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Wohl temperiert, aber nicht einsam

„Sind Ihre Lesesäle klimatisiert?“ ist momentan eine der häufigsten Fragen an unsere telefonische und elektronische Auskunft. Und wir können diese Frage durchaus mit „Ja“ beantworten.

Das führt dazu, dass mehr Menschen als sonst zu dieser Jahreszeit unsere beiden Standorte am Kulturforum und Unter den Linden aufsuchen, um dort zu lernen oder zu arbeiten.

Wir freuen uns über gut ausgelastete Lesesäle, haben aber auf der anderen Seite auch mit Problemen zu kämpfen, wenn sich zu viele Personen gleichzeitig in unseren Gebäuden aufhalten wollen. Beide Standorte sind jeweils nur für eine gewisse Anzahl von Personen zugelassen, um den Sicherheitsanforderungen entsprechen zu können.

 

Im Haus Unter den Linden mussten wir heute leider einige Besucher wegschicken oder auf später vertrösten. Die Glücklichen, die sich bereits einen Platz gesichert hatten, und das Haus nur für eine Pause verlassen wollten, bekamen einen „Einlasszettel“, um später auch wieder hineinzugelangen. Leserinnen und Leser, die einen festen Arbeitsplatz reserviert haben, dürfen den Eingang auch bei starker Auslastung passieren.

Sie können helfen, indem Sie

– Ihren Platz räumen, falls Sie das Gebäude länger als eine Stunde verlassen wollen. Somit haben auch Andere die Chance auf einige Stunden kühlen Arbeitens

– keine Plätze für Dritte reservieren, damit alle die gleichen Chancen bekommen

– Ihre Reservierung für ein Carrel oder einen Arbeitsplatz vorzeigen,  wenn Sie das Gebäude trotz Überfüllung betreten möchten

 

Auch der Lesesaal in der Potsdamer Straße ist zur Zeit sehr gut besucht, aber die Wahrscheinlichkeit, hier noch ein ruhiges Plätzchen zu finden, ist dennoch größer als Unter den Linden.

Kommen Sie also gerne vorbei!

Das Warten hat bald ein Ende – nur noch wenige Einschränkungen

In den vergangenen Monaten mussten wir Sie wiederholt um viel Geduld und Verständnis für umfangreiche technisch bedingte Einschränkungen hinsichtlich der Bestell- und Entleihbarkeit größerer Teile des modernen Bestandes bitten.
Der größte Teil dessen konnte inzwischen wieder freigegeben werden.

Ganz aktuell bleibt nun noch bis etwa Ende Juli der Zeitschriftenbestand (Zsn 1 ff.) der Jahrgänge 2011 – 2016/17 unzugänglich. Sollten Sie Literatur aus diesem Bestandssegment benötigen, so bitten wir Sie, hierfür die Möglichkeiten der Fernleihe -in diesen Fällen kostenfrei- zu nutzen.

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals für die in Folge der Einschränkungen entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen und Ihnen recht herzlich für Ihre Geduld danken.

Wie bereits angekündigt, haben wir zur Kompensation der Einschränkungen nunmehr eine weitere kostenfreie Gültigkeitsverlängerung aller derzeit gültigen Jahresausweise um einen Monat vorgenommen.
Zugleich bleiben noch bis Ende Juli die Monatskarten kostenfrei.

Wenn Sie also schon immer mal eine Kommilitonin oder einen Kommilitonen, eine Kollegin oder einen Kollegen mit in die StaBi nehmen wollten, um ihr oder ihm zu zeigen, wo Sie mitunter viele Stunden des Tages verbringen, so nutzen Sie jetzt die Möglichkeit der kostenfreien Anmeldung für einen Monat.

Wir freuen uns auf Sie.

Sie haben jetzt das Nachsehen – unser Podiumsgespräch zum kreativen Potential von Bibliothekslesesälen nun auch auf Video

Autoren schreiben keine Bücher: nein, sie schreiben Texte, die zu gedruckten Objekten werden. Mit dieser pointierten Kurzformel sensibilisiert der französische Buchhistoriker Roger Chartier dafür, dass Texte erst in Druckereien, Verlagen, Buchhandlungen und gleichermaßen an der Ladenkasse sowie in Feuilleton und Lesesessel zu Büchern gemacht werden. Doch sind nicht auch wissenschaftliche ebenso wie literarische Texte – ganz im Sinne der critique génétique – das Produkt sozialer Beziehungssysteme?

Dieser Frage, die letztlich auf die Dekonstruktion des romantischen Geniekults und zumindest auf die Relativierung der Vorstellung vom schöpferischen Individuum zielt, ging am vergangenen Dienstag ein prominent besetztes Podium nach. Auf diesem nahmen neben Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin und Moderatorin des Gesprächs, die folgenden Gäste aus Wissenschaft, Literaturbetrieb und Berliner Gründerszene Platz:

  • Anke te Heesen
    (Professorin für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin)
  • Martina Löw
    (Professorin für Planungs- und Architektursoziologie an der Technischen Universität Berlin)
  • Judith Schalansky
    (Freie Schriftstellerin und Buchgestalterin)
  • Lea Schneider
    (Lyrikerin, Übersetzerin und Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13)
  • Tobias Kremkau
    (Coworking Manager des St. Oberholz in Berlin und Mitgründer des Instituts für Neue Arbeit)
  • Stephan Porombka
    (Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der Universität der Künste Berlin)

Strukturiert wurde das gemeinsame öffentliche Nachdenken von der Leitthese, Bibliothekslesesäle seien gerade aufgrund ihrer charakteristischen Gleichzeitigkeit von Konzentration und Austausch Räume der Kreativität und gewissermaßen Coworking Spaces avant la lettre. Dabei kamen die disziplinierenden Effekte des Schreibens in Gemeinschaft und durchaus auch in Konkurrenz zu den übrigen Anwesenden ebenso zur Sprache wie die schöpferischen Impulse aus bloßem Zufall gepflückter Lesefrüchte. Sind Lesesäle ausschließlich Räume textueller bzw. buchbezogener Kreativität? Oder können sie auch künstlerische Schaffensprozesse stimulieren?

Als Schutzpatron schwebte jedenfalls von den ersten Minuten an Michel Foucault über der Diskussion – und dies keineswegs nur mit Blick auf die angesprochenen Aspekte von Disziplinierung und Selbstregulierung. Denn einig war sich das gesamte Podium in der Einschätzung, dass Bibliothekslesesälen oder anderen nichtkommerzialisierten, mit kulturellen Bedeutungsgehalten aufgeladenen und insofern inspirierenden gesellschaftlichen Gegenräumen – Michel Foucault spricht in diesem Zusammenhang von “Heterotopien” bzw. “lokalisierten Utopien” – auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung eine große Zukunft beschieden ist.

Bereits in naher Zukunft – dies sei Ihnen mit Freude beschieden – wird ein Videomitschnitt des Gesprächsabends auf unserem Youtube-Kanal veröffentlicht. Ganz gleich, ob Sie sich die Aufzeichnung im Lesesaal oder im Coworking Space, alleine oder in Gesellschaft ansehen: Wir wünschen anregende Unterhaltung!

Um Ihnen bis dahin die Wartezeit etwas zu verkürzen, möchten wir Ihnen zum Schluss noch einige Ap­pe­tit­häp­pchen bzw. Gus­to­stü­ckerl servieren – in Form von O-Tönen, die wir in Hans Scharouns Leselandschaft, dem ikonischen Lesesaal unseres Hauses Potsdamer Straße, für Sie erlauscht haben:

 

„Vor dem Hintergrund meiner zwei liebsten Vorbilder stelle ich mir mit einiger Verzweiflung die Frage – und sitze dabei als winziger Mensch in der Stabi zwischen Hunderten, die in ihren Laptops und Büchern vergraben tätig sind und anscheinend schon irgendeinen Leitfaden für ihre Arbeit gefunden haben, und raufe mir die Haare, was nur sieht, wer aufschaut – wie, frage ich mich, bringt man um alle Welt den Eifer auf, wirklich gut zu schreiben? Und wie verwandelt man ihn in die Praxis?“ (Ann Cotten)

 

„Meine letzten beiden Bücher sind zum größten Teil in der Berliner Staatsbibliothek am Potsdamer Platz entstanden. So ist mir diese Bibliothek zu einem fast mystischen Ort geworden, jenem nämlich, wo schon zweimal etwas Großes, Schweres gelungen ist. […]

Inzwischen halte ich öffentliche Bibliotheken für den perfekten, den logischen und naturgemäßen Arbeitsplatz für Schriftsteller. […]

Ich liebe die Stabi, mit geringeren Worten kann ich es nicht sagen. Sie ist mein Ruhe- und mein Kraftzentrum, die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Konzentration, aus Unpersönlichkeit und Geborgenheit, aus Lust, Sucht und Qual.“ (Eva Menasse)

 

„Undenkbar, dass ich ohne diesen Ort auch nur eines meiner Bücher geschrieben hätte. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich mich nicht hierher begebe.“ […]

Manchmal schiele ich auf den Nachbartisch, lese die abenteuerlich anmutenden Arbeitstitel der im Entstehen begriffenen Forschung und ertappe mich dabei zu überlegen, wer das alles lesen soll. Doch […] dann […] weiß ich wieder, dass das letztendlich gar nicht so wichtig ist. Die Hauptsache ist, dass wir weitermachen. Hier, in der Staatsbibliothek.“ (Judith Schalansky)

 

„Morgens fahre ich zum Arbeiten meist in die Staatsbibliothek, weil ich mich dort besser konzentrieren kann als zu Hause, da schmiere ich mir nur immer zu viele Brote zwischen dem Schreiben oder wasche Wäsche. […]

„Verena sagt, es gibt viele von uns hier, Schriftstellerinnen.“ (Stefanie de Velasco, in: Zitty 2017/33, S. 78)