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Digitale Strategien im Dialog auf der Frankfurter Buchmesse

Zukunftsperspektiven europäischer Einrichtungen der Kultur in der Diskussion

Wenn etablierte Einrichtungen der Kultur auch digital unterwegs sind, ist das wenig überraschend. Wenn die digitale Strategie aber zum entscheidenden Kern der zukünftigen Ausrichtung erklärt wird, rückt die gesamte Einrichtung und ihre zukünftige Gestalt in den Blick. Das Gebäude als reale Präsenz lebt weiter, die Einrichtung ist online sichtbar, vor allem aber spinnt sie ein Netzwerk, in dem die MitarbeiterInnen und NutzerInnen eingewoben sind,  das neue Möglichkeiten kreiert, Beteiligungen und Teilhabe ermöglicht. Die Einrichtung wird so ein Zentrum des Lernens und der Zivilisation. Die Nutzer werden zu Partnern und Mitarbeitern.

Die Umstellung ist allerdings nicht einfach: Museen, Bibliotheken, Archive und audiovisuellen Sammlungen wurden als hierarchische Institutionen eingerichtet und müssen nun lernen, in die direkte Kommunikation und den Austausch mit NutzerInnen zu gehen.

Das alles ist kein gesichertes Territorium und die notwendigen Schritte sind spannungsreich: Vier Einrichtungen sind auf dieser Reise und diskutieren den Weg dorthin: Vertreter des Rijksmuseums Amsterdam (Saskia Scheltjens), der Staatsbibliothek zu Berlin in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Reinhard Altenhöner), die Hamburger Kunsthalle (Antje Schmidt) und UNLive – das Museum für die Vereinten Nationen (Michael Edson).

Treffpunkt ist im ARTS+ Salon auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.1) am 11. Oktober um 10:30 – 12:00 Uhr

Mehr lesen unter: https://pro.europeana.eu/post/uncharted-territory

Erste Vertonung von Shakespeares „Romeo und Julia“ erworben

Die Musikabteilung konnte die sehr seltene Erstausgabe von Georg Anton Bendas Oper „Romeo und Julie“ erwerben. Damit wurde wieder einmal ein Kriegsverlust getilgt. Der sehr schöne, gut erhaltene Klavierauszug im Typendruck von 1778 ist zudem eine gelungene Ergänzung zum Autograph der späteren Mannheimer Fassung des Werks von 1784, das bei uns verwahrt wird (Signatur: Mus.ms. autogr. Benda, G. 9).

Georg Benda gilt als „markanter Repräsentant der stilistischen Wandlungen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts“ (soweit das Musiklexikon „Musik in Geschichte und Gegenwart“) und wirkte seit 1742 in Potsdam als Violinist in der Hofkapelle. 1750 war er dann Hofkapellmeister in Gotha. In seinem Œuvre sind besonders seine Melodramen im Rousseauschen Geiste der Aufklärung hervorzuheben. Hierzu zählt auch „Romeo und Julie“ – die erste Vertonung dieses Shakespeare-Stoffes überhaupt!

Das zwei Jahre vor dem Erscheinen des Klavierauszugs am 25. September 1776 in Gotha uraufgeführte melodramatische Singspiel, das der Leipziger Verleger auf dem Titelblatt als „Oper“ bezeichnet, erreichte bis ins 19. Jahrhundert beispiellose Popularität. Dazu beigetragen haben wahrscheinlich auch die für ein Singspiel auffallenden virtuos-dankbaren Solopartien. Selbst Mozart soll „Romeo und Julie“ gelobt haben. Anders als bei Shakespeare schließt das Werk mit einem Happy-End, in dem die beiden Verliebten Terzen- und Sexten-selig ihr Liebesglück besingen. Mit dem Klavierauszug von „Romeo und Julie“ ist die Staatsbibliothek um ein bedeutendes Dokument der Entwicklung des Singspiels vor Mozart reicher geworden. Die Ausgabe wird in Kürze in unserer Digitalen Bibliothek verfügbar sein.

[Text von Jean Christophe Gero]