift, Kolportageliteratur 13 %

Diese und andere Gattungsbegriffe kann man auch für die Suche heranziehen. Beispielsweise erhält man nach Eingabe der Suchanfrage „genre_aad:verordnung“ 1.345 Treffer im SBB-VD18-Bestand, darunter auch die Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark : De Dato den 16ten April 1794 oder auch Anweisung wie gute Maulbeer-Baum-Hecken mit dem besten Fortgang anzulegen, und nützlich zu gebrauchen sind von 1768.

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2"An 8630-10 R

Titelblatt von: Verordnung wegen besserer Einrichtung der Backöfen in den Dörfern der Churmark. Berlin : Decker, 1794. SBB-PK: 56 in: 2″An 8630-10 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet$dvon der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4" 3 N 597 R

Buchstabe D. In: Mitelli, Giuseppe Maria: Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet von der Sinnreichesten Erfindung mit eingemengter ZeichnungsKunst. Augsburg : Göbel, [um 1720]. SBB-PK: 4″ 3 N 597 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4" Lo 4747 R

Der Gimpel. In: Müller, Johannes: Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben. Nürnberg : Schneider und Weigel, 1800. SBB-PK: 4″ Lo 4747 R

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der Imagedigitalisierung werden ebenso Strukturdaten erfasst, die die Suche nach Kapitelüberschriften oder speziellen buchkundlichen Gesichtspunkten (Kupfertitel, Druckermarke u.a. – z.B. type:bookplate) gestatten. Auch die Suche nach illustrierten Werken ist möglich (type:illustration). Derzeit sind 1.741 Werke im VD18-Segment der Staatsbibliothek illustriert, beispielsweise auch Des Berühmbten Italiaenischen Kunst Mahlers Josephi Mariae Mitelli von Bologna Curioses Grosses Bilder-Alphabet oder Die vorzüglichsten Sing-Vögel Teutschlands mit ihren Nestern und Eyern nach der Natur abgebildet und aus eigener Erfahrung beschrieben.

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist vor kurzem in den zweiten Abschnitt der Projekthauptphase eingetreten und beabsichtigt, in den kommenden zwei Jahren weitere 10.000 Titel zu digitalisieren.

Wer mehr über das Projekt und seine bibliothekarischen Hintergründe erfahren möchte, sei auf den Artikel Das VD 18 – Aufklärung gefällig? im Bibliotheksmagazin 2/2016, S. 53ff. verwiesen.

 

[Text von Maria Federbusch.]

Zauberhafte Romantik – 200 Jahre Undine von E.T.A. Hoffmann

Heute vor 200 Jahren war ein großer Tag für den Universalkünstler E.T.A. Hoffmann. Als Komponist hatte er es endlich geschafft: Am 3. August 1816 fand anlässlich des Geburtstags von König Friedrich Wilhelm III. im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin die Uraufführung seiner romantischen Oper Undine statt. Schon lange träumte er davon, dass sein „Name nicht anders als durch eine gelungene musikalische Komposition der Welt bekannt werden soll“ (Brief vom 20. Juli 1813 an seinen Verleger Carl Friedrich Kunz). Mit der Undine – seinem bedeutendsten Bühnenwerk, an dem er schon seit 1813 arbeitete – sollte dieser Traum für ihn in Erfüllung gehen. Die Zauberoper gehört zu den wichtigsten musikalischen Werken der Romantik. Sie gilt als Vorläuferin von Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz und als erste romantische Oper in Deutschland überhaupt.

 

Die Undine in Berlin

Hoffmann komponierte für die Undine die Musik. Das Libretto stammt von dem befreundeten Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, der sich hierbei auf seine gleichnamige Erzählung aus dem Jahr 1811 stützte. Undine ist ein weiblicher Wassergeist und hofft auf eine eigene Seele, wenn sie einen menschlichen Ehemann findet. Mit Ritter Huldbrand scheint Undine trotz der Warnungen ihres Onkels, dem Wasserfürsten Kühleborn, einen solchen Mann gefunden zu haben. Nach einer abenteuerlichen Liebesgeschichte finden die beiden ihr Glück nicht an Land, sondern tauchen gemeinsam in das Reich der Wassergeister ein.

Kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel schuf für die Undine die lebhaften Bühnenbilder – wie zum Beispiel den Wasserpalast Kühleborns oder den Marktplatz mit Brunnen – und trug damit zur zauberhaften Atmosphäre der Oper bei. So ist es nicht verwunderlich, dass sie zu einem großen Erfolg wurde.

 

Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel für den 1. Auftritt des 2. Aktes; Marktplatz mit Brunnen © bpk / Kupferstichkabinett, SMB

Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel für den 1. Auftritt des 2. Aktes; Marktplatz mit Brunnen © bpk / Kupferstichkabinett, SMB

 

Alle Aufführungen waren sehr gut besucht und auch die Kritiken waren äußerst positiv. Carl Maria von Weber, den E.T.A. Hoffmann in Berlin kennenlernte, war in seiner Kritik voll des Lobes:

„Das ganze Werk ist eines der geistvollsten, das uns die neuere Zeit geschenkt hat. Es ist das schöne Resultat der vollkommensten Vertrautheit und Erfassung des Gegenstandes, vollbracht durch tief überlegten Ideengang und Berechnung der Wirkungen alles Kunst-Materials, zum Werke der schönen Kunst gestempelt durch schön und innig gedachte Melodien.“ (Carl Maria von Weber: Über die Oper „Undine“ von Motte-Fouqué und Hoffmann)

Leider sollte der Erfolg der Oper schneller vorbei sein als gedacht. Nach nur 14 Aufführungen vernichtete ein Brand im Königlichen Schauspielhaus alle Requisiten. Da eine Wiederaufnahme aus Kostengründen nicht realisiert werden konnte, war hiermit nicht nur der Undine, die zu Hoffmanns Lebzeiten nur noch in Prag und dann erst wieder im 20. Jahrhundert erneut zur Aufführung gebracht wurde, ein jähes Ende gesetzt worden. Auch Hoffmann trat danach als Komponist nicht mehr in Erscheinung.

 

 Die Undine an der Staatsbibliothek zu Berlin

Ein Highlight der Hoffmann-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin ist die autographe Erstniederschrift der Undine-Partitur. Dieses herausragende Stück gelangte 1847 zusammen mit dem Großteil des musikalischen Nachlasses Hoffmanns als Geschenk seiner Witwe an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV, der es der damaligen Königlichen Bibliothek – der heutigen Staatsbibliothek zu Berlin – weitergab.

Zum 200. Jahrestag der Undine haben wir ein ganz besonderes Geschenk vorbereitet. Sie finden das Musikautograph von Hoffmann seit wenigen Tagen in unseren Digitalisierten Sammlungen. So können Sie sich nun bequem online dieses außerordentliche Objekt deutscher Musikgeschichte anschauen und gemeinsam mit E.T.A. Hoffmann in die Zauberwelten der Wassergeister abtauchen:

 

 

Wenn Sie mehr über Hoffmann und die Musik sowie seine Kompositionen erfahren wollen, seien Sie gespannt auf das neue E.T.A. Hoffmann-Portal. Dort werden Sie nicht nur einige inhaltliche Beiträge zu dem Thema finden, wir werden auch nahezu das gesamte noch erhaltene musikalische Werk E.T.A. Hoffmanns präsentieren.

Unter den Gerüsten – ein Baustellenspaziergang

Ob Berlin tatsächlich dazu verdammt ist, ‚…immerfort zu werden und niemals zu sein‘ wie Karl Scheffler, der deutsche Kunstkritiker und Publizist es einmal formulierte, lassen wir hier mal dahingestellt. In einer Stadt, in der Events wie der ‚Tag der offenen Baustelle‘ und das ‚Ballett der Baukräne‘ ein in die Zehntausende gehendes Publikum finden, kann man allerdings annehmen, dass es eine gewisse Baustellenaffinität gibt. Weiterlesen

Hits von der Renaissance bis zum 20. Jh.

Ein neues Online-Portal versammelt 14.000 historische Liedflugdrucke und macht sie einem breiten Publikum zugänglich

Ein zentrales Online-Portal für 14.000 historische Lieddrucke: Das Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg (ZPKM), das Archiv des Österreichischen Volksliedwerks und die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz hat das Projekt „VD Lied – Das Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugdrucke“ abgeschlossen. Die Plattform macht erstmals ein musikalisches und kulturelles Repertoire, das sich vom 16. bis zum 20. Jahrhundert erstreckt, einem breiten Publikum zugänglich. Das Portal soll Forscherinnen und Forschern weltweit eine umfangreiche Datenbank bieten. Unter anderem ermöglicht es die Plattform, nach dem Liedanfang, aber auch nach Refrain und Melodienverweisen sowie Strophen- und Zeilenzahl zu suchen. Zusätzlich können Interessierte über eine Volltextsuche in allen im Projekt erfassten Daten recherchieren. Das Material steht nun für eine musikalische und wissenschaftliche Auseinandersetzung einer breiten Öffentlichkeit uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung.

Lange Zeit, bevor es Notendrucke und Schallplatten gab, wurden populäre Lieder durch Flugschriften verbreitet, die an Straßenecken oder auf Jahrmärkten feilgeboten wurden. Manchmal erklang eine Drehleier, eine Drehorgel oder Harfe, um auf die Medien aufmerksam zu machen und sie gewinnbringend zu verkaufen. „Die Liedinhalte umfassen die ganze Spannbreite des privaten und des öffentlichen Lebens: Sex, Crime und Action sind genauso vertreten wie politische und religiöse Lieder“, sagt Dr. Dr. Michael Fischer, Geschäftsführender Direktor des ZPKM. Die historische Bedeutung der digitalisierten Stücke erstreckt sich jedoch nicht nur auf die besungenen Inhalte, die Aufschluss über Vorstellungsweisen und Mentalitäten früherer Generationen geben, sondern auch auf die mediale Darbietung. Durch die Beigabe von Bildern und Zierleisten versuchten die Produzenten, die Lieddrucke aufzuwerten. Spätere Liedflugschriften enthalten mitunter Noten zum Mitsingen.

Bei dem nun im Internet frei zugänglichen Repertoire sind viele Drucke vertreten, die lediglich in einem einzigen Exemplar erhalten geblieben sind. „Durch die Digitalisierung dieser Bestände wird europäisches Kulturgut von der Frühen Neuzeit bis in die Moderne öffentlich zugänglich gemacht“, hebt die Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, Barbara Schneider-Kempf, hervor. Die Zusammenarbeit zwischen der Staatsbibliothek und dem damaligen Deutschen Volksliedarchiv – dem heutigen ZPKM – begann in den 1930er Jahren und wird jetzt auf einer neuen inhaltlichen und technischen Grundlage fortgeführt.

In das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt wurden zudem die Bestände aus dem Archiv des Österreichischen Volksliedwerks in Wien eingebettet. „Sie ergänzen die Berliner und Freiburger Bestände in hervorragender Weise, weil sie den süddeutschen-österreichischen Kulturraum inklusive der Kronländer der ehemaligen k.u.k. Monarchie abdecken“, erklärt Irene Egger, Geschäftsleiterin des Österreichischen Volksliedwerks.

Das von der Staatsbibliothek zu Berlin zusammen mit der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes entwickelte Portal soll weiter wachsen und steht Ergänzungen aus anderen einschlägigen Sammlungen offen. Bereits heute eröffnet die inhaltliche Erschließung der Flugdrucke den Zugang zu etwa 30.000 Liedern.

Honorarfreie Abbildungen
www.vd-lied.de
http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000E00400000005
http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000EEC600000005
http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000933500000009
http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000D6C400000005
http://archiv.onb.ac.at:1801/webclient/DeliveryManager?pid=2645691&custom_att_2=simple_viewer

Pressekontakte:
Dr. Dr. Michael Fischer
Zentrum für Populäre Kultur und Musik
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: +49 (0)761/70503-15
E-Mail: michael.fischer@zpkm.uni-freiburg.de
www.zpkm.uni-freiburg.de

Jeanette Lamble
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Tel.: +49 (0)30 266 431444
E-Mail: jeanette.jamble@sbb.spk-berlin.de
http://staatsbibliothek-berlin.de

Irene Egger
Österreichisches Volksliedwerk
Tel.: +43 (0)15 126335-14
E-Mail: irene.egger@volksliedwerk.at
www.volksliedwerk.at

Comics – Kinderkram, für Nerds oder Hochkultur?

Am 25. und 26. Juni findet in Stuttgart die erste „Comic Con Germany“ statt. In nur wenigen Stunden stürmen zahlreiche Comic-Fans das Gelände der Messe und unzählige Cosplayer werden um die Gunst des Publikums buhlen. Schon lange nicht mehr auf Kinder und Jugendliche oder eine kleine Gruppe eingeweihter Liebhaber beschränkt, haben sich Comics längst die großen Bühnen und Kinoleinwände weltweit erobert. Wir wollen erzählen, warum die Staatsbibliothek auch in ihren Sammlungen dem Ende des Labels „Kinderkram“ Rechnung trägt. Weiterlesen

EU-Kommissar Oettinger zum Gespräch über EU-Urheberrecht begrüßt

Am 20. Juni kam der EU-Kommissar für die Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, in die Staatsbibliothek zu Berlin und beriet mit Rechtsexperten des Deutschen Bibliotheksverbandes dbv e. V. und aus der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz die praktischen Auswirkungen von bestimmten Rechtslagen des EU-Urheberrechts. Derzeit werden die Regelungen dazu neu gefasst.

Informationen zur EU-Urheberrechtsreform

Stellungnahme des dbv zur EU-Urheberrechtsreform vom 15.12.2015

Michael Ende – Zeitgeist und Phantasie

Werkstattgespräch am 16. Juni 2016

Viele seiner Figuren sind weltberühmt. „Jim Knopf“, für den Michael Ende 1961, also vor genau 55 Jahren, den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt, dürfte inzwischen bereits in dritter Generation gelesen werden. Das Wissen über das Leben des Autors dagegen, der 1995 einem Krebsleiden erlag, verblasst zusehends. Insbesondere der Verquickung seiner Vita und seines Werks wurde bislang kaum je intensive Aufmerksamkeit geschenkt. Weiterlesen